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Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Nach Köln

Kritik an Titelseiten von „Focus“ und „Süddeutscher Zeitung“

Mit der Berichterstattung über die Übergriffe in Köln haben sich das Nachrichtenmagazin „Focus“ und die „Süddeutsche Zeitung“ Beschwerden beim Pressereit eingehandelt. Während SZ sich für die Titelseite entschuldigte, blieb Focus stur.

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Kritik an den Titelseiten von "Süddeutsche Zeitung" und "Focus"

Beim Deutschen Presserat sind bis Montag zehn Beschwerden über das Titelbild des Focus zu den Kölner Übergriffen eingegangen. Das Foto einer nackten Frau mit schwarzen Handabdrücken auf dem Körper werde als sexistisch und diskriminierend kritisiert, sagte der Geschäftsführer des Presserats, Lutz Tillmanns, dem Evangelischen Pressedienst. Die Darstellung stieß bereits am Wochenende in den sozialen Medien auf scharfe Kritik. Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz verteidigte das Cover mit dem Titel „Frauen klagen an“.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peters erklärte, die Darstellung erfülle in ihren Augen die Merkmale von Sexismus und Rassismus und verstoße damit gegen den Pressekodex. „Kann man nicht über sexualisierte Gewalt an Frauen berichten, ohne dabei auf frauenverachtende Weise altbekannte Vorurteile zu bedienen und durch eine rassistische Darstellung Rechtspopulismus und rechte Hetze zu verstärken?“, sagte Peters, die nach eigenen Angaben am Samstag Beschwerde beim Presserat einreichte.

Reitz erklärte bereits am Freitag auf Twitter, die Focus-Redaktion habe sich dazu entschieden, symbolisch darzustellen, was in Köln geschah. „Deshalb zeigen wir, stellvertretend für die vielen weiblichen Opfer, eine zum Sex-Objekt degradierte und entwürdigte Frau – die aber dennoch entschlossen ist, sich zu wehren“, schrieb der Chefredakteur. Am Samstag sagte er dem Tagesspiegel, wer behaupte, das Cover sei sexistisch und rassistisch, habe „Angst vor der Wahrheit“.

Kritik auch an SZ

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ wurde für eine Illustration zu den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht kritisiert. Darauf war in der Wochenendausgabe eine schwarze Hand zu sehen, die einer weißen Frau in den Schritt greift. Chefredakteur Wolfgang Krach schrieb am Sonntag auf Facebook, die Illustration habe bei vielen Lesern Unverständnis und Wut hervorgerufen und sei als sexistisch und rassistisch kritisiert worden. Er distanzierte sich von der Darstellung und schrieb, diese bediene „stereotype Bilder vom ’schwarzen Mann‘, der einen ‚weißen Frauenkörper‘ bedrängt.“ Die Redaktion bedauere, „wenn wir durch die Illustration die Gefühle von Leserinnen und Lesern verletzt haben, und entschuldigen uns dafür“, erklärte Krach.

Dieses Zitat stammt von Ahmad Mansour. Der palästinensisch-israelische Psychologe arbeitet in Berlin mit gefährdeten…

Posted by Süddeutsche Zeitung on Samstag, 9. Januar 2016

Gegen die Darstellung auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung ging beim Presserat bis Montag eine Beschwerde ein, wie Tillmanns sagte. Über die Frage, ob sich der Beschwerdeausschuss des Gremiums mit den beiden Fällen befassen werde, solle in Kürze entschieden werden. (epd/mig)

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