Beheimatet

Der erste russlanddeutsche Abgeordnete im Bundestag

Heinrich Zertik wanderte 1989 nach Deutschland ein und engagierte sich bald in der CDU. Nun sitzt er im Bundestag und will sich für die Wähler seiner Region und die Belange der Spätaussiedler einsetzen.

Von Gemma Pörzgen Mittwoch, 20.11.2013, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 24.02.2014, 16:07 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

„Das war wie ein Blitz vom Himmel“, erinnert sich Heinrich Zertik an den Morgen nach der Bundestagswahl. Schließlich hatte es zunächst nicht so ausgesehen, als könnte es der Kommunalpolitiker von einem der hintersten Plätze der nordrhein-westfälischen Landesliste ins Parlament nach Berlin schaffen. Doch dank des guten Wahlergebnisses der CDU, klappte es für den Projektmanager aus Kasachstan doch. Er ist heute der erste russlanddeutsche Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

„Ich bekam Anrufe aus der ganzen Welt“, schildert der Politiker die vielen Glückwünsche, die ihn seither erreichten. „Sogar Heinrich der Erste wurde ich schon genannt.“ Dabei wirkt der 56jährige in seinem grauen Anzug zum hellblauen Hemd zunächst eher unauffällig und zurückhaltend. Aber im Gespräch ist zu spüren, mit wie viel Engagement und Verantwortungsgefühl er sich seiner neuen Aufgabe stellt.

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Wichtiges Signal
Für die Spätaussiedler in Deutschland ist Zertiks Wahl ein wichtiges Signal, denn die Bevölkerungsgruppe mit rund 2,5 Millionen Menschen ist politisch bislang wenig repräsentiert. „Die Russlanddeutschen haben sich von der Politik ferngehalten“, sagt auch Zertik. Den Grund dafür sieht er vor allem in der sowjetischen Erfahrung, wo die deutsche Minderheit sehr unter der Diktatur gelitten hat. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden viele Familien aus westlichen Landesteilen der Sowjetunion zwangsdeportiert und sahen sich weiter Diskriminierungen ausgesetzt. Deshalb kamen die Einwanderer seit 1988 nach den Bestimmungen des Bundesvertriebenengesetzes nach Deutschland und erhalten als Angehörige der deutschen Minderheiten mit ihrer Ankunft den deutschen Pass.

Zertik wuchs als Angehöriger der deutschen Minderheit in Südkasachstan auf und gehört damit zur ersten Einwanderer-Generation aus der Sowjetunion. Zu Hause in der Ortschaft Kastek sprach die Familie deutsch mit jenem schwäbisch anmutenden altdeutschen Dialekt, der Zertiks Aussprache bis heute färbt. Seine Eltern hatten 1941 als Kinder die gewaltsame Deportation unter Stalin erlebt und stammten aus dem ukrainischen Dnepropetrowsk. „Zu Hause wurde die deutsche Sprache und Kultur gepflegt“, erinnert sich Zertik an seine Kindheit. In der Schule sprach er wie die anderen Kinder russisch. Aber die christlichen Feiertage wie Ostern und Weihnachten feierte die Familie lieber heimlich, um den sowjetischen Funktionären nicht aufzufallen.

Hier ist Demokratie
Zu Hause sei immer klar gewesen, dass die Familie nach Deutschland ausreisen wollte. Der Großvater war schon als Wehrmachtssoldat nach Deutschland gekommen. „Ich war immer der einzige, der einen Opa in Deutschland hatte“, erinnert sich Zernik. Die Familie stand im Briefkontakt mit dem Großvater, von dem ab und zu ein Päckchen mit Süßigkeiten eintraf. 1989 klappte es mit der Familienzusammenführung und Zertik wanderte mit seiner Frau und der neunjährigen Tochter nach Deutschland aus.

Seither ist er im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen zu Hause und trägt am Revers seines Jacketts stolz den Lippischen Ehrenring. Mit dieser Auszeichnung wurde er für sein ehrenamtliches Engagement als Vorsitzender des Vereins „Freundschaft Druschba“ für die Integration von Aussiedlern geehrt. In der CDU ist er bereits seit 23 Jahren aktiv und als Aussiedlerbeauftragter auf Kreisebene gut vernetzt. Zertik versucht dafür zu werben, dass seine Landsleute sich stärker engagieren: „Es ist hier nicht so wie in der Sowjetunion, hier ist Demokratie und jeder Bürger hat das Recht, sich einzubringen.“

Passiv im Vergleich zu Türken
Der langjährige Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), begrüßt die Wahl des Parteifreundes: „Das ist eine wirkliche Bereicherung für die Arbeit, die mir wichtig ist.“ Bergner betont, dass er seit Jahren darauf drängt, dass die Russlanddeutschen stärker politisch vertreten seien müssten. Alle Parteien sollten stärker um diese Klientel werben. „Sie treten im Vergleich zu den türkischstämmigen Einwanderern weniger in Erscheinung, obwohl sie die gleiche Größenordnung haben“, sagt er.

