Mehrsprachigkeit

Allergische Reaktion? Bekämpfung könnte so einfach sein!

Allergiker haben es momentan nicht leicht. Der Frühjahr 2010 bereitet einen der stärksten Pollenflüge der letzten Jahre. Cem Özdemir diagnostiziert richtig, dass es vermehrt zu Heuschnupfen kommen kann und begründet dies damit „ dass es große Allergien bei uns gegen alles Türkische gibt“.

Von Anil Gürtürk Mittwoch, 14.04.2010, 7:04 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.09.2010, 23:56 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Da treffen sich der türkische Ministerpräsident und die deutsche Kanzlerin. Merkel und Erdogan; da treffen zwei Konservative, zwei Machtmenschen aufeinander – eine innenpolitisch eine kühle Moderatorin, der andere ein polterndes Ungestüm, der alles aus dem Weg räumt, was ihm in die Quere kommt. Unterschiedlicher könnten sie von Natur aus nicht sein und während Gerhard Schröder der „Arkadaş“ der Türken war, ist Frau Merkel eher die Partnerin, mit der man doch irgendwie auskommen muss.

Es ist ein seltsamer Reflex, ein interessanter Verlauf, dass der Fokus dieses Treffens auf die Integration der Türkischstämmigen in Deutschland fällt. Das war nicht immer so. Grund hierfür ist eine für viele schleierhafte Annäherung der AKP Regierung an die Türken in Europa, die von der Regierung zwar sehr offen kommuniziert wird, aber anscheinend bei vielen unbegründet Angst hervorruft. Ein weiterer Aufreger war die viel diskutierte Forderung Erdogans nach türkischen Gymnasien. Während Akademikereltern in Berlin ihre Kinder gerne in die John F. Kennedy School schicken, wird bei türkischen Gymnasien auf angebliche Gefahren und Risiken aufmerksam gemacht.

Die Griechen in Deutschland haben es vorgemacht: zweisprachige Gymnasien mit Griechen und Deutschen geben den Schülern die Möglichkeit bilingual aufzuwachsen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Es ist Zeit einzusehen, dass `das Türkische` eine Ressource sein kann. Eine Ressource für Bilingualität und kulturelle Kompetenz. Während in der privaten Wirtschaft nach Sprachkompetenz und Diversity Management gefragt wird, machen Medien und Politiker die Umsetzung in der Praxis schwer.

Geht es um das Deutsch-Türkische Verhältnis, ist der Aufschrei groß und die Emotionen auf einem polemischen Höhepunkt. Damit muss Schluss sein. Solange sich der Ton nicht ändert, Inhalt und Objektivität ignoriert werden, wird das Verhältnis zwischen der so genannten Aufnahmegesellschaft und den so genannten Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund in der deutschen Gesellschaft weiter auf einem `Wir` und `Ihr` basieren. Wenn die Politik den Graben tiefer und weiter gräbt, darf es keinen verwundern, wenn die Integration vor allem bei jungen Menschen scheitert und die angeblich Integrierten die deutsch-türkische Szene in Istanbul bereichern. Bei politischen Treffen sollten beide Seiten sich klar machen, dass es möglich ist zwei Identitäten mit sich zu tragen. Mehr noch, dass dies sogar von Vorteil ist.

Was kann die deutsche Regierung von diesem Treffen mitnehmen? Schwarz-gelb muss alles daran setzen, dass die türkische Seite und die ´Deutsch-Türken´ das Gefühl loswerden, dass ihnen Hass und doppelte Standards zugemutet werden. Hierbei ist vor allem Deutschlands Haltung zur EU-Aufnahme der Türkei gefragt. Dass solch ein Prozedere vorher noch nie einem anderem Land zugemutet wurde, hat Erdogan leider richtig erkannt. Die schwarz-gelbe Regierung wählte in ihrem Koalitionsvertrag vage Worte bezüglich des Umgangs mit einer EU-Aufnahme der Türkei. Dies bietet viel Spielraum für CDU, CSU und FDP. Die Regierung muss daher alles daran setzen, die Entscheidung auch wirklich `ergebnisoffen` zu halten.

Aber auch die ´Deutsch-Türken´, um die es geht, sind in dieser Diskussion gefragt: was sie/wir nicht machen dürfen, ist eine Opferrolle anzunehmen und in diese zu flüchten. Stattdessen sollte man auf einen konstruktiven Dialog setzen und die positiven Aspekte der angeblichen Allergie aufzeigen. So kann gezeigt werden, dass `Das Türkische` keine Allergie, sondern ein legales Dopingmittel ist.

Ich bin Allergiker. Mein Hausarzt schlug mir eine Desensibilisierung vor. Das heißt, dass vor der Pollenzeit nach und nach Allergen injiziert werden, um den Körper gegen die Allergie abzustumpfen. Daher mein Vorschlag für alle Allergiker: Besuchen Sie einmal die Aziz Nesin Grundschule in Berlin, lesen Sie Publikationen zum Thema Diversity Management und nehmen Sie an der Veranstaltung `Vielfalt gewinnt` der Stadt Köln teil. Sie werden schnell merken, dass auch Sie den Heuschnupfen besiegen können!

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  1. Selçuk sagt:

    „Stattdessen sollte man auf einen konstruktiven Dialog setzen und die positiven Aspekte der angeblichen Allergie aufzeigen.“

    Hmm, also das funktioniert in diesem Forum so gut wie überhaupt nicht. Es gibt nur eine Hand voll von Kommentatoren ohne türkischem Migrationshintergrund, mit denen man einen konstruktiven Dialog führen kann. Denn so ein Dialog erfordert Wissen und einen gesunden Menschenverstand. Ob es da draußen viel besser läuft?

