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Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Die Zukunft

Von Integration zur Inklusion

Wie kann der Begriff „Inklusion“ die traditionelle Integrationsdebatte weiter entwickeln? Wie können wir Integration im Leitbild einer inklusiven Gesellschaft neu begreifen? Diesen Fragen geht Cem Özdemir in seinem Namensbeitrag für das MiGAZIN nach.

In dem Anfang 2011 veröffentlichten „Manifest der Vielen“ beschreibt Ferdos Forudastan, wie sich die Kinder, Enkel und Urenkel der ersten Einwanderer-Generation in der bisher übliche Aufteilung unserer Gesellschaft in ein „Wir“ und „Ihr“ immer weniger wiederfinden. Dazu passt auch, dass die taz kurz davor aufgerufen hatte, ein neues Wort anstelle des leidigen und sperrigen Begriffes „Menschen mit Migrationshintergrund“ vorzuschlagen, leider noch ohne durchschlagenden Erfolg. Es ist offenbar alles andere als leicht, einen der ganz elementaren Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft in Worte zu fassen bzw. in einem Begriff angemessen abzubilden.

Auf dem letzten Parteitag im November 2011 in Kiel haben Bündnis 90 / Die Grünen nun ein Papier beschlossen mit dem Titel „Vielfalt leben in einer inklusiven Gesellschaft“. Darin stellen wir uns die Frage (wie sie ja auch in dem aktuellen MiGAZIN-Dossier zum Ausdruck kommt), wie der Begriff „Inklusion“, der im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen verwandt wird, auch die traditionelle Integrations-Debatte weiter entwickeln kann bzw. wie wir Integration im Leitbild einer inklusiven Gesellschaft neu begreifen können.

Weitere Artikel aus dem MiGAZIN-Dossier: Inklusion

Eine blockierte Gesellschaft
Chancengleichheit ist für mich eine republikanische Errungenschaft. Sie erweitert den rechtlichen und politischen Gleichheitsanspruch der Demokratie auf die soziale Sphäre. In diesem Sinne verstehe ich sozialen Aufstieg immer als praktizierte Chancengerechtigkeit. Doch leider leben wir in vielfacher Hinsicht in einer blockierten Gesellschaft. Die tatsächliche Möglichkeit, dass Menschen durch Bildung und Erwerbsarbeit sozial aufsteigen (können), funktioniert in unserer Gesellschaft nicht mehr richtig, denn gerade Kinder aus sozial schwächeren Familien haben hier deutlich weniger Chancen. Das gilt für Menschen deutscher wie auch nicht-deutscher Herkunft gleichermaßen. Zugleich sind Menschen mit Migrationshintergrund (sic!) in Deutschland, trotz unzähliger Erfolgsgeschichten, nicht nur wesentlich häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Sie sind auch der Ausgrenzung im deutschen Bildungssystem, das die Kinder bekanntermaßen früh in verschiedene Pfade sortiert (bzw. aussortiert), in besonderem Maße ausgesetzt. Und aktuelle Studien zeigen, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien auch dann Ausgrenzung erfahren, wenn sie ebenso gute Leistungen wie Kinder aus anderen Familien aufweisen.

Tatsache ist aber auch, dass in unserer Gesellschaft nicht nur „Menschen mit Migrationshintergrund“ oder Menschen mit körperlichen, intellektuellen bzw. psychischen Beeinträchtigungen diskriminiert werden. Auch junge und alte Menschen, arme Menschen, Frauen, sog. queere Menschen (also Lesben, Schwule und Transgender) sowie Angehörige bestimmter Religionsgruppen werden in unterschiedlicher Form an der selbstbestimmten und gleichberechtigten Teilhabe an unserer Gesellschaft gehindert.

