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Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Studie

Stand der Integration in Deutschland

Aus einer Umfrage des dimap-Instituts „Stand der Integration in Deutschland“, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurde, geht hervor, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Deutschen gute Erfahrungen mit Migranten gemacht hat. 78 Prozent der Befragten berichten von „eher guten Erfahrungen“ mit Migranten im Alltag; nur 9 Prozent beklagen „eher schlechte“ Erlebnisse.

Aus der Umfrage, die dem Magazin “Focus” exklusiv vorliegt und noch nicht veröffentlicht wurde, gehe außerdem hervor, dass die Mehrheit der Deutschen der Ansicht seien, dass Integration nicht Assimilation bedeutet. Des weiteren scheint sich die Auffassung durchgesetzt zu haben, dass es kein Widerspruch sei, sowohl Teil dieser Gesellschaft zu sein, als auch die kulturellen Wurzeln beizubehalten wie Muttersprache, Religion und Kultur.

76 Prozent der 1002 Befragten hätten zu dem erklärt, dass Zuwanderer ihre Lebensweise aus ihrer Heimat behalten können, „solange sie unsere Art zu leben respektieren und sich an Recht und Gesetz halten.“ Die Forderung, Zuwanderer müssten ihre „Eigenheiten aufgeben und sich den Deutschen anpassen“, hielten nur 17 Prozent der Umfrage-Teilnehmer für richtig. Rund 90 Prozent würden vielmehr die Auffassung vertreten, für eine gute Integration von Zuwanderern sei Toleranz „sehr wichtig“.

Chancengleichheit Grundvoraussetzung für Integration
Den Zugang zu Bildung und Chancengleichheit würden die meisten als Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration halten; ebenso würden 82 Prozent Hilfsleistungen für Zuwanderer in Schule und Ausbildung für „besonders wichtig“ halten. Zugleich aber beklagen viele ein zu dürftiges Bemühen bei den Betroffenen selbst: Dass Kinder aus Zuwandererfamilien in der Ausbildung häufiger Probleme hätten, liege vor allem daran, dass die Jugendlichen sich selbst zu wenig anstrengten, meinten fast zwei von drei Befragten.

Angesichts der erfreulichen Ergebnisse sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, dem Magazin Focus: „Natürlich gibt es noch Schatten, aber eben viel mehr Licht.“ Die wichtigste Botschaft der Umfrage laute: „Die Fortschritte bei der Integration werden von den Menschen auch positiv wahrgenommen.“

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72 Kommentare
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  1. Ali As Men sagt:

    Das ist mal eine aus meiner Sicht erfreuliche Meldung. Die Zahlen geben mir wieder Hoffung. Da ist wohl der Eindruck den man hier bei Migazin in Bezug auf die massiv destruktiven Reaktionen, um jegliche Bemühungen von Türken, von den wenigen gleichen Personen doch nicht Representativ sind. Das macht angesichts der Beiträge hier doch Mut nicht auf diese Kommentare zu hören und besser nicht weiter zu Kommentieren.

    Zusammenwachsen geht eben doch besser mit Taten als mit Totreden. Ich werde mich wieder daran halten. Das werde ich auch weiterhin so handhaben.

  2. Selçuk sagt:

    Es ist in der Tat eine erfreuliche Meldung, doch mich würde mal interessieren, in welchen Regionen Deutschlands diese Befragungen gemacht wurden. Außerdem ist die Zahl der Befragten, also 1002, nicht wirklich hoch oder? Oder ist die Zahl für eine solche Studie gewöhnlich?

    „Aus der Umfrage, die dem Magazin “Focus” exklusiv vorliegt und noch nicht veröffentlicht wurde, gehe außerdem hervor, dass die Mehrheit der Deutschen der Ansicht seien, dass Integration nicht Assimilation bedeutet. Des weiteren scheint sich die Auffassung durchgesetzt zu haben, dass es kein Widerspruch sei, sowohl Teil dieser Gesellschaft zu sein, als auch die kulturellen Wurzeln beizubehalten wie Muttersprache, Religion und Kultur.

    76 Prozent der 1002 Befragten hätten zu dem erklärt, dass Zuwanderer ihre Lebensweise aus ihrer Heimat behalten können, „solange sie unsere Art zu leben respektieren und sich an Recht und Gesetz halten.““

    Es freut mich, dass die Mehrzahl so denkt. Ich hoffe, dass dies nicht nur für diese 1002 Personen, sondern für die Gesamtbevölkerung gilt. Ich befürchte nur, dass es nicht der Fall ist. :-/

  3. municipal sagt:

    @ Ali As Men

    Sie haben das was Sie als „massiv destruktive Reaktionen“ völlig falsch verstanden. Es geht NICHT um die, die sich wirklich BEMÜHEN, es geht um die, die sich der Integration beständig (teilweise von Generation zu Generation) verweigern.

