Optionszwang

Aufruf zur Abschaffung

Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Rita Süssmuth, Hans-Jochen Vogel sowie Repräsentanten von Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und der Evangelischen und Katholischen Kirche fordern unter der Leitung des Interkulturellen Rates in Deutschland mit dem Aufruf„"Sie gehören zu uns! - Wider den Optionszwang für Kinder unseres Landes" die sofortige Abschaffung des Optionszwangs im Staatsangehörigkeitsrecht.

Donnerstag, 25.06.2009, 7:05 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 21.08.2010, 1:08 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Der im Jahr 2000 im Staatsangehörigkeitsrecht verankerte Optionszwang führt dazu, dass Kinder nichtdeutscher Eltern, die mit ihrer Geburt auch die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, sich mit Vollendung des 18. Lebensjahres zwischen der deutschen und der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern entscheiden müssen. Seit Januar 2008 gibt es die ersten jungen Erwachsenen, die vom sogenannten Optionszwang betroffen sind, von Jahr zu Jahr werden es mehr.

„Alle Deutschen dürfen mit der Vollendung des 18. Lebensjahres wählen – und manche werden zu einer Wahl gezwungen: Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie leben als Deutsche in Deutschland. Doch im Unterschied zu ihren gleichaltrigen Landsleuten müssen sie sich für oder gegen die Staattsangehörigkeit ihres Landes entscheiden: Zehntausende junge Erwachsene fallen in den kommenden Jahren unter den Optionszwang des deutschen Staatsangehörigkeitsrechtes. Sie sind Deutsche auf Abruf – bis zum Widerruf.“, so der Interkulturelle Rat.

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SPD: Optionsregelung im Staatsangehörigkeitsrecht muss weg!
Anlässlich der Aktion erklärte die SPD, dass sie „mit ganzem Herzen den Aufruf des Interkulturellen Rates in Deutschland unterstützt. Die SPD wollen ebenso, dass Kinder, die in Deutschland geboren sind und deren ausländischen Eltern ihren Lebensmittelpunkt seit langem in Deutschland haben, automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen – und sie auch behalten!

„Mit unserer Reform des Staatsangehörigkeitsrecht 2000 haben wir den überfälligen Anlauf unternommen, dass Staatsangehörigkeitsrecht vom nationalistischen Mief der Kaiserzeit zu befreien (1913 in Kraft getreten!). Neben das bis dahin allein geltende Abstammungsprinzip sollte gleichberechtigt das Territorialprinzip treten: Deutscher ist grundsätzlich, wer von deutschen Eltern abstammt oder in Deutschland geboren ist.“, so die SPD.

Aufgrund der Verweigerung von CDU/CSU in Bundestag und Bundesrat sei die SPD zu der heute vorliegenden Optionsregelung gezwungen worden. Auch in der großen Koalition seien alle Anläufe der SPD „sabotiert“ worden.

Diese Regelung spalte. Sie trage unnötige und oft tief greifende Konflikte in ganze Familien hinein. Diese Regelung müsse ersatzlos gestrichen werden. Die SPD akzeptiere doppelte Staatsbürgerschaften. Die SPD wolle, dass sich die Menschen selbstbewusst mit Deutschland und auch mit ihrer Herkunft identifizieren können. Allen müsse klar sein: „Das ist mit der Union an keiner Stelle zu erreichen.“

Bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag im Dezember letzten Jahres hatten – bis auf den Gutachter der Unionsfraktionen – alle Sachverständigen die Abschaffung der Optionsregelung empfohlen.

Die Grünen: Verlust der Staatsbürgerschaft stoppen
Auch die grüne Bundestagsfraktion begrüße den Aufruf ausdrücklich, denn integrationspolitisch sei der sogenannte Optionszwang völlig verfehlt. Integration bedeutet Teilhabe durch gleiche Rechte und Pflichten. Um dies zu erreichen, müsste der Erwerb der Staatsbürgerschaft gefördert werden, nicht ihr Verlust. „Daher haben wir auch einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht.“, so die Grünen.

