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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Theater

Draußen

Was wissen wir über die deutsche Flüchtlingspolitik? Was wissen wir über den Alltag eines Asylbewerbers in unserer Stadt? Wie gehen wir, wie geht Deutschland mit Flüchtlingen um? „Draußen“ im Berliner Ballhaus Ost basiert auf Originaldokumenten und Gerichtsverhandlungen, Behördentexten, Interviews mit Anwälten und AsylbewerberInnen, Reden von Politikern.

VONJamal Tuschick

 Draußen
Der Verfasser, geboren 1961 in Kassel, hat seinen libyschen Vater nicht kennengelernt, die Mutter ist Deutsche. Arbeitet seit 1987 als Autor und Journalist vor allem für die Frankfurter Rundschau und die junge welt. Herausgeber der 2000 im S. Fischer Verlag erschienenen Anthologie "Morgenland", die Einfluss gewann auf die Kulturdebatte innerhalb des Migrationsgeschehens. Stichwort: Das Ende der Gastarbeiter-Literatur Tuschick trug zu einem neuen Verständnis der Literatur von Autoren mit einer ethnischen Differenz zur Mehrheitsgesellschaft bei. Er veröffentlichte im Suhrkamp Verlag Keine Große Geschichte, Kattenbeat, Bis zum Ende der B-Seite Zuletzt erschien von ihm im Martin Schmitz Verlag Grobzeug im Rindermix

DATUM18. März 2014

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Man unterhält sich über angeschwemmte Leichen. Sie wurden an Urlaubsstränden aus dem Wasser gezogen. Namenlose einer Völkerwanderung von der Dritten in die Erste Welt, die es nicht geschafft haben, in europäischen Küchen und Kellern dem Wohlstand nah zu verelenden. Ich denke an einen Satz von Johannes Bobrowski: „Ich mache bloß so ein Schlußpanorama für die zu Ende gehende Epoche der Seßhaftigkeit, welche im Neolithikum bekanntlich anfing, damit die Leute wissen, wie das war.“

Das Gespräch ändert den Verlauf Richtung Undercut, Glamour und Kahlschlag in einer Frisur. Esther Vorwerk und Johannes Frick besprechen als Repräsentanten beliebiger Zeitgenossenschaft bei Kaffee und Kuchen einen privilegierten Alltag. Sätze bleiben in jedem Fall unvollendet. Die Geläufigkeit jedes Gedankens steht außer Frage. Man schöpft aus einem Erfahrungsreservoir von geringer Tiefe. Man spekuliert auf Übereinstimmung. Man repetiert Paragrafen aus einem Vertragswerk der verdoppelten Verdrängung. Das Publikum erkennt sich wieder und zeigt das mit Gelächter an.

Der Rassismus ist so banal
Auf der Ballhausbühne vagabundieren aufblasbare Möbel. Ab und zu hauen sich die Spieler Sachen um die Ohren. Wer dabei zu Boden geht, verkörpert den Verlierer im Kampf der Speckseite gegen ein desolates Weltgeschehen. Die Spieler zitieren abwechselnd aus Ausländerbehördenprotokollen. Es geht um Abschiebung, vorbeugende Haft und Aufenthaltsbeschränkungen. Der Rassismus in den Formulierungen ist so banal wie basal, er gehört zum guten Ton des Beamtendeutschen. Die Aushöhlung des Asylrechts stellt sich dar als amtliche Angelegenheit.

Auf einer Projektionsfläche geht es zu wie auf den Bildern von Keith Haring. Ein Schlagzeuger spielt außerdem Bass. Er heißt Sebastian Deufel und gehört gemeinsam mit Esther Vorwerk und Paula Dombrowski zum Künstlerkollektiv „Annja Hofft“.

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