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Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Christen Türkei

Lammert setzt sich für Religionsfreiheit der Christen in der Türkei ein

In einem Schreiben an seinen türkischen Amtskollegen Mehmet Ali Şahin setzt sich der Bundestagspräsident Norbert Lammert für die Religionsfreiheit der Christen in der Türkei ein. In einem Brief an den türkischen Parlamentspräsidenten Mehmet Ali Şahin bedankt sich Lammert für die Einladung zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Istanbul, an der er im Januar teilgenommen hatte.

„Bestärkt durch die bemerkenswerten Worte von Ministerpräsident Erdogan, in Istanbul könne jede Kultur ihre eigene Identität finden, verbinde ich mit diesem Dank zugleich meine Hoffnung auf einen wachsenden Ehrgeiz der verantwortlichen türkischen Behörden, die freie christliche Religionsausübung in der Türkei zu schützen“, schreibt Lammert und appelliert an Şahin, „sich mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für das Recht der Kirchen, über die vorhandenen Gotteshäuser als eigenen Besitz zu verfügen und ihre Religion frei zu praktizieren“, einzusetzen.

Dabei spricht Lammert besonders das Kloster Mor Gabriel (wir berichteten) sowie die Marienkirche in Diyarbakir und das Pilgerzentrum in Tarsus an. In all diesen Fällen müssten den Ankündigungen noch Maßnahmen folgen.

Außerdem lud Lammert den türkischen Parlamentspräsidenten zu einer trilateralen Konferenz mit dem ungarischen Parlamentspräsidenten im September 2010 nach Essen ein.

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30 Kommentare
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  1. Pretzel sagt:

    Es ist schon frappant in welcher Art und Weise man in Deutschland gewisse Sachverhalte wahrnimmt.
    Herr Lammert sollte sich adäquat über das Verfassungsprinzip des Laizismus in der Türkei informieren.

    Dieses sieht eine Adelung Religiöser Kollektive ähnlich der Regelung in Deutschland nicht vor !

    Es gibt in der Türkei keine Körperschaften Öffentlichen Rechts dies ist darin begründet dass der Staat neben sich keine Körperschaften auf Augenhöhe duldet. Artikel 9 der EMRK ist auch eindeutig in dieser Angelegenheit.
    Es handelt sich beim Menschenrecht auf Religionsfreiheit um ein sogenanntes Individualrecht.

    Wie kommt man zu der Annahme dass die Türkei der Kurie Rechte einräumen müsse die selbst der Muslimischen Bevölkerungsmehrheit nicht eingeräumt werden können.

    Im übrigen:

    Was hindert die Kurie oder die Kirchen daran eine Stiftung oder einen Trägerverein zu etablieren um den Kirchenbau zu forcieren ?

    Genau auf diese Art und Weise werden doch Moscheen in Deutschland gebaut und betrieben, ich wüßte nicht dass man aufgrund dieser Praxis Deutschland vorwerfen würde gegen die Religionsfreiheit zu verstoßen ?!

    Ich möchte in der Türkei keine Kleirikalen Strukturen jedweder Konfessioneller Coleur die sich neben den Staat stellen und Ihr Süppchen kochen. Keine Klerikalen die in Gremien innerhalb der öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten sitzen bspw.
    Viele Türken sehen das ähnlich.

    Es ist einfach nur infam wenn man im Hinblick auf das Laizitätsprinzip in der Türkei so gebiert als gäbe es dort keine Religionsfreiheit in der Türkei.
    Anders wird ein Schuh draus…..

    Deutschland ist ein eingeschränkt säkularer Staat indem der Volkssouverän zum Erfüllungsgehilfen eines oder mehrerer Religiöser Kollektive macht. Siehe Kirchensteuer.

    Hier muss sich die Kanzlerin schon entschuldigen wenn Sie sich dem Papst und seinem Tun gegenüber kritisch äussert.

    Religion hat meinem Selbstverständnis nach Privatsache zu sein.
    Die Kirchen haben sich bitteschön mit dem Laizistischen Verfassungsprinzip der Türkei abzufinden. Diese Gesetze und Regelungen sind vom Volkssouverän verabschiedet worden und stehen für mich und viele andere Türken über jeder Kirche und jeder Religionsgemeinschaft.

    Es dürfte für jeden nachvollziehbar sein dass die Türkei besseres zu tun hat als sich den Wünschen der Kurie und Ihrer Advokaten im Hinblick auf deren seltsame Vorstellung von Religionsfreiheit zu beugen.

    Nochmal ein Hinweis auf Artikel 9 der EMRK:

    Zitat:

    (1) Jede Person hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder gemeinsam mit anderen öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Unterricht oder Praktizieren von Bräuchen und Riten zu bekennen.

    Jede Person ! Nicht jede Kirche !

    Herr Lammert sollte sich besser mal seinen Bischöfen ins Gewissen reden und zusehen dass die Kirche sich endlich mal dazu herablässt den eigenen Laden SAUBER zu halten und die Menschenwürde wieder ÜBER das Bestreben zu stellen das Ansehen des eigenen Vereins auf biegen und brechen zum Primaten zu machen….