Zwar sei das Staatsangehörigkeitsrecht 1999 unter Rot-Grün gründlich modernisiert und das Geburtsrecht eingeführt worden, damit in Deutschland geborene Kinder nichtdeutscher Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit von Geburt an erhalten. Aber der schwarz-gelb dominierte Bundesrat habe der Reform damals nur unter der Bedingung zugestimmt, dass bei Volljährigkeit zwischen der deutschen Staatsangehörigkeit und derjenigen der Eltern gewählt werden muss.

Die SPD setze sich in ihrem Bundestagswahlprogramm wortgewaltig für den Doppelpass ein. Beide Parteien würden in Kürze Gelegenheit erhalten, Farbe zu bekennen: „Wir Grünen werden in der kommenden Sitzungswoche im Bundestag unseren Gesetzentwurf zur Abschaffung des sogenannten Optionsmodells zur Abstimmung stellen. Dann gilt es, Gesicht zu zeigen – für Integration und gegen Ausgrenzung!“

Außerdem, so die Grünen, müssten auch die Einbürgerungsbedingungen verbessert werden, um dem Ziel der rechtlichen Integration gerecht zu werden. Der jahrelange Rückgang der Einbürgerungszahlen zeige: „Noch immer ist es in Deutschland zu schwierig, die Staatsbürgerschaft zu erlangen und zu einfach, sie zu verlieren.“

Die Linke: SPD setzt im Wahlkampf auf Vergesslichkeit der Migranten
„Die SPD baut offenbar auf die Vergesslichkeit von Migrantinnen und Migranten. Im Wahlkampf ist sie plötzlich zu Dingen bereit, die sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit im Bundestag rundweg abgelehnt hat. Bestes Beispiel dafür ist die Abschaffung der so genannten Optionspflicht und die damit verbundene generelle Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft. Das ist heuchlerisch und verlogen“, kommentierte Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, die ungewöhnlich heftige Kritik der SPD an der Optionsregelung. Die SPD propagiere die generelle Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft nicht zum ersten Mal. Die Linke hingegen unterstütze den Aufruf.

„Die gleichlautenden Versprechungen der SPD hingegen kann man nicht ernst nehmen. Immerhin war es die rot-grüne Bundesregierung, die gemeinsam mit der Union die jetzt geltende Regelung einführte. Unsere Anträge zur Abschaffung des Optionszwangs und für ein kommunales Wahlrecht für Menschen aus Nicht-EU-Staaten wurden dagegen abgelehnt.“, so Dagdelen.

Hier geht es zur Unterschriftenkampagne des Interkulturellen Rates.

Bundesregierung gegen generelle Mehrstaatigkeit
Unterdessen empfahl der Innenausschuss mit den Stimmen der CDU/CSU, SPD und FDP dem Bundestag am 23. Juni 2009, den Gesetzesentwurf der Grünen zur Streichung der Optionsregelung aus dem Staatsangehörigkeitsrecht, abzulehnen.

Auch teilte die Bundesregierung bereits am 9. Juni 2009 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke mit, dass sie „für den Regelfall“ an der Vermeidung von Mehrstaatigkeit festhalte. Das Anfang September 2005 für Deutschland in Kraft getretene Europäische Übereinkommen über die Staatsangehörigkeit überlasse es den Vertragsstaaten, ob sie Mehrstaatigkeit vermeiden wollen.

Dies, obwohl noch Mitte Juni das Statistische Bundesamt mitgeteilt hatte, dass im vergangenen Jahr 13 503 von insgesamt 14 029 EU-Bürgern (96,3 %) unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit eingebürgert wurden. Bei Bürgern aus den sog. “EWR-Staaten/Schweiz“ betrug die Einbürgerungsquote unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit über 95 %, bei Bürgern aus den übrigen europäischen Ländern 51,4 %, bei Afrikanern 62,7 %, bei Amerikanern 74,9 %, bei Asiaten 62,8 % und 87,7 % bei Bürgern aus Australien und Ozeanien.

