Homo Sapiens Koranicus

Zur Gedankenwelt einer noch immer rätselhaften Spezies

Der Homo Sapiens Koranicus hat genauso wie seine früheren Artgenossen Abraham, Noah, Moses, Jesus verinnerlicht, dass er seinen konstruktiven Beitrag nur leisten kann, wenn er die Sorgen und Probleme der Gesellschaft teilt, indem er sie versteht.

Von Freitag, 12.08.2011, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 16.08.2011, 2:30 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Der Homo Sapiens Koranicus, weitläufig auch „Muslim“ oder „Muslima“ genannt, ist in vieler Hinsicht ein missverstandenes Wesen. Vor allem in Deutschland ist diese Art und was sie in ihrem Wesen ausmacht, welche Ideale sie hegt und welche Ziele sie verfolgt, weitgehend unbekannt. Daran ist der Homo Sapiens Koranicus auch durch seine geringe gesellschaftliche Teilhabe teilweise selbst schuld. Er hat sein altruistisches Verhalten vernachlässigt und sich ein wenig einseitig aus Eigeninteresse und Selbstzweck in muslimischen Verbänden und Gruppen engagiert, nichtsahnend, dass er sich dabei immer mehr von der Allgemeinheit entfernt und dabei anderen nur eine kleine Chance gab, ihn näher und tiefer kennenzulernen 1.

Vereine an Universitäten, Schulen, Stadtbeiräte und Hilfsorganisationen fordern stärkere Partizipation und Engagement und sehnen sich danach, den Homo Sapiens Koranicus in ihren Reihen zu entdecken. Wo ist der Homo Sapiens Koranicus, der sich eigentlich in der stärksten und nicht kargen Weise für die Belange aller interessiert und einsetzt, selbstlos und aufopfernd? Der sich ganz selbstverständlich für Menschenrechte, Klima – und Tierschutz engagiert, und nicht nur für Religionsfreiheit im Besonderen? Dessen Motto stets lautet: „Willst du die Liebe und Anerkennung Gottes – so diene all Seinen Geschöpfen!“

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Zudem haben sich bis heute einige Individuen mit ihren schändlichen Taten unter den Homo Sapiens Koranicus eingenistet und sich als seine Art ausgegeben. Dies hat verständlicherweise zu einer großen Verwirrung, Unsicherheit und Phobie beigetragen. Dem Homo Sapiens Koranicus obliegt es daher, dieses Bild aktiv zu korrigieren, diese Missetäter zur Verantwortung zu stellen und das verlorene Vertrauen der Mehrheitsgesellschaft zurückzugewinnen. Ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt des Homo Sapiens Koranicus, die natürlicherweise unter dem starken Einfluss des Koran steht, kann uns helfen seine einfache Wesensart zu verstehen und diejenigen zu entlarven, die seinen Namen für ihre vielfältigen selbstsüchtigen Zwecke missbrauchen.

Der Homo Sapiens Koranicus ist in seiner Essenz bestrebt, Balance und Harmonie in seiner eigenen Natur und seinem Kosmos zu schaffen. Doch um dies zu bewerkstelligen, beherrscht er ganz selbstverständlich die lokale Sprache und die Kultur, integriert sich also. Genauso wie seine früheren Artgenossen Abraham, Noah, Moses, Jesus und vielen anderen, hat er verinnerlicht, dass er seinen konstruktiven Beitrag nur leisten kann, wenn er die Sorgen und Probleme der Gesellschaft teilt, indem er sie versteht, und ohne das Beherrschen der Sprache ist das wohl kaum möglich (Koran 14:4 Und Wir schickten keinen Gesandten, es sei denn mit der Sprache seines Volkes, auf dass er sie aufkläre.).