    Zu dem Begriff der Opferrolle, gegen die und anderen Begriffen wie „Integration“ ICH mittlerweile eine Allergie habe, möchte ich etwas anmerken. Ich kann nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen: Bis jetzt habe ich keiner einzigen Person in meinem Umfeld begegnet, die so eine Rolle annimmt. Meiner Meinung nach wird ein Mensch nur dann eine solche Rolle annehmen, wenn er mit seinem Wissen an eine Grenze angelangt ist und krankhaft versucht sich irgendwie zu rechtfertigen. Vielmehr sehe ich Traurigkeit, Enttäuschung und Ärger in den Gesichtern der Personen, wenn sie sich massiven Vorurteilen oder Ablehnungen stellen müssen und sich deshalb zurückziehen. Es gibt also nicht nur die so genannte Opferrolle, da die Gefühlswelt von uns Menschen komplex ist. Macht bitte diese Unterscheidung!

    • Petersen sagt:

      Konstruktiver Dialog = Zustimmung und Abnicken der türkischen Meinung?

      • Selçuk sagt:

        Nö! Komisch nur, dass es so verstanden wird!

      • Mehmet sagt:

        Was machen Sie da?

        Sie selbst sind doch die Person, die wirklich alle Punkte, die mit dem Islam oder der Türkei zu tun haben, negativ kommentiert. Wenn jemand etwas gegen ihre Argumente sagt, projizieren Sie einfach Ihr eigenes Verhalten auf andere? Wie wäre es mal mit contra UND pro-Argumenten. Schauen Sie sich doch mal um. Wer von den üblichen Kritiken (negativ) hat JEMALS in auch NUR EINEM Punkt einen positiven Kommentar geschrieben??? Diese Frage, BITTE beantworten Sie mit diese Frage. Ich bin gespannt!

  2. Kaan sagt:

    „Stattdessen sollte man auf einen konstruktiven Dialog setzen und die positiven Aspekte der angeblichen Allergie aufzeigen.“
    In meiner Umgebung interessiert sich kein Mensch über Migration, Intregration und/oder Assimilation. Wenn jemand ein bisschen Interesse hat, ist das dann sowieso nur mit Vorurteilen geprägt. Wie wichtig kann denn dann die türkische Sprache eigentlich sein? Für ’normale‘ Deutsche kommt das wie Zulusprache in deutscher Schule vor…

  3. A. E. sagt:

    Ich stimme Ihren Äußerungen vollkommen zu.

    Das Gefühl, alleine durch dieHerkunft eine „Allergie“ bei den Deutschen hervorzurufen, zehrt sogar „vorbildlich“ integrierten Menschen wie mir.

    Was soll den ein Mensch denken, der kulturell, sozial und wirtschaftlich noch keine Wurzeln in Deutschland aufbauen konnte?!

    Trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir nicht die Opferrolle einnehmen. Ich glaube, damit würden wir einige Kräfte in diesem Land eine Freude bereiten!

  4. elimu sagt:

    „Hmm, also das funktioniert in diesem Forum so gut wie überhaupt nicht. Es gibt nur eine Hand voll von Kommentatoren ohne türkischem Migrationshintergrund, mit denen man einen konstruktiven Dialog führen kann. Denn so ein Dialog erfordert Wissen und einen gesunden Menschenverstand. Ob es da draußen viel besser läuft?“

    Warum „outen“ wir uns alle eigentlich nicht? Wär mal ne hübsche Umfrage…
    WER und WAS sind die Besucher und Kommentatoren der Migazin-Seite?? Deutsch? Türkisch?Russisch? Serbisch? Deutsch-türkisch? mit Hintergrund, ohne Hintergrund, ausgezogen, hergezogen, eingewandert ausgewandert… o.ä…….. eine endlos lange Liste :)

  5. maria sagt:

    Ich lese aus den vorangegangenen Kommentaren überwiegende Resignation heraus. Resignation bedeutet Kapitulation. Und dazu besteht kein Grund.

    Die momentane Diskussion ist meiner Meinung nach das Ergebnis einer verfehlten Sozialpolitik, die es bisher nicht geschafft hat, schwächere Bevölkerungsgruppen in die Gesellschaft zu integrieren. Und damit meine ich nicht nur Migranten, sondern auch Deutsche. Es ist aufgrund verschiedener wirtschaftlicher Entwicklungen nicht gelungen, eine stabile Gesellschaftsordnung beizubehalten. Es ist also ein Problem, das alle in Deutschland betrifft, in der allgemeinen Diskussion allerdings gerne einer bestimmten Personengruppe zugeschrieben wird. Das erscheint einfacher zu sein, als eine gesamte Lösung zu finden.
    Die deutsche Gesellschaft leidet unter Zukunftsängsten und erfährt am eigenen Leibe Geldknappheit. Daraus erschließt sich eine menschlich normale Reaktion, Schuldige ausfindig zu machen, auch wenn sie nicht der Auslöser des Problems sind.
    Migranten, und damit meine ich nicht nur türkische Migranten, sind leider im Moment die Bevölkerungsgruppe, die in manchen Augen der deutschen Gesellschaft dafür die Verantwortung hauptsächlich tragen.
    Kein schönes Bild, einfach gestrickt, aber leider Realität.

    Diese Problematik muss meiner Meinung nach jedem bewusst sein. Dann kann auch gemeinsam daran gearbeitet werden.
    Daraus aber zu resignieren, wäre der falsche Ansatzpunkt. Selbstbewusst sich der Tatsache stellen, aufeinander zugehen. Migranten, die bereits gut angekommen sind, können Hilfestellung denen bieten, die sich noch schwerer damit tun. Den Deutschen empfehle ich, einfach ab und zu einmal den Gegenüber anzulächeln, zu grüßen, den „fremden“ Nachbar fragen wie es ihm geht. Es sind oft nur Kleinigkeiten, die den Ansatz zur Lösung bieten.

    Jede Allergie kann eingedämmt werden, mit der richtigen Behandlung und dem guten Willen. Auf beiden Seiten natürlich.

  6. Loewe sagt:

    Ich hab auch Heuschnupfen, jedes Jahr bei Frühlingsbeginn. Was mache ich? – Nix. Es gibt Schlimmeres.

    Mit der Türkenallergie oder Islamallergie so vieler meiner Mitbürger muss ich auch leben. Die Ressentiments sind unangenehm und haben auch schädliche Folgen, aber man kann’s aushalten, es ist noch keine Katastrophe.

