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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Studie

Jeder dritte türkische Akademiker sieht seine Zukunft in der Türkei

Türkische Akademiker fühlen sich in Deutschland zu Hause, doch trotzdem will jeder dritte nach dem Studium lieber in der Türkei arbeiten, so eine neue Studie. Grund: Sie fühlen sich nicht richtig anerkannt.

Aus einer Untersuchung des Instituts futureorg, die von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung präsentiert wurde, geht hervor, dass 36 Prozent der jungen türkischstämmigen Akademiker ihre Zukunft in die Türkei sehen und nicht in Deutschland. 41 Prozent von ihnen geben als Grund ein fehlendes Heimatgefühl in Deutschland an. Diese Begründung geben insbesondere männliche Befragte an, deren Eltern die deutsche Sprache nicht beherrschen.

Bei den weiblichen Jungakademikern und Studierenden stehen berufliche Gründe im Vordergrund. Sie versprechen sich auf dem Arbeitsmarkt in der Türkei größere Chancen als in Deutschland.

Die Türkei bietet gute Aussichten in vielerlei Hinsicht: Aufgrund der Mehrsprachigkeit sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz größer. Auch dürften die mehr als 2000 Niederlassungen deutscher Firmen in der Türkei den Sprung angenehm überleiten. Schließlich – kein unwesentlicher Faktor, wie die Studie ebenfalls offen legt – können Türken das bedrückende Gefühl der Benachteiligung und die damit verbundene Unsicherheit ablegen.

Denn viele Akademiker mit türkischem Migrationshintergrund fühlen sich in Deutschland wegen ihrer Abstammung zurückgewiesen. Nicht ohne Grund: Das Zentrum für Türkeistudien hat identische Bewerbungen an Unternehmen geschickt – mit türkischem und mit deutschem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem Namen.

Einer Schätzung des Zentrums für Türkeistudien nach liegt die Arbeitslosenquote unter türkischstämmigen Akademikern hierzulande dreimal so hoch wie bei originär deutschen Akademikern.

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47 Kommentare
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  1. Der Akademiker sagt:

    Ich finde es Interesannt zu sehen, das ich nicht der einzige bin, der mit umzugsgedanken in die Türkei rumspielt. Ich habe gestern bei einem andern Internet Portal diese nachricht gelesen. Dort stand aber als Begründung, das die Eltern dieser Studenten nicht Integriert wären. Diese Behauptung finde ich eine Krasse unterstellung. Meine Eltern haben den Deutschenpass, beide können Deutsch und sind beide Selbständig. Zu dem beschäftigen Sie mehrheitlich Deutsche in Ihren Unternehmen. Wo sind die nicht Integriert ? Oder meint man lieber Assemiliert ? Will man das wir Türken auf den morgentlichen Tee mit Weiskäse verzichten ?

    Leider bin ich jetzt bei der Arbeit, werde aber den Link zu diesem Artikel am Abend noch nachreichen.

    An das Migazin team, macht weiter so. Wir türken in Deutschland brauchen eine Stimme in den Medien (auch wenn es „nur“ das Internet ist)

  2. Ekrem Senol sagt:

    Dort stand aber als Begründung, das die Eltern dieser Studenten nicht Integriert wären.

    Das stimmt. Die Meldung ging mit dieser Schlussfolgerung rum. Als „nicht integriert“ wurden dabei Eltern eingestuft, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Wir haben statt der – aus unserer Sicht oberflächlichen – Schlussfolgerung die tatsächliche Erhebung genannt.

    Diese Behauptung finde ich eine Krasse unterstellung.

    Stimmt ebenfalls. Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch, dass die „meisten“, nicht „alle“ so sind (Stichwort: insbesondere).

    Danke für die netten Worte!

  3. Umut sagt:

    Also, dass die Staatsbürger der Türkei bei der Bewrbungsphase diskriminiert werden, habe ich in meiner Bewerbungsphase selber kennengelernt, fast nur Absagen trotz Abitur und guten Noten. “ Ist halt ein Ausländer“ , “ „Er heisst Umut und nicht Ulf „.. nur als Beispiele !

  4. Ömer sagt:

    Obwohl ich immer der beste im Jahrgang war, drittbester im Handwerk NRW geworden bin, zu den Meisterschaften in Japan nominiert wurde, 99% meiner Klausuren mit 100% abgeschlossen habe, erhielt ich immer Absagen – egal wohin ich mich auch beworben habe.

    Es hieß offiziell, mann könne mich nicht bezahlen und das, obwohl ich eigentlich nur einen Job haben wollte.

    Zum Schluss blieb mir nur die Selbständigkeit als Ausweg übrig.

    Niemand kann mir oder meiner Familie mangelnde Integration vorwerfen.

    Wenn ich Hanz geheissen, blonde Haare und mich abends in der Kneipe zum besaufen getroffen hätte, wären meine Chancen sicherlich besser gewesen.

