MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Evangelische Kirche

Keine systematischen Übergriffe auf christliche Flüchtlinge

Systematische Übergriffe auf Christen in Flüchtlingsunterkünften kann die Evangelische Kirche nicht bestätigen. Eine informelle Umfrage habe lediglich Einzelfälle zutage gebracht. Eine Studie einer konservativen Allianz hatte Gegenteiliges behauptet und für Empörung gesorgt.

Flüchtlingsheim, Flüchtlingsunterkunft, Asylbewerber, Berlin, Hellersdorf
Eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin Hellersdorf © Thomas Rossi Rassloff @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Auf dem Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gibt es offenbar keine systematischen Übergriffe auf Christen in Flüchtlingsunterkünften. Eine informelle Umfrage des Diakonischen Werks Württemberg bei Mitarbeitern der Unterkünfte habe jedoch Einzelfälle zutage gebracht, in denen Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit bedrängt worden seien, sagte Diakoniechef Dieter Kaufmann am Donnerstag bei einer Tagung der Landessynode in Heilbronn.

Hintergrund der Vorfälle seien hauptsächlich die allgemeinen Bedingungen in den Unterkünften wie fehlende Privatsphäre, psychische Belastungen und zu wenig Personal. Die Mehrheit der Vorfälle sei als Alltagskonflikt zu werten.

Aus knapp 70 Unterkünften, darunter drei Landeserstaufnahmestellen, erhielt die Diakonie Rückmeldungen. Aus 31 Unterkünften wurde gemeldet, dass die Mitarbeiter keine Konflikte mit religiösem Hintergrund feststellten. Andere berichteten von einzelnen Vorfällen, etwa dem Streit um die „richtige Art zu leben“ bei Kleidung, Ernährung oder dem Verhalten von Frauen.

Das Hilfswerk „Open Doors“, das der theologisch konservativen Deutschen Evangelischen Allianz nahesteht, hatte im Mai Ergebnisse einer Umfrage unter christlichen Flüchtlingen vorgestellt. In 231 Fällen gaben Christen, in der Mehrheit Konvertiten, dabei an, wegen ihrer Religionszugehörigkeit beleidigt, drangsaliert oder geschlagen worden zu sein.

„Open Doors“ sprach von systematischer Verfolgung. Aus den beiden großen Kirchen wurden Zweifel an der Validität der Studie laut. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. […] öffentlich zu Wort und widersprachen der Darstellung des Berichts. Sogar die Evangelische Kirche kritisierte die Studie als „unseriös“ und warf Open Doors vor, „Züge der Pegida-Argumentationsweise“ zu übernehmen. Doch […]



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...