    Ich fürchte, wenn wir mal in Deutschland wieder eine tiefere, schärfere Krise durchmachen sollten, dann erst wird’s richtig ernst, dann wird aus dieser Allergie die Pest. (Ja ja, medizinisch geht das nicht, ich weiß …)

  7. pojarkow sagt:

    Einsprachigkeit ist der Analphabetismus des 21. Jahrhunderts. Es ist erwiesen, dass Kinder, deren Zweisprachigkeit richtig gefördert wird, auch Fremdsprachen wesentlich leichter erlernen können, als einsprachig aufwachsende. Schulen, die von den Kindern mitgebrachte Sprachfertigkeiten nicht fördern, entwickeln und vor allem auch anerkennen verletzen demnach ganz erheblich deren Grundrecht auf freie Entfalltung der Persönlichkeit (Artikel 2 Abs. 1 Satz 1 des Grundgesetzes). Demnach dürften etwa 99 Prozent der staatlichen Schulen in Deutschland die Rechte von zweisprachig aufgewachsenen Kindern schlicht missachten. Das grundlegend zu ändern ist zwingend erforderlich. Die Allergiker müssen sich nämlich vorwerfen lassen, nicht gegen irgendwelche exotischen Pollen, sondern gegen die deutsche Verfassung allergisch zu sein.

    Im Übrigen ist meine Großmutter in Unganr und später Rumänien auf ein deutsches Gymnasium gegangen, das war für die deutsche Minderheit dort seinerzeit selbstverständlich.

    • Bierbaron sagt:

      Sie meinen 99% der deutschen Schulen würden gegen Artikel 2 I S. 1 GG verstoßen. Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt: Warum klagen sie dann nicht?
      Meine Antwort: Sie wissen selbst genau genug, wie aussichtslos und schräg ihr Anliegen ist. Davon ab kann ich ihnen nur raten: Lesen sie Kant! Der mündige wie freie Bürger schreit nicht nach dem Staat, wenn er eine zweite Fremdsprache lernen will. Er tut es einfach.
      Und bevor mir entgegnet wird „der weiß ja gar nicht wovon er redet“, will ich festhalten, dass meine Eltern so frei waren mich bilingual (Deutsch-Niederländisch) zu erziehen. Ganz ohne Unterstützung durch die Schule.

      Und zum Artikel: Wenn Frau Merkel konservativ ist, bin ich Marsmensch!

      Grüße
      Bierbaron

  8. H.Urlass sagt:

    Ich bergreife es anscheinend nicht.
    Griechen, Italiener, Spanier, Polen, Franzosen, Holländer …. Alle die hier leben und arbeiten wollen haben sich integriert ohne das uns je eine verfehlte Integrationspolitik vorgeworfen wurde.
    Selbst Jüdische Bürger haben sich trotz Holocaust hier wieder eingebracht und es zu hohem Ansehen geschafft.
    Warum? Die hatten keine Integrationspolitik und Verbände nötig. Die haben die Ärmel hochgekrämpelt, mit uns gelernt und gearbeitet.
    Diese Migranten habe zum großen Teil nicht einmal die doppelte Staatsangehörigkeit und sind problemloser und schneller bei uns angekommen. Sogar heute noch!
    Sie wollten keine eigenen Schulen, sie wollten keine eigene kulturelle Rücksichtnahme von uns. Sie respektieren unsere Ordnung.
    Fragt sie bitte, ob sie hier unglücklich sind.
    Unsere Türken scheinen sehr unzufrieden mit uns zu sein. Anders kann ich den Aufwand an Integrationsversuchen und Konferenzen dazu nicht verstehen.

    Ich sage mal, wir sind auch ohne Türken multikulturell wenn sie nicht wollen.

    Wie ich eingangs schon sagte.
    Ich begreife es anscheinend nicht.
    Man möge es mir bitte nachsehen.

    • Petersen sagt:

      Hallo Herr Urlass,
      richtig, ich begreife es auch nicht. Es MUSS mit der Religion zusammenhängen. Ich vermute, dass der Islam und das Christentum/Judentum (=westliche Werte) schlicht und einfach nicht kompatibel sind. Bzw. für große Teile der türkischen Gemeinschaft nicht akzeptabel. (Ich spreche nicht von den paar Akademikern hier bei migazin oder sonstwie integrierte oder erfolgreiche Türken) Eine andere Erklärung habe ich nicht. Ein Freund von mir, Schwarzafrikaner aus einem Buschdorf im Kongo, selbst der hat sich integriert. Mit der Bildung kann es also nicht zusammenhängen. Man muss ja seine Herkunft dabei nicht vergessen.

      Hätte man die Türken damals besser in der Aufnahmegesellschaft verteilt, sprich hätte man die Ghettobildung stark unterbunden, wären wahrscheinlich viele Türken nicht geblieben. Viele sind nur geblieben, weil es möglich war, eigene Parallelgesellschaften zu gründen, sich nicht mit den Deutschen abgeben zu müssen, Türke bleiben zu können.

      Und das ist ja auch das Hauptproblem in der Integrationsdebatte: die Türken fordern Sonderrechte, sie wollen als Türken wahrgenommen werden und nicht als Deutsche.

      • Mehmet sagt:

        „Ich vermute, dass der Islam und das Christentum/Judentum (=westliche Werte) schlicht und einfach nicht kompatibel sind. Bzw. für große Teile der türkischen Gemeinschaft nicht akzeptabel.“

        Haben Sie sich schonmal mit Armeniern, Assyrern oder Aramäern unterhalten?? Dann werden Sie schnell erkennen, dass deren Gesellschaftsregeln sehr konservativ sind mit der Ausnahme, dass Sie keinen Kopftuch tragen. Alles andere ist gleicher als gleicher. Ich habe mich letztens mit einer Aramäerin über die Werte und der Religion unterhalten. Bzgl. der Gesellschaftsregeln ist mit dem dortigen islamischen Regeln, aber auch wirklich alles gleich.

