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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Türkische Presse Europa

04.12.2009 – Fatih Akin, Minarett, Milli Görüs

In der türkischsprachigen Presse in Europa vom Freitag dominieren wiederum die Debatten zum schweizer Minarett-Verbot die Themenfelder. Neben dem Boykott Fatih Akis werden auch der Protest einer Baseler Kirche und aus der muslimischen Welt thematisiert. Zudem wird über die Durchsuchungen bei der IGMG und der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen berichtet.

Fatih Akin geht nicht in die Schweiz
Der Regiseur Fatih Akin wird nicht in die Schweiz gehen. Darüber berichten SABAH und MILLIYET. Am 16. Dezember werde die Premiere seines neuesten Films „Soul Kitchen“ in der Schweiz stattfinden. An dieser will der Filmemacher jedoch auf Protest gegen das Minarett-Verbot nicht teilnehmen, teilte er in einem offenen Brief mit (wir berichteten). Dieser Volksentscheid widerspreche seinem Verständnis von Humanismus, Toleranz und dem Glauben daran, dass ein harmonisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Religion möglich sein muss.Da er ein Kind moslemischer Eltern sei, die in Minaretten keinen politischen Islam, sondern lediglich die vollständige Architektur ihrer Gotteshäuser sehen, fühle er sich durch den Volksentscheid auch persönlich betroffen.

Minarett-Verbot verletzt die Demokratie
Zu diesem Schluss kommt der Vorsitzende des Interreligiösen Rates Schweiz, Hanspeter Ernst in ZAMAN und HÜRRIYET. Das Ergebnis des Minaretten-Referendums würde gegen die Schweizer Verfassung verstoßen. Mit dem Verbot von Minaretten würden Muslime diskriminiert und ausgegrenzt. Vor 160 Jahren schon hätte die Religionsfreiheit Eingang in die Schweizer Verfassung gefunden, und darauf sei man auch stolz. Das Verbotsreferendum verstoße gegen diese Regelung und schade dem inneren Frieden im Land. Jürgen Miksch, Vorsitzender des Interkulturellen Rates Deutschland warnte davor, dass auch ein Referendum in Deutschland zu einem ähnlichen Ergebnis kommen würde. Die Ablehnung gegenüber dem Islam gehe soweit, dass dafür sogar die Menschenrechte dafür mit Füßen getreten werden.

Kirchenturm ist auch ein Minarett
Die historische Elisabethen Kirche in Basel hat ihren Kirchturm aus Protest zum Minarett-Verbot symbolisch zum Minarett erklärt, berichtet die HÜRRIYET. Am Eingang der Kirche wurde von der Kirchenleitung ein Plakat angebracht auf dem Stand „Der Kirchturm der Offenen Kirche ist auch ein Minarett“. Außerdem wurde zusammen mit Muslimen ein gemeinsames Gebet in der protestantischen Kirche veranstaltet.

Schwache Reaktion in der muslimischen Welt
Die MILLIYET beobachtet nur eine schwache Reaktion in der muslimischen Welt zum  Verbots-Referendum in der Schweiz. So hätte sich in keinem muslimischen Land außer der Türkei die Staatsführung zu dem Thema geäußert. So hätten sich noch die Organisation der Islamkonferenz (OIC) und die Arabische Liga als Institutionen gegen das Verbot gewandt. Die Nachrichtenagenturen hätten aber sonst von keinem Regierungschef außer dem Türkischen ein Statement zu dem Thema publiziert.

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Ein Kommentar
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  1. Roman Diem sagt:

    Damit es gerade vorweg genommen ist, ich bin Schweizer Staatsbürger. Die einen reagieren jetzt sicher brüskiert andere vielleicht eher mit gemischten Gefühlen gegenüber mir. Politisch gesehen bin ich „neutral“ und habe daher auch nicht an der Volksabstimmung teil genommen. Ich habe aber in den letzten Tagen versucht mir ein Bild über die Stimmung hier in der Schweiz zu machen. Die Meinungen über die Initiative ist geteilt, wie dies auch aus den Abstimmungsresultaten hervor gegangen ist. Das ja hat eine Debatte ausgelöst, welche ich gerne kurz aus meiner Sichtweite schildern möchte.
    Was hat dieser Debatte eigentlich den Anlass gegebe? Die Schweiz lebt die direkte Demokratie. Mit der Anti-Minarett Initiative hat sich eine Interessensgemeinschaft zum Verbot von Minaretten in der Schweiz zusammengefunden die eigentlich zur Absicht hatten, dass man das Landschaftsbild in der Schweiz nicht durch Türme anderer Kulturen sollte veränderen. Die Schweizer sind halt sehr traditionsbewusst und touristisch gesehen darum ein attraktives Land.
    Was hat nun die Stimmbürger zum Entscheid veranlasst. Da denke ich gehen die Meinungen stark auseinander. Zwei Wochen vor der Abstimmung war für den Bund klar, dass diese Initiatve scheitern wird. Die Umfrageergebnisse haben klar auch diesen Trend gezeigt. Es waren auch eher die älteren Gemeinschaften die sich zu einem Ja zusammen gerauft habe. Vielleicht aus Traditionllen hintergründen oder aber aus Angst vor einer zu grossen Migrationsrat. Die Schweiz ist ein kleines Land mit kleinen Dörfern und man kennt sich im Dorf.
    Diejenigen im Alter von 25 bis 50 Jahren waren eher geteilter Meinung und haben sich der Meinungsbildung schwer getan und sind auch nicht an die Urne gegangen.
    Wer hat den dann das Resultat so beeinflusst?
    Die Medien haben in den vorhergegangen Monaten stark die Anti-Minarett Kampagne publik gemacht. Vielen Jungen Leuten ist das gerade gelegen gekommen. In den Schulen wird gerauft bis manchmal zum Tod. Es wird gepöbelt und sich gegenseitig Schimpfwörter ausgetauscht. Die Jugend-Arbeitslosenraten steigen stetig und die Kluft zwischen Schweizer mit Migrationshintergrund und „Schweizern“ wächst stetig. Der Hintergrund dazu hat Fatima W meiner Meinung nach sehr gut geschildert siehe http://www.20min.ch/news/schweiz/story/20373007.
    Meiner Meinung nach geht es also weniger um Türme und Glauben sondern es ist mehr ein Hilfeschrei der Jugendlichen, welchen ich sehr ernst nehmen würde. Der Rassismus ist bei den Jugendlichen zuhnemends zu spüren. Ich hoffe nur die Politiker werden zukünftig die Immigration besser in den Griff kriegen, sonst eskaliert die Situation und wird sind wieder im Jahre 1937.
    Ich arbeite als Modellbauer in einem Mittelbetrieb. Der Ausländeranteil ist bei ca. 75% und diejenigen welche ich kenne sind sehr froh einen Job zu haben. Ein Schweizer mit türkischer Abstammung arbeitet mit mir in der gleichen Abteilung. Ich kann in sehr gut leiden. Er hat mir zur Initiative nur gesagt, dass ein guter Muslim kein Minarett braucht um ein guter Muslim zu sein. Da frage ich mich ob es wirklich um Religion geht oder eher um Anpassung und Respekt?
    Leider ist ein Artikel in der Zeitung gestanden, dass in der Türkei Christen verfolgt und getötet würden. Das hat mich dann sonderlich nachdenklich gestummen. Ich hoffe einfach, dass dieser Glaubenskrieg auf der ganzen Welt irgendwann zu Ende geht und wir als Menschen miteinader, neben einander friedlich leben können.
    Ich danke dem Redaktionstteam für den Freien Meinungsbeitrag.



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