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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben in dieser Woche gerade einige Gesetze verabschiedet – zum Beispiel gegen die Scheinehe. Und wir wollen damit deutlich machen, dass wir solche Zwangsverheiratungen zum Beispiel nicht billigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Video-Podcast der Bundeskanzlerin #35/10 vom 30.10.2010

Nebenan

Der Horst des Bundesadlers

Ganz plötzlich hat Horst aber doch Angst. Denn ganz plötzlich hat jemand nicht nur Horsts Reden von den zu erschießenden Flüchtlingen ernst genommen, sondern auch Horsts Reden von der Herrschaft des Unrechts. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM2. Juli 2019

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Horst Seehofer ist ein erstaunliches Kerlchen. Er ist bisher vor allem mit Sprüchen davon aufgefallen, die Grenzen „bis zur letzten Patrone“ gegen Flüchtlinge verteidigen zu wollen – das war ungefähr in der Zeit, als auch die AfD gerade auf Frauen und Kinder schießen wollte – oder mit seinem Festhalten an Hans-Georg Maaßen, der sich mittlerweile als fester Scharnier zwischen CDU/CSU und AfD etabliert hat, der zu seiner Zeit als oberster Verfassungsschützer die Grund-Rechten der AfD darin beriet, wie man eine Beobachtung des Verfassungsschutzes am besten umgehen kann.

Schon damals gab es solche, die ihn und seine semi-rechten Genossen davor warnten, wohin dieses Verhalten führen würde. Aber den Horst störte das nicht. Denn der Horst wusste: in seinem Eisenbahnkeller war er sicher, solange da draußen nur Mehmets, Envers und vielleicht gelegentlich eine Michèle hingerichtet wurden. Dem Horst waren die nämlich reichlich egal – um die Michèle war’s schon irgendwie schade, aber für die war’s halt Berufsrisiko.

Und wer wüsste schon, was sein Gerede wirklich ausgemacht hätte, denn es ist ja schließlich nicht so, als sei Deutschland je besonders sicher gewesen für Halits und Suleymans. Horst würde diese Morde natürlich nie gutheißen. Er hat nur die Gesinnung der Täter gutgeheißen. In seiner Funktion als Innenminister für Heimat.

Ganz plötzlich hat der Horst aber doch Angst. Denn ganz plötzlich hat jemand nicht nur Horsts Reden von den zu erschießenden Flüchtlingen ernst genommen, sondern auch Horsts Reden von der Herrschaft des Unrechts. Ganz plötzlich hat nämlich irgendwer einfach so aus dem Nichts einen, der womöglich leidenschaftlich auf dem Boden des Grundgesetzes stand und dieser Herrschaft des merkelschen Unrechts ein Gesicht gab, ermordet.

Ermordet. Ein Deutscher! Nein, besser als das: Ein Politiker. Wie der Horst.

Das ging dem Horst dann zu weit und gleichzeitig zu nahe. Sicher würde es ihn ebenso wenig treffen können, wie den Gauland. Aber beim nächsten Mal könnte es ja nicht bloß einen Parteifreund, sondern einen echten treffen. Und ich könnte glatt zu weit gegangen sein; ausgerechnet so ein Parteifreund kommt jetzt daher und will wegen dieser Leute die Meinungsfreiheit abschaffen – oder zumindest Kassel.

Zumindest eines von beidem findet der Horst gar nicht so toll und erklärt daher, schon immer im Widerstand gewesen zu sein, an vorderster Front mit der Antifa. So konnte es der Horst dann auch gar nicht leiden, als er in einer wichtigen deutschen Nachrichtensendung gar nicht nach seinem jahrzehntelangen antifaschistischen Engagement gefragt wurde, sondern vielmehr mit – völlig aus dem Zusammenhang gerissenen – Reden konfrontiert wurde, in denen er öffentlich ganz andere Dinge gefordert hatte.

Und plötzlich war gar nicht mehr klar, was dem Horst eigentlich mehr an die Nieren ging: Dass ein Politiker getötet worden ist – oder dass eine Journalistin ihm aufgrund seiner gewaltbereiten, AfD-nahen Sprache eine Mitschuld an dieser Tat unterstellte. Bloß weil er, der GröAaSi (Größter Antifaschist aller Sendungen (innerdeutsch)) in seiner Vergangenheit angedeutet hatte, dass solche wie der Lübke Deutschland kaputt machen und Widerstand notwendig ist.

Und es war nicht mehr klar, ob, wenn besagte Journalistin nur ein wenig nachgebohrt hätte, statt das ausweichende Gestammel des Heimatschutzministers einfach für sich stehen zu lassen, der Horst die Gleichschaltung aller Medien, zumindest aber der öffentlich-rechtlichen, gefordert hätte, oder ob er vielleicht in Tränen ausgebrochen wäre und schluchzend um Vergebung gebettelt hätte.

So oder so steht der Vorwurf im Raum, der Horst habe sich in diesem Interview zum Horst gemacht – aber was sollte er auch tun? Er hatte Merkels Regierung als Herrschaft des Unrechts bezeichnet und einer, der das genauso sieht, hatte einen, der für diese Herrschaft steht, ermordet.

Da kannste dich halt nicht rausreden. Vielleicht ist ja auch der Horst ein Fall für den Artikel 18.

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2 Kommentare
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  1. Gerrit Greiß sagt:

    Toller und leider zutreffender Artikel. Einmal mehr der Beweis dafür, daß viele BerufspolitikerInnen einen Satz verinnerlicht haben: „Erinner mich keiner an den Blödsinn, den ich gestern erzählt habe“. Mit Ihren Aktionen wie „Masterplan“ oder den Aussagen eines Herrn Dobrindt haben doch auch etablierte Parteien zur Spaltung der Gesellschaft und Flaschinformation gesorgt.
    Ich erinner mich gut an die „Bewaffneten Flüchtlinge von Ellwangen“ … übrig geblieben sind ein paar Küchenmesser und Nudelrollen lt. Polizeibericht. Aber ein Großteil der Bürger hat’s geglaubt. Traurig auch der Artikel von heute in „Zeit online“ über die Meinung in Italien zu Frau Rakete – und das in Europa mit seinen ach so hohen Werten!!!

  2. Dorothee LK sagt:

    Der Minister konnte nicht einmal den Namen des Ermordeten korrekt nennen!
    Und seine Ausführungen waren nicht angemessen, zu viel Geschwafel.



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