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Buchtipp zum Wochenende

Atiq Rahimi – Stein der Geduld

„In einem Dorf irgendwo in Afghanistan sitzt eine Frau am Bett ihres schwerverletzten Mannes, der im Koma liegt. Im Zimmer ist es still, draußen hört man Schüsse, die Frau betet. Dann beginnt sie zu reden.“

Von Nasirah Raoufi Freitag, 15.04.2011, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 19.04.2011, 0:51 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

In einem kargen Zimmer eines vom Krieg gezeichneten Hauses irgendwo in Afghanistan erzählt eine Frau ihre Geschichte. Sie spricht zu ihrem Ehemann, der schwerverletzt vor ihr liegt und von dem sie nicht weiß, ob er sie hört. Vor dem Haus tobt ein nie enden wollender Krieg und in diesem Zimmer herrscht erdrückende Stille, die vom Leid der Protagonistin zerrissen wird. Es ist ein Monolog über die Qualen ihrer Ehe, über Demütigung und Unterdrückung, von den Verletzungen ihrer noch so jungen Seele.

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‚Stein der Geduld’ ist ein kleines Buch voller Kraft und Gefühl. Es ist die Geschichte von einer afghanischen Frau ohne Namen, die über ihr Schicksal spricht. Ein Schicksal, das so viele Frauen in Afghanistan teilen und dem sie schutzlos ausgeliefert sind. Mit der Kraft seiner Symbolsprache beschreibt Atiq Rahimi den Mut dieser Frau, die nach Jahren erdrückender Angst das Schweigen bricht. Den ungeliebten Gatten macht sie zu ihrem persönlichen magischen „Stein der Geduld“ (‚sang-e sabur’) aus der afghanischen Mythologie, vertraut ihm alles Erlittene an und beichtet dem geistesabwesenden Mann eines ihrer größten Geheimnisse an…

Rahimi’s schnörkelloser Roman reflektiert Bilder einer Zeit der schonungslosen Unterdrückung in Afghanistan. Mit einer klaren und poetischen Sprache, beschreibt der Autor das Leben seiner Hauptfigur aber bewertet nicht. Ein Buch über die Macht der Worte, die Hoffnung und den unerschütterlichen Glauben. Mit diesem kleinen Meisterwerk würdigt der in Kabul geborene Exil-Autor und Dokumentarfilmer die Stärke der Frauen seines Heimatlandes. Es sind bewundernswerte und tapfere Frauen, die sich inmitten von Krieg und patriarchalisch geprägten gesellschaftlichen Verhältnissen kleine Inseln der Zuflucht und des Schutzes schaffen und niemals die Hoffnung verlieren.

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