Freiheitsstatue, Liberty, USA, Amerika, New York
Die Freiheitsstatue © Trilok Rangan @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

America first

Freiheitsstatue wird vom Symbol für Einwanderung zum nationalen Kampfzeichen

Die Freiheitsstatue steht für Millionen Einwanderer für Hoffnung, Freiheit und ein besseres Leben. Historiker Philipp Gassert sieht dieses Willkommensversprechen heute im Streit um US-Einwanderungspolitik und MAGA-Nationalismus unter Druck.

Von Dienstag, 04.08.2026, 18:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 16.07.2026, 20:56 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Als Symbol für Freiheit und Demokratie ist die Freiheitsstatue in New York weltweit bekannt. Sie stehe im Guten wie im Schlechten für die Vereinigten Staaten von Amerika, sagte der Historiker Philipp Gassert von der Universität Mannheim im Gespräch mit dem „Evangelischen Pressedienst“. Für Millionen von Einwanderern verkörpere „Lady Liberty“ die Hoffnung auf ein besseres Leben und das Wunschbild, dass in den USA alle Menschen willkommen seien. Gassert erinnerte an die Inschrift im Sockel der Statue: „Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren.“

Als die jüdische Amerikanerin Emma Lazarus (1849-1877) im 19. Jahrhundert die Worte verfasst habe, habe sie jedoch nicht an eine imperiale Nation gedacht, die „grobschlächtig auf die Menschenrechte trampelt“, sagte Gassert. Vielmehr habe sie damit die Idee eines „Asyls der Menschheit“ feiern wollen, das die Müden und Verfolgten willkommen heiße. Sie habe ein offenes Land propagiert, das Sicherheit, Freiheit und Chancen für alle biete.

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Damals seien die USA ein Land mit sehr offenen Grenzen gewesen, erklärte der Autor des Buchs „Die bipolare Nation“ (dtv, 2026). Das habe sich nach dem Ersten Weltkrieg geändert. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Einwanderer in den USA schon immer sich selbst überlassen geblieben seien und schnell Arbeit suchen mussten.

„Superpatriotisches Bild“

Als „überragendes nationales Symbol“ werde Lady Liberty heute über Parteigrenzen hinweg von den US-Amerikanern geschätzt. Ihre Bedeutung habe sie auch deswegen erlangt, weil jeder hineinlesen könne, was er oder sie möchte, ist Gassert überzeugt. Die Freiheitsstatue ertrage es stoisch, dass sich „Kulturkrieger aller Seiten ihrer Symbolkraft bedienen“, sagte er. So werde sie beispielsweise von Trumps MAGA-Nationalisten in kämpferischer Abwehr und Umdeutung der ursprünglichen Idee verwendet: als „superpatriotisches Bild“ einer Nation, für die gelte „America first“.

Eine Rückgabe der Freiheitsstatue, die vor 140 Jahren ein Geschenk Frankreichs gewesen war, forderte im vergangenen Jahr der französische Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann öffentlichkeitswirksam – wegen der strikten US-Einwanderungspolitik. Dabei habe der Politiker allerdings vergessen, dass Frankreich mit diesem Geschenk das gemeinsame Erbe und die Freundschaft beider Länder betonen wollte, gibt Historiker Gassert zu bedenken. Mit der Statue sollte nicht nur auf die Überwindung der Sklaverei, sondern auch auf die damalige Unfreiheit in Frankreich aufmerksam gemacht werden. (epd/mig) Aktuell Ausland

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