Chaos und gesellschaftlichen Unfrieden stiften widerspricht seinem Islam – Verständnis und der Tatsache, dass sein Schöpfer alles in Einheit und perfektem Gleichgewicht erschaffen hat (Koran 7:55 Und stiftet keinen Verderb auf Erden, nachdem dort Ordnung herrscht.). Wieso sollte er sich dann zum Beispiel gegen gesellschaftliche Systeme widersetzen die bestrebt sind, diese Harmonie festzuhalten (Koran 11:112 Und seid nicht aufsässig; wahrlich, Er ist dessen ansichtig, was ihr tut)? Wieso sollte er nicht mit Christen und Juden und allen Menschen zusammenarbeiten, die diese Ziele verfolgen? (Koran 3:64 Sprich: O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen.).

Und außerdem, wie kann er behaupten die im Koran erwähnten Gesandten Jesus und Moses zu lieben, aber gleichzeitig die Menschen und Gemeinschaften verabscheuen, zu denen sie geschickt wurden? Das wäre ihm äußerst zuwider (Koran 2:136 Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was uns herabgesandt worden ist, und was Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen (Israels) herabgesandt wurde, und was Moses und Jesus gegeben wurde, und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied, und Ihm sind wir ergeben.).

Auch die unleugbaren vereinzelten Konflikte und Auseinandersetzungen, die er in der Menschheitsgeschichte mit diesen Gemeinschaften erlebte und die zur Realität des Lebens gehören, betrüben diesen fundamentalen universellen Gedanken nicht (Koran 5:32 Wer eine Seele zu unrecht tötet, so ist es als hätte er die gesamte Menschheit ausgelöscht, und wer das Leben eines Menschen rettet, so ist es als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.).

Konsequenterweise versucht der Homo Sapiens Koranicus gegen alles, was soziale Ungerechtigkeit verursacht, seinen nützlichen Beitrag zu leisten. Er engagiert sich ganz selbstverständlich für Menschenrechte, Klima – und Tierschutz, denn seinem Herrn zu dienen bedeutet dessen Geschöpfen zu dienen und somit die Liebe und Anerkennung zu erlangen (Koran 6:162 Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Gott, dem Herrn der Welten.).

In seiner Essenz ist der Homo Sapiens Koranicus daher ein sehr bescheidenes Wesen. Wieso sollte er auch Arroganz und Hochmut an den Tag legen, unterscheidet er sich doch kaum von allen anderen Wesen in seiner Beschaffenheit (Koran 17:109 Und weinend fallen sie anbetend auf ihr Angesicht nieder, und ihre Demut nimmt zu.). All das, was ihm an Qualitäten, Fähigkeiten oder Begabungen eigen ist, wurde ihm verliehen, und so sieht er alles als ein anvertrautes Gut an, als eine Leihgabe, von dem er in bester Weise Gebrauch machen und es in bester Weise zurückgeben muss (Koran 2:156 Wir gehören Gott und zu Ihm kehren wir zurück.). Daher ist er sich im Klaren, dass jede kleinste Schuld oder jeder negativer Gedanke beglichen wird. Verantwortung für seinen Mikro- und Makrokosmos zu übernehmen, steht bei ihm daher an größter Stelle. Sich nur für seine eigenen Belange zu interessieren und sich von der Gesellschaft abzuschotten und zu isolieren passt nicht in seine koranische Denkweise.

So gibt es Hoffnung am Horizont, denn eine neue Generation von Muslimen in Deutschland wächst heran, die reiche multiple Identitäten besitzt, sich hier durchaus zu Hause fühlt und deswegen ihren konstruktiven Beitrag leisten möchte. Man sieht schon die ersten Anzeichen, dass der Homo Sapiens Koranicus im Begriff steht, sein wahres Dasein wiederzubeleben und bald zum Homo Sapiens Koranicus Germanicus zu mutieren. Einer weiterentwickelten Art, die den kulturellen Imperativ des Korans wiederentdecken und einen deutschen Islam leben wird. Einen Islam, der das deutsche kulturelle Erbe aufnehmen, respektieren und bereichern wird. Die Geschichte bezeugt nämlich, dass der Homo Sapiens Koranicus durchaus das Potenzial besitzt, sich harmonisch in verschiedene Kulturen zu integrieren und eine Synthese zu schaffen.