Auch in den Landtagen sind bisher nur zwei russlanddeutsche Abgeordnete vertreten. In Hamburg wurde der CDU-Politiker Nikolaus Haufler 2011 Mitglied der Bürgerschaft und engagiert sich in der Fraktion als deren integrationspolitischer Sprecher. Haufler wurde 1984 in Tscheljabinsk geboren, kam aber schon als 11jähriger Junge nach Hamburg und wuchs dort auf. Er gehört also bereits zur zweiten Generation der Einwanderer.

Stolz auf Zertik
In Bremen zog die in Russland geborene Sozialpädagogin Valentina Tuchel ebenfalls 2011 in die Bürgerschaft ein. „Ich komme aus Russland – und nach meinen Erfahrungen dort wollte ich eigentlich mit Politik überhaupt nichts zu tun haben“, steht auf ihrer Webseite. Tuchel hat diese Berührungsängste längst überwunden und fühlte sich als Kind einer Arbeiterfamilie in der SPD gut aufgehoben. Als die Politikerin 2011 im Landtagswahlkampf stand, machte sie selbst die Erfahrung, wie verbreitet das Misstrauen ist: „Was beschmutzt Du Dich mit der Politik“, bekam sie bei ihrer Klientel häufig zu hören.

Sie sieht auch mit Sorge, dass viele Russlanddeutsche nicht zur Wahl gehen und sich von der politischen Beteiligung fernhalten, weil sie mit der Demokratie wenig Erfahrung haben und ihr kein Vertrauen entgegen bringen. „Wenn wir Spätaussiedler als Deutsche nach Deutschland kommen, müssen wir aktiver werden und in der Demokratie mitwirken“, ist Tuchels Antwort darauf. Auch die SPD-Politikerin begrüßt Zertiks Wahl und erzählt, dass viele Russlanddeutsche stolz auf ihn seien. „Er wird Verantwortung übernehmen müssen.“ Tuchel hofft, Zertik bald zu begegnen und würde gerne sehen, dass er sich nicht nur als Sprecher der Aussiedler sieht, sondern sich allgemein für Integrationspolitik engagiert.

Nicht integriert, sondern beheimatet
Aber Zertik legt Wert darauf, dass er als Angehöriger einer deutschen Minderheit einen anderen Bezug zu Deutschland hat, als beispielsweise türkische Zuwanderer: „Wir haben uns nicht integriert, sondern uns beheimatet“, sagt er, um den Unterschied zu verdeutlichen. „Die CDU bekennt sich zum Deutschtum und zur deutschen Kultur, was andere Parteien übersehen.“

Fragt man Zertik, ob er sich im Bundestag auch außenpolitisch als Brückenbauer nach Russland oder Kasachstan engagieren will, schüttelt er sogleich den Kopf: „In diesen Themen bin ich nicht drin“, sagt er freundlich, aber bestimmt. Er sieht seine politischen Aufgaben in Deutschland selbst und fühlt sich als Abgeordnete in erster Linie seiner Region verpflichtet. Aber natürlich werde er sich im Bundestag auch für die Anliegen der Russlanddeutschen besonders einsetzen und seine Erfahrungen einbringen. Leitartikel Politik

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  1. Han Yen sagt:

    Herr Zertik versteht den Sinn des Begriffes Integration nicht. Selbstverständlich werden Rußlanddeutsche in das politische System, das Bildungssystem, den Arbeitsmarkt und das Rentensystem integriert.

    Die Status-Deutschen wurden mit mehreren Übergangsgesetzen in das deutsche Rentensystem integriert, damit ihre Arbeitsbiographien in Rußland mit angerechnet werden. Türkischen Gastarbeitern wurde von der Kohl-Regierung Desintegration angeboten mit der Auszahlung der Rentenversicherungsbeiträge. Selbstverständlich nur die Arbeitnehmer-Anteile, die Arbeitgeber-Anteile sollten einbehalten werden.

