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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Volksabstimmung

Reaktionen auf das Schweizer „Nein“ zum Minarettenbau

Der Ausgang des Schweizer Volksentscheids gegen den Neubau von Minaretten hat weltweite Empörung und Enttäuschung ausgelöst. 57,5 Prozent sprachen sich am Sonntag überraschend gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land aus. Stimmen aus Deutschland, Europa und der Welt mahnten zur Achtung der Religionsfreiheit.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), der 57 Länder angeschlossen sind, nannte das Votum „enttäuschend und beunruhigend“. Ekmeleddin Ihsanoglu, der Generalsekretär der Organisation, nannte das Votum ein Beispiel für wachsende anti-islamische Aufhetzung in Europa. Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay kritisierte das Verbot als Zeichen religiöser Intoleranz. Auch die schwedische EU-Präsidentschaft hat das Schweizer Votum gegen Minarette kritisiert. In Schweden sei ein Minarett-Verbot zudem wohl kaum durchzusetzen, weil dem die Religionsfreiheit entgegenstehe.

Infobox: Zwei rechtspopulistische Parteien (Schweizerische Volkspartei (SVP) und Eidgenössische Demokratische Union (EDU)) hatten die Initiative auf den Weg gebracht. In der Schweiz leben etwa 400 000 Muslime, die bisher insgesammt vier Moscheen mit Minaretten gebaut haben. Die Beteiligung an der Volksabstimmung lag überdurchschnittlich hoch bei 54 Prozent.

Eine Instrumentalisierung der Religion habe stets „schlechte, giftige Früchte gebracht“, sagte der Chefredakteur der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, Giovanni Maria Vian und brachte sein Bedauern zum Ausdruck. Auch die katholische Kirche müsse Selbstkritik üben, weil es ihr nicht gelungen sei, die Wähler zur Zurückweisung des Minarettverbots zu überzeugen.

Muslimische Vertreter besorgt
Auch in Deutschland waren kritische Stimmen nicht zu überhören. Politik, Kirchen und Vertreter der Muslime warnten vor negativen Folgen für den interreligiösen Dialog in Europa und für Christen in islamischen Ländern.

So reagierte die Deutsche Bischofskonferenz „mit großer Sorge“ auf den Volksentscheid. Den Christen in islamischen Ländern werde die Entscheidung nicht helfen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, bedauerte das Ergebnis des Volksentscheids. Er sei „sehr erschrocken, dass eine rechtspopulistische Bewegung und eine rechtspopulistische Partei eine so überwältigende Mehrheit für so ein Verbot erringen konnte“.

Auch der Vorsitzende des Islamrates für die Bundesrepublik, Ali Kizilkaya, war „entsetzt“ über die Schweizer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten. Dieses Ergebnis beschädige das Ansehen ganz Europas, sagte Kizilkaya. Er forderte zugleich den neuen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf, sich verstärkt für den Abbau von Vorurteilen gegenüber dem Islam einzusetzen.

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Diskussionen à la „Leitkultur“ vermeiden
de Maizière hingegen sagte, dass der Bau von Moscheen in der Bundesrepublik der Religionsfreiheit unterliege. Von der Schweizer Entscheidung könne Deutschland aber lernen, dass Religionsgemeinschaften mit Kommunen zu behutsamen Entscheidungen kommen müssten, die niemanden überforderten.

Grünen-Politiker Memet Kilic (Bündnis 90/Die Grünen) warnte vielmehr davor, Grundrechte zum Gegenstand von Volksabstimmungen zu machen. „Grundrechte wie die Religionsfreiheit sind durch die Grundrechte Dritter einschränkbar nicht per populistischen Volksabstimmungen“, so Kilic. Wer den „Kampf der Kulturen“ nicht schüren, sondern vermeiden wolle, müsse eine sachliche und gelassene Diskussion über das Zusammenleben und die Grenzen der Freiheiten führen und herabschauende Diskussionen à la „Leitkultur“ vermeiden.

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25 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Das ist im Grunde eine völlig logische Konsequenz. Wenn man lange Zeit immer wieder sich als Politiker und verantwortlicher Schreiberling, ob nun bei der Welt, FAZ oder beim DER SPIEGEL, so vehement gegen alles was mit dem Islam annähernd zu tun hat wettert, ist dieses Ergebnis eigentlich doch schon wieder eine noch recht positive Wendung.

