MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wir haben in dieser Woche gerade einige Gesetze verabschiedet – zum Beispiel gegen die Scheinehe. Und wir wollen damit deutlich machen, dass wir solche Zwangsverheiratungen zum Beispiel nicht billigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Video-Podcast der Bundeskanzlerin #35/10 vom 30.10.2010

Türkische Presse Europa

02.07.2009 – Anerkennungsverfahren, Islamunterricht, Jugendamt

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten heute über die Anerkennung ausländischer Qualifikationen, über das geplante Islamunterricht in Nordrhein-Westfalen, über ein Skandal im Jugendamt oder wie Angela Merkels sich ihr Döner selbst zubereitet hat.

„Anerkennung der Qualifikationen wurde auf die Zeit nach den Wahlen verschoben“,
Unter diesem Titel berichtet die SABAH über die Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Am Rande einer OECD Konferenz in Paris zur Situation von Zuwanderern auf dem Arbeitsmarkt habe sich Maria Böhmer für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen stark gemacht. Die Problematik müsse schnellstmöglich zu Beginn der nächsten Wahlperiode angegangen werden.

Die HÜRRIYET hingegen verkündet die jüngsten Meldungen diesbezüglich unter dem Titel: „Gute Nachrichten für Türken, die aus der Türkei kommen“. HÜRRIYET fokussiert sich vielmehr auf die Äußerungen des Bundesarbeitsministers Olaf Scholz (SPD), der sich entschlossen gezeigt habe. Laut ATIAD-Vorsitzenden Prof. Recep Keskin könne davon ausgegangen werden, dass Deutschland die Problematik innerhalb der nächsten sechs Monate löst.

Erste Schritte zum Islamunterricht
HÜRRIYET: NRW wird als erstes Bundesland ab nächstem Jahr einen islamischen Religionsunterricht als reguläres Schulfach einführen. Der Islamunterricht wird in deutscher Sprache stattfinden und von Lehrern unter deutscher Schulaufsicht angeboten. Integrationsminister Armin Laschet will dadurch die als Schulversuch eingeführte Islamkunde im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts ablösen. Dafür sei aber noch ein Kompromiss mit den islamischen Organisationen nötig. Deswegen wird mit den islamischen Verbänden in den nächsten Tagen ein Meinungsaustausch stattfinden. (SABAH & HÜRRIYET)

Kölns Oberbürgermeisterkandidat zu Besuch bei der DITIB
Kölns Oberbürgermeisterkandidat Jürgen Roters (SPD) hat einer Meldung in der SABAH zufolge die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) besucht und versichert, dass man ein sehr gutes Dialog führen werde.

Integration kann man nicht in der Waagschale messen
Der türkische Generalkonsul in Nürnberg, Selim Kartal, habe SABAH gegenüber gesagt, dass Integration nicht mit einer Waagschale gemessen werden könne. Damit habe er auf die Integrationsstudien angespielt und hinzugefügt, dass die Indikatoren zur Messung der Integration streitig seien, ob sie auf soliden Daten beruhen. Das wichtigste Kriterium für die Integration sei seiner Ansicht nach die Zahl der türkischstämmigen in den Justizvollzugsanstalten. Außerdem, so laut Kartal, würden Türken in keinem Land der Erde Probleme bereiten

Ermittlungsverfahren gegen die Türkische Gemeinde in Berlin
Einer Meldung in der HÜRRIYET zufolge habe die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen u.a. wegen Veruntreuung gegen die Türkische Gemeinde in Berlin (TGB) eingeleitet. Der frühere Vorsitzende Taciddin Yatkin, bestreite die Vorwürfe. Es gehe um eine Summe in Höhe von 117.500 Euro.

Merkel am Dönerstand
HÜRRIYET berichtet über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Döner geschnitten und erneut unter Beweis gestellt habe, wie sehr sie Döner liebt. Auf einer Veranstaltung habe sie das Messer genommen und sich ihr Döner selbst geschnitten. HÜRRIYET mach zudem darauf aufmerksam, dass Merkel ihr Döner ohne Soße esse.