    • Manu sagt:

      H.Urlass, Sie sind, meine Meinung nach, total falsch. Ich selber bin berliner Franzose, kenne allerleie Deutschtürken, Türken, Franzosen, Spanier, Amerikaner, Italiener, Polen, usw., die hier in Berlin und außerhalb in Deutschland leben. Ich kenne mich auch aus in Geschichte und sozial/Gesellschaftskunde…

      Erstmal gibt es z.B. hier in Berlin eine Menge Kindergärten, Schulen und Gymnasien wo hauptsächlich englisch, französisch, grieschich, usw. gesprochen und unterrichtet wird. Die auch leben in einer Parallelgesellschaft gleichzeitig wie in der „Hauptgesellschaft“ – nicht mehr, nicht weniger als die Türkischstämmige. Nun dürfen sie z.B. im gegensatz zu denen ihre Staatsangehörigkeit behalten, falls sie die deutsche aufnehmen, und werden nicht dermassen diskriminiert auf alle mögliche Ebene.

      Auch, die Griechen, Italiener und Spanier aus der Arbeitsmigration kamen viel weniger, und hatten nicht so an Rassismus zu leiden – fragt sich warum. Hier ist einem sehr schnell klar, wie negativ die Deutschtürken betrachtet werden – alle mögliche Vorurteile und Ignoranz/Lüge kommen da zur Hilfe. MIch kränkt es mittlerweile. Erst von „Türken“ in einem Pack immer wieder zu reden ist Rassismus, denn es sind vor allem Menschen wie andere, die nicht unbedingt nur auf ihre Herkunft zu reduzieren sind. Verallgemeinungen kränken die Gemüter unserer Gesellschaft.

      Auch, was Sie vielleicht nicht wissen, ist dass die von Ihnen erwähnten europäische Mitbürger viel, aber viel härter „die deutsche“ bzw. die deutsche Gesellschaft betrachten als die Türkischstämmige – und ich bleibe bei meinem Wortauswahl sehr nett… Meisten sogar sind die Türkischstämmige, deren Familien aus dem tiefsten Land kamen, sehr glücklich hier in Deutschland zu leben. Dass sie aber, wie alle andere, vieles aus ihrem Herkunftsland mögen, ist völlig normal …Oder sprechen wir gleich von den Deutschen, die z.B. in Spanien leben, und dann werden alle Kommentaren zunichte gemacht, die diesbüzlich „die Türken“ kritisieren ;-)

      Ihre sog. „Jüdische Bürger“ sowie die sog. „Aussiedler-Deutschen“ aus der Ex-Sovietunion/Polen/Rumänien/usw. haben von unmenge Hilfen (vor allem finanziell) profitiert, die der deutsche Staat im Lauf von kurzer Zeit ihnen zu Verfügung gestellt hat – zuerst fing es an mit der quasi automatische Einbürgerung! Da gäbe es soviel zu sagen, aber die Fakte sprechen für sich selbst. Außerdem waren diese Leute meistens nicht aus der selben Sozialschichten wie die, die aus ländlichen Gebieten Anatoliens kamen – und das ist ein wichtiger Punkt! Auch: Nur was die Leute aus der ex Sovietunion (egal ob „Juden“ oder „Deutsche“) betrifft, die leben völlig in einer Parallelgesellschaft – natürlich nicht eine von postländliche Prolets ;-) – und niemand hat was dagegen zu sagen …Zurecht!

      Wenn Sie es weiterhin nicht „begreifen“ wollen, wie Sie selber sagen, sind Sie selber schuld ;-)

  9. H.Urlass sagt:

    Da ist mir im Artikel des Verfassers Anil Gürtürk noch ein Absatz aufgefallen, den ich richtig stellen möchte.
    Er schreibd:
    Die Griechen in Deutschland haben es vorgemacht: zweisprachige Gymnasien mit Griechen und Deutschen geben den Schülern die Möglichkeit bilingual aufzuwachsen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Es ist Zeit einzusehen, dass `das Türkische` eine Ressource sein kann. Eine Ressource für Bilingualität und kulturelle Kompetenz. Während in der privaten Wirtschaft nach Sprachkompetenz und Diversity Management gefragt wird, machen Medien und Politiker die Umsetzung in der Praxis schwer.

    Lieber Herr Gürtürk.
    Griechich und Latein wurde schon an Gymnasien gelehrt, als es kaum Griechen hier in Deutschland gab. Der Grund ist auch heute noch, da die „Altsprachen“ wie wir sie nennen (Griechich und Latein) in der Medizin und Wissenschaft immer noch grundlegende Bedeutung haben. Leider nicht das Türkische.
    Natürlich haben dadurch unsere Griechen es in den Fächern etwas leichter – sonst aber müssen sie genau so intensiv lernen wie wir das auch gewohnt sind.

    Ich hoffe, ich konnte den Sachverhalt aufklären.

  10. walter sagt:

    Es ist der Rassismus und feindliche Haltung gegenüber den Türken und der Türkei, was den Türken zeigt wie gern wir Deutsche sie haben. So etwas spaltet die Gesellschaft. Ich kann mich an keinen Politker erinnern, der die Italiener wegen ihrer mafiösen Strukturen in Deutschland kritisiert hat. Italiener sind überwiegend im Gastronomiegewerbe tätig als Eisverkäufer oder Restaurantbetreiber, ich habe hier in Deutschland kaum italienischstämmige Politiker, Ärzte, Professoren oder Lehrer gesehen im Gegenteil zu den Türken. Dennoch will man mir Glaubhaft machen, dass Türken nicht integriert seien. Es mag bei einem äusserst geringen Teil der Türken stimmen, aber das wars dann auch.

    Auch begreife ich die ganze Integrationsdebatte nicht. Nicht die Türken haben sie angefangen oder gefordert. Es waren deutsche Politiker, die nicht mehr auf den Ausländer schimpfen können, sondern auf den Integrationsunwilligen, um Stimmen zu fangen. Das ist gesellschaftlich akzeptiert. Nur sollen die Politiker und alle anderen die von Integration faseln bitte einmal sagen, was Integration ist.

