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Weiterer Rechtsruck

Erster AfD-Bürgermeister Brandenburgs gewählt

René Stadtkewitz hat in Zehdenick mit 58,4 Prozent die Bürgermeisterwahl gewonnen. Er wird Brandenburgs erster direkt gewählter hauptamtlicher AfD-Bürgermeister. In Sachsen hoffen weitere rechte Kandidaten auf Rathäuser. AfD-Politiker sprechen von einem „Vorgeschmack“.

Montag, 11.05.2026, 12:59 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 11.05.2026, 12:59 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Es war wieder ein Sonntag, an dem die Republik auf kommunaler Ebene ein Stück weiter nach rechts gerückt ist. In Zehdenick nördlich von Berlin hat AfD-Kandidat René Stadtkewitz die Bürgermeisterwahl deutlich gewonnen. In Sachsen stehen zudem zwei weitere Entscheidungen noch aus, bei denen rechte Kandidaten gute Ausgangspositionen haben: in Görlitz ein AfD-Politiker, in Aue-Bad Schlema ein Bewerber der rechtsextremen Kleinpartei „Freie Sachsen“.

 

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Stadtkewitz setzte sich bei der Neuwahl in Zehdenick im Kreis Oberhavel mit 58,4 Prozent der Stimmen durch. Damit wird er der erste direkt gewählte hauptamtliche AfD-Bürgermeister in Brandenburg. Seine Mitbewerber blieben deutlich zurück: FDP-Kandidat Stephan von Hundelshausen kam auf 28,6 Prozent, der parteilose Einzelbewerber Wolf-Gernot Richardt auf 7,8 Prozent und Dennis Latzke von der Partei des Fortschritts auf 5,2 Prozent.

In Brandenburg gab es zwar bereits zuvor einen hauptamtlichen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch: Arne Raue in Jüterbog. Er war allerdings 2011 und 2019 als parteiloser Einzelbewerber gewählt worden und trat erst 2024 in die AfD ein. Im Jahr 2025 wechselte er in den Bundestag. Der Fall Zehdenick ist deshalb politisch anders gelagert: Stadtkewitz trat als AfD-Kandidat an und gewann direkt.

Neuer AfD-Bürgermeister war CDU-Abgeordneter

Der neue Bürgermeister ist kein politischer Neuling. Stadtkewitz war früher CDU-Abgeordneter in Berlin. 2010 brach er mit den Christdemokraten und gründete die Partei „Die Freiheit“, deren Bundesvorsitzender er bis 2013 war. Seit 2024 ist er Mitglied der AfD.

Die Neuwahl in Zehdenick war nötig geworden, nachdem der bisherige Bürgermeister Alexander Kretzschmar abgewählt worden war. Der parteilose Einzelkandidat hatte sich elf Tage nach seiner Amtseinführung im vergangenen Jahr krankgemeldet. Dabei blieb es dauerhaft. Die Amtsgeschäfte führte seitdem der stellvertretende Bürgermeister Marco Kalmutzke.

AfD wertet Wahlsieg als Signal

Die AfD wertete den Sieg als Signal über Zehdenick hinaus. Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende René Springer sprach laut Mitteilung von einem „unmissverständlichen Signal“. Seine Partei sei „längst keine Protesterscheinung mehr, sondern eine politische Kraft mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung“. Das Ergebnis in Zehdenick sei ein c auf weitere Bürgermeister und Landräte der AfD.

Die FDP sprach dagegen von einem „Achtungserfolg“ ihres Kandidaten. Stephan von Hundelshausen sei ein „Angebot aus der Mitte der Gesellschaft“ gewesen, erklärte der Landesvorsitzende Zyon Braun. Der Wahlsieg der AfD trübe jedoch die Stimmung. „Nun hat der Protest gesiegt, und es bleibt offen, wohin sich Zehdenick entwickeln wird“, sagte Braun laut Mitteilung. Der Wahlkampf sei hart und in sozialen Medien auch „unterhalb der Gürtellinie“ verlaufen.

Wahlen auch in Sachsen

Während Zehdenick bereits entschieden hat, stehen in Sachsen weitere kommunale Richtungsentscheidungen bevor. In Görlitz verpasste CDU-Amtsinhaber Octavian Ursu mit 49,1 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit nur knapp. Der AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel kam auf 44,3 Prozent. Abgeschlagen dahinter lagen Sabine Christian von der Linken mit 3,4 Prozent und der parteilose Bewerber Hagen Jeschke mit 3,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent. Für die rund 44.500 Wahlberechtigten folgt am 31. Mai ein zweiter Wahlgang. Dann gewinnt, wer die meisten Stimmen erhält.

Auch in Aue-Bad Schlema im Erzgebirge ist die Entscheidung vertagt. Dort erreichte keiner der fünf Bewerber die nötige Mehrheit. Vorn lag Stefan Hartung von der rechtsextremen Kleinpartei „Freie Sachsen“ mit 29,0 Prozent. Dahinter folgten Marcus Hoffmann von der CDU mit 23,6 Prozent und Danny Weber von der Freien Wählervereinigung mit 22,5 Prozent. Lars Bochmann kam auf 18,5 Prozent, Tony Neuß von der Linken landete auf dem letzten Platz. Die Wahlbeteiligung in der rund 19.000 Einwohner zählenden Stadt lag bei 60,8 Prozent. Der zweite Wahlgang ist für den 7. Juni geplant.

Rechte Kandidaten drängen in Rathäuser

Der Kommunalwahlsonntag zeigte insgesamt kein einheitliches Bild. In drei sächsischen Städten konnten Amtsinhaber ihre Positionen klar verteidigen. In Döbeln gewann CDU-Oberbürgermeister Sven Liebhauser mit 56,4 Prozent. In Dippoldiswalde setzte sich die unabhängige Oberbürgermeisterin Kerstin Körner mit 77,4 Prozent durch. In Werdau bleibt Sören Kristensen von der Unabhängigen Liste mit 71,9 Prozent Rathauschef.

Doch der politische Einschnitt bleibt: Rechte Kandidaten und Parteien treten nicht mehr nur in Parlamenten oder Umfragen stark auf. Sie drängen in Rathäuser, Verwaltungen und lokale Entscheidungszentren. In Zehdenick ist dieser Schritt vollzogen. In Görlitz und Aue-Bad Schlema entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob weitere Städte folgen. Aktuell Politik

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