    Diese ungleiche Behandlung aufgrund des Abstammungsrecht erzeugt bei der Altersarmut letzten Endes die sozioökonomische Ungleichheit bei türkischen Gastarbeitern und Rußlanddeutschen.

    Dafür existiert keine ökonomische Begründung, da türkische Gastarbeiter während einer Phase des Arbeitskräftemangels einwanderten – im Gegensatz dazu wanderten Rußlanddeutsche ein in einer Zeit der ökonomischen Restrukturierung. Faktisch mußte sehr viel Geld zugunsten der Rußlanddeutschen umverteilt werden, während türkische Gastarbeiter geholfen haben Geld zu verdienen.

    Ich halte den Status-Dünkel des Herrn Zertik, der mit der Unterscheidung von Beheimatung und Integration durchklingt für ideologisches Geschwurbel.

    Was wir brauchen über die Rußlanddeutschen sind sozialhistorische Arbeiten im Rahmen der Diaspora-Studien. D.h. ordentliche Quellenarbeit und die Aufarbeitung rußlanddeutscher Geschichte. Wir wollen sehr genau hinsehen, ob die deutschen Volksgruppen mit dem Dritten Reich kollaboriert haben, und in Folge dessen es zu Diskriminierungen, Deportierungen und Verfolgungen gekommen ist.

  2. posteo sagt:

    Han Yen sagt:
    „Was wir brauchen über die Rußlanddeutschen sind sozialhistorische Arbeiten im Rahmen der Diaspora-Studien. D.h. ordentliche Quellenarbeit und die Aufarbeitung rußlanddeutscher Geschichte. Wir wollen sehr genau hinsehen, ob die deutschen Volksgruppen mit dem Dritten Reich kollaboriert haben, und in Folge dessen es zu Diskriminierungen, Deportierungen und Verfolgungen gekommen ist.“

    Oh ja, das ist sicher ganz wichtig für die Bewertung der heute 20 – 60jährigen Russlanddeutschen! Sie wissen hoffentlich welches Jahr wir schreiben!

  3. posteo sagt:

    Han Yen sagt:
    „Wir wollen sehr genau hinsehen, ob die deutschen Volksgruppen mit dem Dritten Reich kollaboriert haben, und in Folge dessen es zu Diskriminierungen, Deportierungen und Verfolgungen gekommen ist.

    Hier genügt ein Blick in Wikipedia: (Stichwort: Russlanddeutsche – Deportation)
    „Nach dem Beginn des Krieges wurden die Russlanddeutschen entsprechend dem Erlass des Obersten Sowjets vom 28. August 1941 innerhalb weniger Wochen aus den europäischen Teilen der Sowjetunion nach Osten – vorwiegend Sibirien, Kasachstan und an den Ural deportiert. Die Sowjetunion wollte mit der Umsiedlung eine weitreichende Kollaboration der Russlanddeutschen mit Nazi-Deutschland verhindern.“

    Das heißt, die Sowjets kamen einer möglichen Kollaboration durch die Deportationen zuvor.

  4. Han Yen sagt:

    @posteo

    Moment mal. Wikipedia reicht nicht aus Quelle. Die Status Deutschen oder in der Sprache des Dritten Reiches Volksdeutsche haben einen besonderen Anspruch auf Einbürgerung. Anders als die Gastarbeiter erhielten sie besondere Eingliederungshilfen in den 1990er. Während dieser Zeit wurde die DDR angegliedert, und der Solidaritätszuschlag eingeführt, und die Treuhand hat ganze Regionen in Armutsfallen verwandelt. Die Kohl-Regierung griff in die Rentenkasse ein, um die Wiedervereinigung zu finanzieren. Die Status Deutschen erhielten in mehreren Übergangsregelungen die Integration ins deutsche Rentensystem, womit ihre Arbeitsleistung angerechnet wurde, obwohl sie im Ausland stattfand. In den 1990er haben Rußlanddeutsche die Nachkommen von Gastarbeitern irritiert mit ihrem Status-Dünkel richtige Deutsche zu sein, und sie aufgefordert in ihre Heimat zurück zu kehren.