    @Peter
    Dass es nicht die Religion ist sieht man an den Deutschen im christlichen Ausland. Da sind die Deutschen unter sich, pflegen ihre Sprache und Kultur, siehe Spanien. Das liegt natürlich auch daran, dass die Spanier mit den Deutschen nichts zu tun haben wollen. Wir sind nun einmal nicht das symphatischste Volk der Welt. Wenn es in Europa eine Gemeinsamkeit der Völker gibt, dann ist es die Antipathie gegenüber den Deutschen. Das sollte einem schon zu denken geben.

    • Petersen sagt:

      Walter, ihr Kommentar ist weltfremd. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie selbst Türke, so wie sie über den Deutschen und alles Deutscher herziehen. Der Deutsche ist nicht ausländerfeindlich oder rassistisch per se. Die Nicht-Integration der Muslime hat ganz andere Gründe. Dieser Komplex ist zu vielfältig, um ihn auf so eine Anklage hin runterzureissen.

      „Italiener sind überwiegend im Gastronomiegewerbe tätig als Eisverkäufer oder Restaurantbetreiber, ..:“
      Häh? Ich bitte Sie….. wo leben Sie? Auf dem Mond? Ich selbst (Programmierer) arbeite mit Italienern zusammen. Auf meiner Uni waren Italiener, überall sind Italiener oder italienischstämmige. Bei denen merkt man das halt ab der 2. Generation nicht mehr. Die schaffen den Spagat, sind gerne in Deutschland und schwärmen von ihrem Sizilien.

      „Politiker, Ärzte, Professoren oder Lehrer gesehen im Gegenteil zu den Türken“
      na na na, soviele sind das aber nun auch wieder nicht. Ausserdem gibt es hierzulande wesentlich mehr Türken als Italiener.

      „Auch begreife ich die ganze Integrationsdebatte nicht.“
      Wer tut das schon?

      “ Nicht die Türken haben sie angefangen oder gefordert. Es waren deutsche Politiker, die nicht mehr auf den Ausländer schimpfen können, sondern auf den Integrationsunwilligen, um Stimmen zu fangen“
      Und sonst gibt es ja keinerlei Probleme mit der türkischen Einwandergruppe, gell? Dass deren Kinder selbst in der 4.Generation noch kein vernünftiges Deutsch können, ist auch nicht wahr? Und die ganzen Horrorgeschichten über höhere Kriminalitätsraten, Bildungsmangel etc. sind ebenfalls kein Problem. Die Zukunft ist rosarot und bunti bunti!

      „Dass es nicht die Religion ist sieht man an den Deutschen im christlichen Ausland. Da sind die Deutschen unter sich, pflegen ihre Sprache und Kultur, siehe Spanien“
      Richtig. Nur sind das a) sehr wenige und werden b) werden die nicht vom Staat alimentiert (Rentner, Selbstständig, deutsches Hartz4. Es gibt in Spanien auch keine deutschen NO-Go-Areas, wo man als Spanier nicht rein sollte. Auch fallen sehr wenige Deutsche durch Gewalt in Spanien auf.* Und über die deutschen Urlauber braucht man nicht sprechen, man kann von ihnen halten was man will, aber immerhin bringen sie Devisen. Der Vergleich Türken und Deutsche im Ausland ist also völlig unsinnig, ja fehl am Platze. Er tut schlicht und ergreifend nichts zur Sache. Wenn die Population mal > 1.000.000 angestiegen ist auf Mallorca, reden wir weiter.

      „Wenn es in Europa eine Gemeinsamkeit der Völker gibt, dann ist es die Antipathie gegenüber den Deutschen. “
      Das ist richtig. Der Deutsche gilt als korrekt, ja pedantisch, kalt, uncool, humorlos. Ein Widerling! Warum sind dann nur so viele Ausländer hier? Ach so, wegen dem Geld, ich vergaß. Hmmm, ziemlich ehrlos, ins Ausland zu ziehen, es zu hassen und nur wegen des Geldes dazusein. Sich das einzugestehen ist mit Sicherheit schwierig. Ich würde dorthin gehen, wo ich vielleicht ärmer aber glücklich bin!

      *Gehen Sie mal nachts über den Frankfurter Hauptbahnhof. Welche Gruppe verbreitet da allein schon durch ihr Auftreten in großen Gruppen Angst und Schrecken ala „Dont mess with us!“?
      [ ] Deutsche
      [ ] Italiener
      [ ] Türken und Araber

      • walter sagt:

        Peter, wenn ich sage ich bin Deutscher, dann bin ich es auch. Ich habe es nicht nötig falsche Angaben zu machen, um meine Position zu rechtfertigen wie es in der Politik und bei Ihnen gang und gäbe ist. Sind Sie etwa nicht kritikfähig Peter?

        Ja auf meiner Uni habe ich keinen Italiener getroffen, vielmehr waren sehr viele türkischstämmige präsent. Und nun? Sie

        Wenn sie sich vor dunkelhaarigen und dunkelhäutigen Menschen fürchten, dann liegt das vielleicht an Ihrem mangelden Selbstbewustsein, dass sie auch hier häufig zu Schau stellen. Sie assoziieren mit diesen Menschen Gewalt, weil das durch Medien und gefälschte Statistiken Ihnen so suggeriert wird. Ich persönlich würde mich vor kahlköpfigen Menschen fürchten oder den ständig betrunkenen Bahnhofgängern. A propos No go area, waren Sie mal im Osten, so in der Gegen Greifswald? Da war doch mal was.

        Dass Menschen des Geldes hier sind steht ausser Frage, niemand verlässt gerne seine Heimat, oder glauben Sie etwa die ersten Gastarbeiter wollten unmittelbar nach dem WK2 die superhippen Deutschen kennenlernen, die alle Menschheit zu ihren Sklaven unterwerfen wollten. Wachen Sie mal auf. Dass die mittlerweile hier lebenden Migranten heimisch geworden sind betonen sie des öfteren, deswegen kann ich Ihre Behauptung die Migranten wären hier unglücklich nicht nachvollziehen.

