Sezene aus dem neuen Film von Fatih Akın "The Cut" © Pandora Film Verleih
Sezene aus dem neuen Film von Fatih Akın "The Cut" © Pandora Film Verleih

Kurz vorgestellt

Filme zu Flucht und Migration auf der 65. Berlinale

Die 65. Berlinale ist angelaufen - auch mit vielen interessanten Filmen zu Flucht und Migration, darunter auch "The Cut" von Fatih Akin. MiGAZIN hat die Filme zusammengestellt.

Freitag, 06.02.2015, 8:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 13.02.2015, 11:31 Uhr Lesedauer: 10 Minuten  |   Drucken

Schweiz 2014, 43 Min, Englisch, Rumänisch

REGIE: Nicolas Cilins

DARSTELLER: Adi, Florin

Gineva
Adi and Florin, zwei junge Männer aus Rumänien, tanzen vor einem Blue-Screen. Als der Tanz zu Ende ist, wenden sie sich direkt an die Kamera und danken all jenen, die ihnen halfen, die letzten Wochen in Genf zu überleben. Sie sind vor einiger Zeit dorthin gekommen, da in ihrem Heimatland extreme Armut herrscht, und bitten ihre imaginären Zuschauer nun um Hilfe und Unterstützung. In kurzen Rollenspielen stellen sie Szenen aus ihrem Alltag in Rumänien und Genf nach, manchmal überspitzt und albern, dann wieder aufrichtig und voller Emotionen. Sie erinnern sich an den Abschied von ihren Familien in Rumänien und simulieren einige ihrer Erfahrungen als Callboys in Genf. Sie suchen im Internet ihre Lieblingslieder heraus, um sie den beiden Kameramännern am Set zu zeigen und sprechen von finanziellen und anderen Sorgen.

„2014 hörte ich von einer Bar in Genf, die von Männern besucht wird, die junge rumänische Callboys treffen wollen. Als ich dort zum ersten Mal hinein ging, herrschte eine seltsame Stimmung, die mich stutzig machte. Der Laden war fast völlig leer. Nur an der Bar standen zwei ältere Männer, die zu einer Gruppe junger Rumänen herüber schauten. Von Außen betrachtet bot die Bar eine passende Tarnung für das, was drinnen wirklich vorging. Mir war zuerst nicht recht klar, wie die Transaktionen zwischen potentiellen Kunden und den Roma-Jungs abliefen. An diesem Ort traf ich Adi und Florin. Ich fragte sie, ob sie in meinem Film mitspielen wollten, an dem ich gerade arbeitete. Wir besprachen dann vage, dass unter Umständen eine Bezahlung für sie dabei herausspringen könnte und schließlich kamen sie mit. Der Dreh sollte in einem improvisierten, rudimentären Filmstudio stattfinden, das in der Genfer Kunsthochschule eingerichtet war.“ (Nicolas Cilins)

Deutschland/Frankreich/Italien 2014, 138 Min, Englisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch

REGIE: Fatih Akin

DARSTELLER: Tahar Rahim, Hindi Zahra, Simon Abkarian

The Cut
Mardin, 1915: Eines Nachts treibt die türkische Gendarmerie alle armenischen Männer zusammen. Auch der junge Schmied Nazaret Manoogian (Tahar Rahim) wird von seiner Familie getrennt. Nachdem es ihm gelingt, den Horror des Völkermordes zu überleben, erreicht ihn Jahre später die Nachricht, dass auch seine Zwillingstöchter am Leben sind. Besessen von dem Gedanken, sie wiederzufinden, folgt er ihren Spuren. Sie führen ihn von den Wüsten Mesopotamiens über Havanna bis in die kargen, einsamen Prärien North Dakotas. Auf seiner Odyssee begegnet er den unterschiedlichsten Menschen: engelsgleichen und gütigen Charakteren, aber auch dem Teufel in Menschengestalt. Mit THE CUT vollendet Fatih Akin seine Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“.