    Ich denke man will uns gar nicht so integriert wissen.
    Bist du besser als ein deutscher, hast du keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt; bist du schlechter als der durchschnitt, fehlt es dir an Integration!

    Mein Vater ist seit 1961 in Deutschland, selbst meine Schwester Bj.67 ( :-)) ist gebürtiger „Deutschländer“…
    Integriert ???

    Wenn es so weitergeht mit der Diskriminierung unser einer…. Ich könnte es mir ja noch einmal überlegen, ob ich meine drei Kinder nicht doch nationalbewusst und türkeiorientiert erziehen werde.

    Jedenfalls behüte ich meinen türkischen Pass wie mein Augapfel; mann weis ja nie…

  5. delice sagt:

    „Zu dem beschäftigen Sie mehrheitlich Deutsche in Ihren Unternehmen.“

    Ist nicht böse gemeint! Aber warum beschäftigen deine Eltern nicht mehr Menschen mit einem türkischen Hintergrund?

    Gerade deine Eltern könnten hier mehr dazu beitragen! Denn, wenn Unternehmer/innen mit dem gleichen Hintergrund, nicht mal dazu bereit sind, hier erst recht verstärkt mehr zu tun, dann ist das für unsere Situation hier in Deutschland – ganz schön traurig!

    Diese Fairnis, die man sich da so schön selbst auerlegt hat, ist bei deutschen Unternehmen eben nicht vorzufinden. Deshalb fällt die gesellschaftliche Verantwortung für türkische Unternehmer um so größer!

    Ich jedenfalls kann nur jedem dieser türkischen Unternehmen dazu aufmundern, und auch auffordern darüber einmal richtig nachzudenken! Denn anders ist diese Situation wirklich nicht mehr zu bewerkstelligen!

    Dazu auch mehr in der Zeit:

    „Verprellte Talente
    Von Arnfrid Schenk;martin Spiewak

    Die Wirtschaft klagt über den Fachkräftemangel. Dennoch wollen viele Einwandererkinder abwandern, weil sie nach ihrem Studium in Deutschland keinen Job finden […] »

    … Gleichgesinnte zusammen, Deutsche türkischer Abstammung, hoch qualifiziert … Umfrage unter 250 türkischstämmigen Akademikern aus, die in … Zahl der Studierenden mit türkischem Hintergrund bei ungefähr 24.000 … nicht nur die deutschtürkischen Akademiker, die es zu »

    Quelle: http://www.zeit.de/2008/50/C-Talente 08.12.2008

  6. Yüksel sagt:

    Endlich, darf ich mal eine Studie lesen wo man raus lesen kann, wie benachteiligt man als Türkisch – stämmiger Bürger dieses Staates ist.

    Jetzt mal als Beispiel:

    Ich bin 23 und hab seit meinem Schul-abgang 2002 nur zwei vorstellungsgespräche gehabt das eine war ein Praktikum zum Kfz mechaniker -.- und das andere war für eine Ausbildung zum Post-boten bei der DEUTSCHEN Post.
    Der Kfz betrieb hat mich nicht übernommen, ich hab fast ein halbes jahr Praktikum gemacht und die Frau vom Chef war Bürgermeister Kandidatin und wollte nach ihrer eigenen Kampagne mit der CDU, die ausländer aufräumen.
    Klingt heftig gar unrealistisch, aber es ist wahr.

    Bei der Deutschen Post war der Personal Chef sowas von dreist und klatschte mir die Frage ins gesicht:
    Dürfen sie überhaupt in Deutschland arbeiten?

    Ich bin in Deutschland geboren und bin Türkischer Staatsbürger.
    ich bin 23 und hab nicht eine einzige chance gehabt um eine Ausbildung zu beginnen.

    Ich bin weder Kriminell noch bin ich als “nicht integriert“ eingestuft.

    Ich hab meine Fachoberschulreife extra nachgeholt um bessere chancen zu bekommen aber das einzige was ich nach hause geschickt bekomme sind Absagen.

    Ich spiele auch mit dem gedanken wieder zurück zukehren, aber auch nur weil ich hier in der BRD keine Chance bekomme.

    Ich bedanke mich beim Magazin für diese tolle Studie.

  7. Ahmet sagt:

    WER will denn ehrlich die Integration der Türken. Das sind doch nur Lippenbekenntnisse und „political correctness“, wie in jedem Land der Welt.
    Kulturen, Religionen und Weltanschauungen stehen in ständigen Wettbewerb zueinander. Auch wenn ein gebürtiger Deutscher von Deutschen Eltern sich in der Türkei einbürgern lassen würde, einen türkischen Namen annehmen und zum Islam konvertieren würde, seine kulturellen und ethnischen Wurzeln wird er niemals verkennen können. Er würde immer in der türksich-moslemischen Gesellschaft äusserlich und verhaltensbedingt „auffallen“ und einer „GAVUR“ bleiben.

