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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

Gelichter

Panic Manifesto

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es ist Zeit für einen kleinen Rück- bzw. Ausblick - Nostradamus und Hollywood lassen grüßen. Letztere liegen zumindest mit kurzfristigen Vorhersagen oft korrekt. Dort werden seit einigen Jahren wieder "Planet der Affen"-Filme gedreht.

Von Dienstag, 20.12.2016, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 20.12.2016, 17:37 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Wenn sich das Jahr dem Ende zuwendet, ist es Tradition, dass man sich noch einmal die Höhe- und Tiefpunkte des Jahres in einem Rückblick zuwendet. Natürlich nur denen, derer man sich erinnern will – also kein Wort von brennenden Turnhallen, keine Waffenlieferungen an Kriegstreiber, keine schmutzigen Deals mit Autokraten, und vor allem natürlich nichts von Kirchen und Kulturschaffenden, die sich dagegen wehren, von Populisten für deren Idee einer Kultur des rassisch gesäuberten Abendlandes vereinnahmt zu werden.

Was aber tut man, wenn sich das Abendland selbst seinem Ende zuwendet? Die Zeichen sind ja da. Die Bibel, die Maya (ja, vier Jahre daneben, aber das ist immer noch verdammt nah dran), selbst Nostradamus haben es vorhergesehen. Johannes beschreibt in seinen Offenbarungen, wie sich immer montags im Dunkeln die geistlosen Schatten versammeln, um alles hinwegzufegen, was noch menschlich ist, auf dass Gott, wenn sicher der rote Affe über die neue Welt erhebt, Feuer vom Himmel sende, sie zu vernichten.

Bei Nostradamus heißt es wörtlich übersetzt: „72 Jahre nachdem der Schnurrbart ins Reich der Toten wanderte, werden seine Nachfahren erneut Tod und Verzweiflung sähen, auf dass Sie in einem Meer aus Tod und Verzweiflung versinken werden. Und mit Ihnen sollen alle Zweibeiner auf der Erde und im Himmel versinken.“ Und Hollywood, die zumindest mit kurzfristigen Vorhersagen oft genug korrekt lagen? Dort werden seit einigen Jahren wieder „Planet der Affen“-Filme gedreht. Immer wieder klare Prophezeiungen, die auf Pegida verweisen und das Ende der Welt ankündigen.

Tja, das Abendland. Es hatte klar erkennbar Höhepunkte und Tiefpunkte. Tiefpunkte unfassbar großen Ausmaßes, wie der Holocaust, die Inquisition oder die Kreuzzüge (komisch, wie’s da immer wieder um Juden ging, dabei ist das Abendland doch „jüdisch-christlich). Und viele kleine Tiefpunkte, die doch unfassbare Abgründe in den Menschen sichtbar machten, wie die Gleichgültigkeit angesichts der angeschwemmten Kadaver längst all ihrer Menschlichkeit beraubter Flüchtlinge an europäischen Urlaubsstränden.

Angesichts eines unmittelbar bevorstehenden Trumps apokalyptischen Ausmaßes ist es heute also bloß noch fraglich, ob der schleichende Niedergang der westlichen Welt, der sich unter anderem im totalen Versagen angesichts der „Situation“ in Syrien und im Nordirak klar abzeichnet, oder ob The Donald und sein roter Knopf – schließlich sind „Atomraketen ja völlig nutzlos, wenn man sie nicht auch einsetzt“- letztendlich verantwortlich sein werden.

Aber trösten wir uns: Solange das wichtigste Fest derjenigen Religion die angeblich unsere Kultur konstituiert sich darin erschöpft, einander Dinge zu schenken, die wir nicht brauchen, sind in dreißig Jahren eh alle Ressourcen aufgebraucht und nicht nur das Abendland ist erledigt – eine Erkenntnis, die übrigens bereits in der Aufklärung gährte: Die menschliche Kultur ist eine Geschichte steten Niedergangs.

Nur, wie soll man sich täglich solchen Vernichtungsfantasien aussetzen und trotzdem bei gesundem Verstand bleiben? „Besorgte Bürger“ tun das. Also das sich den Fantasien aussetzen, nicht das bei gesundem Verstand bleiben.

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