
Sachsen-Monitor
Jeder Zweite möchte Sonderrechte für „echte Deutsche“
Fast jeder Zweite in Sachsen befürwortet Sonderrechte für Deutsche. Eine Mehrheit hält Deutschland für „überfremdet“ – nicht aber das eigene Wohnumfeld. Vorbehalte gegenüber Muslimen, Sinti und Roma sowie antisemitische Einstellungen sind weit verbreitet.
Mittwoch, 04.11.2026, 12:33 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.11.2026, 11:37 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Fast jeder zweite Befragte in Sachsen ist der Ansicht, dass Menschen, die schon immer hier leben, mehr Rechte haben sollten als später Zugezogene. 49 Prozent stimmen dieser Aussage im neuen Sachsen-Monitor vollständig oder eher zu. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als bei der Befragung 2023. 48 Prozent lehnen die Forderung ab. Insbesondere die uneingeschränkte Zustimmung hat zugenommen.
Die Ergebnisse stammen aus einer repräsentativen Befragung, die die Sächsische Staatskanzlei am Dienstag vorgestellt hat. Der Sachsen-Monitor untersucht regelmäßig die politischen und gesellschaftlichen Einstellungen im Freistaat.
Mehrheit sieht Deutschland als „überfremdet“
Weit verbreitet bleiben Vorbehalte gegenüber Menschen ausländischer Herkunft. 60 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, Deutschland sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß „überfremdet“. Bei der vorherigen Befragung 2023 lag die Zustimmung bei 64 Prozent.
Im Kontrast dazu fällt die Einschätzung des unmittelbaren Lebensumfeldes anders aus: Nur 24 Prozent betrachten ihre eigene Wohnumgebung als „überfremdet“. Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) widersprechen dieser Aussage.
Vorbehalte gegenüber Muslimen und Sinti und Roma
Auch gegenüber Muslimen zeigen sich verbreitete Vorbehalte. 51 Prozent stimmen der Aussage zu, sie fühlten sich durch die vielen Muslime manchmal wie Fremde im eigenen Land. Gegenüber 2023 ist die Zustimmung um vier Prozentpunkte gesunken. Ein knappes Drittel (32 Prozent) befürwortet sogar, Muslimen grundsätzlich die Zuwanderung nach Deutschland zu untersagen. Allerdings lehnt eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent diese Forderung ab.
Besonders ausgeprägt ist das Misstrauen bei einer erstmals gestellten Frage: 56 Prozent widersprechen der Aussage, dass die meisten in Deutschland lebenden Muslime die im Grundgesetz festgeschriebenen Werte akzeptieren. Nur 34 Prozent stimmen ihr zu.
Vorbehalte bestehen auch gegenüber Sinti und Roma. 47 Prozent der Befragten geben an, sie hätten Probleme damit, wenn Angehörige dieser Minderheit in ihrer Nachbarschaft leben würden. 48 Prozent widersprechen. Gegenüber 2023 hat sich das Meinungsbild hier nicht wesentlich verändert.
Antisemitische Einstellungen weiterhin verbreitet
Der Sachsen-Monitor dokumentiert zudem antisemitische Einstellungen. 29 Prozent stimmen der Behauptung zu, jüdische Menschen versuchten heute, Vorteile aus ihrer Verfolgung während der NS-Zeit zu ziehen. Die Zustimmung zu dieser Aussage ist gegenüber 2023 gestiegen.
22 Prozent halten den Einfluss jüdischer Menschen auch heute noch für zu groß. 19 Prozent stimmen der Aussage zu, jüdische Menschen hätten etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passten deshalb nicht richtig zur deutschen Gesellschaft.
Offen rassistische Überlegenheitsvorstellungen werden dagegen mehrheitlich zurückgewiesen. 82 Prozent widersprechen der Behauptung, Deutsche seien anderen Völkern von Natur aus überlegen. Zwölf Prozent stimmen ihr zu. Die Vorstellung, Weiße seien zu Recht weltweit führend, findet bei 18 Prozent Zustimmung.
Migration nicht mehr das größte Problem
Trotz der verbreiteten Vorbehalte hat das Thema Zuwanderung bei der Frage nach dem größten Problem Sachsens an Bedeutung verloren. Zwölf Prozent der Befragten nannten Migration und Zuwanderung als wichtigstes Problem. Bei der Erhebung 2023 waren es noch 25 Prozent. Häufiger als Migration wurden inzwischen die wirtschaftliche Entwicklung und die Situation am Arbeitsmarkt genannt, darunter die Sorge um Arbeitsplätze, Löhne und den Fachkräftemangel. Beide Themenbereiche erreichten jeweils 14 Prozent.
Für den Sachsen-Monitor 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei zwischen März und Juni insgesamt 2.031 deutschsprachige Erwachsene in Sachsen. Die Befragung ist für diese Bevölkerungsgruppe repräsentativ. (mig) Aktuell Gesellschaft
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