        Die Probleme mit der Bildung ist ein allgemeines Problem in Deutschland. Die von Ihnen aufgeworfenen Mängel gibt es nicht nur bei Migranten, sondern vor allem auch bei Deutschen Arbeiterkindern. Da sie wohl nie mit diesen Menschen verkehren würden, können Sie deren Probleme auch nicht kennen. Das Schulsystem in Deutschland fördert leider diesen Misstand.

        Noch ein Wort zu Ihren Devisen. Wenn ich Sie richtig verstehe, darf man sich wie Deutsche auf Mallorca verhalten, wenn man wirtschaftlichen Vorteil bringt. Man darf sich abkapseln, seine Kultur fördern und eigene Schulen gründen, eine eigene Kolonie auf Spanien gründen. Gut und schön. Dann durfen Sie sich nicht dagegen sträuben, wenn türkische Geschäftsleute dieses ebenfalls in Deutschland tun, da sie das BSP steigern. So viel ich weis gibt es knapp 100tsd Selbständige türkische Migranten in Deutschland. Diese wiederum haben knapp 0,5mio Beschäftigte mit steigender Tendenz. So verehrter Peter, lassen Sie diese Menschen nach Ihren eigenen Kriterien leben, also so wie sie es selbst wünschen.

        • Petersen sagt:

          Ihrem Schreibstil nach zu urteilen waren Sie entweder auf keiner deutschen Universität oder Sie sind kein Deutscher. Egal, das tut auch nichts zur Sache. Die persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen überlese ich mal, auf dieses Niveau sollten wir uns gar nicht begeben.

          „Wenn sie sich vor dunkelhaarigen und dunkelhäutigen Menschen fürchten“
          Tue ich nicht. Ich habe einen multikulturellen Freundeskreis bestehend aus Persern, Afrikanern und Südamerikanern.

          „A propos No go area, waren Sie mal im Osten, so in der Gegen Greifswald? “
          Sie reden sicher von diesen Skinheads. Man hört nicht, dass da viel passiert. Bei jedem Migrant, dem ein Haar gekrümmt wird, überschlägt sich doch die Deutsche Presse schier. Man kann davon ausgehen, dass rechte Straftaten im Allgemeinen eher mit verbotener Symbolik und dergleichen zu tun haben. Doch sicherlich sind rechte Tendenzen ein Problem.

          „unmittelbar nach dem WK2 ..“
          Sie meinen wohl ab 1960? Die Leute kamen freiwillig, keiner hat sie gezwungen. Und sie kommen auch heute noch freiwillig.

          „Das Schulsystem in Deutschland fördert leider diesen Misstand.“
          Klar, die Deutschen sind Schuld, dass türkischstämmige Migranten kein Deutsch lernen können, wer sonst?

          „Wenn ich Sie richtig verstehe, darf man sich wie Deutsche auf Mallorca verhalten, wenn man wirtschaftlichen Vorteil bringt. Man darf sich abkapseln, seine Kultur fördern und eigene Schulen gründen, eine eigene Kolonie auf Spanien gründen“
          Wenn man sich selbst finanziert ist das sicherlich ein geringeres Problem. Aber lassen Sie mal bitte die Deutschen auf Mallorca aussen vor, darum geht es nicht. Ihre Zahl ist klein und die verursachten Probleme sind gering. Man kann davon halten, was man will, ich bin auch kein Freund davon und verstehe die Spanier, die diese Menschen raus haben wollen. Das verstehen Sie, gell? Deutsche raus, das ist doch legitim, oder?

          „100tsd Selbständige türkische Migranten “
          Da sind Dönerbudenbesitzer mit eingerechnet?

          • walter sagt:

            Peter, Sie sind nicht kritikfähig. Es hat keinen Sinn mit Ihnen zu diskutieren, da Sie voreingenommen sind auf Ihren Standpunkt beharren. Meine Erfahrung ist, dass wir Deutschen grundsätzlich nicht zur Kritik von aussen stehen, es sei denn sie kommt von den Siegermächten. Da äussern wir unsere Empörung aber auch nur halblaut.

            Ihre Pauschalisierung zur rechten Gewalt zeigt mir wie Sie politisch stehen, es hat kein Zweck mit Extremisten zu diskutieren, für die sind immer andere Schuld. Wie ich oben schon schrieb, Selbstkritik ist bei uns quasi nicht existent, was eine extremistische Eigenschaft ist.

            • Petersen sagt:

              Walter, Sie haben einfach keine Argumente. Schade! Dass Sie mich implizit als Rechtsextremisten bezeichnen, mich, der sehr weit links steht, ist ein Skandal. Dass Sie Behauptungen aufstellen, die sie nicht belegen können oder wollen, unschön.

              • Mehmet sagt:

                „mich, der sehr weit links steht, ist ein Skandal.“

                Schade, dass Sie nicht gesehen haben, wie ich vorhin lachen musste!!! :D :D :D

          • maria sagt:

            Zum Thema „Türkirschstämmige Unternehmer“

            „Prof. Dr. Norbert Winkeljohann widerspricht in seiner Studie „Erfolgsrezepte türkischstämmiger Unternehmer – Ein Modell für Deutschland?“ diesem „Vorurteil“ und betont, dass die „sogenannten“ Gastarbeiter in knapp 50 Jahren Teil der deutschen Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft geworden (sind).“ Insbesondere die zweite und dritte Generation habe sich vom Rande in die Mitte aufgemacht und sich teilweise bis an die Spitze der Wirtschaft vorgearbeitet. Sie produzierten in Schlüsselbranchen ein neues „Made in Germany“. Winkeljohann stützt sich dabei auf Statistiken: „Es gibt mittlerweile über 70.000 türkischstämmige Unternehmen in Deutschland, die vermehrt auch wissensintensive Dienstleistungen anbieten, Nischenprodukte produzieren oder als Industriedienstleister oder Zulieferer Hochtechnologielösungen bereitstellen. (…) Viele türkischstämmige Unternehmen sind heute meilenweit von Bratspieß und Teetässchen entfernt.“ Die Gastarbeiter von früher seien ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor geworden, so Winkeljohann. Nach Schätzungen des „ifm Mannheim“ schafften Existenzgründer mit Migrationshintergrund gut eine Million Arbeitsplätze in Deutschland. ……..“
            http://www.migazin.de/2009/02/16/das-neue-made-in-germany/

            zum Theme „Gastarbeiteranwerbung“
            http://www.italianieuropei.de/ds/documenti/20051208-anwerbevertrag_sz.html