    Ich jedenfalls hätte da schon eine noch höhere Zahl an Gegnern erwartet. Denn alleine bei einer Telefon Umfrage bzw. Anrufaktion von n-tv, sprachen sich gestern, also am Montag den 30.11.2009, noch über 97,5 Prozent der Anrufer sich für dieses Verbot aus, und wollten diese Umsetzung auch in Deutschland haben.

    Warum wollte man dieses Verbot in der Schweizer Verfassung nicht auch gleich für die Kirchen einführen. Schließlich gab es so etwas schon auch im Jahre 1905 oder 1907 schon mal in der Schweiz. Damals noch freilich wollte man die für die Katholischen Kirchen votieren lassen. Damals fand sich für derartiges keine Mehrheit. Die Schweizer sind halt geübt in derlei Ansinnen.

    Das schlimmste ist, die Menschen wissen im Grunde gar nicht über die Menschen, die sich Muslime nennen und den Islam als Religion haben. Dennoch haben die Schweizer etwas vollbracht, was die Weltgemeinschaft vermeintlich erschüttert. Aber erinnern wir uns doch an die Wahl von Waldheim, vormals UN(O)-Boss, zum Bundespräsidenten für Österreich. Trotz des Druckes haben sie diesen Vorbelasteten Nazi-Offizier gewählt, angeblich auch trotz. Nun die österreichische ÖVP koalierte auch schon mal mit Herrn Haider, auch das prallte an ihnen ab. Was also sollschon den Schweizern passieren. Schließlich wählte man einen Herrn Rassmusen zum NOTO-Generalsekretär, trotz der Bedenken der Türkei, weil es Sarkozy und Frau Merkel es wünschten. Aber auch bei der Wahl des jetzigen EU-Präsidenten, drückten diese beiden einen Gegner zur Türkei, sprich eines muslimischen Staates, dass nun mal auch die Türkei ist. Deutschland ist mit Frankreich, seinem früheren Erz- und Erbfeind, gemein in der Sache der Türkei alles Erdenkliche in den Weg zu stellen, um es bloß nicht in die EU Aufzunehmen, wegen der Wertegemeinschaft eines christlich-jüdischen Abendlandes bzw. Europas. Dabei geht den Abendländern völlig ab, dass ihre Kultur und ihre ureigenste Religion nicht im Abendland entstanden, sondern auch im Orient. Dieses Thema wurde ja von mir sehr ausführlich hier vorgetragen.

    Wie kann von einer Intoleranz in islamischen Ländern noch sprechen, wenn die Länder des Abendlandes ihre eigenen Grundfesten Überzeugungen und ihre Grundrechte leichtsinnig über Bord werfen. Wenn anders aussehende vom aufgebrachten Mob gejagt verfolgt und geschlagen werden, und vor den Augen von Richtern geradewegs liquidiert werden, und insbesondere ein nicht kleiner Teil von deutschen Politikern dafür sogar noch versucht anderen einzureden dafür Bitteschön auch ein Verständnis aufzubringen, dann fehlt bei aber wirklich jede Enthaltsamkeit. Ein solcher Politiker gehört in die Wüste geschickt! […]

  2. Boli sagt:

    Muslimische Vertreter besorgt
    Auch in Deutschland waren kritische Stimmen nicht zu überhören. Politik, Kirchen und Vertreter der Muslime warnten vor negativen Folgen für den interreligiösen Dialog in Europa und für Christen in islamischen Ländern.

    Wie kann von einer Intoleranz in islamischen Ländern noch sprechen, wenn die Länder des Abendlandes ihre eigenen Grundfesten Überzeugungen und ihre Grundrechte leichtsinnig über Bord werfen.

