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Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Europa-Studie

Schlusslicht Deutschland – Muslime fühlen sich nicht akzeptiert

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich Muslime auf lokaler Ebene wohl, als Deutsche fühlen sie sich aber nicht. Berlins Integrationsbeauftragter fordert die Politik auf, Islamfeindlichkeit und undifferenzierten Unterstellungen entgegenzuwirken.

Für die Studie „At Home in Europe – Muslims in Europe“ der Open Society Institute, wurden erstmals europaweit mehr als 1000 Muslime in elf verschiedenen Großstädten befragt. Einzelheiten zur Studie gibt es hier.

Einer aktuellen Studie des Open Society Institute in London (OSI) zufolge gelingt die Integration von Muslimen in Berlin nur auf lokaler Ebene. Der Vergleich mit zehn weiteren europäischen Städten zeigt, dass sie sich in Berlin zwar wohl, aber in Deutschland wenig anerkannt fühlen. Infolgedessen überrascht auch nicht, dass sich nur rund jeder Vierte als Deutsche sieht. Der Vergleich mit London bringt die Defizite zutage: dort fühlen sich 72 Prozent als Brite.

„Hier spiegelt sich nicht etwa ein besonderer Integrationsunwillen der deutschen Muslime oder gar die Ablehnung des deutschen Verfassungswesens wider, sondern hier zeigen sich die Folgen einer viel zu spät begonnenen und halbherzig geführten Anerkennungspolitik“, erklärte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening.

Alarmierende Ergebnisse
Entsprechend ist auch das Akzeptanzgefühl der Muslime in Deutschland. Während ein Viertel der Muslime in Europa und 40 Prozent in London das Gefühl haben, von der Mehrheitsgesellschaft als Mitbürger gleicher Nationalität betrachtet zu werden, sind es in Deutschland nur elf Prozent. „Dieses ist das wirklich alarmierende Ergebnis der Studie“, betonte Piening.

Eine wachsende Zahl von Muslimen fühle sich ins Abseits gedrängt, egal welche Anstrengungen sie unternehmen, um in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Piening weiter: „Die langjährigen und vielfältigen Ausgrenzungserfahrungen haben bei vielen, so muss die Studie wohl interpretiert werden, zu Resignation und Passivität geführt. Muslime sehen sich zunehmend nicht als Mitgestalter, sondern ausschließlich als Opfer von gesellschaftlichen Verhältnissen.“

Weitere Studien, Umfragen und Statistiken rund um Integration und Migration von Zuwanderern und Minderheiten im MiGAZIN Dossier.

Man habe es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, Muslime heimisch werden zu lassen. Die Einbürgerung des Islams sei und bleibe die große gesellschaftspolitische Aufgabe. Die Untersuchung zeige, dass beide Seiten gefordert sind.

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37 Kommentare
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  1. mehli sagt:

    Zitat von Kosmopolit:
    Ich habe mir ja schon hier den Finger wund geschrieben. Es ist zwecklos, solange es Mitmenschen, die nicht bereit sind, sich selbstkritisch mit einigen Dingen auseinander zu setzen.
    Wollen wir doch mal ein Problem beleuchten, dass übertragbar ist, für die hier anstehende Diskussion. Nehmen wir mal an, ein Haus, Eigentumswohnungen, eine Eigentümergemeinschaft.
    Diesem Gebilde liegt eine Teilungserklärung zugrunde, die die wichtigsten Sachen dieses Hauses regelt. So kann und darf z.B. keiner an Grundmauern rum werkeln oder tragende Elemente das Hauses verändern. Ebenso regelt eine Hausordnung das Zusammenleben in so einem Haus, wie Kehrordnung u.v.m.
    So, jetzt ziehen neue Eigentümer ein, unterschreiben möglicherweise den Kreditvertrag und die Teilungserklärung bei einem Notar. Der Hausverwalter informiert die neuen über bestimmte Dinge und nebenbei übergibt er auch die Hausordnung.
    Nach einiger Zeit wird es laut im Hause. Andere Eigentümer stellen fest, das die neuen Eigentümer Dinge tun, die nicht mit der Teilungserklärung konform gehen. Auch die Hausordung wird von den neuen nicht beachtet. In den Treppenhäuser sammelt sich Unrat, sodass es Probleme bereitet im Treppenhaus zu seiner Wohnung zu kommen. Die Miteigentümer sehen sich in ihrer Lebensweise bedroht.

    Kosmopolit schildert hier eine Analogie die, wie so oft, aus dem Zusammenhang gerissen nur einen Teil der Wahrheit wiedergibt. Bei diesem Beispiel wurde die Vorgeschichte unterschlagen.
    Wenn ich das Beispiel mal so stehen lassen soll möchte ich dem noch etwas Ergänzen.

