Pro Asyl

Zeltstädte und Massenlager keine Lösung

Angesichts gewaltsamer Konflikte fordert Pro Asyl ein Ende der Unterbringung von Asylbewerbern in Sammelunterkünften. Besser wäre eine dezentrale Unterbringung und mehr Rücksicht auf die unterschiedlichen Hintergründe der Flüchtlinge.

Von Philipp Beng Mittwoch, 05.08.2015, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 06.08.2015, 17:03 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Flüchtlingsorganisation „Pro Asyl“ fordert ein Ende der Unterbringung von Asylbewerbern in großen Sammelunterkünften. Angesichts der jüngsten gewaltsamen Konflikte unter Bewohnern kritisierte der Verein die Zustände in diesen Asylbewerberheimen. „Wir müssen von diesen Notunterkünften ganz schnell weg“, sagte die rechtspolitische Sprecherin von „Pro Asyl“, Marei Pelzer, dem Evangelischen Pressedienst. „Zeltstädte sollten nicht der Standard für die Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland sein.“

In der Dresdner Zeltstadt lebten über tausend Menschen dicht gedrängt, sagte Pelzer. Zudem gebe es lange Schlangen an den Essensständen und nur provisorische sanitäre Anlagen.

___STEADY_PAYWALL___

Am Samstag war es zu einer Schlägerei gekommen, bei der etwa 100 Bewohner der Zeltstadt mit Gegenständen aufeinander losgegangen waren. Acht Personen wurden dabei verletzt. „Wenn so viele Menschen unter solch prekären Umständen zusammenleben, dann ist es nur natürlich, dass dort auch Konflikte entstehen“, sagte Pelzer. Auch in der Erstaufnahmestelle Suhl in Thüringen war es am Samstag zu Auseinandersetzungen gekommen.

Pelzer kritisierte, dass bei der Unterbringung kaum Rücksicht auf die unterschiedlichen Hintergründe der Flüchtlinge genommen werde. Konservative und liberale Menschen, Alleinstehende und Familien mit Kindern seien gezwungen, sich kleinste Räume zu teilen. „Das sind Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen.“

Pelzer strebt eine zügige und dezentrale Unterbringung an: Asylbewerber sollten schnell aus Erstaufnahmeeinrichtungen herauskommen und in Privatwohnungen ziehen können. „Massenlager“ wie in Dresden seien für die Betroffenen unzumutbar. „Ein großer Anteil der Flüchtlinge ist vom Krieg traumatisiert“, erinnerte Pelzer. „Etwa Syrer brauchen Rückzugsorte, um zur Ruhe zu kommen.“

Klar sei, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf absehbare Zeit nicht zurückgehen werde. Darauf müsse sich Deutschland einstellen. „Der Bund ist gefordert, sehr viel stärker als bisher zugesagt finanziell an der Aufnahme von Flüchtlingen mitzuwirken“, sagte Pelzer. Ihre Kritik richte sich aber „an alle Ebenen“, auch an Länder und Kommunen: „Wir hoffen, dass die staatlichen Stellen endlich ihre Hausaufgaben machen.“ Versäumnisse, etwa beim sozialen Wohnungsbau, müssten nachgeholt werden. „Aber auch kurzfristig müssen die politisch Verantwortlichen für eine angemessene Unterbringung der Flüchtlinge sorgen.“ (epd/mig)

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Matthias sagt:

    Vom Grundsatz richtig! Dezentrale Unterbringung ist eine konfliktfreiere Lösung, die allen Seiten nur Vorteile bringt.

    Und natürlich muss der Bund sich deutlichst mehr an der Finanzierung beteiligen. Länder wie NRW lassen Ihre Kommunen im Stich. Die derzeitige Beteiligung des Landes an den Unterbringungskosten für Flüchtlinge sind mit 21 % (vom Land) derart marginal, dass die Kommunen unter der finanziellen Last nicht mehr handlungsfähig sind.

    Aber im Ergebnis bringt der Appell von Pro Asyl zur dezentralen Unterbrinung nichts, der Wohnraum dafür fehlt. Sozialer Wohnungsbau wäre ja eine Lösung gewesen, wenn es dafür auch eine Finanzausstattung der Kommunen gibt. Aber die Landesregierung macht genau das Gegenteil. Sie lässt sich ihre Aufgaben durch die Kommunalhaushalte finanzieren und zwängt die Kommunen im Gegenzug in einen Stärkungspakt, der finanzielle Spielräume – wie z.B. sozialer Wohungsbau durch Kommunen – komplett einschränkt.