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  1. elimu sagt:

    Falls es zur Streichung der Optionsregelung kommt… was wird mit den Leuten, die ihre erste Staatsangehörigkeit verloren/aufgegeben haben und jetzt nur noch Deutsche sind?
    Ich will auf jeden Fall meine alte Staatsangehörigkeit nochmal wieder (hinzu) erlangen! Ich bin Deutsche, aber meine Wurzeln liegen woanders und das sollte uns niemand wegnehmen. Dies hat nicht zu bedeuten, dass ich mich nicht als Deutsche fühle. Es ist aber wahr, dass man sich schon etwas komisch vorkommt die alte Staatsangehörigkeit „abzugeben“.

    Hoffen wir das beste… Aber so wie die Bundesregierung es „empfiehlt“, siehts ja mal wieder düster für uns aus.

    • Teleprompter sagt:

      „was wird mit den Leuten, die ihre erste Staatsangehörigkeit verloren/aufgegeben haben und jetzt nur noch Deutsche sind?“

      Was soll schon aus ihnen werden? Sie haben den gleichen rechtlichen Status wie die deutschen Ureinwohner. Sie sind „nur noch Deutsche“.

      • elimu sagt:

        ja eben! NUR NOCH Deutsch will ich nicht sein :)
        Ich will beides.. warum ist das so schwer zu verstehen? Jetzt kommt natürlich der Satz: „Man kann nicht alles haben“… wissen Sie was? Man kann es, wenn man will…. […]

        • Teleprompter sagt:

          „Ich will beides.. warum ist das so schwer zu verstehen?“

          Es kommt halt nicht nur auf Sie an, warum ist das so schwer zu verstehen?

  2. Synapse sagt:

    „Man kann nicht zwei Herren dienen“
    „Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen“
    Deutsche Sprichwörter
    (Entsprechendes läßt sich sicher auch im Türkischen finden, denn diese Regeln gelten weltweit, in jedem Land – nur nicht für die Türken-Lobby in der Bundesrepublik)

    • Non-EU-Alien sagt:

      Das stimmt so nicht ganz. Diese Regeln gelten nicht für Ausländer aus EU-Staaten, Schweiz, Nordafrika, Südamerika, etc.

      Ist das so schwer zu verstehen?

  3. Pingback: Böhmer: Kritik an der Optionsregelung ist rückwärtsgewandt und anmaßend | MiGAZIN

  4. Pingback: Türkische Presse Europa vom 25.06.2009 - Islamkonferenz, Optionszwang, Muslime | MiGAZIN

  5. Boli sagt:

    Einige Fragen. Hat eigentlich die Türkei die doppelte Staatsbürgerschaft in seinen Gesetzen integriert oder wie sieht es aus? Offensichtlich ja, sonst wären die Konsulate nicht angewiesen worden doch bitte wieder die türkische Staatsangehörigkeit erneut zu beantragen (Türke vergiss nie wer Du bist!?) ! Und wie wäre es eigentlich für einen Ausländer in der Türkei, wenn er die türkische Staatsbürgerschaft beantragen wollte. Was müsste er tun und dürfte er seine alte Nationalität behalten?

    • elimu sagt:

      Ja sicher behalten sie die alte Staatsbürgerschaft… Schau dir mal allein die Fussballspieler an! Viele Ausländische Spieler haben bereits die türkische. Sie brauchen aber auch nicht auf die eigene zu verzichten.

      Das die eingebürgerten „neuen“ Deutschen wieder ihre türkische Staatsangehörigkeit erlangen, hat auch damit zu tun, dass man die Rechte dort nich verlieren möchte. Dies ist wichtig bei Erbgeschichten, Land und Immobilien etc. Wobei man sagen muss, dass keiner so richtig weiß, was uns ausgebürgerte im späteren Leben erwartet.

  6. Boli sagt:

    Ich hätte gedacht der türkische Staat hat mittlerweile selbst für Türken die jetzt ausschließlich den deutschen Pass haben die alten Rechte (Erbschaft, Land etc.) gesichert. Damit gäbe es doch keine Probleme mehr. Zumal doch eh meistens noch Verwandtschaft im alten Mutterland ist. Dies sollte eigentlich auch noch Einfluss nehmen.

