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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Niedersachsen

Islamischer Religionsunterricht auf Kosten des muttersprachlichen Unterrichts?

Die Grünen im niedersächsischen Landtag kritisieren, dass der geplante Schulversuch zum islamischen Religionsunterricht zu lasten des muttersprachlichen Unterrichts geht. Dies sei vorgegaukelte Integrationspolitik und verspiele wichtiges Kapital für die berufliche Zukunft junger MigrantInnen.

Die Landtagsgrünen haben kritisiert, dass der Schulversuch zum islamischen Religionsunterricht offensichtlich zu Lasten des herkunftssprachlichen Unterrichts geht. Aus Mangel an qualifizierten Lehrkräften im Bereich des islamischen Religionsunterrichts würden immer mehr Lehrer aus dem herkunftssprachlichen Bereich zum Unterrichten des Islam herangezogen, sagte die migrationspolitische Sprecherin Filiz Polat am Donnerstag in Hannover. „Diese beiden Fächer dürfen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden. Den Schulen muss die Möglichkeit gegeben werden, beide Fächer uneingeschränkt anzubieten.“

Die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin hat ergeben, dass seit Beginn des Schulversuchs die Lehrerstunden im herkunftssprachlichen Bereich kontinuierlich auf annähernd 50 Prozent reduziert worden sind. Für viele Schulen bedeutet diese Entwicklung das Ende des herkunftssprachlichen Unterrichts.

Polat: „Auf diese Weise wird nicht integriert, sondern nur Integration vorgegaukelt. Durch die Umverteilung der Stundenkontingente wird ein völlig falsches integrationspolitisches Signal gegeben. Das herkunftssprachliche Potenzial der SchülerInnen muss erkannt und gefördert werden, denn es kann später wichtiges Kapital für die berufliche Zukunft junger MigrantInnen darstellen.“

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39 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    „Das herkunftssprachliche Potenzial der SchülerInnen“ , die in Deutschland geboren wurden,hier leben, zur Schule gehen , und einen Beruf ausüben wollen, ist die Deutsche Sprache.

  2. Krause sagt:

    Also ich bin ja gegen diesen muttersprachlichen Unterricht, letztentlich geht es – wie üblich wenn von „Migranten“ und deren Sonderwünschen die Rede ist – ja nur um Türkisch-Unterricht: (1) Die Zeit soll eher für (nachholenden) Deutsch-Unterricht verwandt werden (2) Türken werden gegenüber anderen Minderheiten bevorzugt, schließlich kann Deutschland nicht muttersprachlichen Unterricht für alle Migranten aus mehr als 100 Ländern anbieten. (3) Jede Minderheit sollte selbst dafür verantwortlich sein, ihre Muttersprache zu erhalten. Andere Minderheiten kriegen das hin. Ist eine gute Gelegenheit um mal bürgerliches Engagagement einzuüben. (4) Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Türkei und Deutschland sind nicht so umfangreich, dass Deutschland so viele perfekt Türkisch sprechende Bürger benötigt.

  3. Markus Hill sagt:

    „Jede Minderheit sollte selbst dafür verantwortlich sein, ihre Muttersprache zu erhalten.“
    Wie machen das eigentlich die anderen Migrantengruppen? Haben die Serben („Jugoslawen“) nicht auch solchen Unterricht? (zumindest hat es das wohl früher gegeben, hatte mir ein serbischer Bekannter gesagt, hatte aber keine Info über die Finanzierungsform).

  4. D. E. sagt:

    Wieso fühlt sich diese Grüne-Dame für die DITIB zuständig? Die DITIB-Leute sollen sich doch bei ihren Attaché für Religionsangelegenheit beim zuständigen türkischen Konsulat oder bei der türkischen Botschaft beschweren.

  5. Krause sagt:

    Ich glaube früher gab es muttersprachlichen Unterricht für die großen Gastarbeitergruppen (italiener, Türken, Spanier) und wurde vom Staat bezahlt. Die Idee war, dass den Familien ermöglicht werden sollte, wieder ohne Probleme in ihre Heimatländer zurückzukehren. Da wir ja nun Einwanderungsland sind und die meisten Leute hier bleiben, hat dieses Konzept keinen Sinn mehr. Ich glaube die meisten Deutschen sind auch nicht bereit, die Pflege des kulturellen Erbes der Einwanderer zu finanzieren. Ich kenne mich nur in der bulgarischen Community aus. In unserer Stadt organisiert diese den Bulgarisch-Unterricht in Eigeninitiative und auf eigene Kosten.

  6. berlino sagt:

    „Für viele Schulen bedeutet diese Entwicklung das Ende des herkunftssprachlichen Unterrichts.“

    Ja, und? Bis in die wievielte Generation soll es denn „herkunftsspachlichen“ Unterricht geben? Bis in die dritte? Die fünfte? Die zehnte? Bis in alle Ewigkeit?

  7. Markus Hill sagt:

    Wenn das so ist, verstehe ich hier manchmal nicht die Wellen, die bei der Diskussion hochschlagen. Man will sein kulturelles Erbe pflegen, die Wurzeln etc. – wo liegt da das Problem, wenn da ein paar Eltern zusammenlegen und sich solche Lernkreise organisieren????
    Das verbietet hier niemand. Deshalb verstehe ich oft die verkrampft erscheinenden Diskussionen über Assimilation nicht. Man hat dann dann halt türkische Wurzeln, spreche vielleicht zuhause oder mit anderen türkisch, kann Lerngruppen organisieren. Kulturveranstaltungen durchführen, so wie andere. Beispiel: Im Oktober wurde ich aufgrund von Freundschaften zu Indern etc. zum Lichterfest in Bad Homburg eingeladen. Die sind sehr offen, haben gerne Deutsche und viele andere Nationaliäten unter sich. Angenehm, sympathisch. So könnte es doch mit allen Migrantengruppen ein gutes Zusammenleben geben.

  8. Johanna sagt:

    Japaner gehen samstags auf eigene Kosten in die japanische Schule;)

  9. Krause sagt:

    „Wenn das so ist, verstehe ich hier manchmal nicht die Wellen, die bei der Diskussion hochschlagen. Man will sein kulturelles Erbe pflegen, die Wurzeln etc. – wo liegt da das Problem, wenn da ein paar Eltern zusammenlegen und sich solche Lernkreise organisieren????“

    Das Problem ist, dass von türkischer Seite (siehe Özdemir in der Bild) verlangt wird, dass dies staatlicherseits organisiert wird. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, dass der deutsche Staat die Desintegration auch noch fördert.

  10. Markus Hill sagt:

    Ich hatte es vor langer Zeit einmal vermutet. Stimme Ihnen da zu, dass sollte einmal in ein normales Fahrwasser kommen. Das erscheint mir fast, wie ein direkter Griff in die Brieftasche von normalen Steuerzahlern. Konventionelles Vertretern von Sonderinteressen, dass hat nichts mit Integration zu tun.


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