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Homo Sapiens Koranicus

Zur Gedankenwelt einer noch immer rätselhaften Spezies

Der Homo Sapiens Koranicus hat genauso wie seine früheren Artgenossen Abraham, Noah, Moses, Jesus verinnerlicht, dass er seinen konstruktiven Beitrag nur leisten kann, wenn er die Sorgen und Probleme der Gesellschaft teilt, indem er sie versteht.

Von Freitag, 12.08.2011, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 16.08.2011, 2:30 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Der Homo Sapiens Koranicus, weitläufig auch „Muslim“ oder „Muslima“ genannt, ist in vieler Hinsicht ein missverstandenes Wesen. Vor allem in Deutschland ist diese Art und was sie in ihrem Wesen ausmacht, welche Ideale sie hegt und welche Ziele sie verfolgt, weitgehend unbekannt. Daran ist der Homo Sapiens Koranicus auch durch seine geringe gesellschaftliche Teilhabe teilweise selbst schuld. Er hat sein altruistisches Verhalten vernachlässigt und sich ein wenig einseitig aus Eigeninteresse und Selbstzweck in muslimischen Verbänden und Gruppen engagiert, nichtsahnend, dass er sich dabei immer mehr von der Allgemeinheit entfernt und dabei anderen nur eine kleine Chance gab, ihn näher und tiefer kennenzulernen 1.

Vereine an Universitäten, Schulen, Stadtbeiräte und Hilfsorganisationen fordern stärkere Partizipation und Engagement und sehnen sich danach, den Homo Sapiens Koranicus in ihren Reihen zu entdecken. Wo ist der Homo Sapiens Koranicus, der sich eigentlich in der stärksten und nicht kargen Weise für die Belange aller interessiert und einsetzt, selbstlos und aufopfernd? Der sich ganz selbstverständlich für Menschenrechte, Klima – und Tierschutz engagiert, und nicht nur für Religionsfreiheit im Besonderen? Dessen Motto stets lautet: „Willst du die Liebe und Anerkennung Gottes – so diene all Seinen Geschöpfen!“

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Zudem haben sich bis heute einige Individuen mit ihren schändlichen Taten unter den Homo Sapiens Koranicus eingenistet und sich als seine Art ausgegeben. Dies hat verständlicherweise zu einer großen Verwirrung, Unsicherheit und Phobie beigetragen. Dem Homo Sapiens Koranicus obliegt es daher, dieses Bild aktiv zu korrigieren, diese Missetäter zur Verantwortung zu stellen und das verlorene Vertrauen der Mehrheitsgesellschaft zurückzugewinnen. Ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt des Homo Sapiens Koranicus, die natürlicherweise unter dem starken Einfluss des Koran steht, kann uns helfen seine einfache Wesensart zu verstehen und diejenigen zu entlarven, die seinen Namen für ihre vielfältigen selbstsüchtigen Zwecke missbrauchen.

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Der Homo Sapiens Koranicus ist in seiner Essenz bestrebt, Balance und Harmonie in seiner eigenen Natur und seinem Kosmos zu schaffen. Doch um dies zu bewerkstelligen, beherrscht er ganz selbstverständlich die lokale Sprache und die Kultur, integriert sich also. Genauso wie seine früheren Artgenossen Abraham, Noah, Moses, Jesus und vielen anderen, hat er verinnerlicht, dass er seinen konstruktiven Beitrag nur leisten kann, wenn er die Sorgen und Probleme der Gesellschaft teilt, indem er sie versteht, und ohne das Beherrschen der Sprache ist das wohl kaum möglich (Koran 14:4 Und Wir schickten keinen Gesandten, es sei denn mit der Sprache seines Volkes, auf dass er sie aufkläre.).

Chaos und gesellschaftlichen Unfrieden stiften widerspricht seinem Islam – Verständnis und der Tatsache, dass sein Schöpfer alles in Einheit und perfektem Gleichgewicht erschaffen hat (Koran 7:55 Und stiftet keinen Verderb auf Erden, nachdem dort Ordnung herrscht.). Wieso sollte er sich dann zum Beispiel gegen gesellschaftliche Systeme widersetzen die bestrebt sind, diese Harmonie festzuhalten (Koran 11:112 Und seid nicht aufsässig; wahrlich, Er ist dessen ansichtig, was ihr tut)? Wieso sollte er nicht mit Christen und Juden und allen Menschen zusammenarbeiten, die diese Ziele verfolgen? (Koran 3:64 Sprich: O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen.).

