Islamkonferenz

Deutsche Islam Konferenz bei Muslimen kaum bekannt

Die Integrationspolitik der Bundesregierung ist Zuwanderern weniger bekannt als der Mehrheitsbevölkerung. Von den muslimischen Zuwanderern haben 43% noch nie von der Deutschen Islam Konferenz gehört.

Dienstag, 13.04.2010, 7:42 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20.10.2010, 0:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Eine auf mehr als 5.500 Interviews gestützte Befragung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) zeigt: Auf Öffentlichkeitswirksamkeit zielende integrationspolitische Initiativen der Bundesregierung sind Zuwanderern weniger bekannt als der Mehrheitsbevölkerung. Insbesondere die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist der Hälfte der Zuwanderer unbekannt, gut bekannt ist sie nur 11%. Auch bei den muslimischen Zuwanderern haben 43% noch nie davon gehört.

Besonders bedenklich erscheint, dass in Deutschland geborene Muslime die DIK mit 47% sogar noch weniger kennen als selbst zugewanderte Muslime (42%). Bei der Mehrheitsbevölkerung hat hingegen nur ein Drittel keine Ahnung von der DIK. Bei der Zuwandererbevölkerung deutlich bekannter sind praktische Maßnahmen wie der Einbürgerungstest. „Die neue DIK sollte von einer gezielteren Informationspolitik begleitet werden“, erklärte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Prof. Dr. Klaus J. Bade. „Sehr zu begrüßen ist deshalb die Ankündigung von Bundesinnenminister de Maizière, künftig mehr praktische Umsetzungsfragen in den Vordergrund zu stellen. Das wird diesen wichtigen Dialog für einen größeren Teil der Muslime auch im Alltag relevant werden lassen.“

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Die 2006 begründete Deutsche Islam Konferenz sollte den Muslimen die wichtige Botschaft überbringen, dass der Islam Teil Deutschlands und Europas sei, wie Bundesinnenminister Schäuble aus Anlass des ersten Treffens der DIK im September 2006 im Bundestag erklärte. Diese Botschaft scheint bislang in Politik und Publizistik in Deutschland und der Türkei sowie bei der deutschen Mehrheitsbevölkerung deutlich wirkungsvoller zu sein als bei der Zuwandererbevölkerung in Deutschland selbst. Erreicht hat die DIK jedoch den erstrebten Organisationsschub bei den islamischen Verbänden, dessen Ergebnis der Koordinationsrat der Muslime als Dachverband der vier größten islamischen Organisationen in Deutschland ist.

Integrationspolitische Maßnahmen wie die Deutsche Islam Konferenz und der Nationale Integrationsplan wirkten nach der Umfrage des SVR weniger bei ihren offiziell angesprochenen Adressaten und eher als Orientierungshilfe für die Mehrheitsbevölkerung beim Kurswechsel in der Integrationspolitik vom ‚Nicht-Einwanderungsland‘ zum ‚Integrationsland‘. Die Kenntnis der integrationspolitischen Maßnahmen hängt dabei zwar, wie nicht anders zu erwarten, vom Bildungsniveau ab. Das ist aber nur ein schwacher Trost, weil das Bildungsniveau der Zuwandererbevölkerung deutlich unter demjenigen der Mehrheitsbevölkerung liegt.

Von den integrationspolitischen Maßnahmen am bekanntesten ist der Einbürgerungstest, von dem nur ungefähr jeder sechste Befragte aus der Zuwanderbevölkerung nichts weiß. Aber wieder sind es die Befragten der Mehrheitsbevölkerung, die ihn besser kennen, obwohl sie ihn nicht zu absolvieren haben. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist Zuwanderern weniger bekannt als der Mehrheitsbevölkerung. Ausgerechnet die häufiger über Diskriminierung klagenden muslimischen Zuwanderer wissen am wenigsten über das Gesetz, das Diskriminierung unter anderem aufgrund ethnischer und religiöser Zugehörigkeit verbietet.

„Auch auf Breitenwirkung zielende integrationspolitische Maßnahmen sprechen sich offenkundig nicht von selbst herum“, so Prof. Bade. „Hier sind Politik und Migrantenverbände in der Pflicht, gezielter über Rechte und Pflichten zu informieren“.

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  1. Dybth sagt:

    Das Ergebnis verwundert mich nicht. Die Debatten darueber finden meistens nur in den Feuilletons der Zeitungen statt. Der Informationsdurst erhoeht sich meistens auch mit dem Bildungsstand. Viele Muslime, besonders der aelteren Generation, haben leider immer noch die ‚Gastarbeitermentalitaet‘, oder anders ausgedrueckt, die ‚Bittsteller-Mentalitaet‘. Wie Aiman Mazyek schon gesagt hat, viele haben immer noch das Gefuehl, dass sie Geduldete hier sind, man den Staat nicht hinterfragen sollte, und zufrieden mit dem sein sollte, was der Staat ihnen von sich aus gibt.

    Natuerlich muss auch viel mehr Aufklaerung seitens der Verbaende gemacht werden.

  2. Johanna sagt:

    „Von den muslimischen Zuwanderern haben 43% noch nie von der Deutschen Islam Konferenz gehört.“

    Analphabeten? Etwas unwahrscheinlich, diese hohe Zahl.

    Kein Deutschverständnis?

    Zu viel türkische Medien?

    Lachen muss ich doch. Die Islamverbände behaupten dauernd, sie würden die Muslime in Deutschland vertreten, und dann wissen 43% gar nichts davon, dass sie „vertreten“ werden?

  3. Mehmet sagt:

    Es soll Leute geben, die lachen ohne zu wissen, worum es geht…

  4. Dybth sagt:

    Johanna, nun muss ich auch lachen. Aber ueber Sie. Die Verbaende behaupten, dass Sie die Moscheegemeinden in Deutschland vertreten. Und eine Moschee ist ihrer Meinung nach der Ort, wo der Islam praktiziert wird. Von Vertretung der Muslime hab ich zumindest noch nichts gehoert.

    Sie sollten nicht so viel stille Post spielen ;)

  5. hoko sagt:

    Das Ergebnis ist schon eine peinlich für die verbände. Sie behaupten immer mit Inbrunst, dass sie die Mehrheit der Muslime vertreten und dann kennt kaum jemand der Muslime die DIK. Vermutlich spricht der Islamrat für die Muslime genauso wie die Piusbruderschaft für die Katholiken: Minimal!

  6. Derya sagt:

    Also die ZAMAN berichtet beispielsweise fast täglich über die Islamkonferenz.
    Wenn die DIK nicht bekannt ist, liegt das bestimmt nicht daran, dass Migranten Analphabeten sind!
    Es gibt zwei mögliche Erklärungen: 1. die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DIK lässt zu wünschen übrig (allzu viele Deutsche dürften auch nicht täglich im Innenministerium vorbeispazieren und sich die neusten Informationsbroschüren abholen, die sonst nirgendswo ausliegen!!!)
    2. Die Konferenz gibt bislang ergebnismäßig nicht viel her, so dass Betroffene davon auch keinen Wind bekommen…

  7. Pingback: Junge Islam Konferenz – Jugendliche sollen Mitreden | Migration und Integration in Deutschland | MiGAZIN

  8. posteo sagt:

    Das überrascht mich nicht. Nicht nur bei den Christen, auch bei den Muslimen gibt es viele reine Feiertagsgläubige. Einmal habe ich einem türkischstämmigem Bekannten erklärt, was die DITIB ist, und der ist kein reiner Feiertagsgläubiger.