Skandal im Jugendamt
Skandale nehmen laut ZAMAN im Jugendamt kein Ende. Nun seien Drohungen und unerlaubte Abtreibung bekannt geworden. Der Familie Özcan sei die 16jährige Tochter entzogen worden. Die ältere Schwester der 16jährigen (Jura Studentin) habe Klage erhoben, um sie wieder zurückzuholen. Nun werde sie vom Jugendamt damit bedroht. Eine Mitarbeiterin im Jugendamt habe ihr gegenüber gesagt, dass sie deren weitere Bildung verhindern werde, wenn sie die Klage nicht zurückziehen. Das Jugendamt hingegen äußere sich nicht zu den Vorwürfen und verhindere den Kontakt mit der Familie. Vor Gericht habe das Jugendamt sich widersprechende Argumente vorgetragen und unter anderem, dass die 16jährige „verzogen“ erzogen worden sei. Anfangs habe das Jugendamt noch behauptet, dass die 16jährige in Todesangst lebe wegen der strengen Erziehung.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

7 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Skandale im JUGENDAMT können nicht abreissen, denn diese sehr gut vertuschte lokalPOLITISCHE Institution ist selbst der eigentliche Skandal; sie verfolgt ganz bestimmte Ziele, die dem Ausland bis Ddato völlig im verborgenen geblieben sind.

    Die türkische Regierung sollte genau so wenig wie die polnische, die italienische oder weitere Regierungen, mit der deutschen Regierung über „deutsche“ Menschenrechte verhandeln, die von den deutschen Juristen (sind auch meist Politiker) moralisch gut, weil deutsch-legal erklärt werden.

    Diese Regierungen zusammen sollten aus Berlin eine Erklärung darüber fordern, wie eine ‚unabhängige‘ Familienjustiz ohne die Zustimmung einer lokalpolitischen Insitution (Jugendamt) freie und faire Entscheidungen treffen kann.

    Das was das EuropaParlament im Bezug auf das JUGENDAMT sagit :
    http://www.jugendamt-wesel.com/PETITION/Europa_Parlament_Kinderklau_Arbeitsunterlage_22-12-2008_DE_orig.PDF
    Frau Alessandra Mussolini erklärt live bem TV Sender Mediaset 5 (Italien) was das JUGENDAMT ist :
    http://www.youtube.com/watch?v=5DEwWfK0-NE&feature=channel
    Frau Dr Colombo erklärt die Methoden des deutschen Jugendamtes an der Präsidentin des Familiengerichts in Rom, live übertragung RAI1
    http://www.youtube.com/watch?v=DuurM4P3Vbk&feature=channel

    mit freundlichen Grüssen
    Olivier Karrer
    CEED Paris

  2. Krause sagt:

    „Das wichtigste Kriterium für die Integration sei seiner Ansicht nach die Zahl der türkischstämmigen in den Justizvollzugsanstalten. Außerdem, so laut Kartal, würden Türken in keinem Land der Erde Probleme bereiten“

    Na, dann soll Herr Kartal mal einen Blick nach Holland oder Österreich werfen. Erstaunlich, dass sich diese Wirklichkeitsverweigerung nicht nur bei einfachen Migranten, sondern selbst bei Beamten wiederfindet. Und an der Zahl der türkischen Strafgefangenen kann Herr Kartal ja ablesen, dass es mit der Integratio nicht so dolle ist.

  3. Ekrem Senol sagt:

    Sie haben es missverstanden – mag auch an der Übersetzung liegen oder dem zweiten Satz, dass sich nicht auf die Zahl der Gefängnisinsassen bezieht. Kartal nimmt keine Bewertung vor (zu hoch, zu niedrig). Er sagt lediglich, dass das für ihn der wichtigste Integrationsfaktor ist.

  4. ibo sagt:

    super Kommentar, vielen Dank für die Informationen.

    Ich bin einfach nur geschockt, dass ist mehr als ein Skandal, komisch das dies nicht mal in den Mainstream-Medien in Deutschland vorkommt.

    Das ist totale Assimilation, anders kann man dies nicht ausdrücken.

    Mit welchem Recht darf ein Jugendamt solche „illegalen“ Methoden nutzen.
    Niemand darf einem Kind die freie Entfaltung seines selbst, in welcher Sprache auch immer verwehren und die Eltern so vom Kind ausgrenzen.

    Es wäre schön, wenn das Migazin-Team etwas zu diesem Thema schreiben würde.

  5. Boli sagt:

    Wie jetzt? Die Zahl der türkischstämmigen Inhaftierten oder türkischstämmigen Justizbeamten in den Justizvollzugsanstalten? Wenn das Zweite gemeint ist empfinde ich dies als absolut lächerlich, weil es NICHTS beeinflussen würde. Oder würden die Inhaftierten 2 Monate schneller entlassen?? So zu sagen als Solidarität unter Landsmännern.

  6. Hanlonsrazor sagt:

    „Außerdem, so laut Kartal, würden Türken in keinem Land der Erde Probleme bereiten“. Ist das jetzt Satire???



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...