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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Danke, Deutschland!

Was auch mal gesagt werden muss

„Wir leben hier in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet“, so Bundestagspräsident Norbert Lammert am Tag der Deutschen Einheit. Gerade jetzt ist diese Erkenntnis wichtiger denn je. Andererseits gibt es hierzulande Missstände, vor denen wir nicht die Augen verschließen sollten. Von Said Rezek

Deutschland, Fahne, Flagge, BRD, Bundesrepublik
Deutschland © János Balázs @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONSaid Rezek

 Was auch mal gesagt werden muss
Said Rezek ist Student der NRW School of Governance und beschäftigt sich mit Fragen der Einwanderungsgesellschaft. 2015 erhielt er die Auszeichnung der Akademischen Arbeit des Jahres. Mehr von Said Rezek auf Facebook und auf said-rezek.de.

DATUM7. Oktober 2016

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RESSORTAktuell, Meinung

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Während des Heimwegs von einer universitären Veranstaltung, unterhielt ich mich mit einem muslimischen Austauschstudenten aus Indien über Gott und die Welt. Urplötzlich befanden wir uns in Gedanken in seiner Heimat. Seit etwa einem Jahr wohnt er in Essen, in einem sogenannten sozialen Brennpunkt.

Mit einem weinenden Auge blickte er zurück, weil er seine Familie zurückgelassen hatte, aber das war schon das „Einzige“, was er vermisste. Er berichtete mir über eine unerträgliche Kriminalität, Diskriminierung, Armut und Korruption in Indien. Im selben Atemzug äußerte er seine Zufriedenheit über Deutschland. Mehr noch: Er war dankbar wegen der Sicherheit, der Rechtsstaatlichkeit und nicht zuletzt aufgrund der medizinischen Versorgung. Alles Selbstverständlichkeiten. Oder?

Erst gestern traf ich einen türkeistämmigen Deutschen, dessen Bruder aufgrund eines Herzinfarkts, seit etwa drei Monaten im Krankenhaus liegt. Er wird in der Klinik behandelt, in der unsere Tochter zur Welt gekommen ist und er kämpfte ziemlich genau am selben Tage mit dem Tode, als unsere Tochter das Licht der Welt erblickte. Mit großen Augen erzählte er, dass sein Bruder nur mit der Hilfe eines medizinischen Geräts überlebt, welches wohl über 100.000 Euro kostet. Und er war unendlich dankbar für diese medizinische Versorgung. Ist doch selbstverständlich. Oder? Mitnichten!

Nach diesen beiden Begegnungen wurde mir wieder bewusst, wie gut wir es in Deutschland haben. Manchmal sind es die scheinbar gewöhnlichen Gespräche, welche einem wieder die Augen öffnen. Ja, auch meine Frau und ich sind dankbar dafür, dass unsere Tochter unter medizinscher Aufsicht, in Deutschland zur Welt gekommen ist. Das heißt natürlich nicht, dass wir die Entwicklung hin, zu einer zwei Klassenmedizin gutheißen.

Ferner bin ich dankbar dafür, dass meine Eltern im Jahre 1986 Asyl erhielten, als im Libanon der Bürgerkrieg tobte. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich die gegenwärtige deutsche- und vor allem europäische Flüchtlings- und Asylpolitik für eine Katastrophe halte.

Wir können dankbar dafür sein – mit wir meine ich alle Bürger dieses Landes – in einem Staat zu leben, wo kein Krieg herrscht. Das heißt natürlich nicht, dass wir die Augen davor verschließen sollten, wenn unsere Regierung Waffen in Kriegs- und Krisengebiete exportiert.

Wir können dankbar dafür sein, in einem Staat zu leben, wo wir unsere meine Meinung in relativ weiten Grenzen äußern dürfen. Dennoch sollten wir unsere Augen nicht davor verschließen, wenn jemand gegen andere hetzt.

Wir können dankbar dafür sein, in einem Staat zu leben, der unabhängig der Herkunft, Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder sexueller Orientierung ein finanzielles Existenzminimum gewährleistet. Dennoch sollten wir nicht die Augen davor verschließen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriftet.

Bei aller Kritik über bestehende Missstände, sollten wir nicht über die positive Seite der Medaille hinwegsehen. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach am Tag der Deutschen Einheit mahnende Worte, welche wir uns zu Herzen nehmen sollten: „Wir leben hier in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet“.

Und er hat Recht damit. Alle Errungenschaften, welche unser Land auszeichnen, mögen viele für Selbstverständlichkeiten halten, aber das sind sie nicht. Und genau aus diesem Grund, dürfen wir uns nicht darauf ausruhen, ebenso sollten wir sie stets zu schätzen wissen.

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2 Kommentare
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  1. Realist sagt:

    Das ist doch alles Quark. Die USA sind unter dem Strich genauso reich oder reicher als Deutschland. Dort hat mindestens ein Fünftel der Bevölkerung trotzdem Erfahrung mit Hunger gemacht. Wer sagt, dass es in Deutschland eines Tages anders sein wird?
    Vom Niedriglohnsektor, den Abgehängten und der Kinderarmut redet der Autor nicht. Auch nicht von objeltiv armen Rentnern. Abgehängte Regionen und total überschuldete Kommunen existieren in Ihrem Weltbild nicht. Aber lassen Sie sich nicht stören: Seien Sie Teil von Sonnenscheindeutschland!

  2. Josef Clemens Artzdorf sagt:

    Stimme Ihnen uneingeschränkt zu, Herr Rezek, unser Land ist lebenswert und liebenswert. Nicht umsonst liegt es im weltweiten Ranking der „Financial Times“ als das Land mit der höchsten Lebensqualität (was keineswegs mit dem höchsten Einkommen zu verwechseln ist) an der Spitze aller OECD-Länder. Und völlig richtig, darauf sich´auszuruhen wäre mehr als fahrlässig. Es gilt in nicht Wenigem nach zu bessern. Und die Flüchtlingsfrage gehört sicher als eine der wichtigsten dazu.
    Gewiss, auch die Probleme, die „Realist“ anführt, existieren ohne Zweifel. Hätten wir allerdings alle seine negativistische Sicht auf die Dinge, könnten wir gleich die Hände in den Schoss legen, nach dem Motto, hat ja doch alles keinen Zweck. Seine Ansicht, dass amerikanische Verhältnisse nahezu zwangsläufig natürlich auch für Deutschland zu erwarten sind, sind ein typischer Beleg dafür.
    Was hindert uns daran „in die Hände zu spucken“ und daran zu arbeiten, dass das eben nicht eintritt? Und auch Kritikwürdiges bei uns gilt es natürlich immer wieder zu verbessern, wie es ja eine Menge Leute in diesem Lande auch tun. Der schlimmste Feind des „Guten“ ist das „Bessere“! Larmoyanter Pessimismus hat allerdings noch nie zu Fortschritten in irgendeiner Gesellschaft geführt.
    Und ganz symptomatisch für diese Einstellung ist die Unfähigkeit Gelungenes auch nur wahrzunehmen, ganz zu schweigen von Dankbarkeit z.B. für all das was Sie richtigerweise angeführt haben.
    Lassen wir uns nicht entmutigen von denen, die alles Erreichte nur als „Quark“ empfinden, dann haben wir gewiss die notwendige Motivation, die ja in der Tat existenten, Missstände anzugehen und Schritt für Schritt besseren Lösungen zu zuführen!



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