Interkulturelle Öffnung

Die Forderung der Diakonie

Der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klaus-Dieter Kottnik, forderte letzte Woche auf einer Veranstaltung in Berlin die interkulturelle Öffnung etwa in Kindergärten und Schulen. Kottnik sicherte zu, dass sich auch die Diakonie selbst interkulturell öffnen wolle.

Von Bekir Altas Dienstag, 16.06.2009, 7:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 21.04.2020, 19:33 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

„Niemand darf aufgrund seiner kulturellen Herkunft oder Religionszugehörigkeit ausgegrenzt werden“, sagte Kottnik. Die Diakonie stehe in der kulturell und religiös vielfältiger werdenden Gesellschaft vor neuen Herausforderungen. „Ein zentrales Anliegen diakonischer Arbeit ist es, für Chancengleichheit aller Menschen einzutreten und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle an der Gesellschaft partizipieren können“, betonte Kottnik.

Die Ankündigung des Diakonie-Chefs Kottnik ist von sehr großer Bedeutung. Die aktive Beteiligung von Institutionen am Integrationsprozess ist für die gleichberechtigte Teilhabe von Migrantinnen und Migranten am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unentbehrlich. Ohne eine interkulturelle Orientierung bei Institutionen, wie die Diakonie, ist eine erfolgreiche Integration denkbar schwer. Durch ihre facettenreiche Arbeit erreicht die Diakonie alle Schichten in der Gesellschaft und hat damit eine existentielle Stellung im Integrationsprozess.

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Interkulturelle Öffnung ist dabei nicht nur als Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen zu verstehen. Interkulturelle Öffnung heißt auch Beteiligung junger Migranten in der Arbeit der Organisationen. Doch die kirchlichen Institutionen tun sich da noch etwas schwer. Noch vor einem Jahr hat die Diakonie in Hamburg die Bewerbung einer muslimischen Frau für eine Stelle in einem Projekt zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten, welche aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Bundes finanziert wurde, wegen Nichtzugehörigkeit zur christlichen Religion abgelehnt.

Unstreitig ist, dass im Hinblick auf das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften, die Zulässigkeit einer Differenzierung nach der Religion gerechtfertigt ist, solange diese nach „Art der Tätigkeit oder den Umständen ihrer Ausübung eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung angesichts des Ethos der Organisation darstellt“. Für die in Rede stehende Stelle einer Sozialpädagogin im Rahmen des Teilprojekts „Integrationslotse Hamburg“ kann dies jedoch nicht der Fall sein. Der Vortrag der Diakonie, wonach für die Tätigkeit als Integrationslotsin die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche unabdingbare Voraussetzung sei, überzeugt nicht. In der Praxis des Projekts finden sich nämlich keinerlei Bezüge zu einer religiösen Tätigkeit. Die Ausgrenzung einer muslimischen Frau unter anderem aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit lässt vielmehr vermuten, dass hier Integrationsbemühungen mit Missionierungsversuchen verknüpft werden. Ganz im Sinne der EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“, die den Dialog mit Muslimen im Rahmen der christlichen Mission vorsieht. Die Bewerberin führte hierzu im Verfahren zutreffend aus, dass eine derartige Verknüpfung für ein Miteinander hinderlich ist, da sie für alle, die eine fachliche Beratung ohne Verkündung eines Glaubens wünschen, eine Zugangsbarriere darstellt.

Die Tatsache, dass eine solche Ausgrenzung die vom Präsidenten der Diakonie verlangte Chancengleichheit, Partizipation und Integration torpediert, macht darauf aufmerksam, dass es nicht ausreicht, nur an mehr Toleranz und für eine interkulturelle Öffnung zu appellieren. Wirkung entfaltet so eine Forderung erst, wenn es in die Tat umgesetzt wird. So lässt sich nun hoffen, dass die Evangelische Kirche die richtigen Schlüsse aus dem Verfahren in Hamburg gezogen hat. Meinung

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  1. Hans Schneter sagt:

