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Migration und Integration in Deutschland

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Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Leos Wochenrückblick

Rechts-Regierungs-Populismus. In den Niederlanden. In Dänemark.

Geert Wilders darf. – Dazu rechtspopulistische Maßnahmen in den Niederlanden und in Dänemark. – Aber Gegenwind gibt es auch. Auch aus Deutschland.

VONLeo Brux

 Rechts-Regierungs-Populismus. In den Niederlanden. In Dänemark.
Leo Brux, 1950 in München geboren, ist u. a. Integrationskurs-Lehrer bei der InitiativGruppe – Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V., einem großen Träger der Integrationsarbeit in München. Migrations- und Integrationsfragen beschäftigen ihn seit den frühen 70er Jahren sowohl praktisch als auch theoretisch, privat und beruflich. Für die InitiativGruppe schreibt er einen Migrationsblog.

DATUM27. Juni 2011

KOMMENTARE41

RESSORTAktuell, Meinung

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Geert Wilders darf.

Einen Freibrief zur weiteren Volksverhetzung hat ein holländisches Gericht Geert Wilders ausgestellt. Spiegel Online berichtet:

„Grob und herabwürdigend“ seien die Äußerungen Wilders’, sagte Richter Marcel van Oosten bei der Urteilsbegründung. In einigen Fällen befänden sie sich an der Grenze des Erlaubten – aber im Kontext der gesellschaftlichen Debatte seien die Sätze akzeptabel und würden nicht zum Hass anstiften. Vor allem habe Wilders zu keinem Zeitpunkt zu Gewalt aufgerufen. Und er habe erklärt, dass er nichts gegen Muslime habe, die sich integrierten.

(Unter Muslimen, die sich integrieren, versteht Wilders vermutlich jemanden wie Hirsi Ali; also jemanden, der seinem Glauben abschwört.)

Hetze, Aufstachelung zum Hass gegen Minderheiten, Völker, Religionen – das ist eine Sache am Stammtisch, eine andere, wenn sie von einer an der Regierung beteiligten Person kommt.

In der Süddeutschen Zeitung kommentiert Thomas Kirchner:

Wer den Koran als „faschistisches Buch“ bezeichnet und ihn mit Hitlers „Mein Kampf“ vergleicht, wer sagt, sein Land schlage gerade eine „Schlacht“ gegen den Islam, „und wir müssen uns verteidigen“ – der sät sehr wohl Hass, nicht nur gegen eine Religion, sondern auch gegen diejenigen, die ihr angehören. Es hätte also durchaus Gründe gegeben, den Mann zu verurteilen. Der Freispruch sendet ein falsches Signal.

Einen noch schärferen Ton schlägt der Kommentar von Ruth Reichstein in der taz an:

Sicher liegt das Amsterdamer Gericht richtig, wenn es die Meinungsfreiheit verteidigt und sie auch einem Politiker Geert Wilders zubilligt. Aber auch in demokratischen Rechtsstaaten sind der Meinungsfreiheit Grenzen gesetzt, wenn es zum Beispiel darum geht, den Schutz von Minderheiten und Glaubensgemeinschaften zu garantieren.

Diese Grenzen hat Geert Wilders überschritten. Nicht nur mit seinen abfälligen Äußerungen über Muslime oder weil er den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ vergleicht. Sondern vor allem mit seinen politischen Forderungen, zu denen ein Einwanderungsstopp für nichtwestliche Einwanderer und die Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslime gehört.

Eine ganze Gruppe von Bürgern auszugrenzen ist eine offenkundige Diskriminierung und müsste bestraft werden – auch in den Niederlanden. Doch das Gericht in Amsterdam hat sich offenbar nicht getraut, den populären Rechtspopulisten, dessen Partei die aktuelle Regierung toleriert, in die Schranken zu weisen.

Rechtspopulistisches Regierungshandeln in den Niederlanden …

Die Niederländische Regierung plant nun – ganz im Sinne von Geert Wilders (zitiert nach Spiegel Online):

  • Migranten sollen sich künftig ohne staatliche Hilfe in die Gesellschaft integrieren.
  • Die Kosten für Einbürgerungskurse haben die Zuwanderer selbst zu übernehmen.
  • Wer die Integrationsprüfung nicht schafft, verliert die Aufenthaltsgenehmigung.