Und außerdem, wie kann er behaupten die im Koran erwähnten Gesandten Jesus und Moses zu lieben, aber gleichzeitig die Menschen und Gemeinschaften verabscheuen, zu denen sie geschickt wurden? Das wäre ihm äußerst zuwider (Koran 2:136 Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was uns herabgesandt worden ist, und was Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels) herabgesandt wurde, und was Moses und Jesus gegeben wurde, und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied, und Ihm sind wir ergeben.).

Auch die unleugbaren vereinzelten Konflikte und Auseinandersetzungen, die er in der Menschheitsgeschichte mit diesen Gemeinschaften erlebte und die zur Realität des Lebens gehören, betrüben diesen fundamentalen universellen Gedanken nicht (Koran 5:32 Wer eine Seele zu unrecht tötet, so ist es als hätte er die gesamte Menschheit ausgelöscht, und wer das Leben eines Menschen rettet, so ist es als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.).

Konsequenterweise versucht der Homo Sapiens Koranicus gegen alles, was soziale Ungerechtigkeit verursacht, seinen nützlichen Beitrag zu leisten. Er engagiert sich ganz selbstverständlich für Menschenrechte, Klima – und Tierschutz, denn seinem Herrn zu dienen bedeutet dessen Geschöpfen zu dienen und somit die Liebe und Anerkennung zu erlangen (Koran 6:162 Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Gott, dem Herrn der Welten.).

In seiner Essenz ist der Homo Sapiens Koranicus daher ein sehr bescheidenes Wesen. Wieso sollte er auch Arroganz und Hochmut an den Tag legen, unterscheidet er sich doch kaum von allen anderen Wesen in seiner Beschaffenheit (Koran 17:109 Und weinend fallen sie anbetend auf ihr Angesicht nieder, und ihre Demut nimmt zu.). All das, was ihm an Qualitäten, Fähigkeiten oder Begabungen eigen ist, wurde ihm verliehen, und so sieht er alles als ein anvertrautes Gut an, als eine Leihgabe, von dem er in bester Weise Gebrauch machen und es in bester Weise zurückgeben muss (Koran 2:156 Wir gehören Gott und zu Ihm kehren wir zurück.). Daher ist er sich im Klaren, dass jede kleinste Schuld oder jeder negativer Gedanke beglichen wird. Verantwortung für seinen Mikro- und Makrokosmos zu übernehmen, steht bei ihm daher an größter Stelle. Sich nur für seine eigenen Belange zu interessieren und sich von der Gesellschaft abzuschotten und zu isolieren passt nicht in seine koranische Denkweise.

So gibt es Hoffnung am Horizont, denn eine neue Generation von Muslimen in Deutschland wächst heran, die reiche multiple Identitäten besitzt, sich hier durchaus zu Hause fühlt und deswegen ihren konstruktiven Beitrag leisten möchte. Man sieht schon die ersten Anzeichen, dass der Homo Sapiens Koranicus im Begriff steht, sein wahres Dasein wiederzubeleben und bald zum Homo Sapiens Koranicus Germanicus zu mutieren. Einer weiterentwickelten Art, die den kulturellen Imperativ des Korans wiederentdecken und einen deutschen Islam leben wird. Einen Islam, der das deutsche kulturelle Erbe aufnehmen, respektieren und bereichern wird. Die Geschichte bezeugt nämlich, dass der Homo Sapiens Koranicus durchaus das Potenzial besitzt, sich harmonisch in verschiedene Kulturen zu integrieren und eine Synthese zu schaffen.

  1. Siehe z.B. die Studie von Dirk Halm und Martina Sauer, Freiwilliges Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland: Projekt der Stiftung Zentrum für Türkeistudien im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Essen: 2004), www.bmfsfj.de (Juni 2011)
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