    Just my 5 Cents dazu

  2. Boli sagt:

    Bei ein paar Punkten kann ich Ihnen zustimmen. Bei jenem aber:

    Wie kommt man zu der Annahme dass die Türkei der Kurie Rechte einräumen müsse die selbst der Muslimischen Bevölkerungsmehrheit nicht eingeräumt werden können.

    Nicht!! Und zwar als der türkische Staat damals in der Tat ALLE religiösen Schulen / Einrichtungen geschlossen hat, hat er dies aber nach ein paar Jahren wieder geändert, NUR NICHT bei den Kirchen, sprich die muslimischen Einrichtungen sind schon lange wieder am Lehren wenn wohl durchaus wohl unter Aufsicht des Staates.
    Beim Griechisch-Orthodoxen Patriarchat ist seit gut 30 Jahren Sendepause. Wie es bei den Armeniern und Aramäern ist weiß ich nicht, ich denke jedoch nicht viel besser.
    Und man darf vor allem mal eines nicht vergessen. Diese Kirchen waren schon dort bevor noch irgendjemand das Wort Türke überhaupt gekannt hat.

  3. Mehmet sagt:

    „Und man darf vor allem mal eines nicht vergessen. Diese Kirchen waren schon dort bevor noch irgendjemand das Wort Türke überhaupt gekannt hat.“
    Erzählen Sie das mal den Heiden im, die vor dem Christentum ihren eigenen Glauben hatten. Raten Sie mal warum Sie den Heiden das nicht mehr sagen können: Weil sie aufgrund christlich-missionarischer Tätigkeiten nicht mehr existieren. Warum existieren die Kirchen in der noch? Warum existierten Juden und Christen im osmanischen Reich und später in der Türkei?
    Der Grund, warum es jetzt Andersgläubige in christlichen Ländern gibt, ist nicht das Christentum, sondern die Aufklärung (diese könnte zugegebenermaßen der Türkei auch etwas gut tun. Der Weg wird ja seit Jahrzehnten beschritten und entwickelt).
    Um das Christentum per se nicht zu attackieren, nenne ich dies lieber mal die falsche Interpretation der Bibel.

  4. Sugus sagt:

    „Die Kirchen haben sich bitteschön mit dem Laizistischen Verfassungsprinzip der Türkei abzufinden. Diese Gesetze und Regelungen sind vom Volkssouverän verabschiedet worden“
    Nein – das wurde allein von Atatürk durchgeboxt, zum Teil gegen erheblichen Widerstand der Bevölkerung. Ob die Türkei heute noch laizistisch ist, ob sie es jemals richtig war, steht dann noch auf einem anderen Blatt. Oder sind meine Informationen falsch, daß ein türkischer Christ so gut wie keine Chance hat, z.B. Offizier in der Armee zu werden?

  5. Pretzel sagt:

    Boli,

    Das Gesetz welches 1971 erlasssen wurde hatte und hat zum Inhalt dass alle Schulen bzw Religionsschulen in der Türkei unter der Hoheit des Kultusministeriums zu stehen habe,

    Dies ist seit Heute so unverändert es gibt in der Türkei weder muslimische noch christliche Schulen die eben nicht unter der Ägide des Kultusministeriums lehren.

    Der Griechisch Orthodoxe Patriarch hat bisher alle Vorschläge im Hinblick auf das Priesterseminar in Halki abgelehnt. Der Grund dafür liegt in dem Umstand dass er offenkundig aus Theologischen Gründen dazu nicht in der Lage ist.

    Der faire Vorschlag der Türkei zur Gründung einer Teheologischen Fakultät in Istanbul wurde vom Patriarchat abgelehnt.
    Ich würde mir wenn ich Sie wäre mal die Mühe machen und eben das Patriarchat diesbezüglich anschreiben…
    Es geht ja um ein Menschenrecht.

    Für mich stellt es sich jedoch so dar dass der Patriarch für sich und seinen Klerus etwas einfordert was:

    1. Durch ein Gesetz auch für die Muslimische Bevölkerungsmehrheit geregelt ist.

    Der Patriarch hat als Türkischer Staatsbürger jedoch keine Sonderrechte nur weil er ein Klerikaler ist.
    Das mag in Deutschland anders sein in der Türkei ist es aber eben nicht so.
    Und das ist gut so.

    Ihren Letzen Satz lasse ich mal unkommentiert……

  6. Pretzel sagt:

    Ich nehme aus Ihrem Beitrag folgendes mit:

    1.- Die Türkei war niemals Laizistisch und ist es auch nicht.
    2.- Christen dürfen keine Offiziere werden

    Deshalb müssen die Kirchen auch das Verfassungsprinzip der Laizität nicht anerkennen?

    Habe ich Sie richtig verstanden ?