Dies sieht die neue Leitlinie zur Haager Integrationspolitik vor, die der christdemokratische Innenminister Piet Hein Donner vergangene Woche vorlegte.

Die geplanten Maßnahmen stoßen, laut Umfragen, auf große Zustimmung; sogar eine Mehrheit der Wähler der Sozialdemokraten und der Linksgrünen sollen dafür sein.

… und in Dänemark:

Die dänische Regierung verschärft das Ausländerstrafrecht. Alle Personen ohne dänischen Pass, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, sollen nach dem Verbüßen ihrer Haftstrafe automatisch abgeschoben werden.

97 Stimmen im Parlament dafür, nur 7 dagegen. Auch Sozialdemokraten und Sozialisten haben dafür gestimmt.

Ziel sei es, so Integrationsminister Søren Pind von der rechtsliberalen Venstre-Partei, die Gerichte zu einer schärferen Ausweisungspraxis zu animieren.

Er meinte weiter, sie sollten die Ausweisungen auch dann aussprechen, wenn dies ein «Prozessrisiko» beinhalte. Nach den neuen Regeln sollen Ausweisungen nur dann ausgesetzt werden, wenn «mit Sicherheit» erwiesen sei, dass sie internationale Konventionen etwa zum Schutz vor Folter oder Todesstrafe im jeweils eigenen Land verletzen würden.

Das berichtet die Neue Zürcher Zeitung.

Bisher waren Abschiebungen nur nach einem Antrag der Staatsanwaltschaft bei besonders schweren Fällen möglich.

Eskalation. Man argumentiert in Dänemark auch ökonomisch:

Dänemarks Mitte-Rechts-Regierung will ihre betont harte Ausländerpolitik weiter verschärfen – jetzt erklärtermaßen zum Wohl der Staatskasse. „Ich habe keine Skrupel, das Land noch weitergehend vor denen dichtzumachen, die man verdächtigen könnte, dass sie Dänemark zur Last fallen wollen“, kündigte Integrationsminister Søren Pind in der „Jyllands-Posten“ an.

Unterschieden wird (laut Bericht in der WELT)

zwischen „nicht-westlichen“ Zuwanderern, die pro Jahr eine Kostenbelastung von 15,7 Milliarden Kronen ausmachten. Zuwanderer aus westlichen Ländern dagegen würden netto 2,2 Milliarden Kronen in die Staatskasse bringen.

„Wir wollen uns gerne mehr für die öffnen, die können und wollen, und uns gerne noch mehr vor denen abschotten, die nicht können oder wollen“, sagte der Integrationsminister dazu.

Bei seinem Amtsantritt hat Pind von Zuwanderern Assimilation statt Integration verlangt.

= lauter schlechte Nachrichten.

Was glauben diese Leute – Politiker und Bürger, die das alles fordern und unterstützen, was glauben die, dass das bringen wird (außer Wählerstimmen, vorerst)?

Es vergiftet das Verhältnis zu einem Teil der Einwohner.
Es spaltet.
Es schafft, vermehrt, intensiviert Ghetto-Situationen.
Es reduziert die Qualität der Arbeit.

Zum Beispiel werden nun eben weniger Migranten gut Niederländisch lernen. Sie werden weniger Qualifikationen auf den Arbeitsmarkt bringen. Was ist damit gewonnen?

In Dänemark wird man ein Dutzend Kriminelle deportieren. Und hundert dafür schaffen? Selbst wenn die Rechnung hier aufginge – wen würde sie befriedigen? Die Kriminalität ist ohnehin niedrig und sinkt auch so weiter, während das Gefühl (!) der Unsicherheit wächst.

Die jetzigen Maßnahmen werden die Leute nicht zufrieden stellen. Also kommen die nächsten Forderungen. Noch härtere, noch ausgrenzendere. Man hat Blut geleckt. Man eskaliert, Jahr um Jahr, Beschluss um Beschluss.

Der Süchtige braucht eine immer höhere Dosis. So verabschieden sich vielleicht einige europäische Völker allmählich von der Aufklärung, von der humanen Idee Europas.

Oder doch nicht?

Gegenwind!

In Dänemark zum Beispiel. Der oben schon zitierte Artikel in der WELT zeigt, wohin die Fahrt auch geht:

Zunehmend Gegenwind bekommen sie von hoch qualifizierten und deshalb umworbenen Arbeitskräften aus anderen Ländern. Und von denen, die um diese werben.