  1. Siehe z.B. die Studie von Dirk Halm und Martina Sauer, Freiwilliges Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland: Projekt der Stiftung Zentrum für Türkeistudien im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Essen: 2004), www.bmfsfj.de (Juni 2011)
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  1. OMG sagt:

    Geht es hier auf dieser Seite eigentlich nur um Muslime? Und mal ganz ehrlich: Wenn ich derartige religiöse Propaganda lesen will, dann gehe ich in die Moschee meines Vertrauens. Nichts anderes ist dieses Umherwerfen von Koranversen.

    20 Prozent Mitbürger mit Migrationshintergrund. Das sind 16 Millionen Menschen. 4 Millionen davon sind angeblich muslimischen Glaubens. Angeblich, weil nicht jeder Türke oder Syrer, dessen Großeltern mal gläubig waren, das selber immer noch ist. Also reduziert sich die Zahl nochmals.

    Aber auf dieser Seite scheint es fast so, als wären die 16 Millionen fast ausschließlich muslimische Migranten.

    Schade.

    • Leo Brux sagt:

      OMG,
      hier haben Sie mal ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Islam in unsere Kultur integriert und doch authentisch bleibt.
      Versuchen Sie es doch einmal nachzuvollziehen!

      Katholiken konnten sich früher auch nicht vorstellen, dass man evangelisch und richtiger Christ sein konnte. Und umgekehrt. Dann gab es eine böse Zeit, in der sich sehr viele Deutsche nicht vorstellen konnten, wie man Jude und Deutscher zugleich sein kann. Jetzt ist der Islam dran.
      Er ist ein unverzichtbaren Teil Deutschlands geworden, und wie man aus dem Artikel ersehen kann, ein zum Nachdenken anregendes und ein unsere Kultur integrierender Angebot, ein Gewinn also, auch wenn Sie, OMG, es noch nicht so recht wahrhaben wollen.

      Wie kommen Sie darauf, dass das MiGAZIN unterstellt, Migranten seien überwiegend Muslime?
      Der Islam ist in der einen oder anderen Weise des öfteren Mal das Thema. Der Nachrichten- und Aufmerksamkeitswert des Themas Islam ist ziemlich hoch in unserer Öffentlichkeit, und das Thema Islam ist doch wohl auch einer der Gründe dafür, warum SIE hier auf die Seite gehen, OMG!

      Wenn ich richtig zähle, dann werden im Moment grade 26 Artikel mit Bild gefeatured. Bei 5 geht es um den Islam. Macht ca. ein Fünftel. Das entspricht etwa dem Anteil der Muslime unter den Migranten …

  2. Snillisme sagt:

    Schon des öfteren, vor allem wenn es um menschenrechtsbedenkliche Suren ging, wurde mir gesagt daß die Weisungen des Koran nur im historischen Kontext zu verstehen seien. Diese ganz nett klingenden Verse aber darf man sich direkt zu Gemüte führen, das ist schön.
    Wie ist die Stelle gemeint in der geboten wird sich keine Ungläubigen zum Freund zu nehmen?
    Ich vermute: Die ist nur im historischen Zusammenhang zu verstehen!?
    Mein Eindruck, daß es so etwas wie eine von Muslimen ausgehende Apartheit gibt, ist bestimmt falsch.

  3. Couperinist sagt:

    @Snillisme
    Wörtlich genommen gibts da in der Tat Probleme mit der geltenden Menschenrechtslage. Der Koran spricht zu einer Stammesgesellschaft, ist aus einer solchen heraus entstanden.

    Die Moslems werden in ihm und in der Tradition des Propheten als ein auf einem Bekenntnis, in betontem Unterschied zur Abstammung, basierender Stamm angesehen.
    Viele altarabische Stammesriten, die Kaaba-Pilgerfahrt z.B., aber auch ein problematisches Verhältnis zur Frau, Sklavenhaltung und zum Individuum im Allg. hat Mohammed beibehalten bzw. nicht konsequent abgeschafft und somit für alle Zeit versiegelt.

