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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Neue Zahlen

Knapp eine Million Leiharbeiter in Deutschland

In Deutschland sind so viele Leiharbeiter beschäftigt wie noch nie. Nach Angaben der Bundesregierung waren im Jahr 2015 insgesamt 961.000 Leiharbeiter in den Betrieben tätig – überproportional viele von ihnen sind Migranten. Nahles will Situation verbessern.

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Arbeiter auf der Baustelle © billjacobus1 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

In Deutschland sind knapp eine Million Leiharbeiter beschäftigt, so viele wie noch nie. „Die Wirtschaft brummt, aber dennoch ist die Leiharbeit auf Rekordhöhe“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst zur Auskunft der Bundesregierung auf eine Anfrage seiner Fraktion. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bekräftigte bei der Haushaltsdebatte im Bundestag, sie wolle die Situation der Leiharbeiter mit einem neuen Gesetz verbessern.

Nach Angaben der Bundesregierung waren im Jahr 2015 insgesamt 961.000 Leiharbeiter in den Betrieben tätig. Der Umfang der Leiharbeit steigt demnach seit Jahren. 2014 hatte es rund 912.000 Leiharbeiter gegeben. In den Jahren zuvor lag die Zahl teilweise deutlich darunter, wie etwa im Jahr 2009, als knapp 610.000 Leiharbeiter gezählt wurden. Überproportional häufig sind Menschen mit Migrationshintergrund in diesen sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen beschäftigt.

Leiharbeiter verdienen weniger

Leiharbeiter verdienen weniger als fest Angestellte: Nach den jüngsten Zahlen der Bundesregierung lag das mittlere Brutto-Monatsgehalt von Leiharbeitern bei 1.700 Euro. Im Vergleich dazu lag das Durchschnittsgehalt bei den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2.960 Euro. Dabei arbeiteten zwei Drittel der Leiharbeiter zu besonders niedrigen Löhnen, also unter der amtlich definierten Niedriglohnschwelle von 1.973 Euro. 5,7 Prozent der Leiharbeiter haben sogar Anspruch auf ergänzende staatliche Leistungen und stocken ihr Gehalt durch Hartz IV auf.

Leiharbeit ist in der Praxis zeitlich befristete Beschäftigung. Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, besteht nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis nach neun Monaten noch. Nur zwölf Prozent der Leiharbeiter sind 18 Monate oder länger beschäftigt.

Zweiklassensystem

Mehr als jeder dritte Leiharbeiter (36 Prozent) ist in der Metall- und Elektrobranche tätig. Im Maschinenbau sind nach den Angaben elf Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau sind es zehn Prozent.

Der Linken-Politiker Ernst bedauerte, dass sich in den Betrieben „ein Zweiklassensystem etabliert“ habe. Daran werde auch die von Arbeitministerin Nahles geplante Reform der Leiharbeit nichts ändern. Ihr Entwurf sieht vor, dass Leiharbeiter künftig nach neun Monaten genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaften.

Außerdem will Nahles mit der Reform die Tarifautonomie stärken. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können nach dem Gesetzentwurf die maximale Verleihdauer tarifvertraglich regeln. Außerdem sollten die Betriebsräte mehr Rechte bekommen, sagte die Ministerin in der Bundestagsdebatte. (epd/mig)

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