Auschwitz, Konzentrationslage, KZ, Antisemitismus, Geschichte, Nationalsozialismus

Bundeszentrale

Gedenkstätten müssen sich auf Einwanderer einstellen

Gedenkstätten in Deutschland müssen sich nach Überzeugung des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung auf unterschiedliche Perspektiven einlassen. Einwanderer brächten eigene Erfahrungen mit, die nicht ausgeblendet werden dürften.

Von Lukas Philippi Dienstag, 15.08.2017, 4:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 15.08.2017, 17:26 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sieht die Arbeit der Gedenkstätten in Deutschland an einem Wendepunkt. In Zeiten verstärkter Einwanderung und einer pluraler werdenden Gesellschaft müssten „unterschiedliche Perspektiven und Geschichten zugelassen werden“, sagte Krüger in Berlin dem Evangelischen Pressedienst. Dies gelte gerade für die Gedenkstätten, die an das NS-Regime und die SED-Diktatur erinnerten.

Für Ausstellungsmacher in den Gedenkstätten sei es eine große Herausforderung, wenn mit dem zeitlichen Abstand den Besuchern zunehmend die biografischen Bezüge fehlten. Gleichzeitig brächten viele Einwanderer aus ihren Heimatländern eigene Diktaturerfahrungen mit. Ihre persönliche Geschichte könnten Einwanderer „nicht einfach ausblenden, um sich allein der deutschen Erinnerungskultur zu stellen“.

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Die Bundeszentrale für politische Bildung fördere deshalb zurzeit Gedenkstätten, die mit Migranten und Geflüchteten Modellprojekte erarbeiten, führte Krüger aus. „Im Prinzip geht die Entwicklung dahin, dass man nicht gesonderte Programme für Migranten anbietet, sondern der Besuchende, egal mit welchem Background, mit seinen Fragen und Vorwissen im Vordergrund steht.“

Gedenkstätten müssen verschiedene Perspektiven anbieten

Entscheidend sei bei der Gedenkstättenarbeit nicht, „Geschichte aus einem bestimmten Blickwinkel zu erzählen, sondern verschiedene Perspektiven anzubieten.“ „Das wäre eine Investition in eine demokratische Gesellschaft“, betonte Krüger.

„Was wir nicht gebrauchen können, ist eine staatlich verordnete Geschichtspolitik, die eine einzige Deutung für wahr erklärt“, fügte der Präsident der Bundeszentrale hinzu. „Demokratische Gesellschaften müssen die Größe haben, unterschiedliche Blicke auf die Geschichte zuzulassen.“ Krüger sprach von einer notwendigen „Investition in eine demokratische Gesellschaft“. Kritische Kompetenz im Umgang mit Geschichte müsse gefördert werden. (epd/mig)

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