    Die Wortwörtlichkeit des Korans als Gotteswort ist problematisch, denn eine teleologische oder historische Auslegung der Suren scheidet so aus.
    „Ungläubige“ sind damit auf ewig „Feinde Gottes“, feindliche Stämme quasi, von denen man sich tendenziell zumindest abgrenzen muss. In einer freiheitlichen Zivilgesellschaft ist so eine Denke nicht akzeptabel und führt azf lange Sicht in Spaltung undfeindselige Konflikte.

    • Leo Brux sagt:

      Seltsam,
      Couperinist,
      wie kommt es nur, dass sich die 4 Millionen Muslime in Deutschland und auch die anderen in Europa und eigentlich auch die meisten auf der Welt durchaus nicht so „stammesmäßig“ und feindselig zu anderen verhalten? Eigentlich noch weniger, als in traditionalen Gesellschaften die Christen …
      Könnte also sein, dass die Muslime den Koran zwar wörtlich, aber doch nicht so „stammesmäßig“ verstehen, wie Sie unterstellen?

      Ich geb Ihnen insofern recht, als auch für mich nur die historisch-kritische Lektüre eines historischen Textes sinnvoll erscheint. Wenn man annimmt, dass Gott (indirekt) mit den Menschen von Mekka und Medina im 7. Jahrhundert gesprochen hat, dann hat er DEREN Sprache gesprochen, nicht die unsere, also keine Sprache, die in unserer Zeit direkt verständlich wäre. (Damit meine ich nicht nur das Arabische. Die kulturelle Distanz ist gewaltig, selbst innerhalb ein und derselben Sprache.)

      Aber mir scheint, PRAKTISCH berücksichtigen die allermeisten Muslime auf ganz natürliche Weise die kulturelle Kluft, man lässt manches auf sich beruhen, was für heute nicht mehr passt, man interpretiert sich zurecht, was biegsam genug ist … Das Resultat ist jedenfalls nicht das, was Islamfeinde aus den Texten heraus und in die Gehirne hineinlesen.

      Christen wie meine Mutter machen das mit der Bibel übrigens ganz ähnlich wie die Muslime. Historisch-kritische Lektüre der Bibel ist meiner Mutter (Jahrgang 1925, ein Mädchen vom bayerischen Land) ganz fremd. Trotzdem kommt ihr kein böser Vers, keine böse Szene aus der Bibel in die Quere, wenn es um ihr Handeln und ums Verstehen der Menschen geht.

      Das Intesse an Spaltung und Konflikt liegt eher bei den Islamfeinden. Die hetzen, wiegeln auf, grenzen aus, mit einer Leidenschaft und einer Penetranz, dass man schon merkt: Da ist viel böse Lust dabei. Die Muslime selber verhalten sich vergleichsweise zivilisiert. (Na gut, Ausnahmen gibt es da schon auch.)

  4. Couperinist sagt:

    Leo Brux,
    Ausnahmen gibt es auch, Sie sagen es ja selbst. Und ich möchte meinen, dass diese Ausnahmen nicht gerade gering ausfallen dieser Tage, wenn man sich die Lage religiöser Minderheiten in islamischen Ländern anschaut.

    Erzählen Sie einem koptischen oder irakisch-chaldäischen Christen, oder einem Christen in Pakistan, Nordnigeria, Iran oder auch nur einigen Teilen Anantoliens einmal das mit der grundsätzlichen Stammesferne des Islam. Selbst Buddhisten in Südthailand bekommen immer häufiger feindselige Überfälle fanatischer Muslime zu spüren. Was steckt dahinter ? Klar, Aufhetzung, Propaganda, Hass, gruppenbezogne also stammesmäßige Menschenfeindlichkeit.
    Sie machen es entschieden sich zu einfach, Besorgnis und Skepsis hierüber als Islamfeindschaft abzutun.

    • Leo Brux sagt:

      Couperinist,
      sehen Sie, jetzt müssen Sie auf der ganzen Welt herumsuchen, um Beispiele zu finden, weil Sie in Deutschland und in Europa keine finden. Wieso machen Sie die Muslime, die hier bei uns leben, für das verantwortlich, das in anderen Ländern passiert? Die deutschen Christen sind auch nicht verantwortlich für die amerikanischen Evangelicals, zum Beispiel.