„Der Ton, in dem bei uns über Ausländer diskutiert wird, ist schon ein Problem“, sagt Tine Horwitz vom „Konsortium für globales Talent“.

Dänische Konzerne mit internationalem Klang wie Lego, Carlsberg, die Containerreederei Maersk und der Windmühlenproduzent Vestas machen mit, um „qualifizierte globale Arbeitskraft nach Dänemark zu locken und hier zu halten“.

Auslöser waren Untersuchungen, wonach viele der gut ausgebildeten Arbeits-Migranten ebenso unter den permanenten Negativ-Schlagzeilen über Ausländer leiden wie die direkt gemeinten aus „nicht-westlichen“ Ländern.

„Es geht in Dänemark immer um die große Masse Ausländer, und man spricht nur negativ“, beklagt die seit fünf Jahren in Dänemark lebende Dagmar Fink aus Deutschland.

Eine Grenze wird sichtbar.

Es deutet sich schon an, woran die rechtspopulistische Politik Dänemarks und der Niederlande am Ende scheitern könnte.

Das Ressentiment, auf dem diese Politik aufbaut, wird mit dieser Politik ständig wachsen und immer weitere Kreise von „Fremden“ einbeziehen.

Bei Rechtspopulisten im Ausland sind wir Deutsche nicht unbedingt populär.Es wird in der Schweiz, in den Niederlanden, in Dänemark zum Beispiel auch immer mehr gegen Deutsche gehen.

Und zwischen einem hochqualifizierten Ingenieur aus Indien und einem arbeitslosen Araber macht in Dänemark zwar der sogenannte Integrationsminister einen Unterschied, aber nicht der ressentimentgetriebene Normaldäne.

Relativ viel Vernunft in Deutschland

sieht Klaus Bade vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Man solle die von Populisten geschürten Migrationsängste der Bürger nicht überschätzen und falsch interpretieren:

Das im Mai 2011 vorgelegte SVR-Migrationsbarometer zeigt: Die Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland ist mit großer Mehrheit (rund 60 %) für mehr Zuwanderung von Hochqualifizierten. Sie ist umgekehrt, mit noch größerer Mehrheit (fast 70 %), gegen eine weitere Zuwanderung von Niedrigqualifizierten. Das sei, im Gegensatz zu dem „Gerede von einer in Migrationsfragen angeblich von Angst und Panik gepeinigten Bevölkerung“, eine „belastbare Stimmungsgrundlage für Reformen in der Migrationspolitik“, erklärte Bade. „Politik sollte damit aufhören, den eigenen Mangel an couragierter Gestaltungsbereitschaft hinter angeblichen Sorgen der Bürger zu verstecken.“

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41 Kommentare
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  1. Kritiker sagt:

    Die geplanten Maßnahmen stoßen, laut Umfragen, auf große Zustimmung; sogar eine Mehrheit der Wähler der Sozialdemokraten und der Linksgrünen sollen dafür sein.
    Also wenn Linksgrüne wie übrigens in Brüssel auch schon dafür stimmen werden wohl schon ihre eigenen Kinder unter der Kulturbereicherung auf der Straße gelitten haben. Anders lässt sich das nicht erklären.

    Wer den Koran als “faschistisches Buch” bezeichnet und ihn mit Hitlers “Mein Kampf” vergleicht, wer sagt, sein Land schlage gerade eine “Schlacht” gegen den Islam, “und wir müssen uns verteidigen” – der sät sehr wohl Hass, nicht nur gegen eine Religion, sondern auch gegen diejenigen, die ihr angehören.

    Wenn es keine Muslime gäbe die den Koran faschistisch auslegen würde es auch keine Geerd Wilders und Sarazins geben. Ursache und Wirkung.

    Zum Beispiel werden nun eben weniger Migranten gut Niederländisch lernen. Sie werden weniger Qualifikationen auf den Arbeitsmarkt bringen. Was ist damit gewonnen?

