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Schule verbietet Leher Tragen von Seenotretter-Shirt © shop.sea-watch.org

Gewerkschaft startet Kampagne

Schule verbietet Lehrer Sea-Watch-Shirt

Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Antifaschistische Seenotrettung“ sorgt an einer Bremer Schule für Streit. Die Schulaufsicht greift ein, die Schulleitung untersagt weitere Diskussionen im Kollegium. Jetzt reagieren Gewerkschaften und Sea-Watch mit einer gemeinsamen Kampagne.

Sonntag, 08.11.2026, 11:52 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 08.11.2026, 11:54 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Ein T-Shirt-Verbot an einer Bremer Schule hat eine gemeinsame Kampagne der Bildungsgewerkschaft GEW und der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch ausgelöst. Die GEW-Landesverbände Bremen und Hessen und Sea-Watch stellten am Freitag, 6. November 2026, die „Wochen der Seenotrettung“ vor. Sie wollen für zivile Rettungseinsätze im Mittelmeer werben und gegen Einschränkungen demokratischen Engagements an Schulen protestieren.

Ausgangspunkt ist ein Vorfall an der Paul-Goldschmidt-Schule in Bremen-Lesum. Der Lehrer Burkhard Gerdes trug dort ein Sea-Watch-T-Shirt mit der Aufschrift „Antifaschistische Seenotrettung“. Nach seinem Bericht beschwerte sich am 29. Mai eine schulfremde Person bei der Bildungsbehörde und bezeichnete das Kleidungsstück als Werbung für eine linksextremistische Vereinigung. Am 1. Juni wies der Schulleiter Gerdes an, das Shirt nicht mehr im Dienst zu tragen. Nach eigenen Angaben hatte Gerdes es zuvor sechs Jahre lang ohne Beanstandung getragen.

Am 17. Juni übergab die Schulleitung Gerdes ein Schreiben der Schulaufsicht. Darin wurde darum gebeten, darauf hinzuwirken, dass Beschäftigte im Schuldienst keine Kleidung mit politischen Botschaften tragen, die Kontroversen auslösen oder den Schulfrieden beeinträchtigen könnten.

Auch Diskussion im Kollegium untersagt

Der Konflikt erfasste auch das Kollegium. Zwei weitere Lehrkräfte trugen das Shirt aus Solidarität. Auf einer Gesamtkonferenz am 18. Juni verlas der Schulleiter das Schreiben der Schulaufsicht und untersagte nach Darstellung von Gerdes weitere Diskussionen über den Fall innerhalb der Schule. Die Schulleitung begründete dies mit Sorgen jüngerer Beschäftigter in der Probezeit, die sich unter Druck gesetzt gefühlt hätten. Die GEW forderte die Rücknahme des Diskussionsverbots.

Dabei hatte Bremens Bildungssenator Mark Rackles (SPD) Ende Juni in einem Newsletter ausdrücklich zur demokratischen Haltung aufgerufen: „Zeigen Sie bitte weiterhin Haltung im Sinne unserer pluralistischen Demokratie; diese verträgt keine Neutralität!“ Die Entscheidung im Fall Gerdes verteidigte er dennoch. Ein politischer Slogan auf einem T-Shirt sei keine offene Debatte, sondern könne Schülerinnen und Schüler einseitig beeinflussen. Rackles verwies zudem auf die mögliche Deutung, der Aufdruck setze die Migrationspolitik der EU mit Faschismus gleich, wie die „taz“ berichtete.

Gerdes widersprach dieser Auslegung. Mit dem Shirt mache er auf den Umgang der EU mit Geflüchteten und auf die zivile Seenotrettung aufmerksam. Darin sehe er keine unzulässige politische Beeinflussung. Auch die GEW verweist auf den Bildungsauftrag der Schulen, der laut Bremischem Schulgesetz die Vermittlung politischer Verantwortung und kritischer Solidarität umfasst.

Gewerkschaft kritisiert „Maulkorb“ für Lehrkräfte

„Das angebliche Neutralitätsgebot darf nicht zum Maulkorb für Lehrkräfte und andere Beschäftigte im Bildungswesen werden“, kritisierte Ramona Seeger, Landesvorstandssprecherin der GEW Bremen. Sie kündigte Widerstand gegen Einschränkungen demokratischen Engagements an: „Wenn einer Lehrkraft das Tragen eines Sea-Watch-Shirts verboten wird, tragen wir es eben alle.“

Der hessische GEW-Vorsitzende Thilo Hartmann betonte, Beschäftigte im Bildungsbereich müssten überparteilich, aber nicht wertneutral sein. Menschenrechte und Demokratie zu vermitteln, gehöre zu ihrem Auftrag. Sea-Watch-Sprecherin Julia Winkler kritisierte: „Wer ein T-Shirt für zivile Seenotrettung untersagt, erklärt Lebensrettung zum Streitfall.“

Sea-Watch: „So sieht die Normalisierung von rechts aus.“

Sea-Watch-Sprecherin Julia Winkler wurde noch deutlicher: „Wer ein T-Shirt für zivile Seenotrettung untersagt, erklärt Lebensrettung zum Streitfall. Was gestern Konsens war, gilt heute als Provokation: So sieht die Normalisierung von rechts aus.“

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden bis Mitte September 2026 mindestens 2.292 Menschen auf den Mittelmeer- und Atlantikrouten nach Europa, mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die Kampagne lädt Beschäftigte dazu ein, ein eigens gestaltetes Shirt mit der Aufschrift „Wir zeigen Haltung! Solidarisch. Nicht neutral.“ zu tragen und Fotos zu veröffentlichen. Begleitet wird die Aktion von Filmvorführungen, unter anderem am 11. November in Frankfurt-Höchst und am 6. Dezember in Bremen. (mig) Aktuell Panorama

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