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Das neue Deutschland

Eine germanische antisemitismusfreie Zone

Diese Nachricht dürfte alle Juden weltweit freuen: Es gibt keine deutschen Antisemiten mehr in Deutschland, im Gegenteil - dort gibt es nur noch Philosemiten. Oder doch nicht? Abraham Goldstein kommentiert:

Von Mittwoch, 26.11.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 18.05.2015, 17:08 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Seit den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 durch Osama bin Ladens Al-Quaida steht etwas anderes auf dem Speiseplan: die Muslime. Alle Aufmerksamkeit wird seither medial auf den Islam und respektive die Muslime gelenkt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über Terrorismus, Islamismus, islamische Sekten und den einfachen namenlosen Muslim berichtet wird, der irgendwo in Deutschland zwischen uns lebt. Kommt es zu verbalen oder tätlichen Angriffen auf Juden, sind mutmaßliche Muslime die Täter. Diese in Deutschland zu orten, ist nicht weiter schwer, schließlich findet sich immer der ein oder andere palästinensische Flüchtling, der meint Gründe genug zu haben, um sich an Juden stellvertretend für Israel zu rächen, egal wie unsinnig dies erscheinen mag.

Erstaunlicherweise sind neben der Auflösung des „germanischen“ Antisemiten auch fast zeitgleich die mehrere tausend Menschen umfassenden antisemitischen Neonazihorden verschwunden beziehungsweise zu ehrbaren Mitbürgern aufgestiegen, die sich jetzt mit prägnant-intellektuellen Rufen wie „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ im angeblichen Kampf gegen ein paar hundert trickreiche bärtige Salafisten erfolgreich in die gesellschaftliche Mitte bewegen. Auf fundamentalchristlich-neonazistischen Hass-Portalen wie dem wiederauferstandenen „Kreuz.net“ oder „PI-News“ sowie auf extra aufgesetzten Facebook-Seiten werden die Neonazis und Hooligans als gewaltlose Demonstranten beschrieben, die nur die Liebe zu ihrem Vaterland aus Sorge einer „Islamisierung“ auf die Straße trieb – und wo eindeutige Bilder von Gewalt zu sehen sind, waren die Täter demnach angebliche „Agents Provocateurs“ oder verkleidete Muslime mit Glatzen. Der einfältigen Fantasie sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt, der dümmlichen Überzeugungstexte („Ich war dabei, es war alles ganz anders!“ oder „Der die Bierflasche geworfen hat, war ein Musel!“) sowieso nicht.

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Deutschland ist also frei von einheimischem Antisemitismus – und hat nur noch einen „importierten“, den man aber nach den ausgeleierten NPD-Vorschlägen zum Beispiel durch Ausweisung loswerden könne. Laut einer aktuellen Studie beziehungsweise eines Zwischenberichts des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universiät Bielefeld und der Stiftung Mercator gaben 4.8 % der Befragten an, sie seien der Meinung, dass die Juden im 3. Reich „durch ihr Verhalten an ihrer Verfolgung mitschuldig“ seien. 19.2 % behaupten: „Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen.“

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Und 8.5% sagen: „Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss.“

Wie erklärt sich nun diese Diskrepanz hinsichtlich des verschwundenen nativen Antisemitismus‘ in Deutschland?

Das Erklärungsmuster nach Methode der so genannten „PI-Nazis“, die alles Ungemach in schwarzhaarige Migranten und Muslime projizieren und diesen als neuen Feind des deutschen Volkskörpers ausgemacht haben, taugt hier nicht viel: Die Befragten müssen demnach alles Muslime gewesen sein. Doch wenn dem so gewesen wäre, warum dann nicht stets 100%-Werte, wo doch alle Muslime nach PI-Nazivorstellungen grundsätzlich gleiche Charaktere haben und wie das Borg-Kollektiv aus dem Star Trek-Universum handeln müssen?

Waren die Befragten repräsentativ, wovon man bei einer wissenschaftlichen Untersuchung ausgehen kann, waren sicherlich auch Muslime unter den Befragten – aber warum sind dann die Werte deutlich höher als der Anteil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland?

Die Antwort liegt auf der Hand: Der Antisemitismus ist entgegen der permanenten Versuche der Neuen Rechten, das deutsche Volk reinzuwaschen und einen anderen Übeltäter zu benennen nach wie vor fest etabliert. Das beweist auch der erste Antisemitismusbericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus, der im Jahre 2012 dem Deutschen Bundestag vorgelegt wurde.

Demnach wurden rund 90 Prozent aller antisemitischen Straftaten von Tätern begangen, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden. Latent antisemitische Einstellungen, die sich nicht in Straftaten äußern, sind nach Meinung der Experten in Deutschland „in erheblichem Umfang“ bis „in die Mitte der Gesellschaft“ verankert. Bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung gebe es diesen latenten Antisemitismus, konstatierten die Fachleute noch vor zwei Jahren.

Eine Zahl, die über Jahrzehnte stabil geblieben ist, wie zahlreiche andere Studien in der Vergangenheit belegt haben.

Deutschland ist keinesweg frei von „germanischem“ Antisemitismus und die Behauptung nur eine Suggestion.

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