MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Studie

Großteil der Bevölkerung bewertet Einwanderung als Chance

53 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stehen Einwanderung positiv gegenüber. Nur jeder Siebte lehnt Migration kategorisch ab. Das geht aus einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor.

Unteilbar, Demonstration, Berlin, Rassismus, Rechtsextremismus
242.000 Menschen auf der #unteilbar-Demo in Berlin © Campact e.V. @ facebook

Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sieht Migration einer Studie zufolge als Chance. Insgesamt 53 Prozent stehen Einwanderung sehr oder eher positiv gegenüber, wie aus einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hervorgeht. Nur eine Minderheit von 15 Prozent lehne Migration kategorisch ab. Für die Erhebung befragte die SPD-nahe Stiftung 3.000 wahlberechtigte Frauen und Männer in Deutschland.

Besonders offen sind die Befragten den Angaben nach bei der Einwanderung qualifizierter Arbeitnehmer: Rund zwei Drittel stimmten der Aussage zu, Deutschland brauche ausländische Arbeitskräfte, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Auch ausreisepflichtige Ausländer, die gut integriert sind und einen Job oder Ausbildungsplatz haben, sollen nach Ansicht von 78 Prozent der Befragten in Deutschland bleiben dürfen.

Die Akzeptanz von Flüchtlingen generell hängt der Befragung zufolge von der Fluchtursache ab. So gaben 73 Prozent der Befragten an, Deutschland solle künftig mindestens genau so viele Menschen aufnehmen, die vor Krieg oder Bürgerkrieg geflohen sind. Wurden Flüchtlinge in ihrer Heimat aufgrund ihrer religiösen, politischen oder sexuellen Orientierung verfolgt, würden 67 Prozent mindestens so viele von ihnen aufnehmen wie jetzt. Bei Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen oder vor Armut fliehen, waren die Befragten weniger offen: Mehr als die Hälfte (57 Prozent) sagte, Deutschland solle künftiger weniger von ihnen aufnehmen.

Angst vor Rechtsextremismus

Eine Mehrheit fürchtet sich der Erhebung zufolge vor dem Hintergrund der Einwanderung vor einer Zunahme von Rechtsextremismus und rassistischer Gewalt (86 Prozent), einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft (81 Prozent) sowie mehr Kriminalität und einer höheren Zahl an Terroranschlägen (73 Prozent). Der Einfluss des Islams auf die Gesellschaft ängstige 64 Prozent der Befragten. Eine erhöhte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt befürchten derweil nur 30 Prozent.

Die Politik solle die grundsätzlich positive Einstellung zu Migration nicht unterschätzen, erklärten die Verfasser der Studie. Sie forderten, die Stimmung nicht durch spalterische Politik und Rhetorik zu untergraben: „Die Politik kann die Offenheit der Bevölkerung gegenüber Einwanderung nur dann erhalten, wenn sie Vertrauen gewinnt.“ Die Bürger wollten einen klaren rechtsstaatlichen Rahmen für die Einwanderung. Dazu gehörten geordnete und faire Verfahren für die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Lutz Grubmüller sagt:

    Dann soll die Mehrheit der Deutschen aber auch nicht rassistisch, fremdenfeindlich wählen in diesem Jahr!



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...