Der Denkansatz inklusiver Politik
Ziel einer Politik der Inklusion ist die Schaffung einer Gesellschaft, in der jeder Mensch an der Gesellschaft gleichberechtigt teilhaben kann, genauso, wie er oder sie ist. Eine inklusive Politik schätzt die Vielfalt der unterschiedlichen Lebensrealitäten. Unterschiede werden anerkannt und nicht hierarchisiert. In einer inklusiven Gesellschaft ist es akzeptierte Normalität, verschieden zu sein.

Maßstab inklusiver Politik ist das Recht aller auf Selbstbestimmung und auf gleiche Lebenschancen. Jeder Mensch hat demnach – unabhängig von ihren/seinen persönlichen Merkmalen – den gleichen Anspruch auf Würde, auf barrierefreien Zugang zur gesellschaftlichen Infrastruktur, zu Produkten und Dienstleistungen und die gleichen Rechte auf Teilhabe an der Gesellschaft.

Aufgabe inklusiver Politik ist es nun zunächst, herauszufinden, welche Hindernisse die gleichberechtigte Teilhabe bzw. den Aufstieg der verschiedenen ausgegrenzten Gruppen in die sozio-ökonomische Mitte erschweren. Inklusive Politik ist dann bestrebt, Lösungen zu entwickeln, von denen möglichst verschiedene von sozialer Ausgrenzung betroffene Zielgruppen profitieren können.

Das mag abstrakt klingen. Ich meine jedoch, dass die Vorstellung und das Leitbild eines inklusiven gesellschaftlichen Miteinanders helfen können, den offenkundig ins Stocken geratenen Integrationsdiskurs weiter zu entwickeln und das Ziel der Teilhabe aller in unserer Gesellschaft voran zu bringen.

Von Integration zur Inklusion
Ziel von Integrationspolitik im Allgemeinen ist es, neu hinzugekommene bzw. ausgeschlossene Gruppen in die Gesellschaft (wieder) einzugliedern: So sollen z. B. Arbeitslose in den Arbeitsmarkt „integriert“ werden. Und Menschen mit Migrationshintergrund sollen – so die traditionelle Sicht – (freiwillig oder mit Druck) an die „Normalität“ der Mehrheitsgesellschaft angepasst werden, ganz gleich ob sie der ersten, zweiten oder dritten Generation angehören.

Eine Politik der Inklusion hingegen geht davon aus, dass spätestens die zweite und alle nachfolgenden Einwanderergenerationen ebenso wie eben z. B. Menschen mit Behinderungen nicht außerhalb unserer Gesellschaft stehen – sie sind doch vielmehr hineingeborener Bestandteil derselben und müssen nicht erst noch integriert werden. Anstatt diese Kinder, Enkel und Urenkel der ersten Einwanderergeneration als gleichberechtigt zu akzeptieren, gilt es aber als scheinbarerer common sense, diese hier geborenen und aufgewachsenen Menschen immer noch erst „integrieren“ zu wollen. Dabei sind diese längst Teil des „Wir“, was genauso und übrigens nicht erst 50 Jahre nach dem Beginn der Anwerbung von Arbeitskräften auch für die erste Generation gilt.

Der Begriff „Migrationshintergrund“ ist für sich genommen ein überschätztes, weil in der Regel wenig aussagekräftiges Kriterium. Armut ist nämlich weder eine Frage des Passes noch der ethnischen Herkunft, sie hat vor allem anderen soziale Ursachen. Wenn ich Gruppen mit ähnlichen bildungsmäßigen und sozialen Rahmenbedingungen vergleiche, bestehen im Hinblick auf die wichtigen Ausgrenzungsparameter praktisch keine Unterschiede, auch nicht zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Das wiederum macht meines Erachtens deutlich, dass das vorherrschende Integrationsverständnis zwar gut gemeint sei mag. Es erweist sich letztlich aber als ein untaugliches Gesellschaftsbild. Es ist Ausdruck einer unsachgemäßen Wahrnehmung unserer de facto längst multikulturellen Gesellschaft. Und wer so denkt, der findet dann eben auch nicht die richtigen Wörter, um die gelebte Vielfalt unserer Gesellschaft adäquat auszudrücken.

