Es ist ein Vertrag, der Deutschland verändert hat wie kaum ein anderer: Vor 65 Jahren wurde das deutsch-türkische Anwerbeabkommen geschlossen. Was daraus entstehen würde, ahnte anfangs keiner. Von Christoph Driessen
Bundeskanzler Merz würdigt die Lebensleistung der früheren Arbeitsmigranten aus der Türkei als „Erfolgsgeschichte“. Neue Rentenzahlen zeigen jedoch erhebliche Unterschiede bei der Alterssicherung. Viele einstige Gastarbeiter sind von Altersarmut betroffen. Welche Rolle das deutsche Rentenrecht dabei spielt. Von Ekrem Şenol
Vor 65 Jahren begann die Anwerbung türkischer Arbeitskräfte. Die türkischen Gastarbeiter haben Deutschland bereichert, sagt der Kanzler. Doch die offene Gesellschaft könne auch überfordert werden. Bei der Feier zum Anwerbeabkommen treffen historische Anerkennung und gegenwärtige migrationspolitische Warnungen aufeinander. Von Corinna Buschow
Sie arbeiteten unter Tage, in Fabriken und an Förderbändern und schufen Wohlstand mit. Anerkennung erhielten viele lange kaum. 65 Jahre nach dem Anwerbeabkommen erinnert Nordrhein-Westfalen an ihre Lebensleistung – und an fortbestehende Ausgrenzung.
Rund jeder vierte Mensch in Bayern ist selbst eingewandert oder Kind zweier eingewanderter Eltern. Beschäftigung ist der häufigste Grund für Zuwanderung – weit vor Familienzusammenführung, Flucht und Vertreibung.
Vom Sohn türkischer Gastarbeiter über den ersten Bundestagsabgeordneten mit türkischen Wurzeln bis zum wahrscheinlichen Ministerpräsidenten: Cem Özdemirs Karriere erzählt von Aufstieg, Absturz und Comeback – und von einem politischen Weg, der in Deutschland noch immer die Ausnahme ist.
Rund 70 Jahre nachdem Italien und Deutschland das Abkommen über die Anwerbung und Vermittlung von italienischen Arbeitskräften geschlossen haben, erzählen in Rom die Kinder der sogenannten Gastarbeiter von ihren Erfahrungen. Von Almut Siefert
Am Weltfrauentag geht es oft um Quoten und Lohnlücken. Fast vergessen ist: Einen entscheidenden Kampf um gleiche Bezahlung in Deutschland führten migrantische Arbeiterinnen am Fließband – gegen ein System, das sie kleinhalten, billig entlohnen und unsichtbar machen wollte. Von Dr. Soraya Moket
Vor 70 Jahren wurde das Anwerbeabkommen mit Italien unterzeichnet. Heute leben weit mehr als eine halbe Million Menschen mit italienischen Wurzeln in Deutschland. Aber: Jeder Dritte ist erst in den vergangenen zehn Jahren eingewandert.
70 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen zieht Migrationsforscher Karl-Heinz Meier-Braun eine ernüchternde Bilanz: Deutschland wurde Einwanderungsland wider Willen – und wiederholt bis heute alte Fehler in Integrationspolitik und Migrationsdebatte. Warum es dennoch für ein „3+“ reicht.