  5. Zeyneb Sayilgan sagt:

    @Snilisme:

    Der Koran enthalt in der Tat kritische Textstellen genau wie andere Offenbarungsschriften. Daher ist es wichtig unter anderem den historisch-sozialen Kontext in Betracht zu ziehen um zu einer gesunden harmonischen Interpretation zu erlangen. Vor allem wenn ein spezieller Vers im totalen Gegensatz zu vielen anderen Versen steht.

    Wir wissen z.B dass Muhammad mit einer koptischen Christin verheiratet war und dass der Koran die Ehe und Liebe zwischen Anhangern der monotheistischen Weltreligionen ganz offen gutheisst. Auch hatte Muhammad die Moschee in Madina einer christlichen Delegation aus der Stadt Najran zur Verfugung gestellt, damit diese Menschen dort ihren Gottesdienst verrichten. Diese und andere historische Tatsachen sind in jeder Prophetenbiographie zu finden.

    Wie sollen wir aber nun diese Fakten und die auch im Artikel erwahnten Verse mit beispielsweise folgendem kritischen Koranvers (5:51) in Einklang bringen: „Nehmt euch nicht nicht die Juden und Christen als Freunde.“ Muslimische Korangelehrte waren sich hier durch die Reihe einig dass es hier um die Fruhzeit des Islam ging, eine Zeit in der die junge neue Religion noch nicht fest etabliert war und es darum wichtig erschien ein klares Bild zu definieren. Spater jedoch hat die Praxis der Muslime gezeigt das dies nicht mehr relevant war, denn freundschaftliche Beziehungen wurden dann nicht mehr nur aufgrund der Religionszugehorigkeit definiert. Im Klartext: Dieser Vers wurde nicht verworfen, nur isoliert und war zeitlich begrenzt. Wann aber ist ein Vers nur fur einen bestimmten historischen Kontext gedacht und wann beginnt er universale Gultigkeit fur alle Zeiten zu besitzen? Hier ist eine sensible wissenschaftliche Koranexegese notig die vielerlei Kriterien folgt.

    Koranexegese ist ein Spezialgebiet das einer wissenschaftlichen Ausbildung unterliegt. Wenn ein Laie oder ein Otto Normal Muslim sich nun daran macht diesen Vers zu kommentieren koennen schwerwiegende Folgen entstehen. Theoretisch ist die Schrift jedem zuganglich, doch eine gewisse Professionalitat ist immens wichtig denn sonst legitimiert man jeden zu seinem eigenen Resultat zu kommen und das kann schwerwiegende Folgen haben.

    Die grosste Herausforderung fur den Leser besteht also darin den Text aufrichtig zu lesen ohne ihm seine eigenen Angste oder selbstsuchtigen Interessen aufzuzwingen. Es ist wichtig die Intention des Autors zu erkennen und den Vers unter Berucksichtigung aller Verse zu verstehen (holistische/ganzheitliche Lesart vs. atomistische oder selektive Lesart die den Vers aus dem Kontext zieht.

    Auch sakulare Texte sind hier vom Missbrauch nicht verschont. Man erinnere sich daran dass das der Satz „alle Menschen“ in der amerikanischen Verfassung fur lange Zeit nur fur „weisse Manner“ galt (Frauen und Afro-Amerikaner waren ausgeschlossen weil man sie schlicht und ergreifend nicht als Menschen ansah) Und auch Shakespeare gestand ein: „The devil can cite Scripture“

    Offenbarungsschriften wandeln sich auch im in einen Spiegel unserer Seele. Ist jemand negativ und destruktiv eingestellt wird er das Resultat konsturieren das er mochte ganz gleich wie positiv und offen der Inhalt verfasst ist.