Kein Abschied von der Integration
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Integrationspolitik als solche wird damit nicht obsolet. Die Verbesserung der Lebensmöglichkeiten und der sozialen Aufstiegschancen von Neu-EinwanderInnen ist und bleibt eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe. Die 2004 von Rot-Grün eingeführten Sprachkurse sind für diejenigen, die bisher noch nicht die Chance hatten, die deutsche Sprache zu erlernen eine elementare Voraussetzung für Inklusion.

Und um mit einem anderen Missverständnis aufzuräumen: Vielfalt bedeutet nicht, unsere Gesellschaft in lauter Partikulargruppen zerfallen zu lassen. Ein soziales Miteinander in einer inklusiven Gesellschaft wird, das ist meine feste Überzeugung, nur auf der Grundlage gemeinsam entwickelter Wertvorstellungen möglich sein. Dieses einigende Band einer inklusiven Gesellschaft sind für mich die universellen Werte der Menschenrechte. Danach soll jeder Mensch mit identischen Rechten und Pflichten wahrgenommen werden – ungeachtet von Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Alter, sexueller Identität oder Behinderung. Diese uneingeschränkte Akzeptanz der Menschenrechte sowie die Möglichkeit zur Verständigung in einer gemeinsamen Sprache sind meines Erachtens unabdingbare Voraussetzungen für eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe Aller. Erst der gegenseitige Respekt erzeugt in einer vielfältigen Gesellschaft wie der unsrigen die notwendige Identifikation mit unserer demokratischen Gemeinwesen – allerdings nur dann, wenn der Grundsatz anerkannt wird, dass die Freiheit des Einzelnen immer da aufhört, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird. Maßstab ist hier unser Grundgesetz.

Eine inklusionspolitische Agenda
Der oben genannte Beschluss von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN versteht sich ausdrücklich als Impuls und Gesprächsangebot. Denn machen wir uns nichts vor: Auch wir, die zweite und dritte Einwanderergeneration, haben selber auch noch keine adäquate Begrifflichkeit. Es bewegt sich jedoch einiges und gemeinsam mit Gruppen wie z. B. „Deutsch Plus“, „Typisch Deutsch“, den „Brückenbauern“, mit dem „Zahnräder Netzwerk“ oder mit der „MiGAZIN“-Redaktion (die alle entlang dieser hier diskutierten Frage entstanden sind) sollte es uns gelingen, einen eigenständigen Beitrag für eine inklusionspolitische Agenda auf die Beine zu bringen. Wir sollten das gängige Verständnis über Integration vom Muff befreien, der unseren „lieben ausländischen Mitbürgern“ so gern entgegengebracht wird. Wir brauchen vielmehr eine klare Sicht darauf, was diejenigen, die unter sozialer Ausgrenzung leiden (ob nun Dimitri, Dilan oder Diana) verbindet – anstatt künstlich immer davon auszugehen, was sie angeblich alles unterscheidet.

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5 Kommentare
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  1. Inklusiati sagt:

    Die Inklusion basiert auf der 2006 verabschiedeten UN-Konvention, die nach der Ratifizierung 2008 durch den Bundestag und Bundesrat ab März 2009 in Gesetzeskraft getreten ist und somit ins deutsche Recht umzusetzen gilt. Institutionen sind also verpflichtet!!!

    Allerdings wird der Begriff in Deutschland aber zu sehr auf Menschen mit physischer oder psychischer Behinderung begrenzt, obwohl die gemeinte „Vielfalt“ und „Heterogenität“ darüber hinausgeht und alle Barrieren und Diskriminierungen, die die Entwicklung einschränken, zu beheben intendiert. Alle Menschen „die mehrfachen oder verschärften Formen der Diskriminierung aufgrund der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen, indigenen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt, des Alters oder des sonstigen Status ausgesetzt sind[…]“ (UN-Konvention 2006,6).
    Schade, dass trotz der gesetzlichen und rechtlichen Grundlagen für eine inklusive Gesellschaft, die Umsetzung in der Praxis ganz anders aussieht.

