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Muslima in der Straßenbahn (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Claim-Report für Berlin

Bahnen, Schulen, Praxen: Täglich drei rassitische Vorfälle gegen Muslime

Claim hat in Berlin 975 antimuslimische Vorfälle dokumentiert, mehr als 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Betroffene erleben Angriffe und Diskriminierung im Alltag. Die Organisation sieht die Politik in der Verantwortung.

Montag, 08.06.2026, 14:04 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 08.06.2026, 14:04 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

975 Vorfälle, die sich gegen Muslime oder muslimische Institutionen in Berlin richteten, sind von einer Dokumentationsstelle im vergangenen Jahr gezählt worden. Damit ereigneten sich durchschnittlich drei Vorfälle pro Tag, sagte die Co-Geschäftsführerin von Claim, Rima Hanano, am Montag. Im Vergleich zum Vorjahr (644 Fälle) entspreche dies einem Anstieg von mehr als 50 Prozent. Die Zahlen haben demnach einen neuen Höchststand erreicht.

Die meisten Übergriffe seien verbale Angriffe gewesen (399). Alarmierend sei der Anstieg an Körperverletzungen auf 65 Fälle, darunter acht gefährliche, sagte Hanano. Im Jahr 2024 habe die Zahl der Körperverletzungen noch bei 48 gelegen. Außerdem sei es zu 273 Diskriminierungen gekommen. Zudem seien vier Angriffe auf Moscheen dokumentiert worden. Im Vorjahr hatte es keine Moschee-Angriffe gegeben.

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Politik gefordert

Die Übergriffe spielten sich meist im Alltag ab: auf der Straße, in Bussen und Bahnen, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, beim Arztbesuch oder in der Schule. Viele Muslime würden laut Studien fast täglich Rassismus erleben, sagte eine Sprecherin von Claim. Zugleich würden diese negativen Erfahrungen in der Gesellschaft oft geleugnet und relativiert und Muslime immer wieder als Integrationsproblem und Sicherheitsrisiko behandelt. Hier sei vor allem die Politik gefordert.

Oft seien die Opfer Frauen (58 Prozent der Vorfälle), weil sie zum Teil an Kopftüchern erkennbar seien, aber auch, weil sie sich weniger wehren könnten. Betroffen sind nach der Statistik aber auch Männer (41 Prozent) und Kinder.

Übergriffe auf der Straße, in Bussen und Bahnen, am Arbeitsplatz

Den Angaben zufolge werden Diskriminierungen und Übergriffe oberhalb und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze erfasst. Dabei sei die Betroffenenperspektive zentral. Die Zahlen speisten sich demnach unter anderem aus elf Melde- und Beratungsstellen, den Fallzahlen zu politisch motivierter Kriminalität und Pressemeldungen der Polizei.

Die Organisation wies darauf hin, dass etwa zehn Prozent der Berliner Muslime seien, die Berlin und Deutschland am Laufen hielten: Pfleger, Ärzte, Reinigungskräfte, Lehrer, Verkäufer, Restaurantbesitzer, Kellner und viele mehr. Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) erklärte, die dokumentierten Vorfälle schockierten sie sehr.

Beispiele für Übergriffe gegen muslimische Menschen

In der Jahresbilanz wurden auch konkrete Beispiele für Übergriffe genannt: So wurde im April 2025 in Prenzlauer Berg eine Gruppe von fünf Frauen auf dem Weg zu einem Einkaufszentrum von einem Mann beim Einsteigen in eine Straßenbahn behindert, angespuckt und beschimpft und wegen ihrer Kopftücher beleidigt.

Im Juni beleidigte ein Mann auf einem Spielplatz in Charlottenburg zwei Mädchen mit Kopftüchern sowie jüngere Kinder in ihrer Begleitung. In einer Bahn bedrohte und beschimpfte ein Mann im Oktober mehrere Menschen rassistisch und äußerte antimuslimische, antipalästinensische und islamfeindliche Parolen.

Bundesweites Lagebild antimuslimischer Übergriffe am 23. Juni

Das bundesweite Lagebild antimuslimischer Übergriffe und Diskriminierungen für 2025 soll am 23. Juni vorgestellt werden. Inzwischen gibt es in Berlin eine ganze Reihe von Initiativen, die etwa rassistische, antisemitische, homophobe, rechtsextreme und inzwischen auch antimuslimische Vorfälle registrieren. Die meisten werden vom Bund oder dem Land mitfinanziert.

Claim ist laut eigenen Angaben eine bundesweit tätige Organisation, die antimuslimischen Rassismus sichtbar machen will. (epd/dpa/mig) Aktuell Panorama

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