    Rußlanddeutsche sind keineswegs Abstammungsdeutsche, sondern haben sich mit anderen Nationalitäten in der Sowjetunion vermischt. Der Anspruch auf Sonderrechte gegenüber Nachkommen von Gastarbeitern begründet mit Kultur kann nicht aufrechterhalten werden. Die BRD hat sich kulturell seit den 1960er stark gewandelt, und Rußlanddeutsche unterscheiden sich sehr stark von BRD-Deutschen – wesentlich stärker als DDR-Deutsche. Über die gewaltigen Umverteilungsmaßnahmen zugunsten der Rußlanddeutschen und russischer Verwandtschaft wird immer ein Mantel des Schweigens ausgebreitet.

    Aus meiner Perspektive wäre das nur dann zu rechtfertigen, wenn das Auswärtige Amt die Volksdeutschen für ihre Expansionspolitik instrumentalisiert hätte, und sie ohne eigenes Verschulden zwischen die Fronten geraten sind. Falls sie aber Kollaborateure waren und im Auftrag der NSDAP Kriegsvorbereitungen unternommen haben mit einer breiten Massenunterstützung, wäre das etwas anderes.

    Es interessiert mich nicht, welches Jahr wir schreiben. Wenn ich in der BRD Türken und Araber auffordern kann, sich mit Koran Versen aus dem 6. Jh. auseinander zu setzen, dann kann ich auch Rußlanddeutsche auffordern brutalsmöglichst ihre Geschichte aufzuarbeiten. Vor allem wenn diese Geschichte zwischen 1920 bis 1945 noch frisch in Erinnerung sein sollte. Es ist doch interessant heraus zu finden, was wir da für Einwanderer haben.

  5. posteo sagt:

    @Han Yen
    “ Die Status Deutschen .. haben einen besonderen Anspruch auf Einbürgerung. Anders als die Gastarbeiter erhielten sie besondere Eingliederungshilfen in den 1990er.“
    posteo: Es ist das Recht eines jeden Landes, mit unterschiedlichen Gruppen oder Staaten unterschiedliche Vereinbarungen einzugehen, auch wenn das individuell ungerecht erscheint. Auch Arbeitgeber können unterschiedlche Arbeitsverträge anbieten.

    „Während dieser Zeit wurde die DDR angegliedert…die Kohl-Regierung griff in die Rentenkasse ein, um die Wiedervereinigung zu finanzieren.“
    posteo: Politische Unwägbarkeiten, die zu den allgemeinen Lebensrisiken zählen, und alle Einwohner Deutschlands gleichmaßen betrafen.

    „Die Status Deutschen erhielten in mehreren Übergangsregelungen die Integration ins deutsche Rentensystem, womit ihre Arbeitsleistung angerechnet wurde, obwohl sie im Ausland stattfand.“
    psteo: Antwort siehe oben.

    „In den 1990er haben Rußlanddeutsche die Nachkommen von Gastarbeitern irritiert mit ihrem Status-Dünkel richtige Deutsche zu sein, und sie aufgefordert in ihre Heimat zurück zu kehren.“
    posteo: Möglich, wo verschiedene Kulturem zusammen treffen, bleiben Irritationen nicht aus.

    “ ..BRD-Deutsche..“
    posteo: Jetzt wird es interessant. Seit ich mich am Migazin beteilige, wird um die Frage gerungen, was ist typisch deutsch. Da sie von BRD -Deutschen reden und sogar Unterschiede zu DDR-Deutschen ausmachen, könnten Sie uns bei der Beantwortung dieser Frage sicher behilflich sein.

    „Aus meiner Perspektive wäre das (Anm. die Bevorzugung der Russlanddeutschen) nur dann zu rechtfertigen, wenn das Auswärtige Amt die Volksdeutschen für ihre Expansionspolitik instrumentalisiert hätte.
    posteo: Aus ihrer Perspektive wohl, aber die ist wie oben ausgeführt, hier ohne Belang. Abgesehen davon, sollte ein mündiger Bürger sich eben nicht instrumentalisieren lassen, sonst wären alle Deutschen als Opfer der Hitler-Proganda anzusehen.

    „..Falls sie aber Kollaborateure waren….
    posteo: Laut Wikipedia hatten sie dazu keine Gelegenheit. Sicher ist Wiki keine 100%Quelle, aber der ungefähre Beginn der Deportationen 1941 dürfte stimmen. Eine weitere Quelle ist folgender Vortrag, in dem auch beantwortet wird, warum sich die Russlanddeutschen so stark assimiliert haben. http://russlanddeutsche.de/fileadmin/user_upload/Vortrag_Deportation__Dr._Katharina_Neufeld_.pdf

    „… Es ist doch interessant heraus zu finden, was wir da für Einwanderer haben.“
    Posteo: Das gilt für alle Einwanderer. Danach zu fragen, gilt aber nicht immer als politisch korrekt.

