Gesundheitliche Lage

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

Ein Leben in sozial benachteiligter Lage erhöht Krankheitsrisiken und verringert Gesundheitschancen. Die höchsten Armutsrisiken tragen - neben Kindern mit zwei oder mehr Geschwistern, Kindern von allein erziehenden Müttern - Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Von Montag, 23.11.2009, 10:15 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 1:17 Uhr Lesedauer: 8 Minuten  |   Drucken

Die Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen der Kinder und Jugendlichen mit beidseitigem Migrationshintergrund ist deutlich geringer als jene der Kinder und Jugendlichen ohne bzw. mit einseitigem Migrationshintergrund. Vor allem bei den späteren Untersuchungen im 4. und 6. Lebensjahr driften die Anteile der Nicht-Teilnehmenden zwischen Migranten und Nicht-Migranten deutlich auseinander. Die geringere Inanspruchnahme zeigt sich auch bei einer Gegenüberstellung nach Vollständigkeit der in Anspruch genommenen Früherkennungen. Innerhalb der Migrantenpopulation variiert die Inanspruchnahme hinsichtlich der Herkunftsländer. Besonders selten besuchen Kinder und Jugendliche aus arabisch-islamischen Ländern, der ehemaligen Sowjetunion sowie aus der Türkei die Vorsorgeuntersuchungen. Weiterhin korrespondieren eine kurze Aufenthaltsdauer sowie die Zugehörigkeit zur ersten Einwanderergeneration mit einer geringen Inanspruchnahme bzw. umgekehrt: Je länger die Verweildauer desto höher die Inanspruchnahme.

Die KiGGS-Daten zeigen einen weniger verbreiteten Tabak- und Alkoholkonsum unter Jugendlichen mit beidseitigem Migrationshintergrund als unter Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Jugendliche aus binationalem Elternhaus ähneln in ihrem Rauch- und Trinkverhalten jenen ohne Migrationshintergrund. Die augenfälligsten Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten sind in der niedrigsten Statusgruppe zu beobachten: Hier rauchen nur 13,0% der Jugendlichen mit beidseitigem Migrationshintergrund, dagegen fast doppelt so viele Jugendliche ohne bzw. mit einseitigem Migrationshintergrund (23,1% bzw. 23,8%).

Noch deutlicher fallen die Differenzen hinsichtlich des Alkoholkonsums aus: Während lediglich 17,9% der Jugendlichen mit beidseitigem Migrationshintergrund regelmäßig Alkohol trinken, sind dies ein Drittel der Jugendlichen mit einseitigem und sogar 40,8% der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Erwartungsgemäß trinken vor allem Jugendliche aus islamisch geprägten Ländern zu einem sehr geringen Anteil (regelmäßig) Alkohol (ca. 6%). Aber auch bei Jugendlichen aus anderen Herkunftsländern liegt der Alkoholkonsum signifikant unter jenem der aus Deutschland kommenden Jugendlichen. Ausnahmen bilden hier die ehemalige Sowjetunion sowie Westeuropa bzw. USA und Kanada. Das Trinkverhalten der Jugendlichen ist geschlechtsspezifisch charakterisiert: Mädchen trinken weitaus weniger häufig regelmäßig Alkohol als Jungen. Diese geschlechtstypischen Differenzen finden sich bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien in deutlicherem Maße als bei jenen ohne Migrationshintergrund. Keinen Verhaltenswandel zeigen die KiGGS-Ergebnisse im Migrationsverlauf anhand der Merkmale „Aufenthaltsdauer“ resp. „Einwanderergeneration“: Der Tabak- und Alkoholkonsum nimmt nicht zu, sondern bewegt sich auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

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  1. municipal sagt:

    Und. Was will uns diese Studie sagen ?

    Etwa, das ein Großteil dieser Kinder in Familien aufwachsen, in denen der Fernseher den ganzen Tag läuft , wie der Berliner Bürgermeister Buschkowski kürzlich beklagte ?

    Möglichst noch mit türkischen oder arabischen Satellitenprogrammen ?

    Und das diese Kinder (dadurch) kaum Bewegung haben und sich mit Süßigkeiten und Kartoffelchips vollstopfen, und KEINE Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache machen?

    Ist das AUCH die Schuld der deutschen Gesellschaft/Politik ?

  2. Pingback: Fachserie: Gesundheitliche Versorgung von Personen mit Migrationshintergrund | MiGAZIN