    Zur Erinnerung!!
    Wer die Integrationsprüfung nicht schafft, verliert die Aufenthaltsgenehmigung. Das heißt auch ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Ghettos mehr.
    Das bedeutet im Klartext das Migranten die schlecht Niederländisch können erst gar nicht mehr auf den Arbeitsmarkt kommen werden da sie das Land verlassen müssen, weil sie ihrer Integrationspflicht nicht nachgekommen sind. Und das Schöne ist. Ich bin mir sicher das viele dieser Leute dann auf die Idee kommen werden nach Deutschland zu gehen da der blöde deutsche Michel ja immer noch die Schnauze hält und weiter zahlt.
    Die gezeigte Karte veranschaulicht das recht schön:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13229667/Europas-Buerger-rufen-nach-dem-starken-Nationalstaat.html
    Das wird hoffentlich zu einer Eskalation innerhalb Deutschlands führen (siehe erste Anzeichen in Mönchengladbach) was dann den Weg frei macht für die allergleichen Maßnahmen wie in Dänemark und den Niederlanden. Wie Ihr Euch auch dreht und wendet. Diese Sache wird in die Hose gehen und das ganz ohne Windel!! Am Beispiel der Roma die nach Deutschland kommen kann man das schon ablesen. Die Probleme werden sich von ein Land auf das andere Verlagern und jedes möchte natürlich das Problem wieder los werden. Also werden es letztlich alle tun.

  2. Bruni sagt:

    „-Migranten sollen sich künftig ohne staatliche Hilfe in die Gesellschaft integrieren.
    -Die Kosten für Einbürgerungskurse haben die Zuwanderer selbst zu übernehmen.
    -Wer die Integrationsprüfung nicht schafft, verliert die Aufenthaltsgenehmigung.“

    Oh nein, diese bösen Niederländer aber auch. Das sich der „Integrations“kurs-Lehrer Brux darüber aufregt ist klar. Er würde Arbeitslos werden durch so eine Politik.

    Ich bin postiv überrascht von unseren europäischen Nachbarn. Dänemark, Niederlande, Schweiz etc treffen immer häufiger die richtigen Entscheidungen. Deutschländ fällt zurück und ist zunehmend isoliert in Integrationsfragen. Und dann findet man immer wieder Menschen hier die glauben am links-grünen, gutmenschlich deutschen Wesen soll die Welt genesen. Ich bin dafür das wir uns den Überlegungen unsere Nachbar mehr öffnen. Deutschland muss bunter werden, dänischer, schweizerischer und hölländischer.

  3. Leo Brux sagt:

    Kritiker,
    es gibt Opportunisten genug in der Politik, die Minderheiten im Stich lassen, wenn die Hetze nur breit und intensiv genug wird.

    Welche Muslime legen den Islam „faschistisch“ aus?
    Was hieße das überhaupt? (Faschismus ist ja auch defininiert, und Rassismus und extremer Nationalismus und Militarismus gehören zur Definition – wir können die Salafis verabscheuen wie wir wollen, aber diese drei Elemente finden wir in ihrer Islam-Interpretation nicht.)
    Sind die Salafis nicht etwa eine kleine Minderheit innerhalb des Islam, und bezeichnen wir die christliche Religion als faschistisch, nur weil es in den USA zum Beispiel Evangelikale gibt, die ziemlich extrem und gefährlich sind?

    Interessant auch, dass Sie glauben, über die Sache mit dem Scheitern an der Integrationsprüfung würden dann weniger Migranten in den Niederlanden bleiben können. Das wollen wir doch mal sehen! Da wird die rechtspopulistische Regierung mit neuen, verschärften Gesetzen nachlegen müssen – ganz im Sinne der Eskalation, von der ich spreche.

    Schließlich: Sie unterschätzen den Punkt, dass es vielleicht gerade die Anhänger einer scharf migrantenfeindlichen Politik sein werden, die auch sehr misstrauisch gegen uns Deutsche sind und eine Rechtswendung in Deutschland anders interpretieren könnten als in ihrem eigenen Land.

    „Die Sache wird in die Hose gehen“ – genau. Alle werden sich immer mehr abschotten, am Ende kollabiert das Europa-Projekt, und wir Deutsche werden die Hauptleidtragenden sein. Wirtschaftlich und Politisch.

    Das Projekt „Europäische Selbstzerstörung“ nimmt Fahrt auf.
    Wär ich Chinese, würd ich jetzt grinsen.

