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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Offener Brief

Fatih Akin boykottiert Filmpremiere in der Schweiz

Der Hamburger Filmregisseur Fatih Akin hat aus Protest gegen das Schweizer Bauverbot für Minarette die Teilnahme an der Premiere seines neuen Films „Soul Kitchen“ in der Schweiz in einem offenen Brief abgesagt, den wir hier im Wortlaut veröffentlichen:

DATUM4. Dezember 2009

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Hiermit verkünde ich meinen Protest gegen den Volksentscheid der Schweiz gegen den Bau von Minaretten an Moscheen. Dieser Volksentscheid widerspricht meinem Verständnis von Humanismus, Toleranz und dem Glauben daran, dass ein harmonisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Religion möglich sein muss.

Fatih Akin (* 25. August 1973 in Hamburg) ist ein deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent türkischer Abstammung. Für Gegen die Wand mit Birol Ünel und Sibel Kekilli in den Hauptrollen nahm er 2004 den Goldenen Bären, den Deutschen Filmpreis und den Europäischen Filmpreis entgegen und brachte es damit zu internationaler Bekanntheit. Quelle: Wikipedia

Da ich Kind moslemischer Eltern bin, die in Minaretten keinen politischen Islam, sondern lediglich die vollständige Architektur ihrer Gotteshäuser sehen, fühle ich mich durch den Volksentscheid auch persönlich betroffen.

Deswegen weigere ich mich, in die Schweiz einzureisen. Ich werde am 16. Dezember 2009 nicht zur Schweizer Premiere meines Films “Soul Kitchen” erscheinen, um meinen Film dort zu bewerben.

Ich möchte durch meine Abwesenheit meinen Unmut ausdrücken. Mehr liegt leider nicht in meiner Hand.

Ich kann mir das Votum der Schweizer gegen den Minarettenbau nur mit Angst erklären. Angst ist die Quelle allen Übels. “Angst essen Seele auf” heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Vielleicht hat die Angst in der Schweiz schon zu viele Seelen aufgegessen.

Fatih Akin

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37 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Bitte austauschen – Danke!

    Ich wünschte es würden mehr Menschen, ob nun Muslime oder Angehöriger einer anderen Religionen oder Konfessionen, den gleichen Mut aufbringen, und auch in der Weltöffentlichkeit diese zeigen, um ähnliche Zeichen zu setzen. Ich spreche vor allem hier auch den arabischen Geldadel an. Gerade die Saudis mit ihrer sehr strengen Auslegung des Islam, sollten hier doch erst recht Flagge zeigen müssen.

    Aber jeder andere sich betroffen Fühlende kann auch seinen eigenen kleinen persönlichen Part dazu beitragen. Ich denke da an Produkte der Schweizer Industrie, der Banken und auch Versicherungen.

    Ohnehin ist ihre Rolle des neutralen Beobachter und Vermittlers zwischen den gegnerischen Parteien in der Welt, damit mehr als umstritten und auch fraglich geworden. Denn, wenn die Bevölkerung sich derart zeigt vorurteilsvoll und rassistisch unverhohlen zeigt, dann ist es ja eindeutig umso schlimmer.

    Bisher haben die Eidgenossen doch recht gut am Unglück der Welt gelebt. Wenn Drogenbarone, Diktatoren, Steuerhinterzieher im großen Stil und andere Schurken und ihr gesamter Tross unvorstellbare Summen auf Nummernkonten zinsfrei lagern durften, d.h. den anfallenden Zins haben die Schweizer Banken sich selbst eingesackt und bei erfolgreicher Spekulation auch den Gewinn für sich vereinnahmt. Selbst, wenn diese ausgemerzten Staaten, diese Unmenschen dann irgendwie fertiggebracht haben und letztlich davon jagten bzw. jagen konnten, haben sie von der Schweiz nur die kalte Schulter zucken gesehen, wenn überhaupt bisher auch nur durch übelste und widrigste Umstände, wie auch zeit- und nerventötender Weise, auch nur einen wesentlich geringen Bruchteil wieder erhalten, wenn denn überhaupt; und auch nur diesen Teil, der ohnehin bekannt wurde. Nicht zu vergessen auch all die Vermögen und Schätze, die brach, vergessen und sehr oft auch Herrenlos in Schweizer Tresoren gebunkert sind. Weil ihre wahren Besitzer und Eigentümer irgendwie umkamen, z.B. im KZ oder einem anderen Verbrechen, aber auch die Schergen selbst nicht dazu kamen ihren Diebstahl zu genießen, es versäumten wiederum zuvor ihren nächsten Verwandten von dem geraubten Kreuzzug mitzuteilen, ihnen versäumten bzw. vergaßen das Nummernkonto in der Schweizer noch rechtzeitig zu erwähnen.