    • Es gibt auch nach Jahren noch massig Probleme, Rechte, die auf dem Papier stehen, durchzusetzen. Die Türkei behandelt die Auslandstürken nicht selten stiefmütterlich.

      • G.Keldermann sagt:

        @ Ekrem Senol

        Das der türkische Staat „die Auslandstürken nicht selten stiefmütterlich behandelt“
        muß unter dem Aspekt betrachtet werden, das dieser Staat immer noch massiv
        versucht, die sog. „Auslandstürken“ weiter an die Türkei zu binden. Dies geschieht
        natürlich AUCH durch das Werkzeug DIYANET/DITIB.

        Zusätzlich kann der türkische Staat damit Druck auf die Forderungen nach
        DS durch die türkischen Interessenverbände auf die deutsche Regierung
        aufrechterhalten.

        Warum sollte der türkische Staat also etwas an dieser „Stiefmütterlichkeit“
        ändern?

        Übrigens…

        …war jetzt für einige Tage in Izmir. Was mir meine Gesprächspartner dort über
        die Demonstation am vorletzten WE gegen die Islamisierung der Türkei und für
        den Laizismus berichtet haben, war beeindruckend.

        • Hallo, habe Sie schon vermisst ;)

          Warum sollte der türkische Staat also etwas an dieser “Stiefmütterlichkeit” ändern?

          Ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Der türkische Staat tut viel zu wenig für die Rechte der Auslandstürken. Daher genießt der türk. Staat auch bei vielen Auslandstürken nicht sonderlich viel Vertrauen. Die Erdogan-Regierung scheint sich etwas mehr Mühe zu geben.

          Im übrigen hat der türk. Staat – wie jeder andere Staat auch – ein Interesse daran, seine Landsmänner an die Heimat zu binden. Daran ist nichts auszusetzen und auch legitim. Wer sich die Ziel und Zweck der Goethe Institute oder die deutschen Schulen im Ausland anschaut, die vom auswärtigen Amt massiv gefördert und unterstützt werden, wird schnell erkennen, dass Deutschland es nicht anders macht und sich niemand daran stört.

          Das sind aber wieder andere Themen, die mit der Optionsregelung in Deutschland kaum etwas zu tun haben.

          PS: Würden Sie mir den Gefallen tun und auf die Zeilenumbrüche in Ihren Kommentaren verzichten?

  7. Boli sagt:

    @elimu
    Naja gut die Sportler sind aber eigentlich nicht so ein gutes Beispiel, da sie ja bekannterweise in praktisch jedem Land Sonderrechte geniessen und eine Staatsangehörigkeit ohne große Probleme zugesprochen bekommen. Ich meine eigentlich schon mehr Otto-Normalverbraucher.

  8. Boli sagt:

    Es gibt auch nach Jahren noch massig Probleme, Rechte, die auf dem Papier stehen, durchzusetzen. Die Türkei behandelt die Auslandstürken nicht selten stiefmütterlich.

    @Ekrem Senol
    Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz. Zum Beispiel treten auch türk. Konsulate an Betroffene heran und „empfehlen mit Nachdruck“ die Wiederannahme der alten Staatsbürgerschaft (und willst Du nicht mein Staatsbürger sein so entrechte ich Dich eben komplett!!?). Und hier ist genau der entscheidende Punkt. Es kann ja nicht sein, das der deutsche Staat toleranz im Staatsbürgerrecht walten lassen soll nur weil die verantwortlichen türkischen Behörden und ihre Beamten geltendes Recht offensichtlich nach gutdünken aussprechen oder verweigern wie es ihnen gefällt. Hier muss man den negativ Betroffenen Leuten schon fast ein Beileid aussprechen, da sie scheinbar Opfer der eigenen Volksmentalität werden. Traurig so was. Auweia ob man dieses Verhalten auch über Jahre aus den Leuten heraus bekommt? Nur sehr harte Disziplinarverfahren etc. könnten wohl dazu führen bei Nichteinhaltung der geltenden Gesetze Ordnung rein zu kriegen.