  4. Leo Brux sagt:

    Bruni,
    passen Sie nur mal auf, dass SIE nicht arbeitslos werden durch die negative Entwicklung der Wirtschaft, die aus Ihrer destruktiven Konzeption folgen würde.

    Die Leute fühlen sich überfordert durch die rasante, zum Teil leider neoliberale Globalisierung – und werfen sich auf einen Sündenbock – und verschlimmern noch das Problem, unter dem sie leiden.

    Erläutern Sie doch mal, inwiefern die Entscheidungen in den drei Ländern, die Sie erwähnen, richtig sein sollen.
    Und ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es in Dänemark und in der Schweiz zunehmend auch gegen Deutsche geht? Holland folgt da vermutlich noch nach.

  5. Kritiker sagt:

    @Leo

    Wieso muss die Regierung in den Niederlanden erst noch nachlegen? Die Gesetze sind doch beschlossen oder?
    Ich glaube nicht das sie uns dafür angreifen werden wenn eine Rechtswendung stattfände. Die Meisten werden eher Verständnis für unser Handeln haben.

    am Ende kollabiert das Europa-Projekt

    Dieses sogenannte Europa-Projekt war wie man jetzt deutlich sehen kann fast nur bezogen auf freien Wirtschaftshandel eingerichtet. Wenn so etwas kollabiert habe ich nichts dagegen. Mein Ziel wäre ein Nationalstaat Europa unter Beibehaltung regionaler, sprachlicher Unterschiede. Gesetze, Politik und Armee wären unter einem Dach vereint. Amtsprache zur Kommunikation der offiziellen Stellen wäre Englisch und fertig. Das Ganze natürlich ohne die Türkei. Europa hat eigentlich gar keine Wahl als gegen die Türkei zu stimmen, da die Türkei ein Neo-osmanisches Großreich anstrebt.

  6. Bruni sagt:

    Brux

    In den 70er Jahren gab es etwa 1.3 mio Muslime, davon praktisch alle erwerbstätig und türkisch, in Deutschland. Heute sind es etwa 4 mio, nur die Zahl der erwerbstätigen liegt immer noch bei etwa 1.3 mio.
    Daher kann ich ihren Hinweis auf die Wirtschaft nicht verstehen. Das ist Panikmache. Die deutsche Wirtschaft ist TROTZ dieser Zahlen noch erfolgreich, und nicht deswegen. Außerdem soll Migration ja nicht komplett verhindert werden. Es geht um kulturfremde Leute, die sich zu einem hohen Prozentsatz nicht integrieren wollen und mit denen man überall in Europa die gleichen Erfahrungen gemacht hat.
    Die EU wird scheitern wenn die Kommision in dieser Situation jetzt auch noch vorschlägt mehr „Fachkräfte“ aus Nordafrika nach Europa zu lassen. Weiter weg vom Bürger kann diese EU dann nicht sein. Zum Glück wird nicht jeder Mist den die Kommision vorschlägt auch umgesetzt.

  7. Klaus sagt:

    @Leo Brux

    „Und ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es in Dänemark und in der Schweiz zunehmend auch gegen Deutsche geht? Holland folgt da vermutlich noch nach.“

    Das ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Wenn ein deutscher im Ausland eine Straftat begeht die mit Freiheitsstrafe einhergeht, danach zur persona non grata erklärt wird und des Landes verwiesen wird kann ich das nur begrüßen. Zumal er dem Ansehen Deutschlands dadurch schaden zugefügt hat.

    Was ist daran rechtspopulistisch? Die Argumentation mit der Wirtschaft kann ich auch nicht nachvollziehen. Wer eine schwere Straftat begeht bringt in der regel auch der Wirtschaft keinen nutzen, eher im Gegenteil.

    Viel bedenklicher finde ich, daß Geert Wilders hier weiter der Volksverhetzung bezichtigt wird obwohl ein Europäisches Gericht ihn gerade in diesem Punkt freigesprochen hat!

    Den Kommentar von Frau Reichstein aus der TAZ habe ich auch gelesen und er offenbart meines erachtes ein erschreckendes Demokratieverständnis. Wenn man diese Argumentation konsequent umsetzt, dann muss man auch Haftstrafen für eine Kritik an der katholischen Kirche einführen.