Palästinensische Gebiete 2015, 93 Min, Arabisch, Hebräisch, Englisch

REGIE: Muayad Alayan

DARSTELLER: Sami Metwasi, Maya Abu Alhayyat, Riyad Sliman, Ramzi Maqdisi, Kamel Elbasha, Hussein Nakhleh, Valantina Abu Oqsa, Mustafa Abu Hanood, Nicola Zreineh, Mohammad Othman

Al-Hob wa Al-Sariqa wa Mashakel Ukhra | Love, Theft and Other Entanglements
Tagedieb, heimlicher Liebhaber, Kleinkrimineller – Mousa hat viele Qualitäten. Der im Flüchtlingscamp lebende Palästinenser pfeift auf die von seinem Vater mühsam erworbene Erlaubnis, legal im israelischen Teil Jerusalems zu arbeiten und verdient sich sein Geld lieber mit dem Stehlen israelischer Autos, die er an palästinensische Hehler verkauft. Seine Zukunft sieht er fernab vom von Gewalt und Verboten geprägten Alltag in der geteilten Stadt, sein Herz gehört einer verheirateten Frau. Als Mousa nach dem Diebstahl eines Passats von palästinensischen Milizen brutal in die Mangel genommen wird, und sich danach das Auto genauer anguckt, macht er eine brisante Entdeckung. Durch sie wird der Mann, der sich eigentlich aus der Politik heraushalten will, plötzlich für alle Seiten interessant … Muayad Alayans erster Spielfilm erzählt die Geschichte eines Tunichtguts, den die Umstände zum Handeln zwingen, in leichten, anmutigen Schwarz-Weiß-Bildern, die nicht nur angesichts des ernsten Settings begeistern. Unterstützt wird die palästinensische Hommage an die Nouvelle Vague von einem starken, jazzorientierten Score.

USA 2014, 52 Min, Englisch

REGIE: Julie Cohen

The Sturgeon Queens
The Sturgeon Queen folgt der Geschichte von vier Generationen einer jüdischen Migrantenfamilie, die das berühmte Lachs- und Heringsgeschäft Russ & Daughters an der Lower East Side gründete und noch heute, einhundert Jahre später, das Geschäft besitzt und führt. Im Zentrum des Films steht ein ergreifendes, temperamentvolles, oft urkomisches Interview mit zweien der Töchter, nach denen das Geschäft benannt ist, Hattie Russ Gold und Anne Russ Federman, die 1913 bzw. 1920 geboren wurden. Ihr Vater, ein armer Immigrant aus Österreich-Ungarn, fing in New York an, von einer Schubkarre aus Heringe zu verkaufen und verdiente damit schließlich genug Geld, um sich einen kleinen Laden leisten zu können. Der Dokumentarfilm zeigt, wie dieser zielstrebige, manchmal schwierige Mann, der in einem jüdischen Ghetto in Osteuropa geboren wurde, sich und seine Familie in Amerika zum Erfolg drängte. Der Film enthält auch Interviews mit den zwei jüngeren Generationen, die das Geschäft seit den 1970ern führen, und deren Laufbahn die permanente Spannung zwischen Assimilation und dem Erhalt einer starken jüdischen Identität veranschaulicht.

Schweiz/Deutschland/Irak/Vereinigte Arabische Emirate 2014, 163 Min, Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch

REGIE: Samir

Iraqi Odyssey
Die Schicksale der Mitglieder von Samirs irakischer Familie, Hauptakteure einer wahrhaften Odyssee und in der Diaspora lebend, geben die Möglichkeit, sich jenseits aller Klischees mit der Geschichte der arabischen Welt und dem Irak zu befassen. Der Regisseur stellt Vertreter mehrerer Generationen eines säkularisierten, auch religiösen aber immer fortschrittlichen Bürgertums vor und zeigt uns ein arabisches Universum, das mittlerweile vergessen scheint. Wir erleben die ottomanische Ära, die Jahre des britischen Völkerbund-Mandats, die Hoffnungen auf Unabhängigkeit, die Machtübernahme der Baath-Partei und die Radikalisierung unter Saddam Hussein sowie die Mitverantwortung des Westens für den Zusammenbruch weiter Teile dieser Welt. Samirs Verwandte sind überall auf der Welt zerstreut. Die Sehnsucht nach der Heimat ist stark. Samirs Vater, der in den Irak zurückwollte, kam während des Irak-Iran-Krieges ums Leben. Der Regisseur hat seine zwiespältige Heimat in der Schweiz, wo er aufwuchs, kritisch schätzen gelernt, als Beispiel eines irgendwie toleranten Miteinanders sehr unterschiedlicher Menschen und Kulturen.

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