
Rassismusvorwürfe in Hessen
CDU-Minister verspottet Migranten: „Warum Du so sprechen..?!“
Hessens Europaminister Pentz reagiert auf politische Kritik mit absichtlich gebrochenem Deutsch. Selbst als der Betroffene eine rassistische Anspielung vermutet, legt der CDU-Politiker nach. Nun kommt Kritik aus der eigenen Landesregierung. Studien zeigen, wie Vorurteile über Herkunft und Sprache zusammenhängen.
Sonntag, 08.11.2026, 13:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 08.11.2026, 13:20 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
„Warum Du so sprechen..?!“ – mit diesen Worten reagierte Hessens Europaminister Manfred Pentz (CDU) auf einen kritischen Instagram-Kommentar des Volt-Politikers Sahak Ibrahimkhil. Dieser fragte daraufhin, ob der Minister mit dem gebrochenen Deutsch auf seinen Namen und sein Aussehen anspiele. Pentz antwortete erneut in gebrochenem Deutsch: „Ich nix sprechen, ich schreiben.“ Die inzwischen gelöschten Kommentare sind durch Screenshots dokumentiert. Ibrahimkhil hatte seine Kritik zuvor in verständlichem Deutsch formuliert.
Ausgangspunkt war ein Instagram-Video, in dem Pentz die Ausschreitungen nach den Gen-Z-Protesten in Frankfurt am Main als „migrantische Gewalt“ bezeichnet hatte. Ibrahimkhil, der afghanische Wurzeln hat und sich bei Volt in Essen engagiert, warf der Union daraufhin in scharfen Worten ein „rassistisches und autoritäres Milieu“ vor. Deutschland müsse „entunionisiert“ werden, forderte er. Darauf reagierte der Minister am Mittwoch, 4. November, mit den sprachlichen Herabsetzungen.
Kritik aus der eigenen Landesregierung
Inzwischen hat sich Hessens stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) eingeschaltet. In einer Stellungnahme erinnerte er an eigene Rassismuserfahrungen. Mansoori, dessen Eltern aus dem Iran stammen, schrieb: „Solche Sätze vergisst man nicht.“
Er wisse deshalb, wie verletzend und herabwürdigend es sei, wenn ein Regierungsmitglied einem anderen Menschen in gebrochenem Deutsch begegne, nur weil ihm dies aufgrund dessen vermeintlicher Herkunft angemessen erscheine. Mansoori bezeichnete das Verhalten seines Kabinettskollegen als „inakzeptabel“. „So gehen wir in Hessen nicht miteinander um.“
Pentz hatte seine Kommentare bereits am Donnerstag gelöscht und sich öffentlich sowie persönlich bei Ibrahimkhil entschuldigt. „Es tut mir leid, ich habe mich im Ton vergriffen“, erklärte der CDU-Politiker. Ibrahimkhil nahm die Entschuldigung nicht an. Er sieht in den Äußerungen eine rassistische Herabwürdigung. In einem Interview mit dem Neues Deutschland erklärt Ibrahimkhil zudem, Pentz habe sich bislang nur für den Ton entschuldigt, „nicht für den Rassismus“.
Wie das Aussehen die Wahrnehmung von Sprache beeinflusst
Dass Menschen anderen allein aufgrund ihres vermeintlichen Aussehens schlechtere Deutschkenntnisse zuschreiben können, ist wissenschaftlich bereits untersucht. Für eine Studie an der Universität Freiburg sollten 172 Menschen deutschsprachige Tonaufnahmen anhören. Dazu wurden ihnen Fotos europäisch und asiatisch aussehender Personen gezeigt, denen die Stimmen zugeordnet wurden.
Das Ergebnis: Die Aussprache vermeintlich asiatischer Sprecher wurde insgesamt schlechter bewertet. Dabei waren die gehörten Aufnahmen identisch. Die Forscherin folgert daraus, dass Vorstellungen über die Herkunft eines Menschen die Beurteilung seiner Sprache beeinflussen können. Im Fall Pentz sprach Ibrahimkhil zwar nicht, aber sein Foto war auf seinem Instagram-Profil zu sehen.
Sprache als Mittel der Ausgrenzung
Welche gesellschaftliche Bedeutung solche Zuschreibungen haben, wurde in einer anderen Studie unter die Lupe genommen. Dafür wurden öffentliche Debatten über Kiezdeutsch untersucht, eine Sprachvariante aus mehrsprachig geprägten Stadtvierteln. Dabei zeigte sich, wie Vorstellungen von vermeintlich richtigem und falschem Deutsch mit gesellschaftlicher Zugehörigkeit verknüpft werden.
Dabei wurde Deutsch teilweise als Besitz einer bestimmten Bevölkerungsgruppe dargestellt – nur bestimmte Bevölkerungsgruppen seien rechtmäßige Sprecher des Deutschen. Menschen mit Migrationsgeschichte wurde die Anerkennung als selbstverständliche Sprecher des Deutschen abgesprochen.
Irritationen in der Staatskanzlei
Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hatte am Donnerstag über seine Staatskanzlei erklären lassen, Pentz‘ Äußerungen hätten zu „deutlichen Irritationen“ geführt. Der Minister habe die Kommentare richtigerweise gelöscht und sich entschuldigt, teilte sein Büro mit.
Für Volt ist die Debatte damit nicht beendet. Die Partei hält Pentz‘ Entschuldigung für unzureichend. „Wer einen Menschen öffentlich mit rassistischen Sprachklischees herabwürdigt, hat sich nicht einfach im Ton vergriffen“, kritisierte der Bundesvorstand. Die Partei fordert den Rücktritt des Ministers. „Rassismus ist kein Tonproblem“, heißt es in der Erklärung. Auch die Jusos Hessen-Süd und die Linke verlangen personelle Konsequenzen.
Auch Linke-Bundestagsabgeordneter, Niema Movassat, wirft Pentz Rassismus vor. Er habe mit einem Post „Ausländerdeutsch“ nachgeäfft. Das sei „kein Witz, sondern ein altes rassistisches Klischee.“ (mig) Aktuell Politik
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