Zensus 2011

Migranten haben 13 Quadratmeter weniger Wohnraum

Etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Sie leben öfter in Großstädten und in deutlich kleineren Wohnungen als Personen ohne Migrationshintergrund. Das teilt das Statistische Bundesamt anhand der Ergebnisse des Zensus 2011 mit.

Mittwoch, 04.06.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10.06.2014, 0:54 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

In Deutschland wohnten am 9. Mai 2011 insgesamt etwa 15,3 Millionen Personen mit Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt anhand der Ergebnisse des Zensus 2011 weiter mitteilt, entspricht dies einem Anteil von 19,2 Prozent der Bevölkerung. Knapp über 60 Prozent von ihnen sind Deutsche und 63 Prozent sind selbst zugewandert.

Wie aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen außerdem hervorgeht, sind Migranten mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren insgesamt zehn Jahre jünger als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Besonders auffällig ist das junge Alter von in Deutschland geborenen Migranten: 55,0 Prozent von ihnen sind minderjährig.

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Deutliche Unterschiede
Unterschiede gibt es auch in Bezug auf die Erwerbstätigkeit. So gehen zwei von drei Migranten im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren arbeiten, bei Personen ohne Migrationshintergrund sind es drei von vier. Dieser Unterschied ist bei Frauen noch deutlicher ausgeprägt als bei Männern: 40 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter mit Migrationshintergrund sind nicht erwerbstätig. Diese Quote liegt bei Frauen ohne Migrationshintergrund bei vergleichsweise geringen 28 Prozent. Deutschlich weniger ist der Abstand bei den Männern: Während 27 Prozent der Männer im erwerbsfähigen Alter mit Migrationshintergrund nicht erwerbstätig sind, beträgt diese Quote bei Männern ohne Migrationshintergrund 20 Prozent.

Auch hinsichtlich der Schulabschlüsse gibt es deutliche Unterschiede: 16 Prozent der Migranten von mindestens 15 Jahren haben keinen Schulabschluss, bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil 2 Prozent. Auffällig ist, dass Personen, die selbst zugewandert sind, besonders häufig keinen Schulabschluss aufweisen (19 Prozent). Doch auch in Deutschland geborene Migranten haben mit 5 Prozent anteilig immer noch mehr als doppelt so häufig keinen Schulabschluss wie Personen ohne Migrationshintergrund (2 Prozent).

Migranten leben eher in klassischen Familien
Die meisten Migranten leben fast ausschließlich (97 Prozent) in den westlichen Bundesländern und Berlin und über 43 Prozent wohnen in Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohnern, nur rund 14 Prozent leben in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. Die durchschnittliche Haushaltsgröße für Personen mit Migrationshintergrund beträgt 3,4 Personen, während Personen ohne Migrationshintergrund in Haushalten mit durchschnittlich 2,7 Personen leben. Während Migranten am häufigsten in Vierpersonenhaushalten wohnen (24 Prozent), dominieren bei Personen ohne Migrationshintergrund Zweipersonenhaushalte (34 Prozent).

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, leben Migranten seltener allein (12 Prozent) als Personen ohne Migrationshintergrund (18 Prozent). Die klassische Familie mit Ehepaaren und Kindern kommt bei Migranten häufiger vor (54 Prozent gegenüber 37 Prozent). Ehepaare ohne Kinder sind dagegen erheblich seltener (15 Prozent gegenüber 24 Prozent). In nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften leben 7 Prozent der Migranten und 10 Prozent der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Info: Zu den Personen mit Migrationshintergrund zählen alle Ausländer sowie Deutsche, die nach 1955 selbst zugewandert sind oder bei denen mindestens ein Elternteil nach 1955 aus dem Ausland nach Deutschland kam.

Weniger Wohneigentum
Deutliche Unterschiede zeigt der Zensus auch in Bezug auf selbst genutztes Wohneigentum. Während 36 Prozent der Migranten im Eigenheim leben, genießen 57 Prozent der der Personen ohne Migrationshintergrund die Vorzüge der eigenen vier Wände. Doch auch unter Migranten klafft eine Lücke: Eigentümerquote bei Deutschen mit Migrationshintergrund liegt bei 40 Prozent, bei Ausländern hingegen bei 29 Prozent.

Schließlich wohnen Personen ohne Migrationshintergrund auf durchschnittlich 46,8 m², während Migranten lediglich 33,5 m² zur Verfügung haben. 51 Prozent der Personen ohne Migrationshintergrund, aber nur 33 Prozent der Migranten leben in Wohnungen mit 100 m² und mehr. (sb)

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