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Portrait

Tijen Onaran – Ausländer, Inländer

Karlsruhe. Ein Fußballspiel des türkischen Kulturvereins gegen die Mannschaft der KSC Allstars in Karlsruhe für einen guten Zweck. Sport verbindet Kulturen und Menschen, die sonst aneinander vorbeigehen. Organisiert hat es Tijen Onarans Vater.

Von Freitag, 04.12.2009, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 28.05.2012, 20:52 Uhr Lesedauer: 7 Minuten  |   Drucken

Der Architekt lebt nun seit über 40 Jahren in Deutschland und hat eine Mustereinbürgerung hinter sich. Seine Tochter Tijen ist 24 Jahre alt (geb. 25.3.1985) und studiert Politikwissenschaften, Geschichte und Öffentliches Recht an der Universität Heidelberg. Langes braunes Haar, leicht gebräunte Haut, dunkle große Augen. Das Vorbild der Studentin mit den großen Ohrringen ist ihre Mutter, ihr größter Erfolg: 8,7 Prozent der Landtagswahlstimmen in Baden-Württemberg 2006 im Alter von 20 Jahren. Das war sogar mehr als ihr Vorgänger, doch gereicht hat es für den Einzug im Landtag noch nicht.

„Frustriert hat mich das nicht, man kann es nur frustriert gestalten“, sagt Tijen, die auch von Ex-Bundesaußenminister Klaus Kinkel beim Wahlkämpfen unterstützt wurde. Die Medien mögen sie, die Zeitschriften Capital und Politik + Kommunikation haben sie im Ranking unter die Top 50 der Nachwuchspolitiker in Deutschland gekürt. Doch was ist das wichtigste Ziel dieser jungen Frau? Sie will sich einsetzen für mehr Vielfalt, Chancengleichheit und persönliches Verantwortungsbewusstsein, was für sie nur durch mehr Liberalismus zu erreichen sei. Von jedem anderen Politiker würde dieses Credo wie Plattitüden klingen – nicht aber von ihr. Das Strahlen in ihren dunklen Augen, die lebendigen Gestik ihrer Hände und das Wackeln ihrer Ohrringe verrät, dass sie mehr will, als nur Polit-Talk auf dem Sofa zu machen.

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Tijen Onaran, Jahrgang 1985, Abitur am St. Dominikus-Gymnasium in Karlsruhe, Studentin der Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg. Ihr Wahlkreis: Karlsruhe II, Ergebnis 8,7%, Landeslistenplatz

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Es mag verwundern: Ihr Aussehen ist türkisch, irgendwo im Orient anzusiedeln. Auch ihre warme, temperametvolle dialektale Färbung in der Stimme lässt darauf schließen. Und die Partei? Na, wenn schon Politik dann doch wohl eher bei den Grünen oder der Linken? Traditionsgemäß finden sich bei den Grünen die meisten Zuwanderer – wegen dem Schutz von Minderheiten. Doch weitgefehlt: An ihren fünf Fingern hat sie sich in der Oberstufe abgezählt, wo sie hingehen will. Die großen Volksparteien CDU und SPD fielen ebenso aus dem Raster – blieb nur noch die FDP übrig, deren liberale Ausrichtung ihr sofort gefallen habe: „Der Freiheitsgedanke überzeugt mich, der Ansatz, dass jeder für sich verantwortlich ist“, sagt die Jung-Liberalin.

Ihre erste politische Erfahrung hat Tijen bei den Jungen Liberalen gemacht. Doch auf Bundesebene ist Tijen nicht die einzige mit muslimischen Hintergrund. Mehmet Daimagüler hatte es sogar schon bis in den Bundesvorstand der FDP gebracht. Er gründete 1993 auch die „Liberale Türkisch-Deutsche Vereinigung“ (LTD), der heute über 500 Mitglieder angehören, rund 50 Prozent davon haben ein liberales Parteibuch in der Tasche. In der Parteispitze wird dieser Verein wahrgenommen, denn der Draht zu Guido Westerwelle ist kurz genug.

Doch warum engagieren sich Muslime in der deutschen Politik? In Deutschland leben mehr als zwei Millionen Menschen, die ursprünglich aus der Türkei kommen. Über 600.000 haben einen deutschen Pass, zwei Drittel von ihnen dürfen wählen. Trotzdem sind Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundespolitik noch eine Ausnahme, wenn auch die Parteien mittlerweile für Zuwanderer als Neumitglieder werben. Für Türken wie Bülent Aslan ist die CDU die ideale Partei, wegen dem konservativen Ansatz. Wie er kommen über 2.000 Christdemokraten aus türkischem Hause. Die Mehrheit tummelt sich aber weiterhin bei der SPD und den Grünen, denn die CDU macht sich keine Freunde bei Zuwanderern mit Themen wie der EU-Beitritt der Türkei oder Einbürgerungstest.

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