  2. Sehr geehrter Herr Özdemir,

    die Debatte, die Sie und die Grünen hiermit anstoßen wollen, ist mir mehr als Willkommen. Eine Änderung der Richtung ist unumgänglich und dazu gehört zweifelsfrei auch die Reflexion der Begrifflichkeiten, mit denen wir in diesem Kontext zu tun haben. Allerdings und da gehen unsere Meinungen wohl auseinander, finde ich den Begriff der Inklusion genau so wenig hilfreich, wie den Begriff der Integration. Schließlich resultiert der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen nur in der gesellschaftstheoretischen Grundlage, auf die sie sich jeweils beziehen. Integration ist den klassischen Gesellschaftstheorien entlehnt, wie sie beispielsweise nach Emil Durkheim beschrieben wurde. Inklusion ist ein Begriff aus der Systemtheorie, wie ihn insbesondere Niklas Luhmann geprägt hat. Die Systemtheorie ist neueren Datums und entspricht schon mehr heutigen, funktional ausdifferenzierten gesellschaftlichen Realitäten. Aber Durkheim ist nicht einfach überholt. In gewissen Teilbereichen ist Durkheim nach wie vor relevant für uns. Aber ich will mich hier gar nicht in die theoretischen Gefilde dieser beiden Begriffe verlieren, ist doch aber genau das das Problem an Ihrem Vorschlag: Um den Unterschied zwischen den Begriffen Inklusion und Integration zu erkennen, muss Mensch studiert haben. Im allgemeinen bedeuten aber beide Begriffe so etwas wie „einschließen“ oder „einbinden“. Das heißt, das beide Begriffe im Grunde davon ausgehen, dass es eine hiesige Gesellschaft gibt, in die dazugekommene, sozusagen Fremde (nach Simmel), eingegliedert werden müssen. Aber genau das ist doch ein Hauptproblem dieser Debatte, die auch Sie hier zu Recht kritisieren. Dieser Begriff schützt nicht davor, dass hier geborene und hier lebende Menschen, deren Vorfahren beispielsweise durch das Anwerbeabkommen mit der Türkei nach Deutschland gekommen sind, in der Debatte erstmal künstlich zu AußenseiterInnen gemacht werden, um sie dann schließlich durch die Debatte vermeintlich einzuschließen. Deswegen finde ich den Aufbruch zu neuen Ufern durch die Grünen zwar löblich, hoffe aber sehr, dass dieser Begriff der Inklusion lediglich die Diskussion anregen sollte, ohne dass er, wie der Begriff der Integration sofort institutionalisiert wird.
    Ich möchte statt dieser Begriffe, den der „Partiziaption“ vorschlagen, der in Migrantenselbstorganisationen bereits seit Jahren benutzt und auch gefordert wird. „Partizipation“ oder „Gesellschaftliche Teilhabe“ drückt in diesem Sinne aus, dass es um Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit geht. Insbesondere ist er ein Begriff, der im deutchen Sprachgebrauch nicht so fremd ist und mit dem, meines Erachtens, viel mehr Menschen etwas anfangen können als mit dem Begriff der Inklusion.

