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Wahn & Sinn

Mit Toten wird gerechnet

Schon wieder 700.000 Menschen verhungert: Zeit für Wahn&Sinn. Da können Sie die Uhr nach stellen – bei Ebola ist das unmöglich...

Von Dienstag, 25.11.2014, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 25.11.2014, 17:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Schon wieder 700.000 Menschen verhungert: Zeit für Wahn&Sinn. Da können Sie die Uhr nach stellen – mit Ebola klappt das nicht so gut; da gibt’s hier und da mal ein paar tausend Tote, Staaten brechen auch zusammen, es ist vor allem ein ewiges Kommen und Gehen. Aktuell zeigt Ebola eher die Form eines manischen Mannequins auf Meth. Aber 50.000 Tote pro Tag, damit kann man allerdings arbeiten – und gegen Hunger wird wenigstens auch nichts gemacht. Jedenfalls so wenig, dass die deutschen Banken und Sparkassen mit ihren Nahrungsmittelspekulationen locker diese Effekte aufheben. Und für’s gute Gewissen gibt’s praktisch kostenlose Hühnerhälse gegen den Hunger im Sahel, damit auch ja keine ansässigen Bauern überleben können. Gegen Ebola dagegen stemmen sich nur wenige, klar, Kuba ist wieder dabei, aber reich sind die auch nicht, und Geld verdienen kann man mit Ebola eben auch nicht.

Dabei liegen ereignisreiche Tage zwischen diesen 700.000 Toten:

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Während die ARD in einer Themenwoche „Toleranz“ dazu auffordert, so abstoßende Dinge wie Behinderte, Schwule und sogar Ausländer doch zumindest unter uns richtigen Menschen zu dulden, marschieren Hooligans, Neonazis und natürlich auch die Intelligenzkrüppel der pi-news Seit an Seit durch Hannover für das Gegenteil.

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Während überall 25 Jahre Mauerfall zelebriert werden, braucht es eine Kabarettsendung, um einmal ernst zu werden – darüber, dass die „unbezahlbare“ Mission mare nostrum (zu deutsch: „Unser Meer“ – ein Terminus, der im alten Rom für das Mittelmeer geprägt wurde, nachdem man alle Anrainer blutig unterjocht hatte) in etwa so viel kostet, wie die sinnlosen Umzüge des EU-Parlaments zwischen Brüssel und Straßburg; oder darüber, dass die EU ganz ohne Schießbefehl, dafür mit Friedensnobelpreis, so viele Menschen tötet, dass selbst DDR-Mauerschützen vor Neid erblassen. 750 Euro, so die Rechnung, kostete übrigens so ein auf dem Mittelmeer gerettetes Leben.

Und: während sich die Bevölkerung neuen Themen wie Front-KiTas und Teilzeit-Landsern zuwendet, sterben afghanische Kollaborateure, die Deutschland einmal mit Angeboten einer sicheren Zuflucht angeworben hatte, die man dann aber einfach vergaß: Deutschland kann schließlich nicht jeden dahergelaufenen Ausländer aufnehmen, bloß weil der dem deutschen Militär in einem Besatzungskrieg fern der Heimat gedient hatte. Wo kämen wir denn da auch hin?! Wer aus’m Krieg kommt, der ist schließlich ohnehin hoch gefährlich – selbst ausgebildete deutsche Mörder, die, vom Morden gezeichnet und hieran unter posttraumatischen Störungen leidend, lässt man in Ihrem Elend lieber allein.

Überhaupt, Militär! Wo kommen wir hin, wenn die intellektuell Herausgeforderten dieses Landes erführen, was Krieg wirklich bedeutet, oder das die Bundeswehr eine Angriffsarmee ist, dass Menschen für Bananen in deutschen Supermarktregalen morden und sterben, dass ein Soldatenleben eben kein Abenteuerspielplatz ist für niemals ihrer Kindheit erwachsene picklige Pennäler, die endlich auch mal zum Schuss kommen wollen?

Aber auch dafür hat unsere Flinten-Uschi bereits eine Lösung gefunden: Sterile Showrooms, deren alleiniger Unterschied zum Applestore, neben den angebotenen Produkten, der ist, dass man in Ersterem sicher keine „Genius-Bar“ finden wird: Dummbeutel sind eh die besseren Landser. Fehlt nur noch das überfällige Verbot von „Killerspielen“, die dem zukünftigen Schützen ein realistischeres Bild vom Krieg vermitteln könnten, als die Politik.

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