    • Es kann ja nicht sein, das der deutsche Staat toleranz im Staatsbürgerrecht walten lassen soll nur weil die verantwortlichen türkischen Behörden und ihre Beamten geltendes Recht offensichtlich nach gutdünken aussprechen oder verweigern wie es ihnen gefällt.

      Nein, natürlich nicht. Die Optionsregelung wird aber nicht im Zusammenhang mit dem türk. Recht oder der türk. Praxis bewertet. Und es geht auch gar nicht um „Toleranz“. Bei der Optionsregelung geht es daru, dass man von hier geborenen, aufgewachsenen und sozialisierten Jugendlichen, dessen Eltern einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben fordert, sich zu entscheiden, während die überwiegende Mehrheit aller eingebürgerten aus anderen Ländern sich nicht entscheiden müssen, selbst wenn sie im Vergleich nicht einmal annähernd so lange in Deutschland leben. Die Optionsregelung ist unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung in Deutschland zu betrachten. Auch entfaltet diese Ungleichbehandlung ein integrationspolitisch fatales Signal.

      Wenn Türken die Optionsregelung im Zusammenhang mit dem türk. Recht bzw. Praxis beurteilen müssten, müssten sie sich massiv dafür einsetzen, dass der türk. Staat die Entlassung aus der türkischen Staatsbürgerschaft ersatzlos streicht. So gäbe es weder Probleme mit der Optionsregelung noch Probleme mit der generellen Mehrstaatigkeit für Türken (siehe Iran). Kein einziger Türke fordert aber von der türk. Regierung Änderungen in dieser Hinsicht. Wieso? Es geht um die Ungleichbehandlung in Deutschland.

  9. G.Keldermann sagt:

    @ Ekrem Senol

    Wieso mißverstanden?

    Ich habe Ihnen die Gründe genannt, WARUM der türkische Staat so „stiefmütterlich“ handelt.

    Und warum ist der türkische Staat für die Rechte der Auslandstürken in Deutschland verantwortlich? Der deutsche Staat „erkämpft“ auch keine Rechte für die Auslandsdeutschen in anderen Ländern.

    Für deutsche Staatsbürger (mit türkischem Migrationshintergrund) ist der türkische Staat sowieso nicht zuständig, oder ?

    Was die Gründe der Regierung Erdogan betrifft, sich mehr um die „Schäfchen im Ausland“ zu kümmern,so liegen diese am Interesse, Wählerstimmen der mehrheitlich konservativ / religiösen Türken zu bekommen.

    Die von Ihnen zitierten Goethe-Institute und die Auslandsschulen haben nun wirklich einen völlig anderen Zweck als die „Bindung “ von Auslandsdeutschen an Deutschland.

    • Ich habe Ihnen die Gründe genannt, WARUM der türkische Staat so “stiefmütterlich” handelt.

      Sorry aber diese erschließen sich mir nicht. Der türk. Staat behandelt seine Auslandstürken stiefmütterlich weil sie sie an die Türkei binden will??? Das verstehe ich nicht.

      Und warum ist der türkische Staat für die Rechte der Auslandstürken in Deutschland verantwortlich?

      Es sind türkische Staatsbürger.

      Für deutsche Staatsbürger (mit türkischem Migrationshintergrund) ist der türkische Staat sowieso nicht zuständig, oder ?

      Zuständig nicht. Ein Rest an Verantwortlichkeit bleibt aber immer. Beispiele gab und und gibt es viele.

      Was die Gründe der Regierung Erdogan betrifft, sich mehr um die “Schäfchen im Ausland” zu kümmern,so liegen diese am Interesse, Wählerstimmen der mehrheitlich konservativ / religiösen Türken zu bekommen.

      Sicherlich. Das ist Demokratie. Was zählt sind Wählerstimmen :)

      Die von Ihnen zitierten Goethe-Institute und die Auslandsschulen haben nun wirklich einen völlig anderen Zweck als die “Bindung ” von Auslandsdeutschen an Deutschland.

      Hmmm…. Auf den Seiten der Goethe Institute steht:

      Wir fördern die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und pflegen die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Darüber hinaus vermitteln wir ein umfassendes Deutschlandbild durch Information über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben.