  3. Subvitia sagt:

    Lieber Cem,
    zuerst einmal möchte ich dich bitten Themen wie Gerechtigkeitsschutz zwischen Migranten/Ausländer genauer zu beleuchten. Denn es artet sich in Deutschland zu einer erheblichen Ungerechtigkeit aus, in dem Migranten / Ausländer konfrontiert werden. Die Probleme zwischen den Migranten /Ausländern werden von den deutschen Behörden immer mehr ignoriert und die Staatsanwälte lassen sich nicht Strafanzeigen zwischen Migranten/Ausländern mehr ein. Das heisst die Gefahr droht, Abzocke, Morddrohungen, Menschenrechte die durch Migranten/Ausländern an Migranten/Ausländern verübt werden, sind für die Behörden und Staatsanwälte unwichtig. Man wird verachtet und rechtlich nicht mehr wahrgenommen, ohne gute Rechtsanwälte kommt man nicht mehr weiter. Das Ziel der Staates kann nicht sein, Migranten/Ausländer gegenseitig aufzuhetzen indem man deren Rechtsprobleme ignoriert oder mutwillig beobachtet. Bitte nehmen dies als Ansatz.

  4. Brandt sagt:

    Der Begriff Inklusion ist ein Irrweg. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, die von Computern in Smartphones, Notebooks und Laptops überflutet werden. Fernsehen und Filehoster sind Knotenpunkte für die Distribution von Medienerzeugnissen aus den Sendeländern der Zuwanderer. Muttersprachliche Privatschulen bilden soziales Kapital für den binationalen Arbeitsmarkt. Supermärkte der ethnischen Ökonomie verteilen Lebensmittel aus anderen Ländern. Tourismusströme in Folge von „Heimaturlaub“ tragen zu riesigen Vermögenstransfer an die Verwandschaft bei.

    Entwicklungsökonomen studieren Rücküberweisungen. Die Weltbank entwickelt Securization Produkte für sie. Finanzdiesntleistungen werden für Handys entwickelt.

    Wir müssen aufhören von Integration oder Inklusion zu reden, sondern die zeitgenössische Netzwerkgesellschaft endlich wahrnehmen und gestalten.

    Wir müssen anfangen von Strömen zu reden:

    * People Flow
    * Tourism Flow
    * Remittance Flow
    * Risk Flow
    * Cultural Flow
    * Goods Flow
    * Technology/Knowledge Flow

    Die Symmetrisierung der Barrierefreiheit dieser Flows ist die Zukunft der Migrationspolitik.

    Integrationsdiskurs ist eine unglaubliche Fehlleistung von Soziologen und Pädagogen, die ihre eigene Disziplin mißbrauchen.

    Wir brauchen mehr mathematische Netzwerk Soziologie und demokratische, kollaborative Pädagogik, um die Zuwanderer erfolgreich in der Netzwerkgesellschaft zu machen.

  5. Nicole Weikard sagt:

    Der Begriff Inklusion stellt für mich eine bisher unerreichbare Theorie, ein Wunschdenken dar. Ich arbeite in einer Integrativen Kindertagesstätte als Motopädin. Das Kultusministerium Thüringen erlaubt mir nur, mit den Kindern zu arbeiten, die den Stempel als „Förderkind“ nach einer umfangreichen Diagnostik bekommen haben. Ich arbeite also mit entwicklungsverzögerten Kindern bzw. behinderten Kindern. Mit sogenannten „Regelkindern“ darf ich nicht arbeiten. Nach mehrmaliger Anfrage meines Arbeitgebers an das Kultusministerium ist es mir untersagt, Bewegungsangebote mit Kindern in der Einrichtung durchzuführen, die keine diagnostizierten Auffälligkeiten vorweisen können. Gerne würde ich meine Kenntnisse auch der gesamten Einrichtung und damit verbunden allen Kindern anbieten. Jedes der Kinder hat besondere Fähigkeiten , Stärken und Schwächen, die in der Motopädischen Arbeit von Bedeutung sind. Solange ein Bildungssystem wie unseres in solchen grundlegenden Entscheidungen wie dieser Kinder und Gruppen von Menschen in dieser Art und Weise voneinander trennt und ausgrenzt, ist der Wandel von der Integration zur Inklusion ein Reiseziel ohne Wegbeschreibung.



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