Studie

Über 8 Prozent aller Pflegebedürftigen sind Migranten

Die Pflegebedürftigkeit und die Nachfrage nach Pflegeleistungen von Migranten in Deutschland ist noch ein weitestgehend unerforschtes Feld. Eine aktuelle Studie des BAMF schafft Abhilfe. Danach sind 8,2 Prozent aller Pflegebedürftigen Migranten.

Dienstag, 27.03.2012, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Derzeit sind etwa 20 Prozent der in Deutschland lebenden Personen entweder selbst zugewandert oder Nachkommen von zugewanderten Personen. Aufgrund anders erfahrener Lebensumstände ist anzunehmen, dass sich ein Migrationshintergrund auf die gesundheitliche Lage und langfristig auf die Pflegebedürftigkeit auswirkt. Einerseits kann ein Migrationshintergrund die tatsächliche Erkrankungs- bzw. Pflegewahrscheinlichkeit beeinflussen. Andererseits können die Möglichkeiten beeinträchtigt sein, eine adäquate Behandlung bzw. pflegerische Betreuung zu erhalten.

Dabei unterscheiden sich die Vorstellungen älterer Personen mit Migrationshintergrund über ihre pflegerische Versorgung im Alter nur unwesentlich von denen der Personen ohne Migrationshintergrund. Sie erwarten überwiegend Hilfe von Verwandten und Kindern. Es ist aber zunehmend zu beobachten, dass nicht alle älteren Migranten Verwandte in Deutschland haben, die diese Aufgabe übernehmen können und auch wollen.

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8,2 % der Pflegebedürftigen haben Migrationserfahrung
Aufgrund vorliegender Erkenntnisse kann die Zahl pflegebedürftiger Personen mit Migrationshintergrund abgeschätzt werden. So weisen 8 Prozent der Pflegebedürftigen in Privathaushalten, 7 Prozent der von ambulanten Diensten Betreuten sowie 9 Prozent der vollstationär Versorgten einen Migrationshintergrund auf. Unter Verwendung der Bestandsdaten der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes ergibt sich daraus für 2009 eine Gesamtzahl von etwa 192.000 pflegebedürftiger Personen mit Migrationshintergrund. Der Anteil an allen Pflegebedürftigen beträgt 8,2 Prozent und entspricht ungefähr dem Anteil an der entsprechenden Gesamtbevölkerung bei älteren Personen.

Download: Die Studie „Pflegebedürftigkeit und Nachfrage nach Pflegeleistungen von Migrantinnen und Migranten im demografischen Wandel“ gibt einen Überblick über die Pflegebedürftigkeit und die Nachfrage nach Pflegeleistungen von Migranten in Deutschland und kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

In Zukunft wird man sich allerdings auf eine wachsende Zahl von Migranten im Pflegealter einstellen müssen. Hierzu hat Martin Kohls, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, eine Studie vorgelegt, mit dem Titel „Pflegebedürftigkeit und Nachfrage nach Pflegeleistungen von Migrantinnen und Migranten im demografischen Wandel.“

Maßnahmen notwendig
Kohl hält eine verbesserte allgemeine Integration von Migranten und insbesondere die Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse für notwendig, um Hürden beim Zugang zu den Versorgungsangeboten des Gesundheits- und Pflegewesens zu überwinden. Auch sollten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bei Migranten ausgebaut werden. Helfen könnten fremdsprachige Informationsangebote.

Außerdem müsse man geschlechtsspezifische Angebote etablieren. Die Verhaltensmuster seien bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund anders ausgeprägt. Darauf müssten Pfleger vorbereitet und geschult werden. Begleitet werden könne dies durch Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung. (fs)

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  1. Sinan A. sagt:

    Interkulturelle Schulungen für die Pfleger werden wenig nützen. Menschlichkeit bringt man denen nicht mehr bei. Da müssen die richtigen Leute ran an die Jobs.

    Mein Neffe macht eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Dabei hat er eine Weile in einer Hospiz gearbeitet. Da war ein alter Mann, mit dem kam vom Personal niemand zurecht. Die blonden Pflegerinnen schnatterten ihn nur nieder, und der Alte giftete zurück. Bis mein Neffe sich um ihn kümmerte. „Jung, gut, dass du gekommen bist“, meinte der alte Mann zu ihm. Mein Neffe hat etwas, was man nicht lernen kann, heißt es in den Zeugnissen.

    Wir haben das ähnlich erlebt, als unser Kind schwer krank war. Sobald wir von jungen Girlies betreut wurden, war der Ofen aus. Die haben sich immer nur darum gesorgt, wie sie dem Oberarzt gefallen. Der kleine Patient war ihnen gleichgültig. Null Ahnung, große Klappe, aber bekommen überall die Jobs. Das muss sich ändern.

  2. Diese Entwicklung zeigt doch eindeutig, dass sich in der generellen Struktur des Pflegemarktes etwas ändern muss. Helfen können Fachpflegekräfte mit Migrationshintegrund, die für die zu Pflegenden vllt. eher eine Vertrauensperson darstellen. Hier kann noch aufgestockt werden, wie natürlich auch generell in der Quantität der Pfleger. Auch in der Qualität, wenn man diesen Artikel betrachtet. Mehr Einfühlungsvermögen in den spezifischen Hintrgrund der Senioren kann in Zkunft vllt die ganze Migrationsthematik übefällig machen.
    Grüße.

  3. Lesen Sie hierzu auch das Dossier „Altern in der Migrationsgesellschaft“ http://www.migration-boell.de/web/integration/47_3099.asp

  4. Sinan Sayman sagt:

    Klar, gerne schult man nach und reicht auch helal Essen, um attraktiv zu sein. Hauptsache es kommen genug alte Migranten und die Kassen füllen sich. Das Geschäft mit den Alten.