  6. Lutheros sagt:

    Der Artikel hat durchaus einen guten Anfang, nämlich die Feststellung, dass sich Muslime zu sehr mit sich selbst beschäftigen und sie sich selbst von der Gesellschaft abgrenzen.
    Nur frage ich mich, wie eine Verständigung funktionieren soll, wenn man völlig unterschiedlich spricht?

    Frau Sayilgan, Sie begründen das positive Wesen „Moslem“ mit diversen Koranversen. Sie benutzen damit die gleiche Argumentation wie derjenige, der seine Ablehnung von Muslimen in der Nachbarschaft begründet.
    Warum verwenden Sie aber eine Begründung, die Sie anderen mit dem Hinweis auf Kompetenzmangel nicht gestatten? Damit entziehen Sie sich jeder Art von Auseinandersetzung: „Lieber Zuhörer, dir fehlt ja die Kompetenz meine Argumente zu widerlegen.“

    Aus meiner Sicht bringen Sie gerade den Beweis, warum es mit Muslimen in der Gesellschaft mit anderen nicht funktioniert: Die Welt können Sie nur mit dem Koran erklären, und benutzen damit eine Sprache, die Nichtmoslems nicht sprechen. Können Sie das Wesen des Moslems mit Worten außerhalb der religösen Schriften erklären?

    Und noch etwas zeigt das Problem: Witzig gemeint, vom „Homo Sapiens Koranicus“ zu sprechen – aber es offenbart ein Denken das man Moslems vorwirft: Sich als eigene Rasse zu definieren.

    • Leo Brux sagt:

      Lutheros,
      Ihr Problem ist: Niemand darf anders sein und anders denken als Sie. Wenn er oder sie das tut, dann handelt es sich um ein Problem, das wohl nur mittels ethnischer Säuberung zu lösen ist? Sorry, aber ich kann mir diese penetrante Weigerung, Pluralität anzuerkennen, nicht anders erklären als eben mit diesem Ziel der Ausgrenzung aus Deutschland.

  7. Couperinist sagt:

    Leo Brux,
    Deutschland ist kein Land mit islamischer Dominanz.
    Und in tatsächlich jedem Staatsgebilde dieser Welt, in dem der Islam die dominierende Religion und Lebensform ist, werden Nichtmuslime diskriminiert. Es git nur Abstufungen, aber keine Ausnahmen.
    Und es gibt zumindest Grund zur Besorgnis auch in einigen westeuropäischen Gebieten. In Malmö,Schweden, kommt es schon zur Flucht jüdischer Bürger, die sich immer härteren Attacken seitens einiger muslimischer Nachbarn ausgesetzt fühlten.

    • Leo Brux sagt:

      Couperinist,
      das war früher bei uns auch so mit der Religion. Es ändert sich mit der Modernisierung der Gesellschaft. So wie bei uns früher, so in den islamischen Ländern heute und morgen.

      Was die Attacken von Nachbarn angeht, so hoffe ich doch, dass Sie auch solche verurteilen, die sich gegen Muslime richten. Wenn Sie mal die ganze Hetze gegen Muslime einrechnen, dann haben es Juden in Europa im Vergleich zu den Muslimen hier relativ gut. Ist auch gut so, nach Jahrhunderten den Antisemitismus. Jetzt wird der Antisemitismus durch die Islamfeindschaft ersetzt. Glauben Sie nicht, dass auch schon deutschtürkische Muslime in die Türkei zurück gegangen sind, weil sie sich den Attacken von Islamfeinden zu sehr ausgesetzt gefühlt haben? In solchen Fällen fühlen Sie dann aber eher Befriedigung – oder täusche ich mich da?

  8. Snillisme sagt:

    @ Zeyneb Sayilgan

    „Wir wissen z.B dass Muhammad mit einer koptischen Christin verheiratet war und dass der Koran die Ehe und Liebe zwischen Anhangern der monotheistischen Weltreligionen ganz offen gutheisst. “

    Können Sie mir auch erklären warum der Mann in einer solchen angeblich vom Islam gutgeheissenen Ehe (MuslimischAnhänger einer monotheistischen Religion) immer Muslim sein muß?

