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Deutschland, Fahne, Flagge, BRD, Bundesrepublik
Deutschland © János Balázs @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Danke, Deutschland!

Was auch mal gesagt werden muss

„Wir leben hier in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet“, so Bundestagspräsident Norbert Lammert am Tag der Deutschen Einheit. Gerade jetzt ist diese Erkenntnis wichtiger denn je. Andererseits gibt es hierzulande Missstände, vor denen wir nicht die Augen verschließen sollten. Von Said Rezek

Von Freitag, 07.10.2016, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 09.01.2018, 12:35 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Während des Heimwegs von einer universitären Veranstaltung, unterhielt ich mich mit einem muslimischen Austauschstudenten aus Indien über Gott und die Welt. Urplötzlich befanden wir uns in Gedanken in seiner Heimat. Seit etwa einem Jahr wohnt er in Essen, in einem sogenannten sozialen Brennpunkt.

Mit einem weinenden Auge blickte er zurück, weil er seine Familie zurückgelassen hatte, aber das war schon das „Einzige“, was er vermisste. Er berichtete mir über eine unerträgliche Kriminalität, Diskriminierung, Armut und Korruption in Indien. Im selben Atemzug äußerte er seine Zufriedenheit über Deutschland. Mehr noch: Er war dankbar wegen der Sicherheit, der Rechtsstaatlichkeit und nicht zuletzt aufgrund der medizinischen Versorgung. Alles Selbstverständlichkeiten. Oder?

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Erst gestern traf ich einen türkeistämmigen Deutschen, dessen Bruder aufgrund eines Herzinfarkts, seit etwa drei Monaten im Krankenhaus liegt. Er wird in der Klinik behandelt, in der unsere Tochter zur Welt gekommen ist und er kämpfte ziemlich genau am selben Tage mit dem Tode, als unsere Tochter das Licht der Welt erblickte. Mit großen Augen erzählte er, dass sein Bruder nur mit der Hilfe eines medizinischen Geräts überlebt, welches wohl über 100.000 Euro kostet. Und er war unendlich dankbar für diese medizinische Versorgung. Ist doch selbstverständlich. Oder? Mitnichten!

Nach diesen beiden Begegnungen wurde mir wieder bewusst, wie gut wir es in Deutschland haben. Manchmal sind es die scheinbar gewöhnlichen Gespräche, welche einem wieder die Augen öffnen. Ja, auch meine Frau und ich sind dankbar dafür, dass unsere Tochter unter medizinscher Aufsicht, in Deutschland zur Welt gekommen ist. Das heißt natürlich nicht, dass wir die Entwicklung hin, zu einer zwei Klassenmedizin gutheißen.

Ferner bin ich dankbar dafür, dass meine Eltern im Jahre 1986 Asyl erhielten, als im Libanon der Bürgerkrieg tobte. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich die gegenwärtige deutsche- und vor allem europäische Flüchtlings- und Asylpolitik für eine Katastrophe halte.

Wir können dankbar dafür sein – mit wir meine ich alle Bürger dieses Landes – in einem Staat zu leben, wo kein Krieg herrscht. Das heißt natürlich nicht, dass wir die Augen davor verschließen sollten, wenn unsere Regierung Waffen in Kriegs- und Krisengebiete exportiert.

Wir können dankbar dafür sein, in einem Staat zu leben, wo wir unsere meine Meinung in relativ weiten Grenzen äußern dürfen. Dennoch sollten wir unsere Augen nicht davor verschließen, wenn jemand gegen andere hetzt.

Wir können dankbar dafür sein, in einem Staat zu leben, der unabhängig der Herkunft, Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder sexueller Orientierung ein finanzielles Existenzminimum gewährleistet. Dennoch sollten wir nicht die Augen davor verschließen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriftet.

Bei aller Kritik über bestehende Missstände, sollten wir nicht über die positive Seite der Medaille hinwegsehen. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach am Tag der Deutschen Einheit mahnende Worte, welche wir uns zu Herzen nehmen sollten: „Wir leben hier in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet“.

Und er hat Recht damit. Alle Errungenschaften, welche unser Land auszeichnen, mögen viele für Selbstverständlichkeiten halten, aber das sind sie nicht. Und genau aus diesem Grund, dürfen wir uns nicht darauf ausruhen, ebenso sollten wir sie stets zu schätzen wissen.

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