    Ich frage mich was diese Feststellung soll wenn die Verfolgung von Christen schon längst Tatsache ist. Z.B. in Ägypten mindestens seit die Muslimbruderschaft starken Einfluss in der Gesellschaft hat. Der ganze Nahe Osten inklusive arabische Halbinsel war ehemals jüdisch-christlich geprägt und ist seit der Ausbreitung des Islam beständig auf dem Rückzug. Dieses Votum sollte auch einmal so verstanden werden das solchen Entwicklungen nicht länger tatenlos zugesehen werden kann.
    Auch wird sich vielleicht schon in naher Zukunft entscheiden wie das Verhältnis zu den islamischen Ländern noch wird wenn der Iran und Israel ernsthaft aneinander geraten. An dieser Sache kann alles hängen da Israel die meisten Europäer hinter sich hat, zumal Israel wie ein Schlagpuffer europäischer Kultur und Lebensweise ist. Das heißt Europa hätte schon längst härtere Schläge (Anschläge) aus dem Nahen Osten erwarten können wenn dieses „ewig störende Israel“ nicht noch im Wege wäre. Und bei der Art und Weise wie sich die Türkei mit dem Iran, Syrien etc. „urplötzlich“ in Bekundung „tiefster Freundschaft“ outet und „urplötzlich“ israelfeindlich gibt lässt auch nicht hoffen das sich hier etwas zum Besseren ändert.

  3. DezFafara sagt:

    @delice:
    ich wollte zuerst auf einzelne Ihrer Aussagen eingehen, aber Ihr wirres und jeglicher sachlicher Grundlage entbehrendes Betroffenheitsplädoyer ergibt für mich keinen Sinn.

    Ich möchte nur anmerken, dass meiner Meinung nach das Fehlen von Minaretten nicht die Ausübung der Religion beeinträchtigt. Es gibt auch in Deutschland viele Moscheen ohne Minarett, oder? So, wie Sie sich aufregen, hätte die Schweiz gleich den Islam verbieten, alle Korane verbrennen, alle Moscheen abreißen und die Moslems zum Teufel jagen können. Hat sie aber nicht.

  4. Markus Hill sagt:

    Zitat (wegen einer ausgewogeneren Darstellung in der Diskussion, ohne dass man das inhaltlich alles unterschreiben muss:-):
    „Es ist nachvollziehbar und vernünftig, dass die Schweizer hellhörig bis kritisch werden, wenn sie sich mit einer Religion konfrontiert sehen, die im Unterschied zum Christentum ihren weltlichen Herrschaftsanspruch noch immer geltend macht. Das Minarett wurde als Ausdruck des politischen Islam bekämpft und als Markierung, mit der sich die Muslime von der säkularen Schweizer Leitkultur Richtung Parallelgesellschaft abgrenzen wollen. Ungeachtet dessen: Die Ausübung ihrer Religion bleibt den Muslimen weiterhin unbenommen. Von einer Einschränkung der Glaubensfreiheit kann keine Rede sein.
    Während sich die deutschen Meinungsführer ihren heiligen Zorn über den Schweizer Volksentscheid von der Seele schrieben, meldeten sich ihre Leser mit ganz anderen Voten zu Wort. In der “Bild”-Zeitung ergab eine Publikumsumfrage eine Zustimmung von 83 Prozent zum Schweizer Minarettverbot. Beim “Spiegel”, der den Volksentscheid als “bedauerlich” abqualifizierte, waren zwischenzeitlich rund 78 Prozent der Online-Leser gegen Minarette. Bereits laufen Versuche, den demokratisch ermittelten Volkswillen durch europäische Gerichtshöfe rückwirkend wieder umzubiegen.“
    (SEK.-Quelle: FAZ, 1.12.09)
    Die Frage, die sich vielleicht hier stellt: Sind jetzt alle oben angeführten Meinungsumfrage-Teilnehmer in Deutschland rassistische Anti-Islamisten oder kann es auch sein, dass die islamischen Gläuben (Gemässigte, Moderate) vielleicht hiermit noch einen konstrukiven Anlass haben, über ihre Positionierung in der deutschen Gesellschaft nachzudenken? Vielleicht ist es einmal eine Anregungen,d ie eigene Kommunikationsstrategie zu überdenken. Vielleicht ist man auch zu schlecht, zersplittert etc., organisiert. Solche Umfragergebnisse könnten zumindest Anregung für Optimierung geben. Vielleicht auch die Frage: Was machen wir vielleicht als Moslems falsch beim Zugehen auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft?
    (Es ist unbestritten, dass die meisten Moslems hier friedlich ihre Religion leben wollen. Keinesfalls würde ich sie in einen Topf mit den mehr pressewirksamen Extremisten werfen).