  9. Couperinist sagt:

    Ich schrieb aber nicht über Islamfeindschaft, sondern über diejenige Feindschaft, die von viel zu vielen Moslems ausgeht und Nichtmoslems bedroht. Diejenige also, die weltweit dramatisch ansteigt und Sie eher kalt lässt. Das Thema schnell zu wechseln ist einfach.

    Über die hoffentlich stattfindende Modernisierung der islamischen Gesellschaften können wir uns in ein paar Monaten unterhalten. Ich werde Ihnen dann zustimmen, wenn in Ägypten bspw. die volle Religionsfreiheit und gleiche Rechte in allen Belangen für Kopten garantiert werden.

  10. Lutheros sagt:

    Herr Brux, dass Sie in jedem zweiten Posting die Frage aufwerfen, ob der anders als Sie argumentierende nun zur ethnischen Säuberung übergehen möchte, ist Ausdruck einer im Jahre 1946 stehen gebliebenden Lebenseinstellung. Und ich möchte Sie in gebotener Höflichkeit bitten, sich mit vorgetragenden Argumenten auseinandersetzen statt persönliche Unterstellungen abzuladen.

    Islam und Pluralität – ein schönes Thema. Islam hebt Unterschiede auf, und mündet in der Einheitlichkeit. ein schöneres Bild für das Ende der Pluralität als die Hadsch nach Mekka gibt es wohl kaum. Alle werden zu einer Einheit.

    Tut mir leid Herr Brux, eine Antwort auf meine Kritik, dass man als Moslem den Koran für den Beweis der Güte des Moslems heranziehen darf, aber für den Beweis der schlechten Seiten des Islam nicht, war das nicht.
    Sie haben überhaupt kein Argument, wenn man es genau nimmt.

    • Leo Brux sagt:

      Lutheros,
      man merkt schon, wie sehr Sie die totale Homogenisierung fasziniert. Sie fasziniert Sie am Islam – Ihr Beispiel Mekka – und sie verfolgen etwas Ähnliches für Deutschland. Diese Obsession der totalen Homogenisierung zieht sich als Argument durch Ihre Beiträge. Unterschiede werden von Ihnen eigentlich immer nur als Problem dargestellt, nie als produktiv, als Chance, als konstruktive Herausforderung.

      Das ist der Punkt, auf den SIE nie eingehen. Wir reden da einfach aneinander vorbei. So kommt es Ihnen so vor, als hätte ich kein Argument, und mir kommt es vor, als hätten SIE kein Argument.

      Da liegt ein Antagonismus vor, und wir können uns unsere völlig gegensätzlichen Vorstellungen von Homogenität und Differenz noch hundertmal um die Ohren hauen, das Rad wird sich immer nur im Kreise drehen.

      Aber soviel möchte ich schon festhalten: Radikale Homogenisierung bedeutet letztlich ethnische Säuberung. Die möchte ich in Deutschland nicht haben. Ich genieße die Unterschiede zwischen den Menschen und den Kulturen …
      Mir wäre deshalb auch Mekka zutiefst unangenehm. In der Tat kein Beispiel für Pluralismus. Glücklicherweise sind die Verhältnisse bei uns anders, auch unsere Muslime fügen sich wunderbar ein in das multikulturelle Mosaik, das wir heute haben. Wie wunderbar vielfältig und uneinig präsentiert sich doch der Islam in Deutschland! Es mag vielen Muslimen heute noch unangenehm sein, so uneinig zu sein, aber daran gewöhnt man sich. (Auch die Katholiken tun sich schwer mit Uneinigkeit und hätten es unter sich gerne möglichst homogen. Die Katholiken haben einen Papst, die Muslime nicht. Das erhöht die Heterogenität.)

      Wer oder was hindert Sie übrigens, den Koran oder eine Stelle im Koran als Beleg für etwas Negatives im Islam anzuführen?
      Es kommt darauf an, WIE man das macht. Kritisch oder hetzerisch. Man darf es auch hetzerisch machen, aber man darf dann auch sagen, dass es hetzerisch und nicht kritisch ist.