    Mit freundlichen Grüßen posteo

  6. derfrager sagt:

    Wir haben uns nicht integriert, sondern uns beheimatet“, sagt er, um den Unterschied zu verdeutlichen. „Die CDU bekennt sich zum Deutschtum und zur deutschen Kultur, was andere Parteien übersehen.“

    seltsam das russlanddeutsche aka spätaussiedler mit unter einer der meist vertretene gruppe in bundesdeutschen gefängnissen sind .wenn es kein integrationsproblem ,kein gesellschaftliches darstellt (immerhin haben sich die leute beheimatet und mussten sich nicht integrieren ) , dann muss es ja nach sarazzin wohl ein biologisches sein gell ?

    seltsam das sie meistens alle zusammen in siedlungen und auf einen haufen leben .

    seltsam auch das sie alle russisch zuhause und auch untereinander sprechen .
    seltsam auch das viele gar nicht verfolgt wurden sondern , die möglichkeit genutzt haben (was kein vorwurf ist ) nach dem fall des eisernen vorhangs den wirtschaftlichen und politischen wirren der zerfallenden sowjet union zuentfliehen .

    wessen idee das ganze war und was dahinter stand , darüber kann man nur spekulieren .

    mir persönlich ist ein fall bekannt , wo es auch deutsch hieß „wir wurden verfolgt und oh gott es war so schlimm “ , hinterher auf russisch “ ich habe von breschnew ein laureat persönlich bekommen “

    verfolgung sieht meiner meinung anders aus .

  7. posteo sagt:

    Natürlich die die Aufnahme der Spätaussiedler politsches Kalkül der damaligen Kohl-Regierung. Die Rechnung, dass Menschen aus dem real existierenden Sozialismus eher konservativ wählen würden, ging auf.
    Natürlich dürften sich unter die Russlanddeutschen jede Menge Russen mit gefälschten Pässen geschmuggelt haben.
    Natürlich brachten viele Spätaussiedler eine ungeahnte Gewaltbereitschaft und auch einen Machismus mit.
    Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass Menschen aus desolaten wirtschaftlichen Verhältnissen auch mit Dumpinglöhnen zufrieden sind, während sich länger gediente Arbetnehmer nicht mehr so billig abspeisen lassen. Daher ist für mich ein Mindestlohn unverzichtbar, wobei dieser bei 10€ liegen sollte, um auch die Sozialkassen ausreichend zu entlasten.

  8. Pingback: Wege für Migranten der interkulturelle Teilhabe im Museum - Frankfurt a.M., Marcello Buzzanca, Migranten, Museum, Senckenberg Museum - MiGAZIN

  9. @Han Yen
    Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe: a.) Integrationsvision von Herrn MdB (habe erhebliche Probleme mit seinen Meinungsäußerungen), b.) Geschichte der Deutschen aus Russland (so heißen sie übrigens richtig). Die guten Diaspora-Studien sind in der Tat bis dato in Minderzahl. Was die Kollaboration im Zweiten Weltkrieg angeht, finde ich verdammt falsch, die Verbannung eines unter Pauschalverdacht gestellten Volkes als „Folgeerscheinung“ der Kollaboration von bestimmten Personen zu betrachten. Das widerspricht jedem Demokratieverständnis.

    @derfrager
    „Laureate“ unter Breschnew waren nur wenige. Die wohl bekannteste sowjetische deutschstämmige Sängerin Anna Hermann (German) wurde in jedem Zeitungsinterview als „Polin“ bezeichnet. Die meisten RD haben mit erheblichen Einschränkungen ihrer Bürgerrechte wie bei Studiums- und Arbeitsaufnahme konfrontiert, auch wenn sie nach Stalins Tod nicht unmittelbar „verfolgt“ im Sinne des Freiheitsentzugs wurden. Wenn ein Mensch gewisse Hindernisse in der Gesellschaft hat, und zwar wegen seiner Herkunft, trotz formeller Rechte als Staatsbürger, das nennt man Diskriminierung.

  10. Peter sagt:

    @Han Yen und
    @derfrager:

    […]
    Sie scheinen sich mit dem Thema nicht beschäftigt zu haben.

    Es ist fahrlassig mit Halbwissen solche provokanten Äußerungen abzugeben.