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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben in dieser Woche gerade einige Gesetze verabschiedet – zum Beispiel gegen die Scheinehe. Und wir wollen damit deutlich machen, dass wir solche Zwangsverheiratungen zum Beispiel nicht billigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Video-Podcast der Bundeskanzlerin #35/10 vom 30.10.2010

Studie

Fremdenangst am stärksten in Regionen mit wenigen Migranten

Soziologische Studie der Universität Tübingen zeigt: In Zeiten hoher Einwanderung wächst die Fremdenangst – allerdings weniger in Regionen, in denen viele Migranten leben, sondern ausgerechnet dort, wo die wenigsten leben.

Menschen, Bevölkerung, Population, Demografie
Menschen © János Balázs @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

In Gebieten mit wenigen Migranten ist die Angst vor Fremden stärker als in Regionen mit hohem Ausländeranteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sozialwissenschaftlers Hannes Weber laut einer Mitteilung der Universität Tübingen vom Mittwoch. Demnach sind in den Landkreisen mit dem niedrigsten Zuwandereranteil die Ängste vor negativen Konsequenzen der Zuwanderung – etwa für Arbeitsmarkt oder Kriminalitätsrate – am weitesten verbreitet.

Weber erklärt diese Beobachtung damit, dass sich Menschen in ethnisch vielfältigeren Regionen offenbar stärker an die Präsenz von Menschen anderer Herkunft gewöhnt hätten. Dagegen fühle sich stärker bedroht, wer im Alltag wenigen Zuwanderern begegne, während gleichzeitig in den Medien über die hohe Zuwanderung diskutiert werde.

Gleichzeitig beobachtet der Wissenschaftler allerdings, dass etwa in Stuttgart in den vergangenen 15 Jahren überproportional viele Deutsche aus Vierteln mit hohem Migrantenanteil weggezogen sind. Innerhalb von Städten seien eher die Bewohner in besser situierten Vierteln mit geringem bis moderatem Zuwandereranteil tolerant gegenüber Migranten eingestellt. „Das deutet darauf hin, dass Menschen der Zuwanderung besonders positiv gegenüber stehen, wenn sie zwar im Alltag sichtbar, aber weniger in der unmittelbaren Nachbarschaft zu finden ist“, sagte Weber. Räumliche Nähe zu Zuwanderern stelle deshalb nur bedingt ein „Rezept gegen Fremdenfeindlichkeit“ dar.

Der Sozialwissenschaftler hatte für die Studie statistische Daten und Befragungen in Deutschland sowie Untersuchungen aus anderen europäischen Ländern ausgewertet. (epd/mig)

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4 Kommentare
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  1. Josef Clemens Artzdorf sagt:

    Daher sollte man sich auch von der vordergründig positiven Sicht des links-liberalen Bürgertums auf die Zuwanderung nicht all zu sehr täuschen lassen. Hier in Bonn jedenfalls leben in den wohlhabenden Professoren- und Beamtenstadtteilen so gut wie keine ausländischen Mitbürger. Da ist Toleranz vergleichsweise wohlfeil.
    Andererseits hält die Flucht autochthoner Deutscher z.B. aus dem hoch migrationsbetroffenen Stadtteil Tannenbusch unvermindert an. Wer noch bleibt (bleiben muss) bringt seine Kinder teilweise in kilometerweit entfernte Schulen obwohl die Schulversorgung vor Ort durchaus in Ordnung ist.
    Der Weg ins Nebeneinander (wenn denn wenigstens das friedlich gelingt) statt ins Miteinander scheint weitgehend vorgezeichnet. Optimistische Prognosen scheinen mir alles andere als angebracht.

  2. posteo sagt:

    Schön, dass der Artikel differenziert berichtet.
    Da man sich seinen Wohnort u.a. danach aussucht, ob man es lieber ethnisch heterogener oder homogener hat, ist die Einstellung zu Migranten nicht unbedingt durch mangelnde Erfahrung geprägt.
    Grundsätzlich steht es jedem frei, sich so einrichten, wie man es am liebsten hat.. Schließlich sind alternative Wohnquartiere wie der Prenzlauer Berg auch Parallelgesellschaften.

  3. Chris sagt:

    Ich habe sehr viele AFD wähler und leute kenennlernen dürfen

    darunter viele Russlanddeutsche, die selbst HARTZ 4 beziehen und mit einem mit mail-adressen kommunizieren die auf RU enden

    Ausserdem sehr viele THOR STEINAR nazis dabei die offen als rassisten auftreten bis hin zu vielen naiven dummen Arbeitern und Arbeitslosen, die sich von so einer Partei beeindrucken lassen

    Sie ist gefährlich die Partei

  4. Arminius sagt:

    Logisch, denn in Regionen, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt sind, zieht es keine Ausländer hin. Die werden dort als lästige Konkurrenz bei Sozialleistungen und billiger Arbeit betrachtet, die man sich vom Halse hält.
    In Wohlstandsregionen ist das anders. Das heißt aber nicht, dass Ausländer und Migranten dort akzeptiert werden. Die Ausländer- und Migrantenfeindlichkeit wird dort mehr hinter einem netten Lächeln verborgen. Natürlich hat jeder seinen Türken und Chinesen in der Bekanntschaft. Das sagt aber rein gar nichts aus.



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