  5. Markus Hill sagt:

    Zitat (DER TAGESSPIEGEL vom 1.12.09)
    „Aus Angst oder aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül wird eine Appeasementpolitik gegenüber dem Islam betrieben, während die Ängste der eigenen Bevölkerung aus der politischen Debatte ausgeblendet werden. Nur im Rahmen einer scheinheiligen Integrationsdebatte tauchen diese Bedenken verkleidet wieder auf. Jedem Politiker, der es wagt, sie offen zu thematisieren, wird sofort Populismus und Stimmungsmache vorgeworfen. Eine Anzeige der Grünen gegen den Betroffenen wegen Volksverhetzung lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Und so wird der Maulkorb schneller gefertigt als jedes Gegenargument. Ergebnis: Das Volk verhetzt sich selbst, und die Angst vor dem Islam schlägt in Ressentiments um.“
    Beide Seiten sind da wohl in sich selbst gefangen. Wenn durch solche Volksentscheide wie in der Schweiz die Diskussion „dynamisiert“ wird, kann das meines Erachtens durchaus positive Aspekte haben. Spricht man unterdrückte Gefühle aus, kann sich oft Klärung im Dialog geben. Vielleicht ist das Schweizer Beispiel ein Katalysator für die muslimischen Gläubigen, verstärkt Vorbehalte (es gibt VIELE unberechtigte Vorbehalte der Mehrheitsbevölkerung!:-) bei der Mehrheitsgesellschaft auszuräumen. Die Alternative ist natürlich, dass man in altbekannter Manier in Betroffenheit und Beleidigtsein „macht“ – vielleicht einer der Gründe dafür, dass es zu solchen Wahlergebnissen kommt. Sender und Empfänger – die übliche Wechselwirkung eben.:-)

  6. Yasar sagt:

    Die von den Verharmlosern des Minarett-Bau-Verbost in der Schweiz vorgebrachten Scheinargumente sind immer wieder die gleichen in vorherigen Diskussionen immer wiederholten: es wird ja nicht gleich die Religion verboten, man sollte doch die Schweizer verstehen und lehren daraus ziehen, die Muslimes jammern ja wieder, usw.

    Zuerst sollten wir über die Fakten sprechen: die Schweizer haben über die öffentliche Ausübung eines Grundrechtes der Menschen – nämlich der Religionsfreiheit – abgestimmt und entschieden, dass es im Falle des Islam nicht ganz so eng zu nehmen ist. Eine paradoxe Situation, denn auch ein autochtoner Schweizer mit muslimischen Glauben darf keine Minarette in dem Land seiner Väter und Vorväter bauen!? Ein weiteres Fakt ist, dass das Votum nicht allein gegen die Minarette, sondern gegen alles was – korrekt oder inkorrekt – mit dem Islam in Verbindung gebracht wurde, war. Denn schon hört man doch die nächsten Initiativen in Planung: Verbot der Verschleierung, usw.
    Bezeichnend ist auch, dass die Minarette mit einem „radikalen Islam“ und „Islamismus“ in Verbindung gebracht wird. Hier kann ich nur meinen Kopf schütteln! Und: wer bitte bestimmt den was „radikal“ und „Islamismus“ ausmacht?

    Ich möchte den Befürwortern oder Verharmlosern eine Frage stellen: wo hat die Begrenzung der Freiheiten das Ende? Dürfen Muslime bald keinen Bart mehr tragen, keine Kopftücher mehr tragen, keine muslimisch-klingenden Namen mehr annehmen, am besten in der Öffentlichkeit ihre reiligiöse Zugehörigkeit gar nicht mehr bekunden, usw.? Vielleicht kommt diese Situation einigen bekannt vor? Richtig, im Rahmen der spanischen Inquisition wurde genau dieses Strickmuster angewandt; das Ergebnis ist, dass Spanien nach ca. 30 Jahren der Reconquista zu fast 100% von Muslimen und Juden „frei“ war.

    Ich sehe Europa an einem Wendepunkt: entweder für die Freiheit und die Toleranz oder Schritt für Schritt zurück in einen Totalitarismus; aus heutiger Sicht ist die letztere Option auf dem Vormarsch – leider, denn sie wird auch denen die die heutigen Vorgängen gutheissen kein Heil bringen.

    Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich für die Muslime auch eine immer grösse werdende Pflicht sehe, dass sie ihre Religion aktiv und positiv (also richtig) in der Mehrheitsgesellschaft präsentieren. Wir dürfen nicht durch eine Minderheit von vwahrscheinlich weniger als 1% repräsentiert werden. Der Islam ist und war immer ein Weg der Mitte und der Besonnenheit. Dies müssen wir stärker in den Vordergrund stellen.

  7. Loewe sagt:

    Viele (die meisten?) Minarett-Gegner befürchten eine „schleichende Islamisierung Europas“ …

    Mein Gott, wie sollen die Muslime in Europa das denn nur machen?

    Deuten Moscheen und ihre Erkennungszeichen auf eine Islamisierung hin? Wenn man 5% Muslime in der Gesellschaft hat, dann hat man eben auch die paar Moscheen für diese Minderheit, so wie man Synagogen hat für die Juden und evangelische Kirchen im katholischen München. Gibt’s da ein Problem?

    Ich wundere mich über die Energie, die Leidenschaft, mit der die Moschee- und Minarettgegner auftreten. Ich empfinde sie als grotesk, paranoisch, krank. Der nüchterne Blick auf die Realität zeigt uns doch, dass die Muslime, die unter uns leben, kein ernsthaftes Problem sind. Ein Problem sind gewisse Unterschicht-Gruppen, unter denen es dann auch Muslime aus der Türkei und arabischen Ländern gibt. Aber dabei handelt es sich hauptsächlich um ein soziales und sozialkulturelles, kein primär religiöses Problem; wir können und müssen da sozial- und bildungspolitisch zupacken und die Integration vorantreiben.

    Die Energie der Islamophoben und der Islamfeinde – woher kommt sie? – Dass hier der Islam und das Minarett im Speziellen ein Vorwand sind, ist offensichtlich. Kann es daran liegen, dass sich immer mehr Menschen überfordert fühlen von den immer rascher kommenden Veränderungen in unserer Lebenswelt? Der Stress und die Angst nehmen zu: durch Globalisierung, ständig neue Technologien, härtere Arbeitsbedingungen und Konkurrenz, weniger soziale Absicherung. Ruhe und Sicherheit gehen verloren, die eigene Heimat wird fremd.

    Der Modernisierungsstress wird zu groß – und das leidende Volk sucht sich einen Blitzableiter. Einen Sündenbock. Jemand, der schwach genug ist, dass man auf ihn furchtlos einschlagen kann. Da kommen uns die praktisch ebenso harmlosen wie wehrlosen Muslime gerade recht. (Ja, harmlos. Was haben unsere Muslime mit AlQaida zu tun? Ein paar Extremisten und Kriminelle gibt es immer, auch unter uns. Die repräsentieren so wenig den islam wie das Christentum.) Mit den Muslimen grenzt man magischerweise und gewaltsam alles das aus, was einem in der eigenen Lebenswelt fremd und gefährlich geworden ist. Magie funktioniert natürlich nicht … aber Gewalt möglicherweise schon irgendwie. Am Ende sehen dann Praxis und Resultat ungefähr aus wie im 3. Reich.

    http://www.initiativgruppe.wordpress.com

  8. NDM sagt:

    Sehe ich ähnlich. Es war eine Bauchgefühlentscheidung gegen Moslems und den Islam, und keine sachliche. Das soll nichts verharmlosen, im Gegenteil. Hier zeigen sich eklatante Schwächen der Schweizer Demokratie. Die Schweiz selbst hat meines Wissens nach auch keinerlei Handhabe, solche verfassungswidrigen Gesetze(und dieses ist eines) eigenständig zu anulieren. Leider.

    Es ist hier unerheblich, ob der Muezzin, ein Minarett, eine repräsentative Moschee, ein Davidstern, ein Kreuz, das Recht zum Kirchenglöcken oder sonst etwas religiös anmutendes verboten wird. Fakt ist, dass explizit einseitig zu Lasten einer einzigen Religion ein Gesetz in die Verfassung geschrieben wird, und dies ist weder mit den allgemeinen Menschenrechten, noch mit demokratischen oder freiheitlichen Standards vereinbar.