    Letztens ist mir folgendes wiederfahren: Ich war mit einem Kollegen in einem türkischen Restaurant zum Abendessen verabredet. Da ich das Restaurant weder kannte und noch genau wusste, wie es heisst bzw. von aussen aussieht, verwechselte ich den Eingang und betrat zielstrebig eine Lokalität, die durchaus ein Restaurant oder Cafe hätte sein konnen. Nette kleine Tische, eine Bar, eine Küche, kartenspielende Menschen, junge fröhliche Leute. Böse und grimmige Augen funkelten mir entgegen. Bevor ich mich an einen der kleinen runden Tische setzen konnte, wurde ich freundlich aber bestimmt von zwei Herren gebeten, zu gehen und zwar sofort.
    Ich war in einem deutsch-türkischen Freundschaftsverein gelandet…. leider gab es dort nichts auch nur annähernd deutsches. (Ganz anders im deutsch-italienischen Freundschaftsverein, bei dem ich oft zu Abend esse).

  2. Hans Schneter sagt:

    Battal Gazi, der Mann ohne Manieren, ist einer jener Realitätsverleugner, die wir so gerne haben. Sie tragen mit Ihrer Argumentation nichts, aber auch gar nichts zum Dialog bei. Wie schön einfach doch die Rechnung ist: Wir sind Nazis, Türken sind die guten, armen Opfer.

    • Luca Martin sagt:

      @Hans Schneter
      Was soll denn das für ein Dialog sein, den man hier sucht?
      Nehmen Sie es mir nicht übel, aber so langsam zieht auch die Migazin etliche Kleingeister wie ein Bann an sich. Wahrscheinlich hat man sich hierher verschossen und sucht Kanten und Ecken worin man sich reiben kann. Ich habe für heute genug gelesen um zu erkennen, das der Dialog wie sich hier einige deutsche sozusagen wünschen, heuchlerisch und nicht ehrlich geführt wird. Ich wäre erstaunt, wenn unter den zig federführenden Kommentatoren, nicht einige Exemplare der PI&Co dabei sind.
      Man hat wohl die besten hier her geschickt, um mal, nach ihrer Denkart; aufzuräumen.

      Migazin-Team, ich wünsch euch viel Glück in diesem unterfangen.

      • G.Keldermann sagt:

        @Luca Martin

        Das Wesen eines Diskurses ist das „Reiben“ an der Meinung anderer Duskussionsteinehmer,#
        das Vertreten von (auch krass gegenteiligen) Meinungen. und warum erkennen Sie das
        „heuchlerisch und nicht ehrlich „geführt wird ? Nur, weil Ihnen geäußerte,gegenteilige Meinungen
        nicht genehm sind ?

        Wünschen Sie sich hier nur einen Diskurs, in dem die einen( Migranten) sich wehklagend
        über die so ungerechten Vorurteile, (vermeintliche) Benachteiligung, und den ungerechten
        deutschen Staat beklagen dürfen, und man dazu nur ein verschämtes MEA CULPA
        ablegen darf ?

        Was wollen Sie mit Ihrem Hinweis/Unterstellung zu „PI & Co“ erreichen?
        das bei MIGAZIN die „banned“ Phase eingeläutet wird ?

        Dann würde MIGAZIN auch zu dem Schicksal vieler anderen Publikationen
        dieser Art verurteilt, zur virtuellen „Klagemauer“ der Migranten.

      • Roi Danton sagt:

        @ Luca Martin

        Wow, sie halten uns für die Besten, die PI geschickt hat?
        Was für ungeheuers Kompliment!
        Ich herze und küsse sie wie ein Franzose. (Virtuell natürlich)
        Bei PI bin ich ständig unter Moderation, ich kann nur ahnen warum, aber die würden ganz gewiss jemand anderen schicken, wenn sie Komsomolzen oder Bolschewiki wären, was sie nicht sind.
        Nö, ich bin gerne bei Migazin, weil man hier mit Türken rechten darf, ohne diesen ganzen Youtube Dreck Marke „Isch weiss, wo dein Haus wohnt, komm mal nach Kassel, dan hast Du keine Argumente mehr, ich schwör.“

        Trotzdem Danke