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Moscheekuppel © Islamwoche Berlin

Debatte

Selbstbewusste europäische Muslime statt österreichisch geprägter Islam

Das österreichische Islamgesetz schlägt auch in Deutschland hohe Wellen. Vor allem an der Finanzierung von Moscheegemeinden aus dem Ausland ist die Diskussion entbrannt. Doch nicht nur an diesem Punkt hinkt die Vorlage aus Österreich und ist ganz und gar nicht nachahmenswert. Von Prof. Mohammed Khallouk

Von Dienstag, 03.03.2015, 8:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 15.09.2015, 19:44 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Bereits seit 1912 ist der Islam in Österreich offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Trotzdem sah die Regierung der Alpenrepublik es nun als notwendig an, ein Gesetz zu erlassen, das einen Islam spezifisch „österreichischer Prägung“ entwickeln soll. Dass Muslime in Krankenhäusern und Altenheimen ihrem Glauben gemäße Ernährung erhalten, Verstorbene nach ihren islamischen Ritualen beerdigen und an islamischen Feiertagen vom Arbeitsplatz fern bleiben können, sollte nach so langer Zeit eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn die Mehrheitsgesellschaft diese Ansprüche nicht von sich aus einzulösen bereit ist, vermag ein gesetzlicher Zwang hierbei durchaus nachhelfen. Imame, die in Österreich ausgebildet sind, und auf Deutsch predigen, lassen sich jedoch nur durch eine entsprechende Infrastruktur erreichen.

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Das Versprechen eines neu einzurichtenden Lehrstuhls für die Imamausbildung an der Wiener Hochschule kommt eigentlich viel zu spät, denn im benachbarten Deutschland existieren immerhin fünf Zentren für islamische Theologie bereits, an denen u.a. auch Imame ausgebildet werden. Hierfür eine Nachfrage zu sichern, lässt sich auf keinen Fall mit dem Predigtverbot für vom Ausland finanzierte Imame und dem Zwang zur deutschsprachigen Predigt erreichen.

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Diese, im Kern dem Geleichbehandlungsgrundsatz der Religionen entgegenstehende Forderung stärkt vielmehr den Verdacht, mit dem „Islam österreichischer Prägung“ einen von der Mehrheitsgesellschaft angenehm empfundenen Staatsislam kreieren zu versuchen. Entlarvend erscheinen vor allem die Gesetzespassagen, wonach die Muslime sich zu „österreichischen Werten“ bekennen sollen und Staatsgesetz Vorrang vor religiösem (gemeint ist islamischem) Gesetz einzuräumen sei. Den Muslimen, die staatsrechtlich bereits seit über einem Jahrhundert Teil Österreichs sind, wird damit indirekt suggeriert, aufgrund ihrer Religion bis in die Gegenwart de fakto nicht zur österreichischen Gesellschaft hinzuzugehören.

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Mag es in Österreich wie in Deutschland nach wie vor an der Tagesordnung sein, dass Islamverbände Finanzmittel von außen beziehen und Gemeinden von Imamen betreuen lassen, die im Ausland ausgebildet und der deutschen Sprache kaum mächtig sind. Die Ursache hierfür ist jedoch keinesfalls in einer Gesetzeslücke zu suchen, sondern in der mangelnden Bereitschaft der Öffentlichkeit, Gemeinden und Verbänden die Ressourcen zuzugestehen, aus eigenen Mitteln gesellschaftlich aktiv zu werden. Ohne die regelmäßigen Einnahmen aus der Kirchensteuer könnten weder katholische noch evangelische Kirchen ihre Pastoren und Priester unterhalten. Die zahlreichen karitativen Dienste im Sinne der Allgemeinheit wären ohne permanente staatliche Zuwendungen unvorstellbar.

Islamgesetze wie in jenes Österreich ignorieren vielmehr, dass zahlreiche muslimische Gemeinden trotz des Fehlens staatlicher Zuschüsse bereits gegenwärtig unzählige Gesellschaftsleistungen erbringen, die den kirchlichen Diensten allenfalls an Quantität, nicht aber an Qualität nachstehen. In dem Maße wie ein entsprechender Lehrstuhl existiert und eine deutschsprachige Imamausbildung in ausreichendem Umfang vorhanden ist, werden die Gemeinden deshalb aus eigenem Antrieb heraus hierzulande ausgebildete Imame „Importen“ vorziehen.

Wer zu demonstrieren beabsichtigt, dass der Islam und die Muslime keine Immigrantengemeinde, sondern gleichberechtigte europäische Bürger sind, darf keine nur auf Muslime bezogenen Sondergesetze erlassen, sondern muss dafür sorgen, Bedingungen herzustellen, die es ermöglichen, den Islam in vorgeschriebener Weise und zugleich konform mit europäischen Werten zu praktizieren. Dabei mag zwar kein spezifisch „österreichisch geprägter Islam“ entstehen, wohl aber europäische Muslime, die sich in deutscher Sprache selbstbewusst am politischen Diskurs beteiligen und durch ein bürgerschaftliches Engagement auszeichnen, das mit jeglichen Gemeinschaftsinitiativen aus der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft sich als ebenbürtig erweist.

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