    Ehrlich gesagt schäme ich mich angesichts dieser Abstimmung. Denn es wird nun argumentativ deutlich schwieriger werden, ein Wort für die bestehenden christlichen Gemeinden im Ausland einzulegen, wenn sie eine neue, repräsentative Kirche inklusive Kirchturm und Glockengeläut bauen möchte. Jetzt kann nämlich die Argumentationslast, mittels der bisher der Muezzin überall verboten wurde, ohne weiteres umgekehrt werden.

  9. Boli sagt:

    @Yasar
    Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich für die Muslime auch eine immer grösse werdende Pflicht sehe, dass sie ihre Religion aktiv und positiv (also richtig) in der Mehrheitsgesellschaft präsentieren. Wir dürfen nicht durch eine Minderheit von vwahrscheinlich weniger als 1% repräsentiert werden. Der Islam ist und war immer ein Weg der Mitte und der Besonnenheit. Dies müssen wir stärker in den Vordergrund stellen.

    Na endlich mal jemand, der die Sache vernünftig und vor allem klar erfasst. Positive Demonstrationen sind genau das was den Muslimen absolut fehlt. Man sieht leider viel zu oft diese Hassdemos ob in Europa oder im Nahen Osten. Und das darf man nicht unterschätzen prägt gewaltig das Bild dieser Religion.

    Und wie Sie schon sagen positiv.
    Nur trotzdem habe ich aus meiner Sicht wichtige Fragen wie das bewerkstelligt werden soll, da ja:
    – wie mir vor kurzem hier gesagt wurde es keine geistlichen Oberhäupter gibt im Islam die wirklich verbindlich bestimmen können was richtig und falsch ist.
    – es im Koran und den Hadithen nachweislich antijüdische und antichristliche Suren und Anweisungen gibt. Ich meine wie soll man damit umgehen da ja am Koran NICHTS verändert werden darf. Denn die radikalen Muslime beziehen sich ja nicht auf herbeigezauberte Suren, sie konzentrieren sich halt quasi NUR noch auf diese ich sage mal Kriegssuren und machen sie herausgerissen aus dem historischen Zusammenhang zu einer Sache der Gegenwart und führen den damaligen religiösen Dschihad somit weiter fort. Wie soll man also damit umgehen wenn man quasi nichts umschreiben und somit entschärfen kann?
    Wer hat also die Kompetenz und die wirkliche Berechtigung die Dinge verbindlich in einem positiven Licht zu interpretieren?? Diese Fragen haben bis heute praktisch noch keine Muslime wirklich beantwortet und SOMIT die jetzige Situation mit verschuldet.
    Und was soll man halt von diesen Sprüchen von wegen „unsere Minarette sind unsere Bajonette und unsere Gläubigen unsere Soldaten halten?? Wenn der Islam wirklich friedlich ist wird er definitiv seit langer, langer Zeit komplett Vergewaltigt. Und DAS muß im Interesse der friedlichen Muslime aufhören!!!!

  10. Boli sagt:

    http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/guest_contributors/article6938161.ece

    Dieser Artikel ist hochinteressant und widerlegt die überzogenen Beleidigungsbekundungen aus dem Nahen Osten und der Türkei. Über diese Worte sollten Muslime auch mal ruhig meditieren.
    Eine sehr interessante Feststellung dieses muslimischen Geistlichen ist auch diese das die heiligsten Stätten des Islam seit über hundert Jahren oder noch länger in der Hand der fundamentalistischen radikalen Wahabiten ist. Auch dies ist kein positives Merkmal. Und glaubt es oder nicht. Es gibt tatsächlich eine Autobahn die nach Mekka hineinführt wo es Fahrspuren gibt „nur für Moslems“ und Fahrspuren für „Nichtmuslime“. Auch dies weckt in mir die abneigende Haltung und Feststellung eine Apartheidgesellschaft vor sich zu haben.
    Lieber Herr Yasar. Was Sie sich vorgenommen haben, ist eine große Aufgabe aber es wird bestimmt nicht schnell geschehen, das sich die Dinge ins Positive wenden. Schon zu viel Porzellan wurde zerschlagen.


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