            • Petersen sagt:

              Maria, dass die Türkei oder die Türken nicht für Hochtechnologie stehen, sollten Sie sich schon eingestehen, auch wenn Sie in dieses Land verliebt sind. Ich zumindest kenne kein türkisches Unternehmen (in Deutschland, von Türken gegründet und geleitet), welches ein unersetzliches bzw. einzigartiges Produkt in der Hochtechnologie herstellt. Das mag nichts heissen, mit Sicherheit gibt es eins oder zwei, vielleicht auch drei. Aber das wars dann auch schon. Wenn man dann von „70.000 türkischstämmige Unternehmen in Deutschland, die vermehrt auch wissensintensive Dienstleistungen anbieten, Nischenprodukte produzieren oder als Industriedienstleister oder Zulieferer Hochtechnologielösungen bereitstellen“ spricht, ist das etwas verzerrend in meinen Augen und Schöngerede. Ist ja auch keine Schande, genausowenig gibt es solche südamerikanischen Firmen im Übermaß.

              „Insbesondere die zweite und dritte Generation habe sich vom Rande in die Mitte aufgemacht und sich teilweise bis an die Spitze der Wirtschaft vorgearbeitet“

              Wozu dann die ganze Integrationsdebatte? Genau diese Generationen wenden sich doch ab von der deutschen Gesellschaft und suchen ihr Seelenheil in Islam und Tradition, sprechen kaum die deutsche Sprache und bilden sogenannte Parallelgesellschaften, in denen man unter sich bleibt. Das ist FAKT.

              Die Wahrheit ist, dass die Türken in summa Probleme mit der Integration haben. Ob das nur auf Deutschland zutrifft, auf jedes andere christliche/westliche Land oder auf jedes Land, kann ich nicht sagen. Ich rede hier aber nicht von Individuen, es gibt sehr viele Beispiele überaus erfolgreicher Türken, die es weit gebracht haben und auch sehr weit bringen werden.

              • maria sagt:

                Hallo Petersen,
                ich habe lediglich auf Ihre Äußerung

                “100tsd Selbständige türkische Migranten ”
                Da sind Dönerbudenbesitzer mit eingerechnet?

                mit der Studie von Prof. Winkeljohann aufgezeigt, dass eben die Zeit der selbständigen türkischen Migranten, die eine Dönerbude oder den Gemüsehändler vorweisen – wobei ich diese nie und nimmer missen möchte, vorbei ist. Im Gegenteil, sie haben sich zu einem nicht mehr wegzudenkenden Wirtschaftsfaktor emporgearbeitet. Sie picken sich jetzt daraus die Hochtechnologie. Es geht nicht darum, welche Faktoren sich entwickelt haben, sondern, dass diese Entwicklung überhaupt nicht wahrgenommen wird. Ebensowenig, dass Migranten damit über 1 Mio Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Ist es denn so schwierig, das ganz einfach zu akzeptieren?

                „Wozu dann die ganze Integrationsdebatte? “

                Wenn man sie nach 40 Jahren Aufenthalt in Deutschland immer noch als Gäste betrachtet, ihnen ständig die Kultur und Religion als Hemmschwelle zur Integration vorwirft, kann ich gut verstehen, dass sich Einzelne immer noch schwer tun, endlich in Deutschland vollständig „anzukommen“.

                ….“ auch wenn Sie in dieses Land verliebt sind“…..
                Wissen Sie, warum ich mich in diesem Land so wohl fühle? Genau deshalb, weil man uns auf dem Weg zur Integration entgegengekommen ist.

                • Petersen sagt:

                  Hallo Maria,

                  „Wissen Sie, warum ich mich in diesem Land so wohl fühle? Genau deshalb, weil man uns auf dem Weg zur Integration entgegengekommen ist. “

                  Erzählen Sie mal bitte. In wie weit sind sie integriert? Inwieweit kam Ihnen der türkische Staat / türkischen Bürger dabei entgegen? Fühlen Sie sich als vollwertiges Mitglied der türkischen Gesellschaft? Welche Religion haben Sie? Merken die Leute, dass Sie keine Türkin sind? Wie reagieren sie darauf? Wie reagieren Sie darauf? Es kommt ja selten vor, dass Deutsche in die Türkei auswandern, ist auf alle Fälle interessant.

                  Viele Grüße
                  Petersen

                  • maria sagt:

                    Hallo Petersen,

                    Sie haben Recht, es kommt nicht oft vor, dass Deutsche in ein Land auswandern, deren Bürger gerne nach Deutschland ausgewandert sind und bis heute dort um die Integration kämpfen.
                    Wir waren hier in der Türkei sehr schnell integriert. Sowohl wir als Erwachsene, als auch die Kinder in der hiesigen Dorfschule oder dann später in der höheren Schule.
                    Der Unterschied zur Integration in Deutschland bei vielen Migranten war der, dass man uns vom ersten Tag an die Hand reichte. Das fing an bei unserem Einzug in unser Haus. Wir wurden von allen Nachbarn sofort besucht und herzlich willkommen geheißen. Wir wurden über uns und unser Leben ausgefragt, was allerdings nicht mit reiner Neugier zu tun hat, sondern eher als Anteilnahme an unserem Leben ausgelegt werden kann. Denn das tat unser Umfeld sofort. Wir wussten von der ersten Stunde an, dass wir uns auf unser Umfeld, unsere Nachbarn verlassen konnten. Man ist in der Fremde immer auf Hilfe angewiesen, und die wurde uns von Beginn an gegeben.