    Anstatt sachliche Gegenargumente zu liefern schäumt Frau Reichstein so sehr auf, daß sie die Maske fallen lässt und die inhaftierung Andersdenkender fordert. Das finde ich um längen beängstigender und sogar strafrechtlich relevanter als kritik an einer Religion.

  8. Leo Brux sagt:

    Kritiker,
    es ist nicht so einfach, die Einwanderer tatsächlich loszuwerden. Das wird sich bald zeigen.

    Ihr Ziel wäre ein „Nationalstaat Europa“ — gleichzeitig wollen Sie die Zerstörung des jetzigen Modells.
    Ist das politisch pragmatisch gedacht? Mir scheint auch, Ihr Modell hätte keinerlei Chance, auch nur eine bemerkbare Minderheit als Unterstützer zu finden. – Vermutlich ist der Vorschlag auch nicht ernst gemeint.

    Aber wir können ja auch mal Bruni fragen – hallo Bruni, was halten Sie von Kritikers Vorschlag, einen Nationalstaat Europa zu gründen, mit Englisch als Amtssprache?

    Was Sie über die türkischen Ambitionen sagen, ist Unfug. Verleumdung.
    Welche Aktivität der türkischen Außenpolitik spräche dafür?
    Wieso sollte die Türkei sich alle ihre Nachbarn zu Feinden machen? Wäre das denn im Interesse der Türkei, dass Griechen, Bulgaren, Syrer, Libanesen, Iraker, Aserbeidschaner etcetera alle vor der Türkei zittern müssten – und sich darum an jeden anschließen würden, der als Feind der Türkei ihnen Schutz vor solchen „neo-osmanischen Großreichs-Ambitionen“ gewährt? – Ihr Vorwurf entbehrt sowohl der Faktengrundlage als auch jeder außenpolitischen Logik.

  9. Leo Brux sagt:

    Bruni,
    Sie meinen also, Einwanderer dürften keine Familie haben?
    Keinen Nachwuchs hervorbringen?
    Es wäre schlecht für unsere Wirtschaft, wenn Einwanderer ohne Nachwuchs blieben?

    Wenn unser Bildungssystem und wenn unsere Bildungspolitik versagt haben bei der vollen Integration der Migranten, generell eigentlich bei der vollen Bildungsintegration der Unterschicht, dann liegt der Fehler nicht bei den Opfern dieser Politik und dieses Systems.

    Wie hoch schätzen Sie denn den Anteil derer, die „kulturfremd“ seien und sich nicht integrieren wollen?

    Was Fachkräfte aus Nordafrika angeht: Vermutlich wären solche Leute weniger „kulturfremd“ als so mancher altdeutsche Nörgler. Die Kultur ändert sich – und da haben so manche von uns ihre Schwierigkeiten, mitzukommen. Wie steht das mit Ihnen?

  10. Leo Brux sagt:

    Klaus,
    was sich Wilders und andere leisten ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit. Das kann man privat und am Stammtisch schon machen, aber zumindest in Deutschland ist das staatlichem, öffentlich-rechtlich gebundenem Handeln und Sprechen grundgesetzlich verboten. Aus gutem Grund. Und von dieser Grundlage aus kritisiert Reichstein Wilders und das Gerichtsurteil in den Niederlanden.

    Wer hier schäumt, ist nicht Reichstein, sondern das sind Sie: „Inhaftierung Andersdenkender“ – inwiefern stünde das in dem Kommentar der taz? Inwiefern ist ein Demokratieverständnis, das sich auf unser Grundgesetz stützt, „erschreckend“?

    Das Problem von deutschen Arbeitskräften im europäischen Ausland wird mit der Zunahme der rechtspopulistischen Neigungen allenthalben darin bestehen, dass man einfach nur als Deutscher schon schief angesehen werden wird. Das haben Ressentiments so an sich. Vordergründig redet man über die Kriminalität, gemeint ist aber die pauschale Herabwürdigung einer ganzen Gruppe von Menschen. Dieses Ressentiment wird sich dank regierungsamtlicher Unterstützung verbreiten und vertiefen und verschlimmern — auch auf unsere eigenen Kosten.

    Was Sie, Klaus, noch nicht wahrgenommen haben: Es gibt ein steigendes Ressentiment gegen uns Deutsche generell, gegen deutsche Arbeitskräfte in der Schweiz und in Dänemark, zum Beispiel. Mit Kriminalität hat das nichts zu tun.


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