    Und was diese VERWEIGERUNG betrifft (auch im Zusammenhang mit dem ISLAM), hier in kurzen Auszügen aus einem Artikel der FAZ zur Islamkonferenz:

    Zitate
    Die Ignoranz gegenüber der religiösen Dimension der Einwanderung unter Rot-Grün hatte den Integrationsprozess ebenso blockiert wie die Behauptung aus der Ära Kohl, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Beides hat Parallelgesellschaften zur Normalität werden lassen. Es gibt heute in vielen Großstädten Viertel, in denen Kinder schlechtere Chancen haben als anderswo, in denen Frauen von ihren Vätern, Brüdern, Schwiegermüttern und Ehemännern Grundfreiheiten vorenthalten werden. Um solche Viertel machen die bildungsorientierten Eltern jeder Herkunft mit ihren Kindern einen weiten Bogen. Einwanderer bereichern eben nicht nur Straßenfeste mit Falafel und Folklore, wie man zu Multikulti-Zeiten dachte.

    Alle Vorurteile scheinen bestätigt

    Die Integrationsdefizite der türkischen und türkischstämmigen Bevölkerung sind die größten, wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zu Jahresbeginn in einer Studie gezeigt hat. Wenige von ihnen streben höhere Bildungsabschlüsse an, die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, wenige besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, selten werden bikulturelle Ehen geschlossen. Auch nach dem Bericht der Integrationsbeauftragten Böhmer (CDU) heben sich Migranten negativ von der Mehrheitsgesellschaft ab: Sie verlassen doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss, sind doppelt so häufig ohne Arbeit, beziehen doppelt so häufig Sozialhilfe und verüben doppelt so häufig Straftaten. Sind also alle Vorurteile bestätigt? Die Zahlen machen vor allem deutlich, dass es der zweiten Generation nicht gelingt, die Bildungsmängel der Gastarbeitergeneration auszugleichen.

    Bei türkischen Jungen liegt die Schwierigkeit oft darin, dass sie Frauen als Lehrer nicht akzeptieren. Die nachhängende patriarchale Kultur ihrer Familien steht ihrem Erfolg im Weg. Der von türkischen Zeitungen in Deutschland erhobene Vorwurf, der Grund für schlechtere Schulnoten sei die Ausländerfeindlichkeit der Lehrer, ist billig.

    Er wurde ihr Fürsprecher für islamischen Religionsunterricht, theologische Fakultäten und schulfreie Tage an religiösen Festen. Im Gegenzug konnte er verlangen, dass Mädchen unter 14 Jahren kein Kopftuch tragen sowie an Klassenfahrten teilnehmen, dass muslimische Organisationen ihre Finanzen offenlegen, dass Muslime die hiesige Rechts- und Werteordnung akzeptieren und andere religiöse Überzeugungen tolerieren.

    So unverbindlich die Abschlussempfehlungen der Islamkonferenz sein mögen – die Verständigung auf sie war ein großer Schritt. Integration ist ein Unterfangen, das die Einwanderer verändert und von der Aufnahmegesellschaft bewusstes Handeln verlangt.
    Zitate Ende

    Kompl. Artikel hier
    http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EC0E6A884FD6245DF8BF2AE1737858AEF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Das (negativ) Bedenkenswerte aber spiegelt sich darin wiedert, das „so unverbindlich die Abschlussempfehlungen der Islamkonferenz sein mögen“…..

    Zum weiterem Stdudium empfehle ich Ihnen die kompl. Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“, besonders die Seiten

    164,193,189,193,202,203,284,287,303,304,331,334,336,341,343,348

    Auch als Nachtrag für Herrn Senol gedacht.

  4. Tobias H. sagt:

    Erfreulich.. Nur möchte ich wissen wie man das Wort Migrant definiert?. Ich bin auch ein Migrant, da ein Elternteil von mir aus Skandinavien kommt ..Mit Migranten sind wohl auch Menschen aus China, Japan, Südkorea, Brasilien, Polen, Spanien oder Australien gemeint..
    Wenn man aber nur Einwanderer aus dem islamischen Kulturkreis damit meinen würde, wäre das Ergebnis etwas anders ausgefallen.. Da bin ich mir sicher..