                    Die Sprache lernten wir alle erst im Land. Sie glauben gar nicht, wie wir hierbei unterstützt wurden. Die Kinder in der Schule von den Lehrkräften und natürlich von ihren neuen Freunden, der Jüngste (damals 3,5 Jahre) wurde regelrecht von einer Nachbarin (Lehrerin) als Enkel adoptiert, die ihm mit viel Liebe und Geduld ein perfektes Türkisch beibrachte.
                    Mittlerweile werden wir als voll integrierte Mitglieder in der türkischen Gesellschaft akzeptiert. Das ging aber nur, wie schon öfters in meinen Beiträgen ausgeführt, weil uns die Gesellschaft dabei entgegen gekommen ist. Wir wurden/werden immer als Mensch betrachtet, nie als Deutsche.

                    Natürlich sieht man uns an, dass wir keine Türken sind. Das merken wir vor allem, wenn wir in Istanbul sind. Dort werden wir überwiegend auf Englisch angesprochen und antworten dann auf Türkisch, was wiederum bei den Türken mit Freude aufgenommen wird.

                    Wir sind auch bekennende Christen. Das weiß jeder und akzeptiert jeder. Wir wurden diesbezüglich noch nie ausgegrenzt oder verbal angegriffen. Im Gegenteil. Unsere türkischen Freunde beschäftigen sich seither mit dem Christentum, und es finden dadurch natürlich viele Diskussionen statt. Diese allerdings immer im gegenseitigen Respekt und der dazugehörigen Achtung vor dem Anderen geführt werden – manchmal bis in die Morgenstunden, wenn dann der Muezzin zum Frühgebet ruft.

                    Wir haben hier einen großen Freundeskreis, der sich durch alle Schichten der Gesellschaft zieht. Und bei allen werden wir als das gesehen, was wir sind: Ganz einfach nur Mensch!
                    Das ist es, was ich in Deutschland leider etwas vermisse. Man sieht zuerst den „Fremden“. Dabei ist man nach Jahren des Aufenthaltes kein Fremder mehr.
                    Es mag naiv klingen, aber dem Anderen die Hand zu reichen, kostet nichts und würde so vieles bewegen.

                    In diesem Sinne
                    LG
                    Maria

                    • Boli sagt:

                      @Maria

                      Sie haben doch bestätigt das bisher kaum Deutsche in die Türkei ausgewandert sind.

                      Genau das das ist ein Hauptgrund für die herzliche Begrüßung und die Neugier die Ihnen entgegengebracht wurde.
                      Sie sind als wenige Personen locker integrierbar bzw. assimilierbar. Glauben Sie mir. Wenn sich morgen 2 – 3 Millionen Deutsche aufmachen würden Richtung Türkei würde sich in der Stimmung im Lande sehr schnell einiges negativ entwickeln.

          • walter sagt:

            “100tsd Selbständige türkische Migranten ”
            Da sind Dönerbudenbesitzer mit eingerechnet?

            Wissen Sie, man lebt nicht, um kleinkarierten Menschen wie Ihnen gerecht zu werden. Wenn Sie wirklich wissen möchten was für Unternehmen die Türken leiten, können Sie sich im Internet ausführlich informieren. Allerdings bestreite ich jegliches Interesse, da es bei Ihnen nicht um sachliche Diskussion geht. Genauso wie bei diesem Geldleiher, wie heist der noch mal, genau, Sarazzin. Informieren sie sich, wer weiss vielleicht gehen Türken ja ein Ihnen angenehmen Beruf nach und verleihen ebenfalls Geld.

            • Nilgün sagt:

              Lieber Walter,

              deine Erkenntnisse sind absolut zutreffend und sehr gut zusammen gefasst. Leider stimmt auch deine Schlussfolgerung der vorgehenden Debatte.

              Personen wie Peterson können leider nicht konstruktiv diskutieren und somit keinen positiven Beitrag zur Lösung der Migrationsproblematik leisten.

              Als ich 1980 mit 11 Jahren zu meiner Familie nach Deutschland kam, traf ich glücklicherweise neutrale Deutsche, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen und mir die sehr schwierige deutsche Sprache beibrachten. Heute erfahre ich genau das Gegenteil.

              Käme ich heute (2010) nach Deutschland, würde ich auf meine Familie verzichten und wieder zurück in meine Heimat gehen. Die herabwürdigende und fremdenfeindliche Behandlung hätte ich als Kind nicht verkraftet.

              Ich habe viele Freunde in Deutschland, die aus verschiedenen Nationalitäten kommen. Wir alle greifen auf unsere Erfahrungen zurück und stellen fest, dass gegenüber türkischen Mitbürgern eine offensichtliche Ablehnung existiert. Allein der türkische Name genügt um Vorurteilen ausgesetzt zu sein. Wie soll denn eine Deutsch-Türkin wie ich, die sich seit 30 Jahren in Deutschland aufhält (arbeitet und Steuern zahlt) gegen solche Vorurteile denn wehren? Soll ich mich überhaupt wehren, hat es Aussicht auf Erfolg? Habe ich dafür Zeit und Muse?

              In diesem Forum stelle ich fest, nachdem ich einige Kommentare gelesen habe, dass die türkischen Mitbürger, egal wie gut sie sich integriert haben, immer die „integrationsunwilligen Türken“ bleiben werden. Denn die meisten Deutschen denken, wenn man türkisch spricht, türkisch tanzt und moslemisch betet und isst, nicht integrationswillig ist.

              Wenn die Politik versagt und es der Wirtschaft schlecht geht, dann sucht man immer nach einem Sündenbock! Dieses Mal sind es „die Türken“.

              Für Frau Merkel habe ich ein einfaches Rezept, wie sie die Problematik lösen kann: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

              Mein 8- jähriger Sohn wächst 3-sprachig auf: deutsch, türkisch, englisch. Er kann von einer Sprache zur anderen problemlos wechseln und sinngemäß übersetzen. Ich kenne kein türkisches Schulkind, das die deutsche Sprache seinem Alter entsprechend nicht beherrscht. Ganz wenige Ausnahmen mag es geben, aber die Debatte dreht sich nicht um diese Paar Ausnahmen, sondern um alle türkisch stämmigen Bewohner dieses Landes. Dies ist ein künstiches Problem.

              In diesem Sinne wüsche ich allen Beteiligten ein Aufeinanderzugehen!

              Viele Grüße
              Nilgün