
Demografie
Sachsen-Anhalt: Ausländer stabilisieren Arbeitsmarkt
Mehr als 75.000 Menschen aus dem Ausland arbeiten inzwischen in Sachsen-Anhalt. Sie stützen Arbeitsmarkt, Sozialkassen und Pflege – während viele das gesellschaftliche Klima zugleich als wenig offen erleben.
Montag, 13.04.2026, 12:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 13.04.2026, 12:30 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Immer mehr Männer und Frauen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union arbeiten in Sachsen-Anhalt und gleichen so die Folgen des demografischen Wandels aus. „Besonders Menschen aus Drittstaaten tragen zum Beschäftigungswachstum bei, stabilisieren Sozialversicherungen und unterstützen zentrale Bereiche wie den Gesundheitssektor“, erklärte die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur in Sachsen-Anhalt. Während hierzulande immer mehr ausländischer Arbeits- und Fachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, sinke die Zahl der deutschen Beschäftigten schon seit 2017.
In Sachsen-Anhalt leben deutlich mehr alte als junge Menschen. Das führt unter anderem dazu, dass seit einigen Jahren mehr ältere Arbeitnehmende aus ihren Jobs ausscheiden, als jüngere eintreten. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten ist in den vergangenen zehn Jahren den Angaben nach hingegen deutlich gestiegen. Während es 2016 noch insgesamt rund 20.000 Menschen waren, wurden 2025 mehr als 75.000 ausländische Beschäftigte in Sachsen-Anhalt gezählt.
Ausländische Arbeits- und Fachkräfte sorgen für Einnahmen
Viele von ihnen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Da sich die demografische Entwicklung noch verstärken wird, würden ohne die Beschäftigung von qualifizierten ausländischen Arbeits- und Fachkräften perspektivisch Einnahmen in Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie Steuereinnahmen fehlen“, hieß es.
Unter anderem im Gesundheitsbereich arbeiten in Sachsen-Anhalt viele Menschen aus dem Ausland. Den Angaben der Bundesarbeitsagentur nach waren dort Mitte 2025 insgesamt 6.383 Ausländerinnen und Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, über 83 Prozent stammen demnach aus Drittstaaten. „Gerade im Gesundheitssektor ist die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus dem In- und Ausland ein zentraler Baustein, um die medizinische und pflegerische Versorgung langfristig zu sichern“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, Markus Behrens.
Beauftragte: Potenzial ausländischer Arbeitnehmer nutzen
Sachsen-Anhalts Migrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) ermuntert Betriebe, ausländische Arbeitskräfte zu integrieren. „Es gibt viele kleine Handwerksbetriebe, die es gar nicht erst probieren und sich lieber auf einen Schrumpfprozess einstellen, als das Potenzial ausländischer Arbeitnehmer zu nutzen“, sagte Möbbeck der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ). Größere Unternehmen erklärten, dass sie bereits ausländische Arbeitnehmer integrierten und dies auch weiter tun wollen. Die Zahl dieser Betriebe sei aber noch zu niedrig.
„Da, wo Menschen persönliche Kontakte miteinander haben, ändert sich auch etwas in der Wahrnehmung. Dort nehmen auch rassistische Stereotype ab“, sagte Möbbeck der Zeitung. Derzeit würden viele Migranten das Klima in Sachsen-Anhalt „nicht als offen oder sogar feindselig“ wahrnehmen. „Wir müssen vom Transit- zum Bleibeland werden.“ (dpa/mig) Aktuell Wirtschaft
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