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Nebenan

Anschlag auf Borussia Dortmund ist ein Symptom

Der giergesteuerte Anschlag auf Borussia Dortmund ist ein Symptom dafür, dass die Barbarei zunimmt. Und diese Barbarei kommt nicht aus Afrika oder Syrien. Von Sven Bensmann

Von Dienstag, 25.04.2017, 4:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 25.04.2017, 18:03 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Firnis der Zivilisation – eine Fromme Metapher, die viel zu wenig Würdigung erfährt – sie blättert. Die westliche Welt, vom Hindukusch bis nach Anchorage, schreibt längst keine Geschichte eines zivilisatorischen Fortschritts mehr. Ihre technische Progression wird konterkariert von einem inneren Verfall.

Fast zwei Jahrzehnte eines, so die offizielle Geschichtsschreibung, Religionskriegs, der uns von radikalen Muslimen im Mittleren Osten und radikalen Christen im Mittleren Westen aufgezwungen wurde, haben ihre Spuren hinterlassen. Gewalt und Hass sind legitime Instrumente der Vermittlung geworden, zumindest für Teile der Gesellschaft.

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Denn wo sich die Zivilisation in der Nachbarschaft von Nationalisten, Rassisten und ideologisierten Mördern wiederfindet, verwildert sie. Wo das Vokabular von Krieg die Nachrichten prägt, sickert dieser Krieg in den Frieden ein: Heute gibt es volljährige Menschen, die keine Zeit mehr kennen, in der die Nachrichten nicht von einem „Clash of Cultures“ berichten, der mit Bomben und Sturmgewehren geführt wird – sei es der eigene oder ein fremder Narrativ.

Eine Folge haben wir kürzlich erleben können: Wir haben einen Mann hervorgebracht, der aus reiner Habgier Bomben baut und zündet, etwas, das bisher Firmen und Nationen vorbehalten war – selbst Kritiker von Banken, die alte Damen aus ihren Häusern klagen über ausstehende Gebühren von weniger als einem einzigen Dollar, müssen das als weitere Eskalation sehen.

Und hier drängt sich zwar eine dezidierte Kapitalismuskritik auf – doch der Kapitalismus ist nicht neu. Neu ist, dass er Moral und Ethik nicht mehr unter- sondern übergeordnet wird, dass nicht mehr die Frage gestellt wird, wie der Kapitalismus zu regulieren ist, um die Gesellschaft zu Frieden zu stellen, sondern wie die Gesellschaft zu ändern ist, um dem Kapitalismus zu genügen. Warren Buffetts Kriegserklärung trifft daher genau ins Schwarze. Das geringe Echo, dass diese Erklärung erfahren hat, weist auf den Zustand des Diskurses hin.

Dieser Krieg der Reichen gegen die Armen, von dem Buffett redete, gipfelt in dem Begriff der „marktkonformen Demokratie“: von einem gesellschaftskonformen Markt wird schon lang nicht mehr gesprochen. Und der Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB mag nun als singuläres Ereignis gesehen werden, dennoch ist er ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass die Barbarei zunimmt – und diese Barbarei kommt zu uns sicher nicht aus Afrika oder aus Syrien, sie ist schon lange hier: das 500jährige Jubiläum ihrer Quelle wird gerade deutschlandweit gefeiert.

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