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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Partiziano

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Wo Migration mündet und wem sie wann mundet – das weiß nicht nur Coca Cola nicht ganz genau. Höchste Zeit also, sich der Molekularküche zu widmen und die Polenta-Potentiale neu zu entdecken, damit das Thema Zuwanderung künftig nicht mehr auf den Magen schlägt.

VONMarcello Buzzanca

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Geb. 1972 in Frankfurt/Main. Studium der Romanistik, Amerikanistik und Germanistik in Frankfurt und Málaga. U.a. tätig als Autor, Texter, Redakteur, Übersetzer, Blogger und Kolumnist bei MiGAZIN. Sein erstes Buch: „Periodischer Patriotismus: Deut(sch)liche Erfahrungen eines provisorischen Italieners“ erscheint Ende Mai 2013 im Verlag Sibylla Wegener“

DATUM13. Juni 2013

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RESSORTLeitartikel, Meinung

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Molekularküche unter Selektionsdruck führt zum Stuhlgang
Aber ja, man soll ja nicht mit Essen spielen und das gilt dann wohl auch für Getränke. Andererseits, und das scheint mir mindestens so unlogisch wie die Codes des Coke-Generators, was macht dann wohl Ferrán Adrià mit seiner Idee der Molekularisierung bzw. Rekonzeptualisierung von Lebensmitteln? Etwa nicht spielen? Nein, er rekonzeptionalisiert, skelettiert und reduziert Gerichte und Zutaten auf ihr Wesentliches und veredelt sie dann durch ein neues Gewand. Und nicht zu vergessen: Jedem Tisch- folgt schließlich der Stuhlgang. Und wenn man da pressen muss, hat das etwas mit Selektionsdruck zu tun. Dieser beschreibt im Sinne der Zuwanderer, des Maisbreis und des fehlenden göttlichen Spirits auf Dosen, wie sich Populationen unter Einwirkung bestimmter Selektionsverfahren entwickeln und diese Prozesse deren Anpassung an die Umwelt begünstigen. Heißt also: Maisbrei oder Popcorn?

Und es bedeutet: Leere Dosen, beschriftet oder nicht, trotz hohen Integrationsdrucks nicht einfach zusammendrücken, sondern unversehrt im Pfandautomaten versenken – als Tribut an die Aufnahmegesellschaft. Die hat dafür extra Automaten aufgestellt. Ähnlich des Namensgenerators von Coke nehmen die die Flaschen schneller an, wenn man sie mit dem Strich-Code in Richtung Laser legt. Das nennt man Anpassung oder auch Integration. Und wenn man aus einer Abgabegesellschaft stammt, sollte man wenigstens den Pfand auf die eigene Integration als Beitrag leisten.

Wir brauchen einen Cemp!
Und im Sinne von Beiträgen, Namen, Taufen und Essen (also Futterkrippen): Eine aktuelle Studie des Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) zeigt, dass nur 14 Prozent der Eltern mit Migrationshintergrund ihre Kinder in Kitas geben. Gründe hierfür: Sie bemängeln die Qualität der Kitas und Krippen, finden die Gruppen zu groß. Außerdem stört sie, dass die Kinder nicht gut genug auf die Schule vorbereitet würden und die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern suboptimal sei. Und: Mehrsprachige Erzieher wären auch nicht schlecht.

Tja, da schlage ich vor, sie warten die nächste Bundestagswahl ab. Sollte nämlich der gelernte Erzieher Cem Özdemir sich danach frustriert von der grünen Roth abwenden, könnte er als dreisprachiger (Schwäbisch, Deutsch und Türkisch) Betreuer in altbekannter Manier neue Wege wagen. Und was diese neuen Wege im Sinne von Bekenntnispfaden, Viae Dolorosae und Tribute an erfolgreiche Migranten anstelle von Migrantions-Mauts angeht: Wenn du mich hörst, lieber Cem Özdemir, und einen Kampa-Manager brauchst, dann sag Bescheid! Habe auch schon den einen oder anderen Slogan für dich: Wir brauchen einen Cemp! We’re cemming! Die Cem de la Crème!

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3 Kommentare
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  1. Holla sagt:

    Ich könnte mich gerade den Kloschüssel runterspülen vor Lachen. Wie geil ist das denn. Herr Buzzanca, Hut ab! Sie haben Talent, Menschen zum Lachen zu bringen! Mein persönlicher Brüller war: „Leere Dosen, beschriftet oder nicht, trotz hohen Integrationsdrucks nicht einfach zusammendrücken, sondern unversehrt im Pfandautomaten versenken – als Tribut an die Aufnahmegesellschaft. Die hat dafür extra Automaten aufgestellt.“

    Danke auch an Migazin! Solche Texte braucht das Land eben auch.

  2. Marcello Buzzanca sagt:

    Hallo Holla, besten Dank für Ihren netten Kommentar und dass Sie MiGAZIN lesen 🙂 Und wenn ich neben dem Lachen auch zum Nachdenken anregen kann, freut es mich umso mehr 🙂

    Herzliche Grüße

    Marcello Buzzanca

  3. […] auch in den Momenten, in denen die fliegenden Händler irgendwann hinter Roma Termini zustiegen, kalte Cola und Wasser zu inflationären Konditionen verkauften und dann vor dem nächsten Kontrolleur wieder […]



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