  7. Bierbaron sagt:

    Pretzel, sie verbreiten hier türkische Propaganda und das müssten sie auch wissen.
    Türkei ein laizistisches Land? Ich lach mich schlapp! Eine islamische Partei ist Staatspartei und quasi die gesamte muslimische Gesellschaft ist dem Staat unterordnet. Ich zitiere mal aus folgendem Wikipedia-Arikel http://de.wikipedia.org/wiki/Diyanet_%C4%B0%C5%9Fleri_Ba%C5%9Fkanl%C4%B1%C4%9F%C4%B1 :
    „Daher ist die türkische Form des Laizismus weniger eine Trennung zwischen Staat und Religion, sondern vielmehr eine Unterordnung der Religion unter den Staat.“ Christen jeder Coleur wie Juden sind den Moslems freilich nochmal nachgeordnet, von einer Religionsfreiheit nach europäischem Muster kann noch nicht gesprochen werden.

    Und noch etwas: Wenn den religiösen Minderheiten Gottesdienste in Kirchen/Klöstern, die älter als das türkische Volk sind, verboten/unmöglich gemacht werden, kann man eben nicht mehr von Religionsfreiheit reden.

    Grüße
    Bierbaron

  8. Sugus sagt:

    Meine Aussage ist: „Türkischer Laizismus“ ist eine Mogelpackung. Es ist nicht drin, was draufsteht.
    Ein Muslim hat in der Türkei alle Möglichkeiten, sich religiös zu entfalten und seinen Glauben in der Öffentlichkeit zu bekennen und hat volle staatsbürgerliche Rechte, ein Christ eben nicht.
    Haben Sie nun verstanden?

  9. Pretzel sagt:

    Wenn es wirklich so wäre wie Sie schreiben dass die Christen in der Türkei Ihren Glauben nicht öffentlich bekunden dürften, wenn Türkische Staatsbürger Christlichen Glaubens (wie bspw. der Patriarch Bartholomäus, oder der Patriarch der Armenier Mesrop II beides Christliche Türken übrigens) Ihren Glauben nicht öffentlich pflegen könnten wie sie Sagen…..

    Stünde diesen Menschen der Weg zum EGMR offen !

    Wenn es wirklich so wäre wie Herr Lammert impliziert dass die Kurie und andere Kirchen in der Türkei ein ANRECHT auf die ANERKENNUNG als RECHTSPERSON hätten…

    Stünde auch diesen Kollektiven der Rechtsweg offen !

    Der Umstand dass er nicht gegangen wird sollte Ihnen zu denken geben SUGUS……

    Im übrigen http://www.kiliseler.tk/

    Eine Liste von Kirchen die in der Türkei stehen mit E-Mail Adressen und Telefonnummern.
    Sie sollten sich den Gefallen tun und dort mal anfragen ob es in der Türkei erlaubt ist Glocken zu läuten und Gottesdienste in Türkisch oder in irgend einer anderen Sprache abzuhalten oder nicht.

    Vielleicht verstehen Sie dann was Laizismus bedeutet und ob die Türkei eine Mogelpackung ist oder nicht…..

    So zum Reflektieren und Nachdenken……

    Meine Empfehlung.

  10. Sugus sagt:

    „Offiziell herrscht in der Türkei Religionsfreiheit – aber noch immer gibt es zahlreiche Beeinträchtigung, so das staatliche Verbot, Pfarrer und Religionslehrer auszubilden. Christliche Studenten können Theologie heute nur noch an islamisch-theologischen Fakultäten studieren, und Pfarrer müssen türkische Staatsangehörige sein oder sich als Diplomaten ausweisen. Auch die Renovierung alter Kirchen ist durch juristische Schikanen erschwert, Enteignungen von Kirchengütern noch immer Praxis.
    Christen werden gegenüber Muslimen, die uneingeschränkte Kultusfreiheit genießen, grundsätzlich benachteiligt: Bibeln und religiöse Traktate dürfen auf den Straßen nicht verteilt werden, Prozessionen und christliche Straßenfeste sind verboten, die Behörden erteilen christlichen Rundfunksendern grundsätzlich keine Lizenz.

    Angesichts dieser systematischen Diskriminierung versucht die Türkei die Europäische Union mit immer neuen Gesetzen und Bestimmungen von seiner Toleranz gegenüber Minderheiten zu überzeugen. Das mit dem Etikett „EU-Harmonisierungsgesetze“ versehene Reformpaket machte Eindruck auf die EU-Erweiterungskommission, bedeutet aber tatsächlich kaum eine Verbesserung der rechtlich unhaltbaren Lage der christlichen Gemeinden. Das stellte der Menschenrechtsexperte und Türkei-Kenner des internationalen Missionswerks „Missio“, Otmar Oehring, bei Recherchen vor Ort fest: „Die Fortschritte stehen nur auf dem Papier, in der Praxis werden die von der Europäischen Gemeinschaft geforderten Veränderungen systematisch verschleppt.“
    http://www.welt.de/politik/ausland/article5436121/Das-schwere-Los-der-Christen-im-Islam.html


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