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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Buchtipp zum Wochenende

Arme Kinder, armes Deutschland!

Felix Berth ruft ein bewährtes, bloß leider in Vergessenheit geratenes Prinzip in Erinnerung: dass die Starken die Schwächeren unterstützen sollen, um sich selbst zu helfen. Er erklärt, wie durch eine gezielte Förderung armer Kinder verhindert wird, dass Deutschland seinen Wohlstand verschleudert.

Deutschlands Gesellschaft verändert sich dramatisch: Das Land zerfällt in eine Dreiklassengesellschaft – vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus der »Sarrazinade« von der »Abschaffung« Deutschlands im vergangenen Jahr. Eines der deutlichsten Warnsignale ist die rasante Zunahme von Kinderarmut. Jedes fünfte Kind ist betroffen. Dabei wissen wir seit langem: Die Zukunft unseres Landes hängt entscheidend von der Bildung unserer Kinder ab. Nur eine gut ausgebildete junge Generation kann den Wohlstand und den Frieden unseres Landes sichern.

Wie das gelingt? Der SZ-Journalist Felix Berth zeigt klar und eindrücklich, wie insbesondere frühe Bildung den Prozess der Verarmung stoppen kann. Dazu genügen weder Bildungspakete, noch das Elterngeld, noch Steuervergünstigungen für Familien. Kinder aus schwierigen Verhältnissen müssen gezielt und lange vor dem Schulstart intensiv unterstützt werden. Das ist menschenwürdig, hilfreich – und es ist viel billiger als späte Rettungsversuche des Sozialstaats.

Berth stützt sich auf Ergebnisse von Hirnforschern und Entwicklungspsychologen, er untermauert seine Analyse mit Erkenntnissen von Ökonomen und Soziologen. Besonders wichtig sind seine Einblicke in die Situation sozial schwacher Familien im Jahr 2011, die die Dringlichkeit der Unterstützung konkret nachvollziehbar machen.

Auf der Basis bemerkenswerter US-Studien (dazu zählt das Perry-Preschool-Projekt, in dem jahrzehntelang beobachtet wurde, wie frühe Förderung schwachen Kindern hilft) und internationaler Vergleiche erläutert der Autor, wie der Weg zur Chancengleichheit zu beschreiten ist: Möglichst viele Kinder aus armen Verhältnissen müssen in exzellenten Kitas gefördert werden. Solche Kitas sind dank hervorragender Ausbildung des Personals und bester Personal-schlüssel fähig, Entwicklungsdefizite der Kindern auszugleichen und eine ganz andere Elternarbeit zu machen, als sie heute üblich ist. Noch ist Zeit, den gefährdeten Kindern zu helfen, und so die Mitte unserer Gesellschaft zu stärken. (pm/sb)

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Ein Kommentar
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  1. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Zumindest sollte es Eltern erleichtert werden, die schon bestehenden Hilfsangebote auszuschöpfen. Wenn nur 20 % des Teilhabepaketes genutzt werden und davon erst ein Teil bewilligt worden ist, dann sollte die Antragstellung erleichtert werden. Meine Tochter, Ulrike Zellerhoff, hat aktuell die Onlineressource 47264 auf den Bildungsserver gestellt, mit der sie für Schulen und Kindergärten erläutert, was genau für Anforderungen an Elternbriefe zu stellen sind, damit die Eltern die öffentlichen Mittel auch erfolgreich abschöpfen können. Dazu hat sie für die Pädagogen und Erzieher Musterbriefe erstellt. Ein ähnliches Schreiben hat sie auch für Sportvereine entwickelt. Das wären erste Schritte.



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