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Migration und Integration in Deutschland

Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.

Bundespräsident Christian Wulff, Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010

Angela Merkel

„Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“

Vor ihrem Besuch in der Türkei kommende Woche wirbt die Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Europaausgaben der türkischen Zeitungen für die Idee einer „privilegierten Partnerschaft“ der Türkei mit der Europäischen Union und betont, dass niemand in Deutschland eine Assimilation anstrebt.

Kurz bevor die Bundeskanzlerin am Montag nach Ankara aufbricht, wirbt sie für eine „privilegierten Partnerschaft“ der Türkei mit der Europäischen Union. „Meine Vorstellung ist unverändert eine privilegierte Partnerschaft mit der Türkei“, sagte Merkel gestern der „Schwäbischen Zeitung“. Dennoch gelte für die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, dass Verträge einzuhalten sind. In diesem Sinne führe die EU seit Jahren ergebnisoffene Verhandlungen über einen möglichen EU-Beitritt der Türkei.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle dagegen redete Anfang des Jahres in der Türkei von der Perspektive einer türkischen Vollmitgliedschaft in der EU.

Der türkische Ministerpräsident wies die Position Merkels entschieden zurück. „Wir führen bereits die Verhandlungen – und zwar auf Vollmitgliedschaft. Für uns gibt es dazu keine Alternative“, sagte Erdoğan der „Zeit“. „Die EU-Verträge kennen keine, privilegierte Partnerschaft. Für die Türkei wäre es ein großer Fehler, darauf einzugehen. Die meisten anderen EU-Länder akzeptieren diesen Vorschlag auch nicht.“

Integrationsdebatte: Merkel lehnt Assimilation ab
Wenig Aussicht auf eine Überwindung gegensätzlicher Positionen besteht auch beim Thema Integration. „Merkel setzt auf Integration, Erdogan fürchtet die Assimilation. An dem Punkt werden sie sich wohl nie einigen“, zitiert die Frankfurter Rundschau einen Berliner Regierungsvertreter.

In einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ betonte die Bundeskanzlerin hingegen, dass die türkischstämmigen Menschen „Teil unseres Landes“ sind. „Ich habe das immer wieder zu den jungen Türken mit Migrationshintergrund gesagt, ich bin Ihre Bundeskanzlerin, genau wie ich das für die deutschstämmigen Bürger im Lande bin. Das heißt, ich verstehe schon unter Integration, dass man seine Heimat nicht vergisst, aber dass man auf der anderen Seite auch in das Land hineinwächst, in dem man lebt“, sagte Merkel.

In türkischen Zeitungen sprach sich die Kanzlerin eindeutig gegen eine Assimilationspolitik aus. „Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.

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17 Kommentare
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  1. Erkan A. sagt:

    Fragt sich nur, wer was unter Assimilation versteht. Ich denke, da liegen Welten zwischen dem Verständnis von Merkel und Erdogan. Genauso wie das Verständnis zum Thema Integration starke Diskrepanzen aufweist.

  2. Meier3 sagt:

    Was ist an Assimilation so schlecht ?
    Deutschland hat keine schlechten Erfahrungen damit gemacht und die betroffenen Menschen auch nicht.
    Ich denke an die Hugenotten, die Salzburger, die Juden ( bis Hitler kam ), die Vertriebenen, die Polen im Ruhrgebiet usw..

    Wer das nicht will, brauch doch nicht.

  3. Erkan A. sagt:

    Das man den Namen Hitler und Juden in DE noch ohne weiteres nebeneinander erwähnen kann, ohne dabei Gewissensbisse zu haben, veranlasst mich doch zum Denken. So erscheint mir die Darstellung von Meier3, der dies in einem Atemzug getan hat, um es als Argument zu nutzen, doch sehr eigenartig und leichtsinnig.

  4. FatmaInAction sagt:

    Merkel Zitat: „Ich habe das immer wieder zu den jungen Türken mit Migrationshintergrund gesagt,…“

    Was sind denn bitte Türken mit Migrationshintergrund?

  5. Deutsche organisieren Kindeshandel und Assimilierung der Kinder mit System
    http://www.logodata-online.de/produkte/beschreibungen/bei.html

  6. Uwe Richard sagt:

    „Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an“, sagte sie am Mittwoch der „Hürriyet“. „Ich bin dagegen, das deutsche Volk ist dagegen und auch die türkischstämmigen Menschen lehnen die Assimilation ab“, hob die Kanzlerin am Donnerstag im Gespräch mit der „Sabah“ erneut hervor.

    Sehr verehrte Redaktion,
    können Sie oben genannte Zitate der Kanzlerin belegen. Zum Beispiel mit einer online verfügbaren Quelle, denn die englischsprachige Hürriyet bringt nichts dergleichen; eine PNG- oder GIF-Grafik täte es aber auch. Meine Email-Adresse haben Sie ja.

    Mit freundlichem Gruß
    Uwe Richard

  7. Fatih A. sagt:

    Türken sind sehr gebunden ihrer Heimat und ihren Sitten. Sie lassen sich weder assimilieren noch integrieren und das ist gut so. Denn ich frage , warum soll man Deutschland gehören, wenn man hier unerwünscht ist. Deutschland sollte sich selbst prüfen, vor alllem wie man die Türken und die Türkei betrachtet. Dazu gehört auch die Bereitschaft für die Aufnahme in die EG.
    Ich denke, Türken arbeiten, zahlen Uhre Steuern , tun was für die Deutsche Wirtschaft; das sollte reichen. Um hier zu leben und zu arbeiten sollten sie schon Deutsch können; die meisten Türken sprechen auch gut Deutsch. Dass die Russen in BRD kein Deutsch können, darüber spricht man komischerweise gar nicht !

  8. Kasim sagt:

    „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

    Walter Ulbricht 15. Juni 1961

    “Niemand in Deutschland strebt eine Assimilation an”

    Angela Merkel 26. März 2010

  9. Hessam Kordian sagt:

    Frau Merkel behauptet zwar keine Assimilation anzustreben, aber in der Realität wird genau das von den Migranten gefordert. Es geht hier überhaupt nicht um Sprachkenntnisse oder Integration. Das sind alles leere Floskeln. Der deutsche Staat wünscht sich assimilierte Türken/Iraner/Afghaner/ … . Eine Medizinstudentin mit Kopftuch kann sogar hier geboren sein, aber sie wird trotzdem nicht akzeptiert. Erst wenn sie das Kopftuch abnimmt und sich öffnet für ein Gläschen Sekt hat sie eine Minimalchance. Je mehr sie sich assimiliert, desto größer werden ihre Chance anerkannt zu werden.

    Die Migranten in diesem Land sind für Integration und gegen Assimiliation.

  10. Johanna sagt:

    >Sie lassen sich weder assimilieren noch integrieren und das ist gut so. <

    In dem Fall schlage ich die sofortige Rückkehr in die Türkei vor.

    Die Türkei sollte keineswegs in die EU gelangen, da ich mir vorstellen kann, was dann passiert: Sie Türkei meint, dass ihr die Oberherrschaft zusteht, schliesslich seien die Türken die Besten. Von der weiteren Verbreitung des Islams ganz zu schweigen.


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