    Wie ruhig können so gesehen eigentlich die Schweizer überhaupt noch schlafen, wenn an ihnen auch das Blut an ihren Händen und Kleidern klebt? Denn Hehler und Stehler sind nach dem Gesetz im Grunde immer strafrechtlich in der Sühne gleich gesetzt, nur bei der Schweiz scheint es nicht zu stimmen! So wird es Zeit ihnen dies mitzuteilen!

  2. […] …und übrigens, nicht nur „Gutmenschen und Dialüg-Muslime“ sind empört über die Verhältnisse in der Schweiz. Die Empörung geht durch die breite Gesellschaft in Deutschland.  Der Filmemacher Fatih Akin boykottiert die Premiere seines Films „Soul kitchen“ mit einem offenen Brief. […]

  3. Gerhard.B. sagt:

    Würde ich jedem integrationsunwilligen Türken und Araber empfehlen zu lesen auch Herrn Akin:

    http://www.bild.de/BILD/politik/2009/12/04/minarett-verbot-in-der-schweiz/islam-kritiker-ralph-giordano-rechnet-mit-multi-kulti-ab.html

  4. […] (z.B. „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“). Brief ist z.B. hier […]

  5. redbull sagt:

    Hiermit verkünde ich meinen Protest gegen die einseitige Stellungnahme von Fatih Akin und seine Ablehnung der demokratischen Entscheidung der Schweizer im Rahmen einer Volksabstimmung und erkläre, den Film zu boykottieren.

    Außerdem glaube ich nicht, dass seine Nicht-Einreise in die Schweiz die Schweizer beeindrucken wird.

  6. Tom sagt:

    Ich glaube, Herr Akin liest keine Bild-Zeitung.

  7. Bogo sagt:

    Ich finde es gut, hat mehr Wirkung als Proteste aus islamischen Ländern, von Politikern oder religiösen Institutionen.
    Ich glaube, dass sitzt wirklich. Ein Intellektueller zeigt seinen Unmut, grade weil er kein Islamist ist aber Moslem. Wahrscheinlich nicht so tief religiös wie man es erwartet, aber guter Durchschnitt unter den europäischen Muslimen.
    Ähnlich wie er, tragen die meisten Muslime ihre Religion nicht vor sich her und das sollte bei der Debatte um Minarette beachtet werden.

  8. Bogo sagt:

    Was soll denn daran Lesenswert sein, immer die gleichen Beteuerungen Giordanos, dass er sich von den Rechten distanziert und das Totschlagargument Rassismus.
    Es gibt noch so ein Totschlagargument!
    Integrationsunwillige Muslime!

  9. Es ist gut, dass Fatih Akin sich deutlich erklärt.
    Er hätte dies aber auch – vielleicht sogar wirkungsvoller – bei der Premierenfeier machen können.
    Als Betroffener hat er allerdings in jedem Fall das Recht, die Art und Weise seines Protestes selbst zu bestimmen.
    Er ist derzeit einer der bedeutensten Filmschaffenden deutscher Sprache; da ist es schon auch schön, die Ängstlichen und die die Angst Schürenden mit dieser Wirklichkeit zu konfrontieren.

  10. Boli sagt:

    Ich spreche vor allem hier auch den arabischen Geldadel an. Gerade die Saudis mit ihrer sehr strengen Auslegung des Islam, sollten hier doch erst recht Flagge zeigen müssen.

    Ich finde es gut, hat mehr Wirkung als Proteste aus islamischen Ländern

    Gerade diese sollen bloß den Mund halten da sie erst einmal vor der eigenen Türe kehren sollten!! Und hier meine ich explizit die Saudis. Delice was glauben Sie wohl wer die Saudis so reich gemacht hat?? Die werden sich hüten auch nur zu mucken. So bald der letzte Tropfen Öl da unten raus ist fällt diese Region ins tiefste Mittelalter zurück, außer sie haben sich bis dahin geändert. Weil man kann Tourismus und Hotelanlagen noch und nöcher bauen. Wenn keiner kommt verottet auch das wieder und man kann in sein Beduinenzelt zurückkehren.

    Und Schweizbashing ist auch keinen Deut besser als gegen wen auch immer. Die Schweizer haben demokratisch abgestimmt.


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