    Diese neuen Eigentümer waren schon eine lange Zeit da. Sie lebten im Garten dieser Eigentumsgesellschaft und durften dort auf „ausdrücklichen“ Wunsch der Mehrheit der Hauseigentümer dort Zelten.
    Nach langer Zeit wollten die Kinder dieser Menschen im Garten auch in einer komfortablen Wohnung leben. Jahrelang lebten ihre Eltern auf, mehrheitlicher Wunsch der Hauseigentümer, im Garten und trotzdem hatte man versäumt sich mal mit dem ihnen auseinander zu setzen. Obwohl man sich jeden Tag sah. In den Zeiten als die Menschen noch im Garten des Hauses in Zelten hausten hatte man sie ignoriert oder geduldet. Das machte diesen Menschen nichts aus da sie sowieso nicht lange bleiben wollten. Denn der Zustand des Zeltlebens in der Fremde war für sie nicht lange zu ertragen. Aber sie bekamen Kinder und diese fanden alles nicht so schlimm sie kannten „ihre Heimat“ nicht anders. Für die Kinder war der Umstand das in Zelten hausten schlimmer denn sie sahen die den angenehmen Wohnverhältnisse der Hausbewohner. Sie arbeiteten und wollten auch mal ins Haus einziehen. Auch wenn die Hausbewohner von allem nichts mitbekamen, hatten sich die Türken verändert. Sie hatten viele Gepflogenheiten der Hausbewohner angenommen und waren nicht mehr wie zu Anfang. Trotz der schwierigen Umstände für die Zeltbewohner hatte sie sich damit abgefunden. Sie bekamen schließlich jeden Tag etwas zu essen dafür, dass sie mithalfen das Haus in Schuss zu halten. Es kamen irgendwann auch Forderungen diese Menschen im Garten ins Haus zu holen. Diese Forderungen entstanden weil die klugen Köpfe des Hauses herausgefunden hatten, dass das hausen im Zelt zu einer Lebensweise führt die den Hausbewohnern mehr und mehr Kopfzerbrechen machen würde. Also schlugen sie vor ihnen einen Einzug ins Haus zu erlauben. Aber einige Hauseigentümer waren schon empört als Sie von dem Wunsch erfuhren, dass die Menschen im Vorgarten des Hauses nun auch in eine Wohnung einziehen wollten. Aber die die ihre Fenster zum Garten hatten hatten sich im Laufe der Zeit mit den Zeltbewohnern arrangiert und positive Erfahrungen mit den ihnen gemacht und waren dafür sie einziehen zu lassen.

    Hier kommen wir zur Sichtweise der Empörten Hausbewohner
    Hier würde ich an den Anfang der Analogie von Kosmopolit anknüpfen. 🙂

  2. Klose sagt:

    @mehli

    Hallo Mehli,

    dein Beispiel passt ganz gut auf einige Ausländergruppen, aber nicht auf Türken. Türken würden gerne, wenn sie schon in das Haus einziehen, die alten Hausbewohner loswerden und die anderen, die noch in den Zelten oder noch in der Türkei wohnen, nachholen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach deshalb, weil sie Ihre Kutlur nicht ablegen wollen. Und ein kulturelles Miteinandern mit Nicht-Moslems ist im Großen und Ganzen nicht so schön.

    Die klugen Türken hingegen sind schon längst in den Häuser drin, die haben nie in Zelten gewohnt. Die haben aber auch nie so auf ihre Kultur gepocht und nichts anderes gelten lassen. Das ist die Minderheit.

    Die Spanier, Portugiesen, Italiener, Griechen und viele andere mussten anfangs übrigens auch in Zelten wohnen. Bei denen hat es nicht lange gedauert, schwupps waren sie in den Häusern drin und alles war gut.

  3. Selçuk sagt:

    „Türken würden gerne, wenn sie schon in das Haus einziehen, die alten Hausbewohner loswerden und die anderen, die noch in den Zelten oder noch in der Türkei wohnen, nachholen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach deshalb, weil sie Ihre Kutlur nicht ablegen wollen.“

    Häää?? Ich muss die alten Hausbewohner loswerden, wenn ich meine Kultur nicht ablegen will?? Naja, logisch ist diese These meiner Meinung nach überhaupt nicht. Ich kann doch meine Kultur weiterhin im Privaten pflegen, ohne auf meine Nachbarn, also die alten Hausbewohner, verzichten zu müssen.

    „Und ein kulturelles Miteinandern mit Nicht-Moslems ist im Großen und Ganzen nicht so schön.“
    Das sehe ich nicht so.

  4. Straub Klaus-Dieter sagt:

    Guter Kommentar auf die wunde Seele. Man muss die Problem ansprechen und benennen und nicht wie die s.g. Eliten (Abgeordnete Bürgermeister, Stadträte, Lehrer, Gutmenschen u.a.) den Kopf in den Sand stecken. Jedem Bürger steht es frei dieses Land zu verlassen. Doch man will es nicht, warum auch! Auf weitere Kommentare verzichte ich.

  5. hayri sagt:

    kein wunder, alle anderen waren ja auch christen. warum soll ein mensch seine kultur aufgeben nur weil er in einem anderen land lebt. er kann höchstens sein kultur erweitern. diese kluge minderheit, dei sie loben sind wahrscheinlich diejenigen, die ihre identítät verloren haben, und genau so leben wie sie, das wollen sie doch oder.assimilation, das ist der der ziel aller fachisten auf der welt.manche könne es halt nicht laut sagen,sind entweder feige oder wollen ihre idedität nicht preisgeben.man sieht es an den kommentaren

  6. […] von Muslimen“. Berlin zieht damit eine Konsequenz aus der Anfang 2010 vorgelegten Studie „Muslims in Europe“ des Londoner Open Society Institute. Befragt wurden damals Kreuzberger Muslime, und erschreckend […]

  7. […] geschaffen, in dem sich ausländische MitbürgerInnen und MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund kaum wohl fühlen können. Die Gefahr des rechten Terrorismus wurde großzügig ignoriert, gleichzeitig wurden rassistische, […]


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