      Wieso wird wohl die deutsche Sprache im Ausland und die kulturelle Zusammenarbeit – iSv Transfer deutscher Kultur ins Ausland – gefördert? Weiter:

      Mit ihrem weltweiten schulischen Angebot wenden sich die deutschen Auslandsschulen an Deutsche, die sich beruflich im Ausland befinden und für ihre Kinder eine deutsche schulische Erziehung wünschen. (Quelle: AA)

      Aber wir schweifen aus!

      PS: Danke für das Weglassen der Absatzmarken :)

  10. Boli sagt:

    @Ekrem Senol
    Mit ihrem weltweiten schulischen Angebot wenden sich die deutschen Auslandsschulen an Deutsche, die sich beruflich im Ausland befinden und für ihre Kinder eine deutsche schulische Erziehung wünschen. (Quelle: AA)

    Bei den Auslandsdeutschen die diese schulischen Angebote nutzen besteht der Unterschied zu den Auslandstürken insofern, das diese Nutzung zum einen deswegen erfolgt weil man nur zeitlich begrenzt bleiben will und man deswegen nicht groß anfängt sich nieder zu lassen und somit nicht damit zu beginnen sich türkischer Kultur und Gepflogenheit an zu passen (dann höchstens im Geschäftsgebaren). Weiterhin werden diese Angebote wohl zu fast 100% von akademischen oder sonst wie priviligierten Leuten genutzt, da ich nicht ganz Glaube das die Nutzung des Angebotes kostenlos ist. Wenn Sie auf die verschiedenen Deutschen im Mittelmeerraum anspielen sollten, welche sich wirklich nieder gelassen haben aber trotzdem nicht kulturell anpassen, hat das damit zu tun das alte Menschen meistens nicht mehr großes Interesse dazu haben, da das Leben ja sowieso in einer überschaubaren Zeit zu Ende sein wird.
    Bei den meisten Auslandstürken ist es genau umgekehrt. Sie wollen eben nicht zeitlich begrenzt, sondern dauerhaft bleiben. Das Dumme ist nur, das nicht wenige Türken ob alt oder jung trotzdem keine kulturelle Anpassung anstreben.
    Und vergessen Sie mal bitte eines nicht. Ich glaube nicht, das in der Türkei oder auch anderen Ländern dieser Welt jeweils 3,5 Millionen Deutsche sind. Es würde mich schon mal interessieren wenn in Antalya beispielsweise sagen wir mal 30 % Europäer wären. Ich denke hier gäbe es dann auch immer mehr Vorbehalte und Ablehnung gegenüber dem Fremden. Man muss es nur mal umdrehen und dann versteht man einiges mehr.
    Die Türken werden es in Deutschland aber nur MIT den Deutschen schaffen ein wirklicher Teil der Gesellschaft zu werden.
    Wie ich schon gesagt habe. Kleine Schritte zu Anfang sind besser als alles zu wollen. Es fängt beim nächsten Nachbarn an. Komme ich mit dem schon nicht in Frieden aus, brauche ich erst gar nicht versuchen größere Dinge an zu gehen.

    • Immer langsam. G. Keldermann hatte behauptet:

      Die von Ihnen zitierten Goethe-Institute und die Auslandsschulen haben nun wirklich einen völlig anderen Zweck als die “Bindung ” von Auslandsdeutschen an Deutschland.

      Dem habe ich widersprochen. Und Ihre Ausführungen geben mir Recht. Worin der Unterschied zu den Türken liegt? Mal sehen, ob Sie Parallelen erkennen werden: Wikipedia. Und folgen Sie ruhig einigen Links. Machen Sie mal eine Rundreise in die deutschen Siedlungen im Ausland.

      Und bevor Sie das alles wieder falsch verstehen: Ich finde den Oktoberfest in Blumenau/Brasilien (zweitgrößtes Volksfest dort) prima.

      Auf den Rest Ihrer Ausführungen möchte ich nicht eingehen. Off-topic. Worin ich Ihnen lediglich zustimme ist:

      Die Türken werden es in Deutschland aber nur MIT den Deutschen schaffen ein wirklicher Teil der Gesellschaft zu werden.