  5. elimu sagt:

    Zitat: “ Wenn man aber nur Einwanderer aus dem islamischen Kulturkreis damit meinen würde, wäre das Ergebnis etwas anders ausgefallen.. Da bin ich mir sicher.. “

    Der Meinung bin ich leider auch… Die Skepsis, die in den hervorgegangenen Kommentaren beschrieben wird, kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Meinungsumfrage; Focus; Migranten; 1002 Befragte….= gute Ergebnisse?

    @ municipal

    Na ja… also Sie befassen sich ja ganz speziell mit Türken und dem Islam. Ich verstehe ehrlich gesagt Ihre ganze Aufregung nicht. Genau wie Sie vorhin sagten „Es geht NICHT um die, die sich wirklich BEMÜHEN, es geht um die, die sich der Integration beständig (teilweise von Generation zu Generation) verweigern. “

    Genau solche finden Sie HIER aber NICHT. Ihre Anspielungen werden von den meisten hier als persönlicher Angriff empfunden. Dann heißt es wieder “ ach ja Ihr Türken vertragt ja keine Kritik und dieses ewige gejammere… “ usw. usw. usw. Wissen Sie, irgendwann ist man satt und jaaa wenn sogar solche Umfragen zum Teil mal positiv ausgefallen sind, kann man sich in diesem Land auf gar nichts mehr freuen. (Und jetzt kommt natürlich der Satz: “ dann sucht euch ein anderes Land“) Kennen wir doch schon zu Genüge….

    Es macht schon kein Spaß mehr irgendwelche Meinungen auszutauschen, denn vieles wird ( absichtlich oder nicht) falsch verstanden. Jeder besteht auf seine Sicht und die Einsicht bei manchen fehlt einfach.

    Das mal als Kritik „@ all „

  6. municipal sagt:

    @ Tobias H.

    Sie haben in sofern Recht, das wenn man eine Studio nicht nach den verschiedenen Migrantengruppen auffächert, ein verfälschtes Ergebnis bekommt.
    Lesen Sie die von mir hier eingestellt Studie „Muslimische Leben in Deutschland“, und Sie werden die „Knackpunkte“ erkennen.

  7. T.U sagt:

    Also zum X`ten Mal. Versucht erstmal die Wenigen die sich integriert und gute Abschlüsse haben einzubinden. Verhindert die Diskriminierungen in bestimmten Bereichen wie z.B am Arbeitsmarkt damit keine türkischstämmige Akademiker dieses Land verlassen. Befreit euch von euren Vorurteilen. Glaubt mir Integration wird dann von selbst gelingen…

  8. NDM sagt:

    Das dimap-Institut macht in der Regel repräsentative Umfragen. Was das in etwa bedeutet, kann man hier nachlesen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Repräsentative_Umfrage

    An der Grafik kannst du ablesen, dass bei etwa 1.000 teilnehmern die Fehlerquote bei etwa +-3% liegt – was bei den hier dargestellten Ergebnissen kaum ins Gewicht fällt.

  9. NDM sagt:

    „Nur möchte ich wissen wie man das Wort Migrant definiert?“

    Ich würde mal sagen, es im allgemeinen so, dass beim Thema „Migration“ der erste Begriff, der vielen durch den Kopf schießt, der Begriff „Türken“ oder „Moslems“ ist – entsprechend dürften die Antworten meiner Meinung nach ausgefallen sein. Und wenn es um das Thema Integration geht, waren beim Integrationsgipfel meines Wissens nach nie Buddhisten oder Hindus anwesend, da es diesbezüglich keine, oder zumindestens wenige in der Presse wahrnehmbaren kulturellen Missverständnisse gibt.

  10. municipal sagt:

    @ elimu

    Entschuldigung, aber gerade SIE (und die anderen „hier Aangekommenen“) müßen sich schon den Vorwurf gefallen lassen, faktisch NICHTS dazu beizutragen, das sich die angesprochene Gruppe verändert, wäre es doch wohl auch IHRE AUFGABE. Sie sagen natürlich, ICH bin doch gut integriert, und ICH möchte mich solchen Leuten nicht „in einen Topf geworfen werden“.

    Aber es sind IHRE Leute. Oft wird deren Verhalten von Ihnen auch noch verteidigt oder negiert.

    „Ihre Anspielungen werden von den meisten hier als persönlicher Angriff empfunden,“ genau das ist es, man ist wieder mal in seiner Ehre gekränkt.

    ” dann sucht euch ein anderes Land” ?

    Nein. Warum ? SIE sind doch /anscheinend) gut integriert.


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