  8. elimu sagt:

    Ich hatte Gott sei dank keine Bewerbungsprobleme…
    Liegt aber auch daran, dass ich meine Ausbildung bei meiner Schwester im Betrieb abgeschlossen habe! 😛

    Wir arbeiten auch hauptsächlich mit türkischen Unternehmen zusammen.
    Da widerum muss ich auch loswerden, dass es nicht immer leicht ist unsere Landsleute zu erziehen, wenn sie ihre Steuern (rechtzeitig) abführen müssen 🙂

    Als Steuerfachangestellte hat man es echt schwer in Deutschland, wenn zu 95% der Mandanten türkisch-stämmig sind und sie die Beratung gern auf türkisch haben wollen:)

    Finanzamt und Einkommensteuererklärung kann man noch gut übersetzen (maliye; vergi dairesi/ Gelir beyaanamesi)

    Tja und was ist mit Körperschaftssteuererklärung / Gesonderte und einheitliche Feststellung?
    hehehehe… jetzt wirds aber auch für manchen Deutschen knifflig 😛
    Ich spiele aber auch mit dem Gedanken irgendwann auszuwandern. Das ist eine reizvolle Alternative zu Deutschland. Einfach ist es ganz bestimmt nicht, aber wo ist es das schon.

    Hat einer von euch denn Erfahrung damit? Ich meine Auswanderung in die Türkei?

  9. delice sagt:

    Da irrst du dich aber gewaltig!

    Unter dem Begriff Devschrime alleine kannst du feststellen, dass es eben so nie war und auch bis jetzt so nicht ist!
    Denn das Osmanische Reich wurde in Wirtschaft, Politik und Millitär von verschiedenen Minderheiten geführt und geleitet! Wir hatten kroatische, serbische und viel eandere Groß-Vezire, die gleich nach dem Sultan kamen. Aber auch die Sultane waren vom Blutbild extrem verwässert. Denn sie hatten jede andere Mutter, aber nie eine muslimische Mutter. Nur die Sultanin Hürrem, hier bekannt als die christliche Tatarentochter eines Priesters aus der heutigen Ukraine, hatte sich äußerlich zum Islam bekannt, ist konvertiert! Sie war aber auch die Einzige offizielle Frau eines Sultan´s, nämlich von „Sultan Suleyman (Salamon) dem Prächtigen“! Die Blaue Moschee wurde soweit ich weiß von Ihr gestiftet!

    Wenn Harem-Damen verstarben kam an ihrem Totenbett der jeweilige christliche Prister oder Pfarrer, oder auch ein Rabbiner, wenn sie bis dahin lebten. Denn bei zeiten wurden Sie auch mit verdienten Honorationen des Landes vermählt! Wobei diese meist selbst ehemaligen Christen waren, durch dasSystem des „Devschirme“ oder des „Enderun“!

    Noch heute wird die Türkei im Grunde von vielen noch immer einflussreichen Clan´s dominiert, die auch schon mal stolz ihre europäisch-christliche Verwurzelung voran stellen. Manche erkennt man auch daran, dass die Schwiegertöchter und – söhne aus ganz Europa kommen – „Zwangsverheiratung auf monäterer Basis, also“

    Selbst sich streng islamisch zeigender Persönlichkeiten, sind dies oberflächlich nur so, gräbt man etwas tiefer zeigt sich dann ein anderes Bild! Das alles interessiert in der Türkei aber wirklich nur den Wenigsten!

    Sie sollten nicht also etwas behaupten, was schlicht unwahr ist!

  10. delice sagt:

    Ich habe keine Erfahrung damit, aber eines gilt immer, man wird in Deutschland etwas vorsichtiger mit dem Begriff der Re-Emigration; und da schlage ich folgendes vor:

    – einen guten Job sichern, wegen guter Ausbildung zum Meister oder einem Hochschulabschluss, wenn möglich schon von hier aus, entweder mit Anbindung noch zu Deutschland oder ohne diese Bindung!
    – deutsche Staatsbürgerschaft unbedingt erweben, wegen der Chancengleichheit für das Reisen in die Welt, und zusätzlich sich die „Blaue Karte“ vom türkischen Konsulat sichern!
    – Geld für Überbrückungen mitnehmen!
    das war´s wohl schon mal für das Erste!

    oder
    eine gute Rente haben

    und/oder gute Renditen aus Vermietungen und Verpachtungen des eigenen Vermögens haben, mit dem nötigen Kleingeld natürlich!

    Aber ohne einen guen Job schmilzt das eigene Vermögen und das viele schöne Geld schneller dahin als man es sich das ausdenken kann!

    Alles andere wird sich schon richten lassen!


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